Stadt in Belgien · Hennegau

Mons: Grand-Place & Doudou

Mons ist die Hauptstadt des Hennegaus und kommt sofort zur Sache: ein ansteigender Marktplatz, darüber der einzige barocke Belfried Belgiens, daneben eine gotische Stiftskirche, in der ein goldener Wagen auf seinen einen Tag im Jahr wartet. Auf Niederländisch heißt die Stadt Bergen, und das bedeutet dasselbe wie Mons.

Zwei Dinge stehen hier auf UNESCO-Listen: der Turm und das Stadtfest mit dem Kampf zwischen Sankt Georg und dem Drachen. Vor den Toren liegen die Bergwerkssiedlung Grand-Hornu und die jungsteinzeitlichen Feuersteingruben von Spiennes. Für die Stadt reicht ein Tag, mit der Umgebung werden zwei daraus.

Mons: Grand-Place & Doudou
Foto: Jean-Pol GRANDMONT, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionHennegau, Hauptstadt der Provinz
  • Lokaler NameMons, niederländisch Bergen
  • UNESCOBelfried, Ducasse mit Drachenkampf, Feuersteingruben von Spiennes
  • Empfohlene Dauer1 Tag, mit Umgebung 2 Tage
  • AnreiseZug aus Brüssel in knapp einer Stunde
  • Beste ReisezeitMai bis September

Der barocke Belfried

Der Turm steht auf dem höchsten Punkt der Stadt, dort wo einmal die Burg stand, und ist mit rund 87 Metern von überall zu sehen. Er ist der einzige barocke Belfried des Landes, gebaut im 17. Jahrhundert, mit geschwungenen Hauben und Zwiebeltürmchen statt gotischer Strenge. Der Vergleich mit einer Kaffeekanne hält sich seit dem 19. Jahrhundert hartnäckig, und wenn du einmal darauf geachtet hast, wirst du ihn nicht mehr los.

Wie die anderen belgischen Belfriede gehört er zum Welterbe, weil solche Türme der Bürgerschaft gehörten und nicht der Kirche. Der Aufstieg lohnt sich, oben hängt ein großes Glockenspiel. Der Weg vom Grand-Place hinauf ist kurz, aber steil, und das gilt für ganz Mons: Die Stadt liegt auf einem Hügel, du gehst ständig bergauf oder bergab.

Grand-Place und der Affe am Rathaus

Der Grand-Place ist geschlossen bebaut und leicht geneigt, an der oberen Seite steht das gotische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Links neben dem Eingang sitzt eine kleine eiserne Affenfigur an der Wand. Wer ihr mit der linken Hand über den Kopf streicht, soll Glück haben, und deshalb ist genau dieser Kopf blank poliert, während der Rest dunkel bleibt. Woher der Affe stammt, weiß niemand genau.

Hinter dem Rathaus liegt ein ruhiger Innenhof mit Bänken, rund um den Platz sitzen Cafés, in denen vor allem Einheimische sitzen. Mons ist Universitätsstadt und Sitz eines großen internationalen Militärhauptquartiers. Das merkst du abends an den Sprachen an den Nebentischen und daran, dass die Stadt für ihre Größe erstaunlich international wirkt.

Die Ducasse: Doudou, goldener Wagen und Drache

Einmal im Jahr steht die ganze Stadt still. Am Dreifaltigkeitssonntag, also am Sonntag nach Pfingsten, zieht ein goldener Wagen mit dem Reliquienschrein der heiligen Waltraud durch Mons. Der Termin hängt am Osterdatum und verschiebt sich jedes Jahr, feste Kalendertage gibt es nicht. Am Ende muss der schwere Wagen die steile Rampe zur Stiftskirche in einem Zug hinaufkommen. Schafft er es nicht, gilt das als schlechtes Zeichen für die Stadt, und diesen Moment nehmen die Leute sehr ernst.

Mittags folgt auf dem Grand-Place der Lumeçon: Sankt Georg kämpft zu Pferd gegen einen Drachen, während die Menge im Ring steht und versucht, Haare aus dem Schwanz des Drachen zu erwischen. Das dauert eine gute halbe Stunde und ist laut, eng und schweißtreibend. Zusammen heißt das Fest Ducasse oder Doudou und gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Andere große Feste des Landes stehen unter Feste in Belgien.

Achtung: Wenn du zum Doudou kommst, buch die Unterkunft lange vorher und sei früh da. Der Ring auf dem Grand-Place ist zur Mittagszeit voll, kleine Kinder sehen dort nichts und werden gedrückt. Wer den Kampf entspannt erleben will, sucht sich einen Platz an der Prozessionsstrecke statt mitten im Gedränge.

Sainte-Waudru und die Museen

Die Stiftskirche Sainte-Waudru ist brabantische Gotik in Reinform: hoch, hell und ohne Turm, denn der geplante wurde nie gebaut. Innen stehen Alabasterfiguren von Jacques Du Broeucq aus dem 16. Jahrhundert, und den größten Teil des Jahres steht hier auch der goldene Wagen der Ducasse.

Bei den Museen lohnt vor allem das Haus zur Kriegsgeschichte der Stadt. Bei Mons stieß die britische Armee im August 1914 zum ersten Mal auf deutsche Truppen, und im November 1918 endete der Krieg für die Stadt mit dem Einmarsch kanadischer Verbände fast auf den Tag genau an derselben Stelle. Dazu kommt ein Haus für zeitgenössische Kunst, ein Erbe des Kulturhauptstadtjahres 2015.

Van Gogh in der Borinage

Westlich der Stadt beginnt die Borinage, das alte Kohlerevier. Vincent van Gogh kam 1878 als Laienprediger hierher, lebte zwischen Bergleuten in großer Armut und beschloss in diesen zwei Jahren, Maler zu werden. Das schlichte Haus in Cuesmes, in dem er wohnte, kannst du besichtigen, und es erzählt genau diesen Übergang.

Es ist kein Museum mit berühmten Bildern, sondern ein Ort mit Briefen, Zeichnungen und der Landschaft davor. Wer mit Gemälden rechnet, geht enttäuscht wieder. Wer wissen will, wo dieser Maler angefangen hat, findet kaum einen besseren Ort in Europa.

Grand-Hornu und Spiennes

Grand-Hornu ist eine Bergwerkssiedlung aus den 1820er-Jahren: klassizistische Werkstätten um einen ovalen Hof, dazu Arbeiterhäuser mit Garten, geplant als komplette Stadt für die Zeche. Heute stecken darin ein Museum für zeitgenössische Kunst und ein Zentrum für Design, und der Kontrast zwischen Backsteinbögen und weißen Ausstellungsräumen ist der halbe Reiz. Die Anlage gehört mit drei weiteren wallonischen Zechen zum Welterbe.

Ein paar Kilometer südlich liegt Spiennes. Dort wurde vor rund sechstausend Jahren Feuerstein abgebaut, in Schächten, die durch die Kreide in die Tiefe führen. Es ist eines der größten jungsteinzeitlichen Bergwerke Europas und ebenfalls Welterbe. Hinunter kommst du nur mit Führung und nach Anmeldung, und du steigst über eine Leiter in den Schacht. Alle belgischen Welterbestätten stehen unter UNESCO-Welterbe in Belgien.

Praktisch: Anreise, Zeit und Wetter

Aus Brüssel bist du mit dem Zug in knapp einer Stunde da, aus Charleroi in gut einer halben. Vom Bahnhof sind es rund zehn Minuten zu Fuß bergauf ins Zentrum. Mit dem Auto stellst du am besten am Rand ab, denn die Altstadt ist eng und in Teilen gesperrt. Eine Umweltzone gibt es in der Wallonie nicht, wohl aber in Brüssel, Antwerpen und Gent, wo ausländische Kennzeichen vorab registriert werden müssen.

Das Wetter ist mild und wechselhaft: gut 23 Grad im Juli und August, gut sechs Grad im Januar, Regen an zehn bis fünfzehn Tagen im Monat, am wenigsten im April. Für die Stadt reicht ein Tag. Willst du Grand-Hornu und Spiennes dazunehmen, plane einen zweiten Tag ein und nimm das Auto.

Rund um Mons

Nach Osten liegt Binche mit vollständiger Stadtmauer und dem berühmtesten Karneval des Landes, nach Westen Tournai mit Kathedrale und Belfried. Beide erreichst du in gut einer halben Stunde. Was die Provinz sonst zu bieten hat, steht auf der Seite zum Hennegau.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Mons22°Cleichter Regen
  • Wärmster MonatAugust, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 1 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe56 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

6°1°J
9°2°F
11°4°M
14°5°A
18°9°M
22°13°J
23°14°J
24°15°A
20°12°S
16°9°O
10°5°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

82mm15 TageJ
72mm12 TageF
75mm13 TageM
48mm11 TageA
69mm13 TageM
77mm10 TageJ
62mm10 TageJ
64mm12 TageA
68mm11 TageS
75mm13 TageO
71mm14 TageN
83mm15 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)218 km0 Std. 50 Min.
Köln/Bonn (CGN)229 km0 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)331 km1 Std. 0 Min.
Stuttgart (STR)428 km1 Std. 5 Min.
Hamburg (HAM)543 km1 Std. 15 Min.
München (MUC)613 km1 Std. 20 Min.
Berlin (BER)695 km1 Std. 25 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Häufige Fragen

Wann findet der Doudou in Mons statt?

Am Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten. Weil Pfingsten am Osterdatum hängt, verschiebt sich das Fest jedes Jahr, meist liegt es im Mai oder Juni. Der goldene Wagen zieht am Vormittag durch die Stadt, mittags folgt der Drachenkampf auf dem Grand-Place. Wer kommen will, sollte die Unterkunft lange im Voraus buchen.

Lohnt sich Mons für einen Tagesausflug?

Ja. Belfried, Grand-Place mit dem Rathaus und die Stiftskirche Sainte-Waudru liegen dicht beieinander, dazu kommen ein bis zwei Museen. Das füllt einen Tag gut aus. Wer Grand-Hornu oder die Feuersteingruben von Spiennes sehen will, braucht einen zweiten Tag und am besten ein Auto, weil beide außerhalb liegen.

Warum ist der Belfried von Mons besonders?

Weil er der einzige barocke Belfried Belgiens ist. Alle anderen sind gotisch, dieser stammt aus dem 17. Jahrhundert und hat geschwungene Hauben statt gerader Kanten. Mit rund 87 Metern steht er auf dem höchsten Punkt der Stadt. Gemeinsam mit den übrigen Belfrieden in Belgien und Frankreich gehört er zum UNESCO-Welterbe.

Was hat Van Gogh mit Mons zu tun?

Er lebte von 1878 bis 1880 als Laienprediger in der Borinage westlich der Stadt, mitten unter Bergleuten und in großer Armut. In dieser Zeit entschied er sich, Maler zu werden. Das Haus in Cuesmes, in dem er wohnte, kannst du besichtigen. Gemälde hängen dort keine, es geht um den Ort und um den Anfang.

Heißt Mons auf Niederländisch Bergen?

Ja, und beide Namen bedeuten dasselbe. Mons liegt in der Wallonie, amtlich und auf allen Schildern vor Ort heißt die Stadt Mons. In Flandern und in den Niederlanden findest du dagegen Bergen auf Karten und Wegweisern. Weil es auch in den Niederlanden Orte dieses Namens gibt, hilft im Zweifel die Postleitzahl.