Auf einen Blick
- RegionProvinz in Wallonien, Hauptstadt Namur
- SpracheFranzösisch, Ortsnamen auf Schildern nur französisch
- LandschaftMaas- und Lessetal, Condroz, Famenne, Ardennenrand
- Bekannt fürZitadellen, Tropfsteinhöhlen, Kajak, Abteibiere
- Empfohlene Dauer3 bis 4 Tage
- Beste ReisezeitMai bis Oktober, Kajak nur bei ausreichend Wasser
Warum die Provinz Namur?
Weil sie in einer knappen Stunde vom Stadtbummel zur Felswand wechselt. Namur ist eine überschaubare Hauptstadt mit Zitadelle, Altstadtgassen und Studierenden. Eine halbe Zugstunde flussaufwärts liegt Dinant zwischen Fels und Wasser, und wenige Kilometer weiter beginnt das Lessetal mit Höhlen, Burgen und Kajakstrecken.
Die Provinz eignet sich damit für Reisende, denen belgische Städtereisen allein zu wenig sind. Drei bis vier Tage sind realistisch, ein Auto macht vieles einfacher, weil Schlösser, Höhlen und Aussichtspunkte auf dem Land liegen. Als Basis funktionieren Namur oder Dinant gleich gut.
Namur: Zitadelle über zwei Flüssen
Namur, auf Niederländisch Namen, liegt auf einem Felssporn am Zusammenfluss von Sambre und Maas. Darüber thront eine der größten Festungsanlagen Europas, über Jahrhunderte immer wieder umgebaut, belagert und erweitert. Hinauf kommst du zu Fuß, mit dem Auto oder mit einer Seilbahn, oben laufen Wege über Wälle und durch unterirdische Gänge, und der Blick geht über beide Flusstäler.
Unten ist die Stadt kleiner, als ihr Rang vermuten lässt. Hier sitzt das wallonische Parlament, hier gibt es Museen mit mosanischer Goldschmiedekunst, darunter den Schatz von Oignies, und einen Belfried, der zum UNESCO-Welterbe der Belfriede zählt. Abends füllen sich die Gassen zwischen Kathedrale und Fluss. Im September wird eine Woche lang die Wallonie gefeiert, dann ist die Stadt voll.
Dinant: Fels, Kirche und Saxophon
Dinant ist der meistfotografierte Ort der Provinz, und das zu Recht. Die Stiftskirche mit ihrem birnenförmigen Turm steht direkt am Ufer, dahinter steigt eine Felswand senkrecht auf, und obendrauf sitzt die Zitadelle. Über 400 Stufen führen hinauf, alternativ nimmst du die Seilbahn. Oben erzählt die Anlage vor allem vom Ersten Weltkrieg und von der Zerstörung der Stadt im Jahr 1914.
Der zweite berühmte Sohn ist Adolphe Sax, der 1814 hier geboren wurde und später das Saxophon entwickelte. In der Stadt stehen deshalb bunte Saxophone auf der Brücke und an den Straßenecken. Wer Bier mag, findet in Dinant außerdem das Haus einer bekannten Abteibiermarke: Abteibier ist nicht dasselbe wie Trappistenbier, das nur im Kloster unter Aufsicht der Gemeinschaft gebraut werden darf.
Tipp: Fahr von Dinant ein Stück flussaufwärts nach Anseremme und schau dir die Felsen von Freyr an, an denen seit Generationen geklettert wird. Gegenüber liegt ein Renaissanceschloss mit Terrassengärten am Wasser. Beides zusammen ist der schönste Abschnitt des belgischen Maastals.
Die Lesse: Kajak, Höhlen und Burgen
Die Lesse mündet bei Anseremme in die Maas, und ihr Tal ist das Freizeitrevier der Provinz. Auf dem Fluss fahren im Sommer Hunderte Kajaks, meist von Houyet oder Gendron talwärts. Busse bringen dich stromaufwärts, danach treibst du zurück. Die Strecke hat ein paar flotte Stellen, verlangt aber keine Erfahrung. Bei Niedrigwasser im Hochsommer und bei Hochwasser im Winter wird der Betrieb eingestellt.
Weiter oben verschwindet die Lesse komplett im Berg. In Han-sur-Lesse führt eine historische Straßenbahn zum Höhleneingang, drinnen läufst du durch Hallen mit Tropfsteinen und kommst am Ende dort heraus, wo der Fluss wieder ans Licht tritt. In Rochefort gibt es eine zweite große Höhle, deren Hauptsaal so hoch ist, dass ein Kirchturm darin Platz fände. Über dem Tal steht bei Celles das Schloss Vêves mit runden Türmen, das aussieht wie aus einem Bilderbuch.
Bier, Käse und Abteien
Rochefort ist über Belgien hinaus als Biername bekannt. Gebraut wird in der Abtei am Ortsrand, und zwar als echtes Trappistenbier, also im Kloster unter Aufsicht der Mönche. Die Abtei selbst kannst du nicht besichtigen, sie ist ein bewohntes Kloster und kein Museum. Getrunken wird das Bier in den Cafés im Ort.
Anders liegt der Fall im Molignéetal westlich der Maas. Dort steht eine große Benediktinerabtei, deren Name auf Bier und Käse steht, gebraut wird es aber außerhalb der Mauern: klassisches Abteibier. Der Unterschied ist keine Haarspalterei, sondern rechtlich geregelt. Was dahintersteckt, steht auf der Seite zum Bier in Belgien. Im selben Tal fährst du auf einer stillgelegten Bahntrasse mit Draisinen, was mit Kindern erstaunlich gut funktioniert.
Schlösser, Gärten und stille Dörfer
Zwischen Namur und Dinant reiht sich am linken Maasufer ein Landsitz an den nächsten. Berühmt sind die Wassergärten von Annevoie aus dem 18. Jahrhundert, deren Springbrunnen ohne Pumpen auskommen und allein mit Gefälle arbeiten. Dazu kommen Burgen im Condroz, dem welligen Land östlich der Maas, und Dörfer aus grauem Kalkstein, von denen mehrere zu den offiziell schönsten Dörfern Walloniens zählen. Eine Auswahl findest du unter schönste Dörfer Belgiens.
Im Süden geht die Provinz in die Ardennen über. Zwischen Famenne und Fagne wechseln Wälder, Wiesen und Kalkrücken, dazwischen liegen Wanderwege und kleine Orte mit einem Hotel und einer Frituur. In dieser Ecke finden im Frühsommer die Marschtraditionen zwischen Sambre und Maas statt, bei denen ganze Dörfer in historischen Uniformen ausrücken. Auch diese Termine hängen am Kirchenkalender.
Anreise und unterwegs
Namur liegt an der Bahnstrecke von Brüssel nach Luxemburg, aus Brüssel bist du in rund einer Stunde da. Nach Dinant fährt vom selben Bahnhof ein Regionalzug in gut einer halben Stunde. Weiter ins Land wird es dünner: Nach Han-sur-Lesse, Rochefort und zu den Schlössern fahren nur wenige Busse, hier ist ein Auto klar im Vorteil.
Umweltzonen gibt es in Wallonien nicht, in Brüssel, Antwerpen und Gent dagegen schon, dort müssen sich ausländische Kennzeichen vorher registrieren. Maut für Pkw kennt Belgien nicht, ausgenommen ist nur ein Tunnel bei Antwerpen. Auf den Landstraßen im Maastal fahren viele Motorräder, und die Kurven sind eng, plan das bei der Fahrzeit ein.
Gegessen wird deftig. Auf den Karten stehen Forelle aus den Bächen der Umgebung, im Herbst Wild und Käse aus den Abteien der Gegend, dazu Fritten aus der Friture. In den Talorten leben viele Lokale von der Saison, außerhalb der Sommermonate wird die Auswahl schnell klein. Wer sonntagabends ankommt, klärt besser vorher, wo überhaupt noch gekocht wird.
Wann du kommen solltest
Mai bis Oktober ist die beste Zeit. Im Frühling führt die Lesse genug Wasser für Kajaktouren, im Sommer sind Höhlen die kühlste Adresse der Provinz, und im Oktober färben sich die Hänge über der Maas. Die Höhlen halten das ganze Jahr eine gleichbleibend niedrige Temperatur, nimm also auch im Hochsommer eine Jacke mit.
Im Winter ist es ruhig, viele Ausflugsziele öffnen eingeschränkt oder gar nicht. Dafür sind die Städte leer, und die Zitadelle über Namur bei klarer Kälte am schönsten. Wie die Provinz in den Süden des Landes passt, zeigt die Übersicht zu Wallonien.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für die Provinz Namur?
Plane 3 bis 4 Tage. Ein Tag gehört Namur mit Zitadelle und Altstadt, ein Tag Dinant mit Zitadelle, Kirche und dem Maastal, ein Tag den Höhlen von Han-sur-Lesse oder Rochefort. Wer Kajak fahren will, nimmt dafür einen halben bis ganzen Tag extra. Mit Auto lässt sich das gut kombinieren, mit Bahn und Bus wird es enger.
Lohnt sich eine Kajaktour auf der Lesse?
Ja, und du brauchst keine Erfahrung. Anbieter in Anseremme und Houyet bringen dich mit dem Bus flussaufwärts, zurück treibst du durch ein enges, bewaldetes Tal mit einigen flotten Passagen. Die Saison hängt am Wasserstand: Bei Trockenheit im Hochsommer und bei Hochwasser im Winter wird der Betrieb eingestellt. Wechselkleidung mitnehmen.
Welche Höhle ist die beste, Han-sur-Lesse oder Rochefort?
Han-sur-Lesse ist die größere Anlage mit historischer Straßenbahn zum Eingang, weiten Hallen und dem Punkt, an dem die Lesse wieder ans Licht kommt. Rochefort ist kleiner, dafür ruhiger, und hat einen sehr hohen Dom im Inneren. Mit Kindern passt Han besser, wer Menschenmengen meiden will, nimmt Rochefort. Beides braucht warme Kleidung.
Kann man die Zitadelle von Dinant ohne Treppen erreichen?
Ja. Neben den über 400 Stufen gibt es eine Seilbahn vom Ufer hinauf, außerdem eine Straße für Autos auf der Rückseite des Felsens. Oben selbst sind Wege und Kasematten teils uneben. Wer schlecht zu Fuß ist, nimmt die Seilbahn und beschränkt sich auf den Aussichtsbereich, das lohnt sich schon für den Blick über die Maas.
Was ist der Unterschied zwischen Trappisten- und Abteibier?
Trappistenbier stammt aus einer Brauerei innerhalb der Klostermauern, gebraut unter Aufsicht der Mönchsgemeinschaft, und die Erlöse dienen dem Kloster und gemeinnützigen Zwecken. Abteibier nutzt nur den Namen und die Geschichte eines Klosters, gebraut wird es von gewöhnlichen Brauereien. In dieser Provinz findest du beides, in Rochefort das eine, im Molignéetal das andere.
Ist Namur oder Dinant die bessere Basis?
Namur hat mehr Auswahl bei Unterkünften, Restaurants und Bahnverbindungen und ist als Stadt lebendiger. Dinant liegt näher an Höhlen, Kajakstrecken und Schlössern und ist abends sehr ruhig. Wer ohne Auto reist, nimmt Namur. Wer die Täler erkunden will und mobil ist, wohnt in oder um Dinant günstiger und näher am Ziel.






