Flämisch-Brabant · Stadt-Guide

Löwen

Löwen heißt vor Ort Leuven, und nur so steht es auf den Schildern. Die Stadt liegt keine dreißig Kilometer östlich von Brüssel, hat rund hunderttausend Einwohner und ein Zentrum, das du in zwanzig Minuten durchquerst. Mittendrin steht ein Rathaus, das zu den prächtigsten gotischen Bauten Europas gehört, und ringsherum liegt eine Universität, die seit 1425 arbeitet.

Der Rest ist Alltag: Fahrradständer vor gotischen Fassaden, eine Frituur an der Ecke, abends ein Platz voller Studierender. Ein voller Tag reicht für alles Wichtige. Warum du trotzdem über den Abend bleiben solltest, statt nur zwischen zwei Zügen vorbeizuschauen, steht weiter unten.

Löwen
Foto: Krzysztof Golik, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionFlämisch-Brabant, Provinzhauptstadt
  • Lokaler NameLeuven, niederländischsprachig
  • UniversitätKU Leuven, gegründet 1425
  • UNESCOGroßer Beginenhof, dazu der Turm der Sankt-Peters-Kirche
  • Empfohlene Dauer1 voller Tag, mit Brauerei und Abtei 2 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September, im Semester

Warum Löwen?

Wegen des Rathauses. Der Bau am Grote Markt sieht aus wie eine Schatulle in Hausgröße: drei Geschosse voller Nischen und Baldachine, sechs schlanke Türmchen, darüber ein steiles Dach mit Gauben. Entstanden ist er zwischen 1448 und 1469 in Brabanter Hochgotik. Viele Reisende planen Brügge, Gent und Antwerpen und lassen Löwen weg. Das ist der teuerste Fehler einer Flandern-Reise.

Der zweite Grund ist die Universität, gegründet 1425 und damit die älteste Universitätsgründung der Niederen Lande. Einen Campus am Stadtrand gibt es nicht: Die Kollegien liegen hinter Toren an der Naamsestraat, Lesesäle stecken in alten Stadthäusern, Hörsäle stehen neben Kneipen. Deshalb ist Löwen keine Kulisse, sondern eine Stadt, die benutzt wird.

Leuven, nicht Louvain

Löwen liegt in Flämisch-Brabant, also in Flandern, und dort wird ausschließlich auf Niederländisch beschildert. Auf Autobahnschildern, Bahnsteiganzeigen und in jeder Fahrplanauskunft steht Leuven. Louvain ist die französische Form, die du auf französischen Karten findest und im Namen von Louvain-la-Neuve, jener Stadt, die 1968 aus dem Streit um genau diese Universität entstand.

Dahinter steht das Grundprinzip Belgiens: drei Amtssprachen und eine harte Sprachgrenze. In Flandern Niederländisch, in der Wallonie Französisch, Brüssel zweisprachig, im Osten rund um Eupen Deutsch. Die Ortsnamen wechseln mit. Lüttich heißt vor Ort Liège, Ypern heißt Ieper, Mons heißt auf Niederländisch Bergen. Wer das nicht weiß, sucht auf der Autobahn nach einem Namen, der dort nicht steht.

Gut zu wissen: Auf der Anzeigetafel im Bahnhof suchst du Leuven, nicht Löwen. Mit Englisch kommst du überall durch, Deutsch verstehen viele im Gastgewerbe. Ein „Goeiedag“ beim Betreten eines Ladens und ein „Dank u“ beim Gehen kosten nichts und ändern den Ton spürbar.

Die Universität, die die Stadt gebaut hat

1425 stellte Papst Martin V. die Gründungsurkunde aus, auf Betreiben des Herzogs von Brabant und der Stadt. Sieben Jahre später zog die junge Hochschule in die Tuchhalle von 1317, ein Handelsgebäude, dem man später ein Stockwerk aufsetzte. Erasmus lebte hier einige Jahre und war an der Gründung des Collegium Trilingue für Latein, Griechisch und Hebräisch beteiligt, Mercator und Vesalius haben in Löwen studiert.

1968 zerbrach die Universität an der Sprachenfrage. Der französischsprachige Teil zog ab und baute sich südlich der Sprachgrenze auf freiem Feld eine komplette neue Stadt, Löwen blieb niederländischsprachig. Heute ist die KU Leuven die größte Universität des Landes, und der Takt der Stadt folgt dem akademischen Kalender, nicht der Reisesaison.

Die Highlights in Kürze

Am Grote Markt stehen sich zwei Gegensätze gegenüber. Auf der einen Seite das Rathaus mit mehr als zweihundert Figuren, die erst im 19. Jahrhundert in die jahrhundertelang leeren Nischen kamen. Gegenüber die Sankt-Peters-Kirche, deren Westtürme nie fertig wurden, weil der sandige Boden sie nicht trug. Drinnen hängt das „Letzte Abendmahl“ von Dirk Bouts, ein Schlüsselwerk der frühen niederländischen Malerei.

Zehn Gehminuten südlich liegt der Große Beginenhof, ein ganzes Viertel aus Backsteinhäusern, engen Gassen und niedrigen Brücken über die Dijle, seit 1998 UNESCO-Welterbe und heute von Studierenden bewohnt. Dazu kommen der Turm der Universitätsbibliothek mit seinem Glockenspiel, das Stadtmuseum M Leuven und der botanische Garten Kruidtuin von 1738. Die vollständige Rangliste steht bei den Sehenswürdigkeiten in Löwen.

1914: die Nacht, die alles veränderte

Ende August 1914 brannten deutsche Truppen große Teile der Innenstadt nieder, darunter die Universitätsbibliothek mit ihren Handschriften und Hunderttausenden Bänden. Mehr als zweihundert Zivilisten kamen um. Der Brand von Löwen ging als Nachricht um die Welt und prägte für Jahrzehnte das Bild vom Krieg in Belgien.

Nach dem Krieg entstand am Ladeuzeplein eine neue Bibliothek, finanziert vor allem mit amerikanischen Spenden und entworfen von einem amerikanischen Architekten. 1940 brannte sie ein zweites Mal. Der Platz nebenan trägt den Namen des Amerikaners, der die Hilfslieferungen für das besetzte Belgien organisiert hatte. Vieles, was hier alt aussieht, ist deshalb sorgfältiger Wiederaufbau.

Der Abend gehört den Studierenden

Zweihundert Meter vom Grote Markt liegt der Oude Markt, ein rechteckiger Platz, an dem auf allen vier Seiten Kneipe an Kneipe steht, ohne einen einzigen Laden dazwischen. Die längste Theke Europas nennen sie ihn hier, und im Semester ist das keine Übertreibung.

Der Rhythmus hängt am Studienjahr. Von Oktober bis Mitte Dezember und wieder ab Mitte Februar ist abends viel los, donnerstags am meisten. In den Prüfungsphasen im Januar und im Juni kippt das komplett: leere Terrassen, volle Lesesäle, stille Gassen. Juli und August sind ruhig und angenehm, dann fehlt allerdings ein Teil dessen, was diese Stadt ausmacht.

Wie viele Tage brauchst du?

Ein voller Tag reicht für alles im Zentrum, denn die Wege sind kurz. Zwei Tage lohnen sich, wenn du die Brauereiführung, das Stadtmuseum und die Abtei Park in Heverlee dazunimmst. So sieht ein Plan aus, der ohne Hetze funktioniert:

Tag Vormittag Nachmittag Abend
1 Grote Markt, Rathaus, Sankt-Peters-Kirche Bibliotheksturm und Beginenhof Terrasse am Oude Markt
2 M Leuven und Kruidtuin Brauerei oder Abtei Park in Heverlee Essen in der Muntstraat, danach Vismarkt

Tagesausflug oder Übernachtung?

Aus Brüssel fährt der Zug rund eine halbe Stunde, vom Flughafen Zaventem sind es etwa fünfzehn Minuten. Deshalb kommen die meisten Besucher am Vormittag und fahren am späten Nachmittag zurück. Damit verpassen sie genau den Teil, für den sich die Fahrt lohnt.

Wer bleibt, bekommt eine zweite Stadt: angestrahlte Fassaden am Grote Markt, volle Terrassen zweihundert Meter weiter, kurze Wege zurück ins Bett. Wie du am besten anreist, steht unter Verkehr in Löwen, welches Viertel zu dir passt, klärt die Seite zu Hotels in Löwen.

Bier, Stoofvlees und Fritten

Löwen ist eine Bierstadt, und zwar in großem Maßstab: Hier wird Stella Artois gebraut, hier sitzt der Hauptsitz des Konzerns, der daraus wurde. Die belgische Biertradition gehört zum immateriellen UNESCO-Erbe, jede Sorte hat ihr eigenes Glas. Zwei Begriffe werden dabei gern verwechselt: Trappist darf ein Bier nur heißen, wenn es im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird. Abteibier ist eine Lizenzmarke und hat mit Mönchen meist nichts mehr zu tun.

Gegessen wird deftig. Rindfleisch, das stundenlang in dunklem Bier schmort, dazu Fritten aus der Frituur, in der Papiertüte und mit Sauce, Alltagskultur statt Fastfood. Weil Zehntausende Studierende hier wohnen, liegt das Preisniveau unter dem von Brügge. Welche Straße wofür taugt, steht unter Essen und Trinken in Löwen.

Auto, Umweltzone und Parken

Im Zentrum gilt ein Verkehrsplan mit Schleifen: Du kommst in ein Viertel hinein und wieder heraus, aber nicht quer hindurch. Navigationsgeräte begreifen das oft nicht und schicken dich im Kreis. Stell den Wagen in einem Parkhaus am Ring ab und geh die letzten Meter zu Fuß, das Zentrum ist ohnehin klein. Für Pkw gibt es in Belgien keine Maut, die einzige nennenswerte Ausnahme ist die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen.

Achtung: Löwen selbst hat keine Umweltzone, Brüssel, Antwerpen und Gent aber sehr wohl. Ausländische Kennzeichen müssen sich dort vor der ersten Einfahrt online registrieren, auch wenn das Auto die Abgasnorm längst erfüllt. Kameras lesen nur das Kennzeichen, ohne Anmeldung kommt das Bußgeld per Post.

Beste Reisezeit und Wetter

Löwen liegt im Binnenland, das Wetter ist etwas wärmer als an der Küste und genauso wechselhaft. Im Juli und August liegen die Höchstwerte im Mittel bei gut 23 Grad, nachts bei rund 14. Im Januar kommt das Thermometer im Mittel auf gut 6 Grad, nachts auf knapp 2. Niederschlag fällt an 11 bis 13 Tagen im Monat, am trockensten ist der April mit 45 Millimetern, am nassesten sind Januar und Dezember mit gut 70.

Die besten Monate sind Mai, Juni und September: mildes Wetter, offene Terrassen, Semesterbetrieb. Der Advent ist hübsch und überschaubar, im Hochsommer ist die Stadt leer und ruhig. Eine Regenjacke gehört in jedem Monat ins Gepäck.

Tipp: Komm an einem Donnerstag im Semester, geh am Abend zum Grote Markt, wenn Rathaus und Kirche angestrahlt sind, und lauf danach zum Oude Markt. Zwischen beiden Plätzen liegen zwei Minuten und zwei komplett verschiedene Städte.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Löwen22°Cbedeckt
  • Wärmster MonatAugust, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 2 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe28 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

6°2°J
9°2°F
11°3°M
14°5°A
18°9°M
22°13°J
23°14°J
24°15°A
20°12°S
16°9°O
10°5°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

73mm13 TageJ
65mm12 TageF
70mm13 TageM
45mm11 TageA
61mm12 TageM
70mm11 TageJ
72mm11 TageJ
61mm12 TageA
60mm11 TageS
69mm12 TageO
67mm13 TageN
72mm13 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)151 km0 Std. 45 Min.
Köln/Bonn (CGN)171 km0 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)289 km0 Std. 55 Min.
Stuttgart (STR)406 km1 Std. 5 Min.
Hamburg (HAM)472 km1 Std. 10 Min.
München (MUC)582 km1 Std. 20 Min.
Berlin (BER)629 km1 Std. 20 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

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Sehenswürdigkeiten im Detail

Praktische Infos

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Löwen?

Ein voller Tag reicht für das Zentrum: Rathaus, Sankt-Peters-Kirche, Beginenhof, Bibliotheksturm und Oude Markt liegen alle im Fußradius. Zwei Tage lohnen sich mit Brauereiführung, Stadtmuseum und der Abtei Park in Heverlee. Weil der Abend der beste Teil ist, ist eine Übernachtung sinnvoller, als die kurze Anreise vermuten lässt.

Lohnt sich Löwen neben Brügge und Gent?

Ja, weil es etwas anderes ist. Brügge ist die geschlossenste Kulisse, Gent die große Studentenstadt mit Weltkunst, Löwen die kleine mit Weltklassegotik und sehr kurzen Wegen. Grachten und große Museumssammlungen findest du hier nicht. Dafür stehst du nirgends an, und am Abend gehört die Stadt denen, die hier wohnen.

Wie kommt man von Brüssel nach Löwen?

Mit dem Zug, mehrmals pro Stunde und in rund einer halben Stunde. Vom Flughafen Brüssel-Zaventem sind es sogar nur etwa fünfzehn Minuten, was Löwen zur besten ersten oder letzten Station einer Belgien-Reise macht. Vom Bahnhof läufst du eine Viertelstunde geradeaus ins Zentrum. Ein Auto brauchst du für diesen Weg nicht.

Hat Löwen eine Umweltzone?

Nein. Umweltzonen mit Registrierungspflicht gibt es in Brüssel, Antwerpen und Gent, jeweils mit eigener Anmeldung für ausländische Kennzeichen. In Löwen ist der Haken ein anderer: Die Innenstadt ist in Schleifen aufgeteilt, quer durchfahren funktioniert nicht. Parkhäuser am Ring und ein kurzer Fußweg lösen das Problem.

Wofür ist Löwen bekannt?

Für drei Dinge. Für das gotische Rathaus am Grote Markt, das zu den reichsten Fassaden Europas gehört. Für die Universität von 1425, die der Stadt ihren Takt gibt. Und für Bier: Stella Artois wird hier gebraut, und der Oude Markt gilt als längste Theke Europas. Dazu kommt der Große Beginenhof als UNESCO-Welterbe.