Region in Belgien

Wallonisch-Brabant: Städte & Highlights

Wallonisch-Brabant ist die kleinste Provinz Belgiens und die jüngste dazu: Sie entstand erst 1995, als die alte Provinz Brabant an der Sprachgrenze geteilt wurde. Gesprochen wird Französisch, auf Niederländisch heißt sie Waals-Brabant, Hauptstadt ist Wavre, auf Niederländisch Waver.

Für Reisende ist sie vor allem eines: das Umland von Brüssel. Sanfte Ackerhügel, Waldstücke in den Bachtälern, ein Schlachtfeld von 1815, eine der schönsten Klosterruinen Europas und eine Universitätsstadt, die es vor sechzig Jahren noch nicht gab. Alles liegt so nah an der Hauptstadt, dass du kein zweites Hotel brauchst.

Wallonisch-Brabant: Städte & Highlights
Foto: Marc Ryckaert (MJJR), CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionWallonie, direkt südlich von Brüssel
  • HauptstadtWavre, auf Niederländisch Waver
  • SpracheFranzösisch
  • Besonderheitkleinste Provinz Belgiens, entstanden 1995
  • Bekannt fürSchlachtfeld von Waterloo, Abteiruine Villers-la-Ville
  • Empfohlene Dauer1 bis 3 Tagesausflüge ab Brüssel

Warum Wallonisch-Brabant?

Weil du hier ohne Aufwand aus der Stadt kommst. Von Brüssel aus bist du in zwanzig Minuten im Grünen, und statt einer weiteren Altstadt bekommst du Landschaft mit ein paar sehr starken Einzelstücken: eine Klosterruine ohne Dach, eine romanische Stiftskirche, einen künstlichen Hügel mit einem gusseisernen Löwen und eine Retortenstadt, in der Autos unter der Fußgängerzone fahren.

Der zweite Grund ist praktisch. Die Provinz eignet sich nicht als Reiseziel für eine ganze Woche, aber als Tagesziel ist sie unschlagbar. Züge fahren dicht, die Fahrten sind kurz, und du kannst abends zurück in die Stadt. Wer schon zwei Tage Museen in Brüssel hinter sich hat, findet hier den passenden Gegenentwurf.

Die kleinste Provinz, und wie sie entstand

Bis 1995 gab es eine einzige Provinz Brabant, die von der niederländischsprachigen Gegend nördlich von Brüssel bis tief in den französischsprachigen Süden reichte. Als Belgien seinen Staatsaufbau nach Sprachen ordnete, wurde sie geteilt: Flämisch-Brabant im Norden, Wallonisch-Brabant im Süden, Brüssel als eigene Region dazwischen. Die Grenze ist die Sprachgrenze, und sie ist keine Formsache.

Herausgekommen ist die kleinste Provinz des Landes, sowohl nach Fläche als auch nach Einwohnerzahl, mit gut 400.000 Menschen. Sie gilt als die wohlhabendste Walloniens, was du an den Dörfern siehst: gepflegte Backsteinhöfe, Reitställe, teure Autos vor der Bäckerei. Viele Bewohner pendeln nach Brüssel, und genau deshalb ist das Zugnetz hier besser als sonst in der Wallonie.

Waterloo: 1815 vor den Toren Brüssels

Am 18. Juni 1815 endete auf den Feldern südlich der Stadt die Herrschaft Napoleons. Das Schlachtfeld ist bis heute weitgehend unbebaut, und der Blick von oben zeigt, wie klein der Raum war, auf dem Zehntausende starben. Der künstliche Hügel mit dem Löwen wurde später aufgeschüttet, steht streng genommen auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Braine-l’Alleud und kostet dich 226 Stufen.

Unten liegt das Mémorial 1815 unter der Erde, mit Rundbild, Filmen und Fundstücken. Als Tagesausflug funktioniert das ohne Auto: erst Bahn, dann Bus oder ein Fußweg durch Felder. Wie du den Besuch planst, was du dort wirklich siehst und wie lange du brauchst, steht auf der Seite zum Schlachtfeld von Waterloo.

Gut zu wissen: Der Ort Waterloo und das eigentliche Schlachtfeld sind nicht dasselbe. Der Löwenhügel und das Mémorial liegen einige Kilometer südlich des Ortskerns. Wenn dein Navi „Waterloo“ anzeigt, bist du noch nicht da, ziel auf den Butte du Lion.

Villers-la-Ville und Nivelles

Die Abtei von Villers-la-Ville ist das stärkste Bauwerk der Provinz: eine dachlose Zisterzienserkirche von fast hundert Metern Länge, dazu Kreuzgang, Refektorium und Keller, alles aus grauem Sandstein und überwachsen. Gegründet 1146, nach der Französischen Revolution aufgelöst, danach als Steinbruch benutzt und mitten hindurch eine Bahnlinie gelegt. Für die Ruine brauchst du knapp 2 Stunden.

Zwanzig Kilometer weiter westlich liegt Nivelles, auf Niederländisch Nijvel. Die Stiftskirche Sainte-Gertrude wurde 1046 geweiht und ist einer der bedeutendsten romanischen Bauten Belgiens: massiv, hell, mit einem Westbau, der eher an das Rheinland erinnert als an Flandern. Der Rest der Stadt ist freundliche Kleinstadt ohne Getue, und genau das macht den Besuch angenehm.

Louvain-la-Neuve: eine Stadt am Reißbrett

Die jüngste Stadt Belgiens entstand, weil sich die Universität von Löwen in den 1960er-Jahren entlang der Sprachgrenze spaltete und der französischsprachige Teil aus Flandern ausziehen musste. Gebaut wurde auf Ackerland, mit einer kompletten Verkehrsebene unter der Stadt: Oben gehst du zu Fuß, unten fahren Autos, Bahn und Busse. Das klingt technisch und funktioniert erstaunlich gut.

Der Grund für einen Besuch von Louvain-la-Neuve ist das Museum über Hergé, den Erfinder von Tim und Struppi, ein heller Bau am Rand des Zentrums. Dazu kommt die Stadt selbst als begehbares Experiment aus Beton, Backstein und Studentenkneipen. Ein halber Tag reicht, mit Museum wird ein ganzer daraus. In der vorlesungsfreien Zeit ist der Ort auffallend still, im Semester dagegen voller junger Leute, und das verändert den Besuch mehr, als du denkst.

Landschaft, Räder und Kinder

Die Provinz liegt auf dem Brabanter Lössplateau: weite Felder, Alleen, dazwischen Bachtäler mit Wald. Spektakulär ist das nicht, zum Radfahren aber ideal. Auf stillgelegten Bahntrassen verlaufen asphaltierte Wege ohne Steigungen, und in La Hulpe liegt ein weitläufiger Landschaftspark mit Teichen und einem Museum zum Zeichner Folon. Wer lieber läuft, findet zwischen den Feldern markierte Rundwege, die selten länger als 10 Kilometer sind und fast immer an einem Dorf mit Café enden.

Mit Kindern führt der Weg meist nach Wavre, wo der größte Freizeitpark Walloniens liegt, dazu ein Wasserpark daneben. Das ist ein ganzer Tag und kein Zwischenstopp. Weitere Ziele für Familien, von der Tropfsteinhöhle bis zum Tierpark, sammelt der Beitrag Belgien mit Kindern.

Anreise und Tagestouren ab Brüssel

Ziel Anreise ab Brüssel Zeit vor Ort
Schlachtfeld von Waterloo Zug bis Braine-l’Alleud, dann Bus halber bis ganzer Tag
Villers-la-Ville Zug über Ottignies, Bahnhof in Laufweite 2 bis 3 Stunden
Nivelles Zug direkt, gut eine halbe Stunde 2 bis 3 Stunden
Louvain-la-Neuve Zug meist mit Umstieg in Ottignies halber Tag

Mit dem Auto bist du schneller zwischen den Zielen unterwegs, brauchst aber Geduld auf dem Ring um Brüssel. Umweltzonen gibt es in der Provinz keine, in Brüssel schon, und dort muss ein ausländisches Kennzeichen vorher online registriert sein. Maut fällt für Pkw nicht an, ausgenommen ist die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen.

Wann du kommen solltest

April bis Oktober ist die beste Zeit, weil die wichtigsten Ziele draußen liegen. Die Klosterruine ohne Dach ist bei Regen kein Vergnügen, an einem klaren Herbsttag dagegen großartig. Der Löwenhügel steht ungeschützt im Wind, und das Schlachtfeld ist an einem grauen Novembertag ehrlich gesagt nur etwas für Entschlossene.

Wer im Winter kommt, dreht die Reihenfolge um: erst das unterirdische Mémorial, dann das Museum in Louvain-la-Neuve, den Hügel nur, wenn es aufklart. Und wenn du ohnehin in der Wallonie unterwegs bist, kombinierst du die Provinz gut mit einem Abstecher weiter nach Süden, wie ihn die Übersicht zu Wallonien vorschlägt.

Häufige Fragen

Lohnt sich Wallonisch-Brabant als eigenes Reiseziel?

Als Basis für eine Woche eher nicht, dafür ist die Provinz zu klein und zu ruhig. Als Tagesziel ab Brüssel ist sie ausgezeichnet: Waterloo, Villers-la-Ville, Nivelles und Louvain-la-Neuve sind jeweils in einer knappen Stunde erreichbar. Wer Landschaft und Radwege sucht, kann auch zwei bis drei Tage hier verbringen.

Wie kommt man ohne Auto zum Schlachtfeld von Waterloo?

Mit dem Zug bis Braine-l'Alleud und von dort mit dem Bus zum Löwenhügel, alternativ zu Fuß über die Felder. Der Ortsbahnhof Waterloo liegt näher am Ortskern als am Schlachtfeld, was regelmäßig für Verwirrung sorgt. Rechne mit einer knappen Stunde Anreise ab dem Zentrum von Brüssel.

Warum gibt es zwei Provinzen Brabant?

Weil Belgien seinen Staatsaufbau nach Sprachen ordnet. 1995 wurde die alte Provinz Brabant an der Sprachgrenze geteilt: Flämisch-Brabant im niederländischsprachigen Norden, Wallonisch-Brabant im französischsprachigen Süden. Brüssel wurde eine eigene, zweisprachige Region und gehört zu keiner der beiden Provinzen.

Wie viel Zeit braucht man für die Abtei Villers-la-Ville?

Knapp 2 Stunden für die Ruine selbst, mit Pause und Rundgang außen herum auch 3. Der Weg führt über unebenen Boden, Treppen und Grasflächen, feste Schuhe sind sinnvoll. Weil fast alles unter freiem Himmel liegt, hängt der Besuch stark vom Wetter ab. Der Bahnhof liegt in Laufweite.

Spricht man in Wallonisch-Brabant Französisch oder Niederländisch?

Französisch, in der ganzen Provinz. Direkt hinter der Nordgrenze beginnt Flämisch-Brabant, wo Niederländisch Amtssprache ist, und der Wechsel passiert zwischen zwei Ortsschildern. Auf den Wegweisern stehen die Namen jeweils nur in der Landessprache, Nivelles heißt auf Niederländisch Nijvel und Wavre heißt Waver.