Region in Belgien

Die Ardennen: Wälder, Burgen & Flüsse

Die Ardennen sind der bewaldete Süden Belgiens: ein altes, abgetragenes Gebirge aus Schiefer und Sandstein, in das sich Flüsse tiefe Täler gegraben haben. Keine Gipfel, keine Almen, sondern Hochflächen mit Wald, darin enge Schleifen aus Wasser, Fels und Dorf. Der höchste Punkt des Landes liegt bei 694 Metern und ist ein flacher Buckel im Moor.

Für Reisende aus Deutschland ist das die nächstgelegene Waldlandschaft mit Ferienhauskultur, günstigen Preisen und kurzen Wegen. Du kommst zum Wandern, zum Kajakfahren, wegen der Burgen über den Flüssen und im Herbst wegen der Farben und der Wildküche. Und du kommst wegen der Ruhe, denn hier ist Belgien plötzlich leer.

Die Ardennen: Wälder, Burgen & Flüsse
Foto: Demeester, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageSüden Belgiens, Provinzen Luxemburg, Namur und Lüttich
  • SpracheFranzösisch, im Osten Deutsch
  • Höchster Punkt694 Meter im Hohen Venn, höchster Punkt Belgiens
  • Bekannt fürWälder, Flusstäler, Burgen, Wild und Bier
  • Anreiseam besten mit dem Auto, Bahnlinie Brüssel nach Luxemburg als Rückgrat
  • Beste ReisezeitMai bis Oktober, Herbst für Farben und Wild

Was die Ardennen sind, und was nicht

Sie sind kein Gebirge im alpinen Sinn, sondern ein altes Massiv, das seit Millionen Jahren abgetragen wird. Übrig blieb eine Hochfläche aus Schiefer, Sandstein und Quarzit, meist zwischen 300 und 600 Metern hoch, zerschnitten von Flüssen. Deshalb geht es hier ständig hinunter und wieder hinauf, ohne dass du je einen Gipfel siehst. Der Name geht auf die Arduenna Silva der Römer zurück, und Wald ist bis heute das Hauptmerkmal.

Belgien besitzt den größten Teil, aber die Landschaft endet nicht an der Grenze: Nach Süden geht sie ins französische Département Ardennes über, nach Osten ins Großherzogtum und in die deutsche Eifel. Wer aus der Eifel kommt, findet also dieselbe Geologie und eine andere Sprache. Das ist Teil des Reizes.

Die Orte: wo du dich einquartierst

Es gibt keine große Stadt, sondern eine Handvoll Kleinstädte, die jeweils ein Tal beherrschen. Bouillon liegt in einer Schleife der Semois unter einer Burg, die den ganzen Felsrücken einnimmt. La Roche-en-Ardenne klemmt zwischen Felswänden an der Ourthe, mit Ruine oben und Kajakverleih unten. Durbuy nennt sich kleinste Stadt der Welt und besteht aus ein paar Kopfsteingassen zwischen Fels und Fluss.

Im Westen liegt Dinant an der Maas, eingeklemmt zwischen Wasser und senkrechter Felswand, mit Zitadelle über der Stiftskirche. Rochefort ist die ruhige Basis zwischen Höhlen und Wanderwegen, Spa das alte Kurbad am Nordrand, Stavelot die Abteistadt im Tal der Amblève. Und Bastogne im Osten steht für den Winter 1944.

Tipp: Bleib an einem Ort und fahr sternförmig. Die Straßen sind kurvig, 50 Kilometer dauern hier eine gute Stunde, und wer jeden Tag umzieht, verbringt den Urlaub im Auto. Ein Ferienhaus für eine Woche ist in dieser Region der Normalfall und meist günstiger als zwei Hotelnächte in Flandern.

Burgen, Ruinen und stille Dörfer

Über fast jedem Tal steht eine Burg oder das, was von ihr übrig ist. Der Grund ist einfach: Wer den Flussübergang kontrollierte, kontrollierte den Verkehr, und in einem Land aus Schluchten gibt es wenige Übergänge. Manche Anlagen sind erhalten und komplett begehbar, andere sind Ruinen, in denen du zwischen Mauerresten herumsteigst. Fast immer gehört ein steiler Aufstieg dazu, und fast immer lohnt er sich wegen des Blicks ins Tal.

Dazu kommen die Dörfer. Die Wallonie vergibt ein offizielles Label an besonders gut erhaltene Ortschaften, und ein guter Teil dieser Orte liegt in den Ardennen: Häuser aus grauem Schiefer oder hellem Kalkstein, eine Kirche, ein Brunnen, ein Café mit vier Tischen. Viel passiert dort nicht, und genau darum geht es. Nimm dir für eines dieser Dörfer eine Stunde und einen Kaffee, statt fünf davon an einem Tag abzuhaken.

Wandern: markiert, feucht, schön

Das Wegenetz ist dicht und gut markiert, die Fernwanderwege der GR-Familie tragen weiß-rote Zeichen, lokale Rundwege farbige Rechtecke. Klassiker sind die Mäander der Semois mit ihren Aussichtspunkten, das Tal der Ourthe, die Amblève mit ihren Felsen und im Nordosten das Hohe Venn, ein Hochmoor, in dem du auf Holzstegen läufst und für die streng geschützten Zonen einen zugelassenen Führer brauchst.

Zwei ehrliche Hinweise. Erstens: Es regnet hier mehr als im Flachland, Schiefer wird nass rutschig, und Wurzelpfade an Steilhängen sind bei Nässe anstrengend. Wasserdichte Schuhe sind kein Luxus. Zweitens: Höhenmeter sammeln sich unauffällig. Eine Runde von 12 Kilometern kann 400 Höhenmeter haben, ohne dass du je das Gefühl hattest zu steigen. Plane die erste Tour also kürzer, als du dir zutraust, und nimm die zweite dann länger.

Kajak, Fluss und Fels

Kajakfahren ist die zweite große Aktivität. Auf der Lesse startest du flussaufwärts und kommst bei Dinant an der Maas heraus, auf der Ourthe legst du bei La Roche oder Durbuy ab, auf der Semois bei Bouillon. Die Boote sind stabil, die Strecken haben leichte Schwälle, und die Verleiher bringen dich mit dem Bus zurück. Für eine übliche Etappe rechnest du mit 2 bis 4 Stunden.

Wichtig ist der Wasserstand. Nach trockenen Wochen setzen die Boote auf und der Betrieb wird eingestellt, nach starkem Regen ist die Strömung zu stark und es wird ebenfalls abgesagt. Ruf am Vortag an. Unter der Erde geht es weiter: Bei Rochefort verschwindet die Lesse im Berg und fließt kilometerweit durch das Gestein, was du bei einer der größten Tropfsteinhöhlen Europas zum Teil mitläufst. In den Höhlen bleibt es das ganze Jahr kühl, nimm eine Jacke mit.

Wild, Schinken und Trappist

Die Küche der Ardennen ist deftig und saisonal. Der geräucherte Ardenner Schinken trägt eine geschützte geografische Angabe und kommt hauchdünn geschnitten mit Bauernbrot auf den Tisch. Dazu Pasteten und Wildterrinen, Forelle aus dem Bach und ab dem Herbst Reh, Hirsch und Wildschwein, meist mit Rotkohl, Preiselbeeren und Kroketten. Das ist Essen für kaltes Wetter, im Juli wirkt es schwer.

Beim Bier lohnt eine Unterscheidung: Trappistenbier heißt nur, was im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird, und zwei dieser Klöster liegen in dieser Region, eines bei Rochefort und eines im Süden nahe der französischen Grenze. Abteibier dagegen ist ein Lizenzprodukt und wird oft von normalen Brauereien hergestellt. Die belgische Bierkultur gehört zum immateriellen Erbe der UNESCO, und hier trinkst du sie in kleinen Cafés statt in Bierhallen.

Herbst, Winter und die Sache mit dem Schnee

Der Herbst ist die schönste Zeit. Buchen und Eichen färben sich im Oktober, das Moor wird rostbraun, morgens hängt Nebel in den Tälern und löst sich gegen Mittag auf. Gleichzeitig beginnt die Wildsaison, und die Restaurants schreiben ihre Karten um. Wer nur einmal im Jahr herkommen kann, kommt im Oktober.

Der Winter ist ehrlich gesagt bescheiden, was den Sport angeht. Es gibt Loipen auf den Höhen, ein paar kurze Lifte und Rodelhänge, aber die Schneelage ist unzuverlässig: Manche Winter bringen Wochen, andere fast nichts. Wenn Schnee liegt, fährt am Wochenende die halbe Region hinauf, und die Parkplätze sind mittags voll. Plane den Winter also nicht als Skiurlaub, sondern als Waldurlaub mit der Chance auf Schnee.

Achtung: Wildwechsel ist hier Alltag, besonders in der Dämmerung. Fahr auf Landstraßen langsamer, als du es gewohnt bist, und rechne damit, dass hinter dem ersten Tier ein zweites steht. Viele Nebenstraßen sind schmal, unbeleuchtet und im Winter nur eingeschränkt geräumt.

Anreise: ehrliche Fahrzeiten

Ohne Auto wird es mühsam. Die Bahnlinie von Brüssel nach Luxemburg durchquert die Region mit Halten in Marloie, Jemelle, Libramont und weiter im Süden, von dort übernehmen Busse, die selten fahren und am Wochenende noch dünner werden. Mit dem Auto bist du dagegen schnell da, und die folgenden Zeiten gelten ohne Stau:

Von Nach Entfernung und Fahrzeit
Aachen Spa rund 50 Kilometer, gut eine halbe Stunde
Aachen Bastogne gut 100 Kilometer, rund anderthalb Stunden
Köln La Roche-en-Ardenne rund 190 Kilometer, gut 2 Stunden
Düsseldorf Durbuy rund 190 Kilometer, gut 2 Stunden
Frankfurt Bouillon rund 330 Kilometer, 3 bis 4 Stunden

Umweltzonen gibt es in den Ardennen keine, sie gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, wo ausländische Kennzeichen vorher online registriert sein müssen. Maut fällt für Pkw in Belgien nicht an, ausgenommen ist die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Innerhalb der Region rechnest du großzügig: Die Straßen sind kurvig und folgen den Tälern, Luftlinie hilft dir hier nicht weiter.

Wann du kommen solltest

Mai bis Oktober ist die verlässliche Spanne. Im Frühjahr sind die Flüsse voll und die Wälder hell, im Frühsommer ist Kajakfahren am sichersten, im Hochsommer sind die bekannten Orte an Wochenenden voll und unter der Woche angenehm. Der Herbst gehört den Farben und dem Wild, der Winter der Ruhe, dem Kamin und den kurzen Tagen.

Und noch ein Satz zum Erwartungsmanagement: Die Ardennen sind keine Sensationslandschaft. Ihr Reiz liegt in der Wiederholung, in Wald, Fluss, Dorf, Wald. Wer das mag, kommt wieder. Wer Programm braucht, kombiniert die Region besser mit ein paar Tagen Stadt.

Häufige Fragen

Wie weit sind die Ardennen von Brüssel entfernt?

Je nach Ziel zwischen 100 und 180 Kilometern, mit dem Auto also etwa 1,5 bis 2,5 Stunden. Dinant und Rochefort liegen näher, Bouillon und Bastogne deutlich weiter. Mit dem Zug erreichst du über die Linie Richtung Luxemburg mehrere Bahnhöfe in der Region, brauchst danach aber Bus, Fahrrad oder Mietwagen.

Kann man in den Ardennen Ski fahren?

Eingeschränkt. Es gibt Loipen auf den Höhen, kurze Lifte und Rodelhänge, aber keine Skigebiete im alpinen Sinn. Entscheidend ist die Schneelage, und die ist unzuverlässig: Manche Winter bringen mehrere Wochen, andere kaum etwas. Plane den Winter als Waldurlaub mit der Chance auf Schnee, nicht als Skireise, und prüf die Lage kurzfristig.

Wie viele Tage braucht man für die Ardennen?

Ein verlängertes Wochenende reicht für ein Tal, eine Burg und eine Wanderung. Für Kajak, Höhlen, mehrere Orte und einen Tag Geschichte planst du besser 5 bis 7 Tage. Weil die Fahrten kurvig sind, lohnt es sich, an einem Standort zu bleiben und sternförmig zu fahren, statt jeden Tag umzuziehen.

Sind die Ardennen mit Kindern geeignet?

Sehr gut sogar. Kajaktouren auf ruhigen Abschnitten, Tropfsteinhöhlen mit Bahn und Boot, Burgruinen zum Klettern, Wildparks und Ferienhäuser mit Garten. Wichtig sind kurze Wanderungen und feste Schuhe, weil die Wege oft feucht und wurzelig sind. Rechne bei Museen zum Zweiten Weltkrieg mit schwerem Stoff und wähle nach Alter aus.

Spricht man in den Ardennen Deutsch?

Im größten Teil wird Französisch gesprochen. Nur im Osten, in den neun Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft, ist Deutsch Amtssprache. In touristischen Betrieben nahe der Grenze kommst du oft mit Deutsch weiter, weiter westlich hilft Französisch oder Englisch. Ein paar Höflichkeitsfloskeln auf Französisch öffnen hier spürbar Türen.