Auf einen Blick
- RegionFlämisch-Brabant, Löwen
- Vor OrtStadhuis van Leuven
- Bauzeit1448 bis 1469
- StilBrabanter Hochgotik
- Figurenmehr als 200, im 19. Jahrhundert ergänzt
- Besuchsdauer15 Minuten außen, rund 1 Stunde mit Führung
Warum dieses Rathaus anders aussieht
Die meisten Rathäuser in Flandern sind breit und wuchtig. Das von Löwen ist schmal, hoch und über und über mit Steinmetzarbeit bedeckt: drei Geschosse mit Nischen und Baldachinen, sechs Ecktürmchen, darüber ein steiles Dach mit drei Reihen Gauben. Von der anderen Seite des Platzes wirkt es wie ein Möbelstück, das jemand auf zwanzig Meter Höhe gebracht hat.
Der Stil heißt Brabanter Hochgotik, die Zeit ist das mittlere 15. Jahrhundert. Löwen war damals eine reiche Tuchstadt mit junger Universität, und dieser Bau war eine Ansage an Brüssel und Mecheln.
Die Figuren kamen vierhundert Jahre später
Der Fassade sieht man ihre Geschichte nicht an. Die mehr als zweihundert Figuren in den Nischen stammen nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem 19. Jahrhundert. Jahrhundertelang standen die Nischen leer, weil erst das Geld ausging und später der Ehrgeiz fehlte.
Ab den 1850er Jahren wurden sie nach und nach gefüllt, mit Herzögen, Heiligen, Gelehrten und verdienten Bürgern der Stadt. Original sind dagegen die Konsolen darunter: kleine Szenen aus der Bibel und dem Alltag, im 15. Jahrhundert gemeißelt, oft derb und witzig. Wer nah herangeht, findet dort das ältere und interessantere Programm.
Wer es gebaut hat
Der Bau zog sich von 1448 bis 1469 und überlebte mehrere Baumeister. Den Abschluss verantwortete Matheus de Layens, der auf einen aufwendigeren Entwurf mit großem Turm verzichtete. Einen Belfried brauchte die Stadt am Rathaus ohnehin nicht: Diese Rolle übernahm der Turm der Kirche gegenüber, der heute zu den Belfrieden in Belgien auf der Welterbeliste gehört.
Gut zu wissen: Im August 1914 brannte fast der gesamte Grote Markt, auch die Universitätsbibliothek ging dabei verloren. Das Rathaus blieb stehen. Wenn dir die Häuser ringsum jünger vorkommen als das Rathaus, stimmt das: Sie wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut. Die Geschichte dazu steht bei der Universitätsbibliothek.
Innen: was du siehst
Das Rathaus ist bis heute in Betrieb, hier wird getagt und geheiratet. Besichtigen kannst du das Innere deshalb nur zu festen Zeiten und in Begleitung. Zu sehen sind die gotische Halle im Erdgeschoss, Säle mit Holzvertäfelung, Gemälden und Wandteppichen sowie der Blick aus den Fenstern auf den Platz.
Ehrlich gesagt bleibt die Fassade der Star. Die Führung lohnt sich, wenn dich Stadtgeschichte interessiert oder das Wetter nicht mitspielt, ein Muss ist sie nicht.
Der beste Moment für ein Foto
Tagsüber liegt die Fassade oft im Schatten ihrer eigenen Baldachine, und das Ergebnis wird flau. Am besten wirkt sie am frühen Abend, wenn die Beleuchtung angeht und der Himmel noch blau ist: Dann treten die Nischen plastisch hervor. Stell dich dafür an die Ecke bei der Kirche, von dort bekommst du das Gebäude als Ganzes ins Bild, ohne den Kopf in den Nacken zu legen.
Was direkt daneben liegt
Gegenüber steht die Sankt-Peters-Kirche mit dem Abendmahl von Dirk Bouts, zwei Minuten weiter beginnt der Oude Markt. Die Muntstraat mit den Restaurants liegt gleich hinter dem Rathaus. Der komplette Überblick steht unter Sehenswürdigkeiten in Löwen.
Tickets: Führungen finden zu festen Zeiten und mit begrenzter Teilnehmerzahl statt, in der Hauptsaison sind sie schnell weg. Buche vorab online oder frag am Besucherschalter im Rathaus nach freien Plätzen. Die Fassade schaust du dir jederzeit und kostenlos an.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istAm Grote Markt wird es selten so voll, dass du nicht durchkommst. Eng wird es nur bei den Führungen, weil die Gruppen klein sind. Sind sie ausgebucht, geh in die Kirche gegenüber und komm am Abend zurück, wenn die Fassade beleuchtet und der Platz leer ist.
- Wenn es regnetDie Fassade kannst du auch bei Regen ansehen, unter den Vordächern der Häuser gegenüber stehst du halbwegs trocken. Bei Dauerregen sind die Sankt-Peters-Kirche, das Stadtmuseum oder eben die Führung die bessere Wahl.
- Mit KindernDie Figuren in den Nischen sind Kindern nach fünf Minuten egal, die Konsolen darunter nicht: Dort wird gerauft, gegessen und geflucht, alles in Stein aus dem 15. Jahrhundert. Als Suchspiel funktioniert das gut. Die Führung durch die Amtsräume ist für kleine Kinder nichts.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Grote Markt ist eben, das Pflaster grob, aber gut zu befahren. Rundherum gibt es Terrassen mit ebenerdigem Zugang, von denen aus du die Fassade komplett siehst. Das Rathausinnere hat Treppen und alte Schwellen, frag vorab nach, wenn du mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs bist.
Häufige Fragen
Kann man das Rathaus von Löwen von innen besichtigen?
Ja, aber nur mit Führung und zu festen Zeiten, weil im Haus weiter gearbeitet wird. Die Gruppen sind klein, deshalb solltest du vorab buchen. Gezeigt werden die gotische Halle und mehrere Säle mit Vertäfelung, Gemälden und Wandteppichen. Wer sich vor allem für Architektur interessiert, kommt auch ohne Führung auf seine Kosten.
Wie viele Figuren stehen an der Fassade des Rathauses?
Mehr als zweihundert, verteilt auf drei Geschosse. Alle stammen aus dem 19. Jahrhundert, denn die Nischen standen seit dem Bau leer. Dargestellt sind Herzöge, Heilige, Gelehrte und Bürger der Stadt. Wirklich mittelalterlich sind nur die Konsolen darunter mit ihren kleinen Szenen aus Bibel und Alltag.
Wie alt ist das Rathaus von Löwen?
Es entstand zwischen 1448 und 1469, gehört also ins mittlere 15. Jahrhundert. Der Stil ist Brabanter Hochgotik, dieselbe Bautradition wie bei den großen Kirchen der Region. Mehrere Baumeister waren beteiligt, den Abschluss verantwortete Matheus de Layens. Beide Weltkriege hat das Gebäude überstanden, anders als die Häuser ringsum.
Ist das Rathaus von Löwen UNESCO-Welterbe?
Nein, das Rathaus selbst steht nicht auf der Liste. In Löwen sind zwei andere Dinge Welterbe: der Große Beginenhof als einer der flämischen Beginenhöfe und der Turm der Sankt-Peters-Kirche gegenüber als Teil der Belfriede in Belgien und Frankreich. Das Rathaus ist geschütztes Baudenkmal, aber kein Welterbe.
Lohnt sich das Rathaus am Abend?
Sehr. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Fassade angestrahlt, und erst dann bekommen die Nischen Tiefe. Gleichzeitig sind die Tagesgäste weg und der Platz ist fast leer. Am besten kommst du in der blauen Stunde, wenn die Beleuchtung schon an ist und der Himmel noch Farbe hat.






