Provinz Antwerpen · Antwerpen

Diamantviertel & DIVA

Ein paar Straßen hinter dem Antwerpener Hauptbahnhof läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Diamanthandels zusammen. Du merkst davon fast nichts, und genau das ist das Interessante: keine Leuchtreklame, keine Schaufenster voller Steine, sondern graue Bürohäuser, Poller, Kameras und Männer mit kleinen Papierbriefchen in der Jackentasche.

Das Viertel ist kein Museum, sondern ein Arbeitsplatz. Warum diese Stadt seit Jahrhunderten am Diamanten hängt, erklärt das Museum DIVA in der Altstadt. Und wer hier einen Stein kaufen will, liest den Abschnitt weiter unten.

Diamantviertel & DIVA
Foto: Tyler Allen, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageHoveniersstraat, Schupstraat und Pelikaanstraat, hinter dem Hauptbahnhof
  • FunktionHandelsviertel mit mehreren Diamantbörsen
  • MuseumDIVA an der Suikerrui in der Altstadt
  • Dauer1 bis 2 Stunden mit Museum
  • RuhetagSamstag, wegen des Sabbats ruht der Handel
  • AnreiseWenige Minuten zu Fuß von Antwerpen Centraal

Vier Straßen, ein Weltmarkt

Das Viertel beginnt gleich hinter dem Bahnhof und passt in wenige Blocks: Hoveniersstraat, Schupstraat, Rijfstraat und die Pelikaanstraat entlang der Bahntrasse. Poller sperren die Zufahrt, an den Ecken stehen Kontrollposten, über den Eingängen hängen Kameras. Auf den Klingelschildern stehen Firmennamen aus aller Welt.

In diesen Straßen sitzen mehrere Diamantbörsen und das Antwerp World Diamond Centre, das den Handel organisiert. Begutachtet wird an langen Tischen bei Nordlicht, weil sich Farbe nur so ehrlich beurteilen lässt. Verhandelt wird per Handschlag, und der Satz „Mazal u’Bracha“, Glück und Segen, gilt als Abschluss. Der Papierkram kommt danach.

Was du siehst, und was nicht

Stell dich darauf ein, dass es nicht glitzert. Die Börsensäle sind Mitgliedern vorbehalten, die Kontore öffnen nur nach Anmeldung, und von der Straße aus siehst du Nachkriegsarchitektur in Grau und Beige. Die Läden an der Pelikaanstraat sind Einzelhandel für Passanten und haben mit dem Großhandel wenig zu tun.

Trotzdem lohnt der Umweg. Geh an einem Werktagvormittag durch, dann arbeitet das Viertel: Kuriere, Sicherheitsleute, Händler auf dem Weg von Tür zu Tür. Fotografiere keine Menschen und keine Sicherheitsanlagen, das wird sofort bemerkt.

Gut zu wissen: Gehandelt wird nicht nur mit geschliffenen Steinen, sondern auch mit Rohdiamanten. Geschliffen wird in Antwerpen kaum noch, das übernehmen heute Werkstätten in Indien.

Die jüdische Gemeinde

Seit über hundert Jahren prägen orthodoxe jüdische Familien diesen Handel, und das Viertel ist bis heute ihr Lebensmittelpunkt. In den Straßen rundherum liegen Synagogen, Schulen, koschere Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte, auf vielen Schildern steht hebräische Schrift. Du gehst hier durch einen Stadtteil, in dem Menschen wohnen, zur Schule gehen und arbeiten, nicht durch eine Kulisse. Zurückhaltung ist deshalb keine Höflichkeitsformel, sondern das Mindeste.

Am Freitagnachmittag schließen die Kontore, am Samstag ist es still, weil Sabbat ist. Seit den 1970er-Jahren ist eine große indische Gemeinde dazugekommen, ein Teil von ihnen gehört dem Jainismus an. Heute liegt ein erheblicher Anteil des Handels in ihren Händen, und im Viertel stehen indische Restaurants neben koscheren Läden. Die Deportationen des Zweiten Weltkriegs trafen die jüdische Bevölkerung Antwerpens schwer. Die Transporte liefen über die Kaserne Dossin in Mechelen, wo heute ein Museum daran erinnert.

DIVA: das Museum dazu

DIVA liegt nicht im Viertel, sondern in der Altstadt an der Suikerrui, wenige Schritte vom Grote Markt und von Het Steen. Das Museum für Diamant, Schmuck und Silber erzählt, wie aus der Hafenstadt ein Handelsplatz für Luxus wurde. Den erzählenden Ton zum Rundgang bekommst du über einen Audioguide.

Der stärkste Teil ist für viele nicht der Diamant, sondern das Antwerpener Silber aus der Zeit, als die Stadt zu den reichsten Europas gehörte. Dazu kommen Werkstattszenen und Erklärungen, wie ein Stein bewertet wird. Rechne mit gut einer Stunde.

Tickets: Für DIVA kaufst du das Ticket online oder an der Kasse, ein festes Zeitfenster brauchst du normalerweise nicht. In Belgien ist der Montag ein üblicher Schließtag, prüf das vor der Anreise.

Zur offiziellen Website

Warum du hier keinen Diamanten kaufst

Eine Kaufempfehlung bekommst du auf dieser Seite nicht, und das ist Absicht. Der Antwerpener Markt ist ein Geschäft zwischen Fachleuten, die täglich Hunderte Steine sehen. Als Gast von außen bringst du keinen Preisvorteil mit, sondern das Risiko, für etwas zu bezahlen, das du nicht beurteilen kannst.

Falls dich das Thema trotzdem packt: Bewertet wird nach Schliff, Farbe, Reinheit und Gewicht, geprüft von unabhängigen Labors, die ein Zertifikat ausstellen. Mehrere davon sitzen in Antwerpen. Ein Stein ohne Papiere ist eine Wette.

Achtung: Wenn dich jemand auf der Straße anspricht und ein besonders günstiges Angebot macht, ist das kein Glücksfall. Geh weiter.

Was in der Nähe liegt

Der Hauptbahnhof ist die größte Sehenswürdigkeit des Viertels, und du stehst ohnehin davor. Gleich nebenan liegt der Zoo. Vom Bahnhof läufst du über den Meir in gut zwanzig Minuten in die Altstadt. Alle weiteren Ziele stehen bei den Antwerpener Sehenswürdigkeiten, den Überblick gibt der Stadtführer Antwerpen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang gibt es hier nicht, das Viertel ist nie voll. Wenn in DIVA an einem Regentag doch Schlange steht, geh zuerst durch die Altstadt und komm am späten Nachmittag wieder, dann ist es ruhiger.
  • Wenn es regnetDie Straßen taugen bei Dauerregen wenig. Fahr dann direkt zu DIVA in die Altstadt oder nutz den Hauptbahnhof: Unter seiner Kuppel bist du trocken und siehst mehr als draußen.
  • Mit KindernFür Kinder ist das Viertel langweilig, hier gibt es nichts anzufassen. DIVA funktioniert ab etwa zehn Jahren, wenn der Audioguide mitläuft. Mit jüngeren Kindern lohnt der Zoo nebenan deutlich mehr.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Straßen sind flach, asphaltiert und breit, das ist einer der bequemsten Wege der Innenstadt. DIVA liegt in einem Altstadthaus, hat aber einen Aufzug. Rund um den Grote Markt wird das Pflaster danach wieder grob.

Häufige Fragen

Kann man das Antwerpener Diamantviertel besichtigen?

Durch die Straßen kannst du frei laufen, die Börsen und Kontore sind dagegen geschlossene Gesellschaften. Es gibt keinen Rundgang durch einen Handelssaal, den man einfach buchen kann. Wer mehr sehen will, geht ins Museum DIVA in der Altstadt, das den Handel, das Schleifen und die Bewertung von Steinen erklärt.

Sollte man in Antwerpen Diamanten kaufen?

Wir geben dazu keine Empfehlung und nennen keine Händler. Der Markt ist ein Geschäft zwischen Fachleuten, und als Gast hast du keinen Preisvorteil, sondern ein Bewertungsproblem. Wenn dich das Thema ernsthaft interessiert, informier dich in Ruhe zu Hause über Zertifikate unabhängiger Labors und lass dir vor Ort nichts auf der Straße anbieten.

Was ist DIVA und wie lange braucht man dort?

DIVA ist das städtische Museum für Diamant, Schmuck und Silber an der Suikerrui in der Altstadt. Der Rundgang führt mit Audioguide durch mehrere Räume, vom Handel über die Werkstatt bis zur Antwerpener Silbersammlung. Gut eine Stunde reicht für den Durchgang, mit allen Filmen und Vitrinen wird eineinhalb daraus.

Wann ist das Diamantviertel am lebendigsten?

An Werktagvormittagen, dann sind Kuriere, Händler und Sicherheitsleute unterwegs. Am Freitagnachmittag schließen die Kontore, und am Samstag ist es still, weil im Viertel der Sabbat gilt. Am Sonntag ist ebenfalls fast alles zu. Wer den Betrieb sehen will, kommt also zwischen Montag und Freitag am Vormittag.

Ist das Diamantviertel sicher?

Ja, es gehört zu den am besten überwachten Ecken der Stadt: Poller, Kameras und Kontrollposten an den Zufahrten. Rund um den Hauptbahnhof gelten trotzdem die üblichen Regeln für Bahnhofsviertel, das Portemonnaie gehört nach vorn. Abends wird es im Viertel schnell leer und wirkt dann unbelebt, gefährlich ist es deshalb nicht.