Auf einen Blick
- RegionBrüssel-Hauptstadt, 19 Gemeinden
- SprachenFranzösisch und Niederländisch, Schilder zweisprachig
- Einwohnerrund 1,2 Millionen
- Flächerund 160 Quadratkilometer
- UNESCOGrand-Place, Horta-Häuser, Stoclet-Haus, Teil des Sonienwaldes
- Empfohlene Dauer2 bis 4 Tage
Was die Region Brüssel eigentlich ist
Belgien besteht aus drei Regionen: Flandern im Norden, die Wallonie im Süden und dazwischen, als kleiner Fleck mitten in Flämisch-Brabant, die Region Brüssel-Hauptstadt. Sie ist rund 160 Quadratkilometer groß, zählt etwa 1,2 Millionen Einwohner und ist die einzige offiziell zweisprachige Region des Landes. Wer aus dem Umland hereinfährt, überquert also eine Sprachgrenze, ohne es zu merken, denn beschildert ist sie nicht.
Für dich als Besucher heißt das vor allem: kurze Wege. Brüssel selbst ist an zwei bis drei Tagen zu schaffen, und alles, was du darüber hinaus sehen willst, liegt im Umland und ist in weniger als einer Stunde erreichbar. Die Region ist damit das bequemste Standquartier des Landes, auch wenn sie selbst nicht die schönste Stadt Belgiens ist.
Neunzehn Gemeinden, ein Namensdurcheinander
Die Region besteht aus 19 eigenständigen Gemeinden mit je eigenem Bürgermeister. Eine davon heißt Brüssel-Stadt und umfasst die Altstadt rund um den Grand-Place, dazu einen langen Streifen nach Norden bis zum Atomium. Alles andere sind Nachbarn mit eigenem Charakter: Ixelles und Saint-Gilles im Süden mit Jugendstilhäusern und den besseren Cafés, Schaerbeek im Nordosten, Anderlecht und Molenbeek im Westen, Uccle als grüner Villenbezirk.
Jede dieser Gemeinden trägt zwei Namen, den französischen und den niederländischen: Ixelles ist Elsene, Saint-Gilles ist Sint-Gillis, Uccle ist Ukkel, Schaerbeek ist Schaarbeek. Auf Adressen, Metroplänen und in Hotelbeschreibungen tauchen beide auf, je nachdem, wer den Text geschrieben hat. Merk dir für dein Hotel am besten beide Schreibweisen, sonst suchst du im Zweifel den falschen Stadtteil. Alle Sehenswürdigkeiten sortiert die Übersicht zu den Brüsseler Sehenswürdigkeiten.
Zwei Sprachen auf jedem Schild
Belgien hat drei Amtssprachen und eine harte Sprachgrenze. Flandern ist rein niederländischsprachig, die Wallonie rein französischsprachig, im Osten des Landes kommt eine deutschsprachige Gemeinschaft dazu. Brüssel ist die Ausnahme: Hier stehen Französisch und Niederländisch gleichberechtigt nebeneinander, auf jedem Straßenschild, jeder Metrostation und jedem Formular.
Im Alltag hörst du deutlich mehr Französisch, dazu Englisch in den Vierteln rund um die europäischen Institutionen. Sobald du die Regionsgrenze überquerst, wird es wieder einsprachig. Fährst du nach Norden, heißt es nur noch Leuven statt Louvain, fährst du nach Süden, findest du keine niederländischen Namen mehr. Rund um Brüssel liegen sechs flämische Gemeinden mit Spracherleichterungen für Französischsprachige, ein Erbe langer Konflikte, von dem du als Besucher nichts spürst.
Gut zu wissen: Ein „Bonjour“ beim Betreten eines Ladens gehört in Brüssel zum guten Ton, ein niederländisches „Dag“ funktioniert genauso. Englisch versteht praktisch jeder im Zentrum. Wer im Umland unterwegs ist, sollte wissen, welche Sprache dort gilt, denn nördlich der Region antwortet man dir auf Französisch ungern.
Hauptstadt von ziemlich allem
Brüssel ist Hauptstadt des Königreichs Belgien, Sitz von Regierung und Parlament und zugleich Hauptstadt der Region Brüssel. Dazu kommt eine Kuriosität: Auch die flämische Regierung sitzt hier, obwohl Brüssel nicht zu Flandern gehört. Die Europäische Kommission und der Rat der EU haben ihren Sitz im Europaviertel im Osten, das Europäische Parlament tagt teils hier, teils in Straßburg. Das Hauptquartier der NATO liegt im Nordosten der Region.
Das prägt ganze Stadtteile. Rund um den Schuman-Platz stehen Bürotürme, die abends leer sind, und Lokale, in denen mittags fünf Sprachen gleichzeitig gesprochen werden. Zwei Besucherzentren erklären, wie die EU funktioniert, und sie kosten keinen Eintritt. Am Wochenende ist das Viertel ausgestorben, was für Fotos gut und für Restaurants schlecht ist.
Wald mitten in der Stadt
Im Südosten der Region beginnt der Sonienwald, auf Französisch Forêt de Soignes, auf Niederländisch Zoniënwoud: ein alter Buchenwald von mehreren tausend Hektar, der sich über die Grenzen aller drei Regionen zieht. Ein Teil davon steht als Buchenurwald auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Bäume stehen so dicht und hoch, dass der Wald im Sommer wie eine Halle wirkt.
Du kommst mit Tram und Metro an mehreren Stellen an den Waldrand, Wege sind ausgeschildert, und im Herbst ist das Licht dort der beste Grund, Museen ausfallen zu lassen. Dazu kommen weitere Parks in fast jeder Gemeinde, etwa der Jubelpark im Osten und der Park von Laeken im Norden.
Tagesausflüge in alle Richtungen
Nach Süden liegt Waterloo, wo Napoleon 1815 seine letzte Schlacht verlor. Der Löwenhügel steht auf dem Gebiet der Gemeinde Braine-l’Alleud in Wallonisch-Brabant, mit Bus oder Zug bist du in gut einer halben Stunde da. Nach Südwesten kommst du nach Halle mit seiner Wallfahrtsbasilika, und gleich daneben liegt der Hallerbos, der Ende April für zwei bis drei Wochen blau blüht, wenn die wilden Hyazinthen aufgehen.
Nach Osten fährt eine Straßenbahn durch den Sonienwald bis Tervuren, wo im ehemaligen Kolonialmuseum heute das Afrikamuseum sitzt, ein Haus, das sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Und mit dem Zug erreichst du Löwen in gut 20 Minuten, Mechelen und Gent in etwa einer halben Stunde, Antwerpen und Brügge in rund einer Stunde. Was rund um die Region liegt, sortieren die Seiten zu Flämisch-Brabant und Wallonisch-Brabant.
| Ziel | Richtung | Fahrzeit ab Brüssel |
|---|---|---|
| Waterloo | Süden | rund 30 Minuten |
| Halle und Hallerbos | Südwesten | rund 20 Minuten |
| Tervuren | Osten | rund 40 Minuten mit der Tram |
| Löwen | Osten | rund 20 Minuten |
| Gent | Nordwesten | rund 30 Minuten |
Unterwegs in der Region
Metro, Tram und Bus decken die 19 Gemeinden dicht ab, ein Ticket gilt im gesamten Netz. Drei große Bahnhöfe liegen auf einer Nord-Süd-Achse: Bruxelles-Midi, wo internationale Züge halten, Bruxelles-Central direkt an der Altstadt und Bruxelles-Nord. Auf Niederländisch heißen sie Brussel-Zuid, Brussel-Centraal und Brussel-Noord, und auf Anzeigetafeln wechseln die Namen munter.
Der Flughafen Brüssel-Zaventem liegt nicht in der Region, sondern schon in Flandern, ein Zug bringt dich in rund 20 Minuten ins Zentrum. Der Flughafen Charleroi wird als Brüssel-Süd vermarktet, liegt aber gut 50 Kilometer entfernt in der Wallonie. Alles zum Nahverkehr steht unter Verkehr in Brüssel.
Achtung: Die gesamte Region ist Umweltzone. Ausländische Kennzeichen müssen sich vor der ersten Einfahrt online registrieren, sonst kommt ein Bußgeld, unabhängig vom Schadstoffausstoß. Das gilt auch, wenn dein Hotel innerhalb der Zone liegt. Am einfachsten stellst du den Wagen auf einem Park-and-ride am Rand ab. Maut gibt es für Pkw in Belgien nicht, ausgenommen die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen.
Wann du kommen solltest
Das Wetter ist mild und wechselhaft, echte Hitze und strenger Frost sind selten, Regen fällt übers Jahr verteilt und selten lange am Stück. Eine Regenjacke gehört immer ins Gepäck, ein Schirm hilft bei Wind wenig.
Die angenehmsten Monate sind Mai bis September, wenn die Terrassen offen sind und der Sonienwald grün steht. Ende April blüht der Hallerbos, im Herbst leuchten die Buchen, im Dezember lohnen die Weihnachtsmärkte im Zentrum. In geraden Jahren wird im August für einige Tage ein Blumenteppich auf dem Grand-Place ausgelegt, das ist der vollste Moment des Jahres, und wer Ruhe sucht, kommt eine Woche später.
Häufige Fragen
Aus wie vielen Gemeinden besteht die Region Brüssel?
Aus 19, jede mit eigenem Bürgermeister und eigener Verwaltung. Brüssel-Stadt ist nur eine davon und umfasst die Altstadt sowie einen Streifen nach Norden bis zum Atomium. Die übrigen 18 heißen zum Beispiel Ixelles, Saint-Gilles, Schaerbeek oder Uccle, und jede trägt zusätzlich einen niederländischen Namen.
Welche Ausflüge lohnen sich ab Brüssel?
Waterloo im Süden für das Schlachtfeld von 1815, Halle im Südwesten wegen der Basilika und des Hallerbos, der Ende April blau blüht, und Tervuren im Osten mit dem Afrikamuseum. Mit dem Zug kommen Löwen, Mechelen, Gent, Antwerpen und Brügge dazu, alle in 20 bis 60 Minuten erreichbar.
Gehört Brüssel zu Flandern oder zur Wallonie?
Zu keinem von beiden. Brüssel ist eine eigene Region und liegt als zweisprachige Insel mitten im flämischen Umland. Wer die Regionsgrenze überquert, wechselt die Amtssprache: im Norden Niederländisch, im Süden Französisch. Kurios ist, dass die flämische Regierung ihren Sitz in Brüssel hat, obwohl die Stadt nicht zu Flandern gehört.
Braucht man in der Region Brüssel ein Auto?
Nein. Die ganze Region ist Umweltzone, und ausländische Kennzeichen müssen sich vorher online registrieren, sonst droht ein Bußgeld. Parken ist teuer, die Straßen sind eng. Metro, Tram und Bus decken alle 19 Gemeinden ab, für Ausflüge ins Umland nimmst du Zug oder Bus. Ein Mietwagen lohnt erst für die Ardennen.
Wie viele Tage sollte man für Brüssel und Umgebung einplanen?
Zwei Tage für die Stadt sind das Minimum, drei sind entspannter. Kommt ein Ausflug nach Waterloo oder Tervuren dazu, planst du vier. Wer die Region als Basis für ganz Belgien nutzt, bleibt eine Woche und fährt jeden zweiten Tag mit dem Zug in eine andere Stadt, ohne das Hotel zu wechseln.
Wann ist die beste Reisezeit für die Region Brüssel?
Mai bis September für mildes Wetter und offene Terrassen. Ende April blüht der Hallerbos, der Herbst färbt den Sonienwald, der Dezember bringt Weihnachtsmärkte. Regen ist in jedem Monat möglich, eine sichere Trockenzeit gibt es nicht. In geraden Jahren liegt im August für wenige Tage der Blumenteppich auf dem Grand-Place, dann wird es sehr voll.






