Region in Belgien

Westflandern: Städte & Highlights

Westflandern ist die einzige belgische Provinz mit Küste, und sie packt drei Reisen in ein Gebiet: gut 67 Kilometer Nordseestrand von De Panne bis Knokke, Brügge als schönste Altstadt des Landes und den Westhoek, wo von 1914 bis 1918 die Front verlief.

Dazu kommen die Polder hinter den Dünen, der Hopfen um Poperinge und die Leiestreek im Süden mit Kortrijk. Alles liegt nah beieinander, alles ist flach, und an der Küste kommst du mit der längsten Straßenbahnlinie der Welt von Ort zu Ort, ohne einmal ins Auto zu steigen.

Westflandern: Städte & Highlights
Foto: Tim Adams, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvinz in Flandern, an der Nordsee
  • HauptstadtBrügge, niederländisch Brugge
  • Küstegut 67 Kilometer, durchgehend mit der Kusttram erschlossen
  • SpracheNiederländisch, auf Schildern ausschließlich
  • UNESCOAltstadt von Brügge, Beginenhöfe, Belfriede
  • Empfohlene Dauer4 bis 6 Tage für Küste, Brügge und Westhoek

Warum Westflandern?

Weil in dieser einen Provinz drei völlig verschiedene Reisen stecken. Im Norden liegt die einzige Küste, die Belgien hat: gut 67 Kilometer Sand, Dünen und Badeorte, die von einer einzigen Straßenbahnlinie zusammengehalten werden. In der Mitte steht Brügge, die schönste Altstadt des Landes. Und im Südwesten beginnt der Westhoek, wo die Front des Ersten Weltkriegs vier Jahre lang stand.

Westflandern ist flach, windig und dünner besiedelt als der Rest Flanderns. Hinter den Dünen liegen Polder, dazwischen Höfe, Kanäle und Backsteinkirchen. Provinzhauptstadt und größte Stadt ist Brügge, dahinter folgen Kortrijk im Süden und Ostende an der Küste, beide mit eigenem Charakter und eigenem Publikum.

Die Küste: 67 Kilometer am Stück

Die belgische Nordseeküste ist durchgehend bebaut, und sie hängt an der Kusttram, der längsten Straßenbahnlinie der Welt. Sie fährt von De Panne an der französischen Grenze bis Knokke-Heist an der niederländischen und hält in jedem Ort. Damit brauchst du an der Küste kein Auto, und du kannst morgens am breitesten Strand liegen und abends im teuersten Ort essen.

Ostende ist die größte Stadt an der Küste, hat einen Bahnhof mit direkten Zügen aus Brüssel, Museen von Rang und einen Hafen, der noch arbeitet. Blankenberge ist der klassische Familienbadeort mit Seebrücke, De Haan der ruhigste mit Villen aus der Belle Époque statt Hochhäusern, Nieuwpoort der mit dem größten Yachthafen und den Schleusen, mit denen 1914 die Ebene geflutet wurde. De Panne hat den breitesten Strand und die größten Dünen, Knokke-Heist die höchsten Preise und mit dem Zwin ein Naturreservat an der Grenze.

Ort Passt zu Besonderheit
Ostende Stadt und Strand zugleich Museen, Hafen, Bahnknoten
De Haan Ruhe, Familien Villenviertel ohne Hochhäuser
Blankenberge Klassischer Badeurlaub Seebrücke, breite Promenade
Knokke-Heist Gehobenes Publikum Zwin, Galerien, hohe Preise
De Panne Dünen und Wind Breitester Strand, Strandsegeln
Nieuwpoort Segler, Geschichte Yachthafen, Schleusenkomplex

Brügge und das Land dahinter

Brügge ist der Grund, warum die meisten überhaupt nach Westflandern kommen: Grachten, Giebel, Belfried, flämische Malerei, alles auf engem Raum und seit dem Jahr 2000 als Altstadt auf der UNESCO-Liste. Rechne mit ein bis zwei Tagen und komm früh, denn ab zehn Uhr füllen sich die Gassen mit Tagesgästen.

Direkt vor der Tür liegt Damme, der ehemalige Vorhafen, den ein kerzengerader Kanal mit der Stadt verbindet. Auf dem Deich fährst du in gut einer halben Stunde mit dem Rad hin, vorbei an Pappeln und Wasser, und findest ein Dorf mit gotischem Rathaus und Buchläden. Wer noch weiter will, kommt über den Kanal bis an die niederländische Grenze.

Der Westhoek und das Kriegserbe

Im Südwesten der Provinz liegt der Westhoek, der stillste Teil Flanderns. Hier verlief von 1914 bis 1918 die Front, und die Landschaft trägt das bis heute. Ypern, auf den Schildern Ieper, wurde nach dem Krieg Stein für Stein wieder aufgebaut. Unter der Menenpoort wird jeden Abend um 20 Uhr der Last Post gespielt, seit fast hundert Jahren. Im Umkreis von wenigen Kilometern liegen über hundert Kriegsgräberstätten, darunter Tyne Cot und der deutsche Friedhof Langemark.

Ein paar Kilometer weiter liegt Poperinge, wo die britischen Truppen ihre Ruhezeit verbrachten und wo bis heute Hopfen wächst. Nördlich davon steht in Diksmuide der IJzertoren über der Yser. Und Veurne hat einen Marktplatz aus Renaissancegiebeln, der wirkt, als hätte ihn jemand aus einer größeren Stadt hierher versetzt. Den Zusammenhang erklärt die Themenseite zum Ersten Weltkrieg in Flandern.

Achtung: Auf den Feldern des Westhoek kommt bis heute Munition an die Oberfläche, die sogenannte eiserne Ernte. Fass nichts an, was am Ackerrand liegt, auch keinen verrosteten Klumpen. Der Räumdienst holt die Funde regelmäßig ab. Auf den Friedhöfen gilt: leise sein, nichts mitnehmen, Kränze stehen lassen.

Die Leiestreek um Kortrijk

Der Süden der Provinz gehört der Leie, einem Fluss, der lange Zeit „Goldener Fluss“ genannt wurde, weil in seinem Wasser Flachs geröstet wurde. Aus dem Flachs wurde Leinen, und daran hing die halbe Region. Kortrijk, auf Französisch Courtrai, ist das Zentrum: zwei mittelalterliche Brückentürme am Wasser, ein Beginenhof auf der Welterbeliste und ein Museum, das die Textilgeschichte erzählt, statt sie zu verklären.

Rund um die Stadt reihen sich Orte, in denen Maler des frühen 20. Jahrhunderts arbeiteten, dazu Radwege am Fluss entlang. Wer von Brügge kommt, braucht mit dem Zug knapp eine Stunde und sieht eine Seite Flanderns, die kaum ein Tagesgast mitnimmt.

Essen an der Küste und im Binnenland

An der Küste dreht sich vieles um Fisch. Nordseekrabben werden hier von Hand gepult, Krabbenkroketten stehen in jedem zweiten Lokal als Vorspeise auf der Karte, und in der kühleren Jahreshälfte kommen Muscheln dazu. In Ostende und Nieuwpoort verkaufen Stände am Hafen den Fang direkt, das ist frischer und günstiger als auf der Promenade. Im Binnenland übernimmt der Hopfen: Rund um Poperinge stehen die Felder, aus denen ein Teil der belgischen Brauereien beliefert wird.

Zwei Hinweise aus Erfahrung. Die Lokale unmittelbar an der Seepromenade und rund um den Markt in Brügge leben von Laufkundschaft, zwei Straßen weiter isst du besser und zahlst weniger. Und für Fritten gehst du in die Frituur, nicht ins Restaurant. Das ist hier Alltag und keine Attraktion für Gäste.

Namen, Sprache und Wege

Westflandern ist niederländischsprachig, und auf den Schildern steht ausschließlich der niederländische Name. Ypern findest du nur als Ieper, Ostende als Oostende, Kortrijk niemals als Courtrai, Veurne niemals als Furnes. Wer mit dem Navi unterwegs ist, gibt die lokale Schreibweise ein, sonst wird die Suche zäh. Englisch versteht an der Küste jeder, Deutsch viele, Französisch hört man vor allem von Gästen.

Bahnstrecken führen von Brüssel und Gent nach Brügge, Ostende, Kortrijk und Ypern, an der Küste übernimmt die Tram. Mit dem Auto ist die Anfahrt einfach, eine Umweltzone hat in dieser Provinz keine Stadt, wohl aber Brüssel, Antwerpen und Gent, wo sich ausländische Kennzeichen vorher registrieren müssen. Maut für Pkw gibt es in Belgien nicht, ausgenommen die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Am schönsten bewegst du dich hier ohnehin mit dem Rad: flach, ausgeschildert, überall Verleih.

Wann du kommen solltest

An der Küste weht fast immer Wind, das Wasser bleibt auch im Hochsommer frisch, und Regen ist in jedem Monat möglich. Dafür gibt es im Winter Tage mit klarer Luft und leerem Strand, an denen die Promenade schöner ist als im Juli.

Die beste Zeit für Strand und Dünen liegt zwischen Mai und September, wobei die belgischen Schulferien im Juli und August die Orte füllen. Für Brügge und den Westhoek sind April bis Juni und der September ideal. Rund um den 11. November wird es in Ypern voll, dann kommen Gruppen aus halb Europa. Museen und Cafés haben ganzjährig offen, viele Strandlokale nicht.

Häufige Fragen

Welcher Badeort an der belgischen Küste ist der beste?

Das hängt davon ab, was du suchst. Ostende bietet Stadt und Strand zugleich und die beste Bahnanbindung. De Haan ist der ruhigste mit Villen statt Hochhäusern, Blankenberge der klassische Familienort, Knokke-Heist der teuerste, De Panne der windigste mit den größten Dünen. Weil die Kusttram alle verbindet, musst du dich nicht endgültig entscheiden.

Wie viele Tage braucht man für Westflandern?

Plane 4 bis 6 Tage, wenn du alle drei Seiten der Provinz sehen willst: zwei Tage Brügge, zwei an der Küste, ein bis zwei im Westhoek. Nur für Brügge reicht ein langes Wochenende. Wer die Friedhöfe rund um Ypern besuchen möchte, braucht dafür einen vollen Tag, am besten mit Auto oder Rad.

Kommt man in Westflandern ohne Auto zurecht?

Gut sogar. Brügge, Ostende, Kortrijk und Ypern liegen am Bahnnetz, die Küstenorte hängen alle an der Kusttram. Nur die Kriegsgräberstätten im Westhoek liegen verstreut auf dem Land, dorthin fahren nur wenige Busse. Für diesen einen Tag lohnt ein Mietwagen, ein Leihrad oder eine geführte Halbtagestour ab Ypern.

Wie heißt Ypern auf den Schildern?

Ieper. Westflandern ist niederländischsprachig, deshalb steht auf Autobahnschildern, Bahnhofsanzeigen und im Navi nur diese Schreibweise. Der französische Name Ypres taucht in Büchern und auf britischen Denkmälern auf, im Straßenverkehr nicht. Dasselbe gilt für Oostende statt Ostende, Kortrijk statt Courtrai und Veurne statt Furnes.

Lohnt sich die belgische Küste im Winter?

Für Strandurlaub nicht, für Spaziergänge schon. Im Winter ist die Luft klar, der Strand leer und die Promenade in Ostende oder De Haan schöner als im vollen Juli. Museen, Cafés und die Kusttram laufen ganzjährig, viele Strandlokale haben geschlossen. Pack Wind- und Regenkleidung ein, warm wird es an der Nordsee nie.

Wann ist die beste Reisezeit für Westflandern?

Mai bis September für Strand und Dünen, April bis Juni und September für Brügge und den Westhoek. Im Juli und August sind belgische Schulferien, dann füllen sich die Küstenorte. Rund um den 11. November kommen Gruppen nach Ypern. Regen ist in jedem Monat möglich, Wind fast immer, eine feste Jacke gehört ins Gepäck.