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Die schönsten Dörfer Belgiens

Belgien hat für schöne Dörfer ein eigenes Gütesiegel, allerdings nur im Süden: Les Plus Beaux Villages de Wallonie vergibt sein Label an Orte, deren Ortsbild geschlossen geblieben ist. In Flandern gibt es kein Gegenstück, dafür Dörfer aus weißem Backstein zwischen Poldern und Kanälen.

Hier steht, wie das Label funktioniert, welche Dörfer sich wofür lohnen, warum Durbuy ein Sonderfall ist und wie du solche Orte besuchst, ohne dass sie zu einer einzigen Kopfsteingasse verschwimmen.

Die schönsten Dörfer Belgiens
Foto: DimiTalen, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LabelLes Plus Beaux Villages de Wallonie, gegründet 1994
  • Verbreitungnur in der Wallonie, kein bekanntes flämisches Gegenstück
  • Kriteriengeschlossenes Ortsbild, lokale Baumaterialien, keine störenden Neubauten
  • SchwerpunkteArdennen, Maas- und Semoistal, Gaume, Herver Land
  • Anreiseim Süden fast nur mit dem Auto, in Flandern oft per Rad oder Bahn
  • Beste ZeitMai bis Oktober, am besten unter der Woche

Das Label: Les Plus Beaux Villages de Wallonie

Im Süden Belgiens gibt es dafür eine offizielle Instanz. Der Verein Les Plus Beaux Villages de Wallonie wurde 1994 nach französischem Vorbild gegründet und vergibt sein Label an Dörfer, die sich darum bewerben. Geprüft wird, ob das Ortsbild geschlossen ist, ob die Häuser aus den lokalen Materialien bestehen, also Schiefer, Bruchstein oder Kalkstein, und ob störende Neubauten fehlen. Mehrere Dutzend Dörfer tragen das Label heute, und wer die Kriterien nicht mehr erfüllt, kann es wieder verlieren.

Das Label ist deshalb mehr als Werbung: Es ist eine Vorauswahl, die dir Arbeit abnimmt. Praktisch heißt das, dass du in einem solchen Dorf keine Gewerbeschuppen am Ortseingang findest und keine Fassade, die mit Kunststoff verkleidet wurde. Es heißt aber nicht, dass dort etwas los ist. Die meisten dieser Orte haben eine Kirche, einen Brunnen, ein Café und sonst nichts.

In Flandern gibt es kein vergleichbar bekanntes Label. Dort musst du selbst auswählen, und die Auswahl fällt anders aus: keine Bruchsteindörfer in Tälern, sondern Backstein, Polder, Kirchtürme über flachem Land.

Wie du ein Dorf richtig besuchst

Der häufigste Fehler ist, fünf davon an einen Tag zu packen. Das funktioniert nicht, weil sich die Orte dann zu einer einzigen Kopfsteingasse verwischen. Nimm zwei, plan für jedes eine Stunde plus Kaffee, und lauf einmal aus dem Ort heraus, bis du ihn von außen im Ganzen siehst. Genau dieser Blick fehlt den meisten Besuchern.

Zweitens: Park außerhalb. Die Gassen sind eng, viele Ortskerne sind für Autos ungeeignet, und die Parkplätze liegen fast immer am Rand. Drittens: Komm unter der Woche. An Sonntagnachmittagen im Sommer schieben sich in den bekannten Dörfern die Leute durch die Hauptgasse, morgens um neun gehört dir dieselbe Gasse.

Tipp: Nimm Bargeld mit. In kleinen Dorfcafés und an Hofläden funktioniert die Kartenzahlung nicht überall, und der Geldautomat ist oft im nächsten größeren Ort. Ein Frühstück oder eine Portion Fritten aus der Friture kostet dich sonst mehr Umweg als Geld.

Die Ardennen und die Flusstäler

Die Dichte an Label-Dörfern ist in den Ardennen am höchsten. Wéris bei Durbuy ist der ungewöhnlichste Ort davon: ein Bauerndorf aus Kalkstein, um das herum die bedeutendsten Megalithen Belgiens stehen, Dolmen und Menhire aus der Jungsteinzeit, mitten in Feldern. Du läufst sie auf einem markierten Rundweg in zwei bis drei Stunden ab.

Celles liegt östlich von Dinant und hat eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert mit wuchtigem Westturm. Am Ortsrand steht ein deutscher Panzer aus dem Dezember 1944, an der Stelle, an der die Ardennenoffensive ihren westlichsten Punkt erreichte und liegen blieb. Das ist kein Denkmal für den Panzer, sondern eine Ortsmarke, und es lohnt sich, davor kurz stehen zu bleiben.

Im Molignéetal südlich von Namur liegen Sosoye und Falaën, zwei Dörfer aus hellem Kalkstein zwischen Wiesen, und dazwischen eine große Benediktinerabtei. Deren Käse ist bekannt, und beim Bier lohnt die Unterscheidung: Das Bier mit dem Namen der Abtei wird nicht im Kloster gebraut, sondern in Lizenz. Genau das ist der Unterschied zwischen Abteibier und Trappist, denn Trappist darf nur heißen, was im Kloster unter Aufsicht der Mönche entsteht.

An der Semois liegt Laforêt, ein Dorf mit Schieferdächern, altem Waschhaus und Tabaktrockenschuppen aus der Zeit, als hier noch Tabak angebaut wurde. Und bei Crupet nordwestlich von Dinant steht mitten im Ort ein Wohnturm im Wassergraben, dazu eine begehbare Felsengrotte, die um 1900 als Wallfahrtsort gebaut wurde und ziemlich aus der Zeit gefallen wirkt.

Durbuy: der Sonderfall

Durbuy nennt sich die kleinste Stadt der Welt, weil der Ort im 14. Jahrhundert Stadtrechte bekam und sie nie verlor, während im historischen Kern bis heute nur ein paar Hundert Menschen leben. Grauer Bruchstein, Schieferdächer, eine Bogenbrücke über die Ourthe, darüber ein Schloss am Felsen.

Die andere Hälfte der Wahrheit: Durbuy lebt vom Besuch. In den Häusern sitzen Restaurants, Feinkostläden und Souvenirgeschäfte, kaum noch Einwohner. An schönen Wochenenden ist die Hauptgasse voll. Wer damit rechnet, ist zufrieden. Wer ein stilles Bergdorf erwartet, kommt am Dienstagvormittag oder gar nicht.

Gaume und Herver Land

Ganz im Süden, direkt an der französischen Grenze, liegt Torgny. Es ist das südlichste Dorf Belgiens und sieht auch so aus: Häuser aus ockerfarbenem Stein, flache Ziegel wie in Südfrankreich, ein Hang mit Reben. Die Gaume ist die wärmste Ecke des Landes, und das merkst du im Frühjahr sofort, wenn hier schon blüht, was in den Ardennen noch schläft.

Im Osten, zwischen Lüttich und der deutschen Grenze, liegen Soiron und Limbourg. Soiron ist ein geschlossenes Dorf aus grauem Kalkstein mit Schloss und Kirche auf einer Kuppe. Limbourg ist ein alter Festungsort auf einem Felssporn über der Weser, mit einem langen kopfsteingepflasterten Platz unter Linden, der früher der Hauptort eines eigenen Herzogtums war. Beide liegen im Weideland um Herve, wo der bekannteste Weichkäse Belgiens herkommt.

Dorf Region Wofür du hinfährst
Wéris Ardennen bei Durbuy Dolmen und Menhire auf einem Rundweg
Celles bei Dinant romanische Kirche, Panzer von 1944
Torgny Gaume südlichstes Dorf, Reben, warmes Licht
Limbourg Provinz Lüttich Festungsplatz auf dem Felssporn
Damme bei Brügge Kanal, Rathaus, Buchhandlungen
Lissewege Westflandern weiß gekalkte Häuser, Zisterzienserscheune

Flandern: Backstein statt Bruchstein

Damme liegt sieben Kilometer nordöstlich von Brügge an einem schnurgeraden Kanal und hat ein Rathaus, das zwei Nummern zu groß ist. Der Grund: Im Mittelalter war Damme der Vorhafen von Brügge. Heute ist es ein Dorf mit Buchhandlungen, Restaurants und sehr viel Horizont, erreichbar über einen flachen Radweg am Wasser.

Lissewege zwischen Brügge und der Küste besteht fast vollständig aus weiß gekalkten Backsteinhäusern, mit einem viel zu großen Kirchturm, der oben stumpf abbricht. Zwei Kilometer weiter steht die Scheune von Ter Doest, der Rest einer Zisterzienserabtei und eines der eindrucksvollsten mittelalterlichen Wirtschaftsgebäude Europas.

Veurne im Westhoek ist streng genommen eine Kleinstadt, hat aber den geschlossensten Marktplatz Flanderns: Renaissancefassaden auf allen Seiten, kein Nachkriegsbau, keine Lücke. Und Zoutleeuw in Flämisch-Brabant ist ein verschlafener Ort mit einer Kirche, deren Ausstattung als einzige der Region den Bildersturm und die französische Zeit unbeschadet überstanden hat. Innen steht deshalb noch alles da, wo es hingehört.

Gut zu wissen: Die Ortsnamen wechseln mit der Sprache, und auf den Wegweisern steht jeweils nur die Landessprache. In Flandern suchst du Damme, Lissewege, Veurne und Zoutleeuw, in der Wallonie Torgny, Soiron und Celles. Wer über die Sprachgrenze fährt, sollte den Namen des Ziels in beiden Sprachen kennen, sonst verschwindet es plötzlich von den Schildern.

Praktisch: Anreise, Zeiten, Essen

Die wallonischen Dörfer erreichst du fast nur mit dem Auto. Busse fahren, aber selten und am Wochenende noch dünner. Umweltzonen gibt es dort keine, die gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, wo ausländische Kennzeichen sich vorher online registrieren müssen. Maut fällt für Pkw nicht an, ausgenommen ist die kostenpflichtige Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Die flämischen Orte sind leichter: Damme und Lissewege erreichst du von Brügge aus mit dem Rad, Veurne und Zoutleeuw haben Bahnanschluss in der Nähe.

Rechne damit, dass in kleinen Orten vieles geschlossen ist, wenn du kommst. Dorfcafés machen mittags auf und am frühen Abend wieder zu, Museen öffnen saisonal, und montags ist in ganzen Landstrichen Ruhetag. Kirchen sind dagegen oft offen, und in vielen liegt ein Faltblatt aus, das mehr erklärt als jede Tafel draußen.

Zum Essen: Erwarte keine Küche mit Auszeichnungen. Erwarte Bauernbrot mit Käse, Wildpastete im Herbst, ein Bier vom Fass und eine Friture am Ortsrand, die zwischen zwölf und zwei geöffnet hat. Genau das ist der Punkt an diesen Orten, und wer sich darauf einlässt, hat den besseren Tag.

Häufige Fragen

Was bedeutet Les Plus Beaux Villages de Wallonie?

Das ist ein Label, das ein 1994 gegründeter Verein an wallonische Dörfer vergibt. Geprüft werden ein geschlossenes Ortsbild, die Verwendung lokaler Materialien wie Schiefer, Bruchstein oder Kalkstein und das Fehlen störender Neubauten. Dörfer bewerben sich selbst, werden begutachtet und können das Label auch wieder verlieren.

Welches ist das schönste Dorf Belgiens?

Das hängt davon ab, was du suchst. Für die Kulisse ist Durbuy die sichere Wahl, allerdings auch die vollste. Wer Ruhe will, fährt nach Torgny in der Gaume oder nach Limbourg über der Weser. In Flandern ist Lissewege mit seinen weiß gekalkten Häusern der geschlossenste Ort, Damme der interessanteste.

Wie viele Dörfer schafft man an einem Tag?

Zwei, drei mit Mühe. Die Straßen sind kurvig, 50 Kilometer dauern in den Ardennen eine gute Stunde, und ein Dorf braucht eine Stunde plus Kaffee, damit es etwas bringt. Wer fünf abhakt, erinnert sich hinterher an keines. Besser: einen Ort als Ziel, einen als Zugabe und dazwischen eine kurze Wanderung.

Kann man die Dörfer ohne Auto erreichen?

In der Wallonie kaum. Busse fahren, aber selten, und am Wochenende wird der Fahrplan noch dünner. In Flandern ist es einfacher: Damme und Lissewege erreichst du von Brügge aus bequem mit dem Rad auf flachen Wegen, Veurne und Zoutleeuw haben Bahnhöfe in erreichbarer Nähe.

Wann sind die Dörfer am schönsten?

Von Mai bis Oktober, und darin am besten unter der Woche und früh am Tag. Im Frühjahr blüht die Gaume als Erstes, im Oktober färben sich die Wälder der Ardennen. An Sonntagnachmittagen im Sommer sind die bekannten Orte voll, und viele Cafés und Museen haben im Winter nur eingeschränkt geöffnet.