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Feste in Belgien: Karneval, Prozessionen & Festivals

Belgien feiert nicht lauter als andere Länder, aber gründlicher. Männer in Straußenfedern werfen Orangen ins Publikum, ein hölzernes Pferd wird nur alle paar Jahre durch die Stadt getragen, und in einer Stadt kämpft jedes Jahr mittags Sankt Georg gegen einen Drachen. Ein großer Teil dieser Bräuche steht auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Hier stehen die Feste, für die es sich lohnt, eine Reise zu verschieben: was passiert, wann sie stattfinden, wie du den Termin selbst ausrechnest und wie du dich als Gast verhältst, ohne im Weg zu stehen.

Feste in Belgien: Karneval, Prozessionen & Festivals
Foto: Christophe Degryse, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Terminedie meisten hängen am Osterdatum, feste Kalendertage gibt es nicht
  • UNESCOviele Feste stehen auf der Liste des immateriellen Kulturerbes
  • Nationalfeiertag21. Juli, mit Parade in Brüssel
  • HochburgenBinche, Aalst, Brügge, Dendermonde, Mons, Gent
  • AnreiseZug, weil die Innenstädte gesperrt sind
  • KostenZuschauen kostet fast überall nichts, Tribünenplätze schon

Warum das Feiern hier zum Erbe gehört

Die UNESCO führt zwei getrennte Listen. Auf der einen stehen Orte: Plätze, Kirchen, Bergwerke. Auf der anderen stehen lebende Bräuche, also Dinge, die Menschen tun und weitergeben. Belgien ist auf dieser zweiten Liste ungewöhnlich stark vertreten, mit Karneval, Prozessionen, Riesenumzügen und der Bierkultur. Welche Bauwerke dagegen zum Welterbe zählen, steht in der Übersicht zum UNESCO-Welterbe in Belgien.

Der Grund liegt im Mittelalter. Die Städte in Flandern und der Wallonie waren früh reich und selbstbewusst, und sie organisierten sich in Zünften, Bruderschaften und Schützengilden. Diese Vereine trugen ihre Heiligen, ihre Riesen und ihre Fahnen einmal im Jahr durch die Straßen. Viele von ihnen gibt es noch, mit denselben Figuren und oft mit denselben Familien. Deshalb wirken belgische Feste selten wie Folklore für Besucher, sondern wie eine Sache der Stadt, bei der du zuschauen darfst.

Gut zu wissen: Fast alle großen Termine hängen am Osterdatum und verschieben sich damit jedes Jahr. Karneval liegt sieben Wochen vor Ostern, die Heilig-Blut-Prozession fällt auf Christi Himmelfahrt, die Ducasse in Mons auf den Sonntag nach Pfingsten. Rechne vom Osterdatum aus oder schau kurz auf der Website der jeweiligen Stadt nach, bevor du buchst.

Karneval: Binche und Aalst

In Binche im Hennegau passiert am Faschingsdienstag etwas, das es sonst nirgends gibt. Am Morgen tragen die Gilles Wachsmasken mit runden grünen Brillen, dazu Anzüge mit Löwen und Sternen und Holzschuhe, mit denen sie den Takt in das Pflaster stampfen. Am Nachmittag setzen sie Hüte aus Straußenfedern auf, die so groß sind, dass zwei Männer beim Aufsetzen helfen, und ziehen mit Körben voller Orangen über den Marktplatz. Die Orangen werfen sie ins Publikum, und zwar mit Nachdruck. Gille wird man nicht als Gast: Dafür musst du in Binche geboren oder dort ansässig sein.

Aalst in Ostflandern feiert das Gegenteil: drei Tage Spott, Verkleidung und Straßentheater, bei denen die Stadt vor allem sich selbst und die Politik auseinandernimmt. Der Karneval war lange UNESCO-Erbe, steht wegen antisemitischer Wagen aber nicht mehr auf der Liste. Wer hinfährt, sollte das wissen und selbst entscheiden. Wie die belgischen Karnevalsformen zusammenhängen und welche Regeln gelten, steht auf der Seite zum Karneval in Belgien.

Achtung: Die Orangen in Binche sind ein Geschenk und werden trotzdem hart geworfen. Stell dich nicht in die erste Reihe, wenn du eine Brille oder eine Kamera dabeihast, und wirf keine Orange zurück. Das gilt als Beleidigung und wird auch so verstanden.

Die Heilig-Blut-Prozession in Brügge

An Christi Himmelfahrt trägt Brügge die Reliquie des Heiligen Blutes durch die Altstadt, und die halbe Stadt zieht mit. Tausende Mitwirkende spielen dabei biblische Szenen und die Geschichte der Reliquie nach, mit Pferden, Wagen und Kostümen, an denen ganze Vereine das Jahr über arbeiten. Der Zug braucht Stunden, und am Ende geht die Reliquie zurück in die Heilig-Blut-Basilika am Burgplatz.

Zuschauen am Straßenrand kostet nichts, du solltest dafür aber früh da sein und dich auf Stehen einstellen. Sitzplätze auf den Tribünen werden im Voraus verkauft und sind für Familien mit kleinen Kindern das Geld wert. Denk daran, dass die Prozession für viele Teilnehmer ein religiöser Akt ist und kein Umzug: Applaus ist üblich, Zwischenrufe nicht.

Riesen, ein Pferd und ein Drache

Umzüge mit Riesen und Drachen gehören in Belgien und Nordfrankreich zusammen zum immateriellen Erbe, und drei davon sind besonders sehenswert. In Dendermonde wird das Ros Beiaard nur etwa alle zehn Jahre durch die Stadt getragen, ein schweres hölzernes Pferd mit vier Kindern auf dem Rücken, die Geschwister und in der Stadt geboren sein müssen. Wer im richtigen Jahr da ist, erlebt eine Kleinstadt im Ausnahmezustand.

In Mons, das auf Niederländisch Bergen heißt, zieht am Sonntag nach Pfingsten ein goldener Wagen durch die Stadt, der am Ende eine steile Rampe zur Stiftskirche in einem Zug hinaufkommen muss. Schafft er es nicht, gilt das als schlechtes Zeichen, und das nehmen die Leute ernst. Mittags folgt auf dem Grand-Place der Kampf zwischen Sankt Georg und dem Drachen, bei dem das Publikum im Ring steht. In Brüssel zieht im Sommer der Ommegang über die Grand-Place, ein historischer Umzug mit Gilden, Pferden und Fahnenschwingern. Dazu kommen die Riesen von Ath im Hennegau, die Ende August durch die Stadt gehen.

Die Gentse Feesten: zehn Tage Stadt

Im Juli übernimmt Gent sich selbst. Zehn Tage lang stehen Bühnen auf den Plätzen der Altstadt, in den Gassen wird gekocht, gespielt und getanzt, und der Autoverkehr ist ohnehin draußen. Das meiste ist kostenlos, das Publikum reicht vom Kinderwagen bis zur Großmutter, und die Stadt ist nachts voller als jede andere belgische Innenstadt im ganzen Jahr.

Das hat zwei Konsequenzen. Erstens: Hotels in Gent sind in dieser Zeit teuer und früh ausgebucht. Zweitens: Wer die stille, mittelalterliche Version von Gent sucht, kommt in diesen Tagen falsch. Beides ist keine Warnung, sondern eine Entscheidung.

Der Nationalfeiertag am 21. Juli

Der 21. Juli ist der einzige große Termin mit festem Datum. In Brüssel gibt es eine Parade mit Militär und Rettungsdiensten, im Park dahinter ein Volksfest, abends Feuerwerk. Für viele Belgier ist es vor allem ein freier Tag, für Besucher ein guter Anlass, in der Hauptstadt zu sein. Traditionell öffnet im Anschluss der Königliche Palast für einige Wochen seine Türen, das ist die einzige Zeit im Jahr, in der du hineinkommst.

Tipp: Komm einen Tag früher. Am Vorabend werden Wagen geschmückt, Kostüme ausprobiert und Riesen aus den Hallen geholt. Das passiert ohne Absperrung und ohne Publikum, und oft ist es der schönere Teil des Festes.

Die großen Sommerfestivals

Neben dem Brauchtum hat Belgien eine Festivalszene, die für die Größe des Landes erstaunlich ist. Rock Werchter bei Löwen gilt als eines der wichtigsten Rockfestivals Europas, Tomorrowland in Boom zwischen Antwerpen und Brüssel zieht Elektronikpublikum aus aller Welt an, Pukkelpop bei Hasselt ist das jüngere, sperrigere Gegenstück. Alle drei liegen im Sommer, die Tickets sind schnell weg, und wer nicht hinwill, sollte an diesen Wochenenden nicht ausgerechnet in der Nähe übernachten wollen.

Praktisch: Anreise, Betten, Verhalten

Fahr mit dem Zug. Bei jedem größeren Fest sind die Innenstädte gesperrt, Parkplätze weit draußen und die Rückfahrt zäh. Die Bahnhöfe liegen in Belgien fast immer in Laufweite der Altstadt, und an Festtagen fahren abends zusätzliche Züge. Betten buchst du am besten, sobald der Termin feststeht, besonders in kleinen Städten wie Binche oder Dendermonde, wo es kaum Hotels gibt. Eine Alternative ist eine größere Nachbarstadt mit Zuganschluss.

Und noch etwas zur Haltung: Diese Feste gehören der Stadt, nicht dem Tourismus. Steh nicht in Absperrungen, halte die Kamera nicht in Gesichter, und wenn ein Zug stockt, dann hat das meist einen Grund. Wer nachfragt, bekommt in Belgien fast immer eine freundliche Antwort, oft auf Englisch, im Süden lieber auf Französisch.

Häufige Fragen

Wann ist Karneval in Belgien?

Der Termin hängt am Osterdatum und liegt meist im Februar oder Anfang März. Die Hauptrolle spielt der Faschingsdienstag: In Binche ist das der große Tag mit den Gilles und den Orangen, in Aalst dauert der Karneval drei Tage. Feste Kalendertage gibt es nicht, rechne also vom Osterdatum des jeweiligen Jahres zurück, bevor du ein Hotel buchst.

Welches Fest lohnt sich am meisten?

Wenn du nur eines auswählst: Binche. Nirgendwo sonst siehst du einen Brauch, der so vollständig erhalten und so wenig auf Publikum ausgerichtet ist. Wer lieber Stadtleben als Brauchtum mag, nimmt die Gentse Feesten im Juli. Für Familien mit Kindern ist die Heilig-Blut-Prozession in Brügge die zugänglichste Wahl, weil sie am Nachmittag stattfindet und viel zu sehen bietet.

Kostet der Besuch der Feste Eintritt?

Zuschauen ist fast überall kostenlos. Geld kostet nur, wer sicher sitzen will: Für die Heilig-Blut-Prozession in Brügge und für den Lumeçon in Mons werden Tribünenplätze im Voraus verkauft. Bei den Musikfestivals im Sommer brauchst du dagegen immer ein Ticket, und die sind oft innerhalb weniger Stunden vergriffen.

Wie voll wird es bei den großen Festen?

Sehr voll, aber auf belgische Art: dicht und trotzdem entspannt. In Binche passen an einem Tag mehr Menschen in die Stadt, als dort wohnen. Komm früh, such dir einen Platz an einer Kurve statt auf dem Hauptplatz, und plane die Rückfahrt mit dem Zug ein. Mit Kinderwagen wird es in den engen Gassen schwierig, eine Trage ist die bessere Lösung.

Was ist der Unterschied zwischen Welterbe und immateriellem Kulturerbe?

Welterbe sind Orte: Bauwerke, Ensembles, Landschaften. Immaterielles Kulturerbe sind lebende Praktiken, also Feste, Handwerk, Musik oder Esskultur. Der Karneval von Binche, die Prozessionen mit Riesen und Drachen und die belgische Bierkultur stehen auf der zweiten Liste. Beide Listen sagen etwas über Bedeutung aus, aber nur die erste über Steine.