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Wandern in den Ardennen: Touren & Regionen

Wandern in den Ardennen heißt Wald, Fluss, Fels und ein Hochmoor, das anders funktioniert als alles andere in Belgien. Gipfel gibt es keine, dafür Hochflächen und tief eingeschnittene Täler, und die Höhenmeter sammeln sich unauffällig. Wer aus dem Rheinland kommt, steht in ein bis zwei Stunden am Startpunkt.

Hier steht, welche Ecken sich wofür eignen, welche Regeln im Hohen Venn gelten, wie du an Semois und Ourthe die schönsten Runden findest, welche Jahreszeit zu welcher Tour passt und was in den Rucksack gehört, wenn es nass wird. Und das wird es hier regelmäßig.

Wandern in den Ardennen: Touren & Regionen
Foto: Jean-Pol GRANDMONT, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageSüden Belgiens, Provinzen Luxemburg, Namur und Lüttich
  • Höchster PunktSignal de Botrange, 694 Meter
  • LandschaftSchieferhochflächen mit tief eingeschnittenen Flusstälern
  • MarkierungGR-Fernwege weiß-rot, lokale Rundwege farbig
  • Beste ZeitMai bis Oktober, Herbst für Farben und klare Luft
  • Ausrüstungwasserdichte Schuhe, Regenjacke, Wechselsocken

Was Wandern in den Ardennen wirklich bedeutet

Die Ardennen sind ein altes, abgetragenes Massiv aus Schiefer, Sandstein und Quarzit. Gipfel gibt es keine. Was es gibt, sind Hochflächen zwischen 300 und 600 Metern und Flüsse, die sich tief hineingeschnitten haben. Für dich heißt das: Du läufst nicht auf einen Berg hinauf, sondern ständig ins Tal hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf.

Genau deshalb unterschätzen viele die erste Tour. Eine Runde von 12 Kilometern sammelt hier ohne Weiteres 400 Höhenmeter ein, ohne dass du je das Gefühl hattest zu steigen. Rechne mit einem guten Drittel mehr Zeit als in flachem Gelände, plane die erste Etappe kürzer, als du dir zutraust, und häng am zweiten Tag etwas dran.

Der zweite Faktor ist der Untergrund. Schiefer wird glatt, sobald er nass ist, und nass ist er oft. Dazu kommen Wurzelpfade an Steilhängen, Laub im Herbst und Matsch im Winter. Wer hier in Turnschuhen läuft, rutscht irgendwann. Was die Region sonst noch ausmacht, steht auf der Seite zu den Ardennen.

Das Hohe Venn: Hochmoor mit Regeln

Auf Französisch heißt es Hautes Fagnes, auf Niederländisch Hoge Venen, und es liegt im Nordosten der Ardennen auf über 600 Metern. Ein Hochmoor lebt nicht vom Fluss, sondern vom Regen: Torfmoos wächst oben nach, während es unten abstirbt, das Wasser bleibt im Polster stehen, und der Boden wächst über Jahrtausende nach oben. Deshalb wachsen hier Wollgras, Heide und Krüppelbirken statt Buchen, und deshalb ist der Untergrund dauerhaft nass.

Praktisch heißt das zweierlei. Erstens läufst du auf Holzstegen und nicht daneben. Ein Tritt ins Moos kostet Vegetation, die Jahrzehnte zum Nachwachsen braucht, und die Stege sind nicht als Aussichtsplattform gebaut, sondern als Schutz für das, was darunter liegt. Zweitens ist das Gebiet in Schutzzonen unterteilt, und die streng geschützten darfst du nur mit einem zugelassenen Führer betreten. Solche Führungen buchst du vorher, spontan geht das nicht.

Der höchste Punkt Belgiens liegt mittendrin: der Signal de Botrange mit 694 Metern. Erwarte keinen Gipfel, sondern einen flachen Buckel mit Aussichtsturm, Parkplatz und Naturzentrum. Von dort führen mehrere markierte Stegrunden ins Moor, das ist der einfachste Einstieg und entsprechend beliebt. Ruhiger wird es, wenn du von der Seite von Malmedy oder Spa her startest.

Achtung: In trockenen Perioden wird das Venn wegen Brandgefahr gesperrt, manchmal wochenlang und immer kurzfristig. Prüf die Warnstufe am Tag vor der Tour auf den offiziellen Seiten des Naturparks, sonst stehst du vor einer Schranke. Bei Sturm gilt dasselbe.

Im Winter liegt hier oben Schnee, wenn zwanzig Kilometer weiter im Tal nichts davon zu sehen ist. Dann werden Loipen gespurt, und die Parkplätze sind am Wochenende gegen Mittag voll. Bei Nebel verlierst du im Moor schnell die Orientierung, weil jede Richtung gleich aussieht. Lade die Karte offline aufs Handy und bleib auf den Stegen.

Die Semois: Mäander, Aussichtspunkte und Tabak

Im Süden windet sich die Semois in engen Schleifen durch bewaldete Hänge. Das ist die fotogenste Ecke der Ardennen, und die Touren folgen fast immer demselben Muster: hinunter ans Wasser, ein Stück am Fluss entlang, dann wieder hinauf zu einem Felskopf, von dem aus du auf die Schleife siehst, die du gerade umrundet hast.

Basis ist Bouillon, das selbst in einer Flussschleife unter seiner Burg liegt. Flussabwärts liegen die bekannten Aussichten: der Blick von Rochehaut hinunter auf den Weiler Frahan, zu dem ein steiler Pfad und eine Fußgängerbrücke führen, und der Tombeau du Géant bei Botassart, ein bewaldeter Rücken, den der Fluss fast vollständig umschließt. Beide Punkte erreichst du auch mit dem Auto, aber der Reiz liegt im Aufstieg zu Fuß.

Im Tal wurde bis vor wenigen Jahrzehnten Tabak angebaut. In manchen Dörfern stehen noch die luftigen Trockenschuppen mit ihren verstellbaren Latten, und der Semois-Tabak war lange ein Begriff. Heute ist er ein Museumsthema, die Schuppen sind Scheunen. Wer im Frühsommer kommt, sieht das Tal in einem Grün, das fast künstlich wirkt.

Ourthe und Amblève: Fels über dem Wasser

La Roche-en-Ardenne klemmt zwischen Felswänden in einer Schleife der Ourthe und ist der beste Standort für Touren im Norden. Markierte Runden führen direkt aus dem Ort auf die Höhen, und wer mehr will, fährt zum Hérou: einem schmalen Felsrücken, um den die Ourthe eine fast geschlossene Schleife zieht. Der Weg dorthin ist nicht lang, aber stellenweise ausgesetzt und verlangt an ein paar Stellen die Hände.

Weiter östlich fließt die Amblève, die im deutschsprachigen Oberlauf Amel heißt. Bei Coo stürzt sie über eine Felsstufe, die Mönche der Abtei Stavelot in den Riegel eines Mäanders geschlagen haben, und ein Aussichtspunkt über dem Ort ist in einer halben Stunde erwandert. Von Stavelot aus laufen die Wege am Wasser entlang und in die Wälder hinauf, ruhiger als am Wasserfall.

Tipp: Nimm die Täler morgens und die Höhen nachmittags. In den engen Schluchten steht die Sonne erst spät über der Kante, Fotos werden dort früh am Tag flau und grau. Auf den Hochflächen ist es genau umgekehrt, dort ist das Licht am späten Nachmittag am besten.

GR-Wege, Rundwege und die Transardennaise

Das Wegenetz ist dicht und ordentlich markiert. Fernwanderwege der GR-Familie tragen weiß-rote Balken, lokale Rundwege farbige Rechtecke oder Rauten. Ein übersehener Abzweig kostet dich hier schnell hundert Höhenmeter, also schau an jeder Kreuzung kurz nach dem nächsten Zeichen, statt dem Gefühl zu folgen.

Die bekannteste Mehrtagestour ist die Transardennaise. Sie führt von La Roche-en-Ardenne quer durch die Wälder nach Bouillon, rund 160 Kilometer in etwa sechs Etappen, und ist als Strecke organisiert: Du läufst von Unterkunft zu Unterkunft und kannst das Gepäck transportieren lassen. Wer weniger Zeit hat, nimmt zwei oder drei Etappen und fährt den Rest.

Flach geht es auf den RAVeL-Trassen, den alten Bahnlinien und Treidelpfaden, die die Wallonie zu einem Netz für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut hat. Sie sind breit, ohne nennenswerte Steigung und deshalb die Rettung an Tagen mit Kinderwagen, müden Beinen oder Dauerregen. Häufig führen sie genau durch die Täler, in denen die Wanderwege steil werden.

Karten bekommst du in jedem Fremdenverkehrsamt. Die amtlichen Blätter im Maßstab 1:25.000 sind die verlässlichste Grundlage, weil sie Wegkategorien und Forststraßen korrekt unterscheiden. Verlass dich nicht allein auf eine App: In den engen Tälern bricht das Mobilfunknetz regelmäßig weg.

Welche Jahreszeit wofür

Im Frühjahr sind die Flüsse voll, die Wälder hell und die Wege matschig. April und Mai sind stark, weil das Laub noch dünn ist und du durch den Wald hindurch ins Tal siehst. Im Hochsommer ist es in den Schluchten angenehm kühl, auf den Hochflächen dagegen schattenlos, und an Wochenenden stehen an den bekannten Aussichtspunkten Trauben von Leuten.

Der Herbst ist die beste Zeit. Buchen und Eichen färben sich im Oktober, das Moor wird rostbraun, morgens hängt Nebel in den Tälern und löst sich gegen Mittag auf. Gleichzeitig beginnt die Jagdsaison, und das betrifft dich direkt: Bei Treibjagden werden einzelne Waldgebiete tageweise gesperrt. Die Termine hängen an den Zugängen aus und stehen bei den Gemeinden. Halte dich daran, das ist keine Formalie.

Der Winter ist ruhig, feucht und kurz im Licht. Gegen halb fünf brauchst du eine Stirnlampe, und Schnee liegt außerhalb des Venns unzuverlässig. Wer im Winter kommt, plant kurze Runden, feste Einkehr und einen Kamin danach.

Ausrüstung: die Ardennen sind nass

Hier fällt mehr Regen als im Flachland, und ein Tag ganz ohne Schauer ist die Ausnahme. Die kurze Liste, die wirklich zählt:

Was Warum
Wasserdichte Schuhe mit grobem Profil Nasser Schiefer und Wurzeln sind rutschig, Senken bleiben tagelang feucht
Regenjacke statt Schirm Auf schmalen Pfaden im Steilhang brauchst du beide Hände
Wechselsocken im Rucksack Nasse Füße sind der häufigste Grund, eine Tour abzubrechen
Stöcke Die Abstiege sind steil und kurz, die Knie danken es dir
Offline-Karte und Powerbank In den Tälern bricht das Netz weg, GPS zieht Akku
Warme Zwischenschicht Auf den Hochflächen und im Venn weht es fast immer

Anreise, Parken und ein paar Regeln

Ohne Auto wird es mühsam. Die Bahnlinie von Brüssel nach Luxemburg durchquert die Region mit Halten in Marloie, Jemelle und Libramont, danach übernehmen Busse, die selten fahren und am Wochenende noch dünner werden. Mit dem Auto bist du aus Aachen oder Köln in ein bis zwei Stunden am Startpunkt, allerdings dauern die letzten zwanzig Kilometer über kurvige Landstraßen länger, als das Navi verspricht.

Die Parkplätze an den Einstiegen sind klein. Stell dich nicht in die Wiese und blockier keine Forstwege, die werden gebraucht. Für Pkw fällt in Belgien keine Maut an, ausgenommen ist die kostenpflichtige Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Umweltzonen gibt es in den Ardennen keine, sie gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, und ausländische Kennzeichen müssen sich dort vorher online registrieren. Wer Wald und Stadt kombiniert, erledigt das von zu Hause aus.

Gut zu wissen: Gesprochen wird in den Ardennen Französisch, im Osten in den neun Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft Deutsch. Auf den Wegweisern steht immer nur die Landessprache. Wer nach Lüttich will, sucht Liège, und wer von der wallonischen Seite nach Sankt Vith fährt, findet auf den Schildern Saint-Vith.

Hunde gehören im Wald an die Leine, und in den Schutzzonen des Venns sind sie streckenweise gar nicht erlaubt. Wasser aus Bächen trinkst du nicht, auch wenn es klar aussieht: Das Moor färbt es braun, und oberhalb liegen Weiden. Und wenn dir unterwegs ein Wildschwein begegnet, geh ruhig weiter, statt es zu fotografieren.

Häufige Fragen

Wie anspruchsvoll ist Wandern in den Ardennen?

Technisch einfach, konditionell unterschätzt. Es gibt keine Kletterstellen und keine Höhe, dafür ständiges Auf und Ab: Eine Runde von 12 Kilometern hat schnell 400 Höhenmeter. Dazu kommt ein Untergrund aus Schiefer, Wurzeln und Laub, der bei Nässe rutscht. Plane die erste Tour kürzer als gewohnt und rechne mit einem Drittel mehr Zeit.

Braucht man für das Hohe Venn einen Führer?

Nicht überall. Auf den ausgeschilderten Holzstegen, etwa rund um den Signal de Botrange, läufst du frei. Die streng geschützten Zonen dagegen darfst du nur mit einem zugelassenen Führer betreten, und solche Touren buchst du vorher. Dazu kommt: In trockenen Perioden wird das Moor wegen Brandgefahr kurzfristig komplett gesperrt.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in den Ardennen?

Mai bis Oktober ist die verlässliche Spanne. Im Frühjahr sind die Wälder hell und die Flüsse voll, im Hochsommer sind die Täler kühl und die Aussichtspunkte am Wochenende voll. Am schönsten ist der Oktober, wenn sich das Laub färbt und das Moor rostbraun wird. Achte im Herbst auf Sperrungen wegen Treibjagden.

Kann man in den Ardennen ohne Auto wandern?

Mit Einschränkungen. Die Bahnlinie von Brüssel nach Luxemburg hält unter anderem in Marloie, Jemelle und Libramont, von dort fahren Busse, die selten und am Wochenende noch dünner verkehren. Wer ohne Auto kommt, sucht sich einen Standort mit Wegen direkt vor der Tür, etwa im Ourthetal, und plant Rundwanderungen statt Streckenetappen.

Welche Schuhe braucht man für die Ardennen?

Wasserdichte Wanderschuhe mit grobem Profil, am besten knöchelhoch. Der Schiefer ist nass rutschig, die Pfade sind wurzelig, und in Senken steht auch im Sommer Wasser. Turnschuhe funktionieren nur auf den flachen RAVeL-Trassen. Nimm zusätzlich Wechselsocken mit, das ist die billigste Versicherung gegen einen abgebrochenen Wandertag.