Auf einen Blick
- KlassikerGentse waterzooi, heute meist mit Huhn
- SüßCuberdons, hier „neuzekes“ genannt
- VegetarischFester fleischfreier Wochentag seit 2009
- AusgehenPatershol, Vrijdagmarkt, Oude Beestenmarkt
- FrittenAus der Frituur, Mayonnaise ist Standard
- ReservierenAbends im Patershol und am Wochenende
Was du probieren solltest
1 Gentse waterzooi
Das Gericht der Stadt: ein heller Eintopf aus Brühe, Sahne und Eigelb, mit Möhren, Lauch, Sellerie und Kartoffeln. Ursprünglich kam Flussfisch hinein, heute steht auf fast jeder Karte die Variante mit Huhn. Sämig, aber nicht schwer, und im Winter besser als im Hochsommer.
2 Stoverij mit Fritten
Rindfleisch, stundenlang in dunklem Bier geschmort, mit Senfbrot gebunden, dazu ein Berg Fritten. Auf Französisch heißt das Carbonade flamande. In Gent bekommst du dieselbe Sauce auch als Beilage in der Frituur, dann heißt sie stoofvleessaus und macht aus einer Tüte Fritten eine Mahlzeit.
3 Garnaalkroketten
Zwei goldbraune Kroketten mit grauen Nordseekrabben, dazu frittierte Petersilie und eine Zitrone. An dieser Vorspeise erkennst du eine Küche: Handgepulte graue Krabben sind teuer, und wer sie durch billige Ware ersetzt, schmeckt es sofort.
4 Senf aus dem Fass
Am Groentenmarkt steht ein Senfgeschäft, das seit dem späten 18. Jahrhundert dieselbe Sorte verkauft: scharf, körnig, aus dem Steinguttopf geschöpft. Ein Töpfchen ist das beste Mitbringsel der Stadt, leicht und unzerbrechlich.
Cuberdons: die lila Nasen
Kegelförmige Bonbons in leuchtendem Violett, außen eine feste Kruste, innen dickflüssiger Sirup mit Himbeergeschmack. In Gent heißen sie neuzekes, also kleine Nasen, und um die Standplätze auf dem Groentenmarkt wurde jahrelang mit Anwälten gestritten.
Wichtig: Echte Cuberdons halten nur wenige Wochen, danach kristallisiert der Kern. Was in Supermarktdosen ewig hält, ist die industrielle Version. Kauf sie frisch und iss sie in den nächsten Tagen. Mehr dazu steht unter Schokolade und Pralinen.
Die vegetarischste Stadt Belgiens
Gent hat 2009 als eine der ersten Städte Europas einen festen fleischfreien Wochentag eingeführt, unterstützt von Stadt und Gastronomie. Der Effekt hält an: Die Dichte an vegetarischen und veganen Küchen ist höher als in Brüssel oder Antwerpen, und auch klassische Restaurants haben eine ernst gemeinte pflanzliche Karte.
Gut zu wissen: Viele Küchen schließen zwischen Mittag und Abend, und Sonntag oder Montag ist häufig Ruhetag. Für den Abend im Patershol reservierst du besser, am Wochenende auf jeden Fall.
Bier und braune Kneipen
Die belgische Biertradition gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, und in Gent merkst du das an den Karten: Dutzende Sorten, zu jeder das passende Glas. Eine kleine Stadtbrauerei braut hier sogar mit einer Kräutermischung statt mit Hopfen, so wie es vor der Hopfenzeit üblich war.
An der Vrijdagmarkt gibt es ein Bier im hohen Hornglas, für das du einen Schuh als Pfand abgibst, damit das Glas im Haus bleibt: Touristensport und trotzdem lustig. Halt die Begriffe auseinander: Trappistenbier darf nur so heißen, wenn es im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird. Abteibier trägt einen Klosternamen, kommt aber aus einer normalen Brauerei. Die Einordnung steht unter Bier in Belgien.
Die Frituur verstehen
Fritten sind in Belgien Alltagskultur, keine Beilage und schon gar kein Fastfood. Sie werden zweimal frittiert, das macht sie außen fest und innen weich. Bestellt wird eine Tüte, dazu eine Sauce, und die Standardantwort ist Mayonnaise. Viele Frituren haben einen festen Ruhetag, manche nehmen nur Bargeld. Wie das System funktioniert, steht unter Pommes frites in Belgien.
Wo du isst: die Viertel
Das Patershol ist die erste Adresse: ein mittelalterliches Gassennetz nördlich der Burg, dicht an dicht Restaurants, vom flämischen Klassiker bis zur kleinen Weinbar. Reservieren lohnt sich. Rund um die Vrijdagmarkt und an der Oude Beestenmarkt sitzt du eher bei Bier und Kleinigkeiten, abends laut und jung.
Am Wasser gilt: Die Terrassen an der Graslei haben den besten Blick der Stadt und Karten, die genau das einpreisen. Für einen Aperitif in der Abendsonne ist das jeden Cent wert, zum Abendessen gehst du besser weg vom Wasser. In der mittelalterlichen Fleischhalle am Groentenmarkt bekommst du ostflandrische Produkte unter einem Dach, in der Overpoortstraat beim Universitätsviertel isst du zu Studentenpreisen.
Tipp: Frühstück gibt es in Gent selten vor neun. Nimm stattdessen ein Koffiekoek aus der Bäckerei und einen Kaffee im Stehen, das kostet einen Bruchteil des Hotelbuffets und du bist vor den Reisegruppen an der Kathedrale.
Praktisches
Bedienungsgeld ist im Preis enthalten, Trinkgeld ist freiwillig und wird meist aufgerundet. Kartenzahlung geht fast überall, kleine Frituren und Marktstände sind die Ausnahme. Was du sonst im Land probieren solltest, steht unter belgische Gerichte, wo du schläfst unter Hotels in Gent.
Häufige Fragen
Was ist Gentse waterzooi?
Ein heller Eintopf aus Brühe, Sahne und Eigelb mit Möhren, Lauch, Sellerie und Kartoffeln. Ursprünglich wurde er mit Flussfisch gekocht, heute steht meist die Variante mit Huhn auf der Karte. Er ist sämig, aber nicht schwer und schmeckt in der kalten Jahreshälfte am besten. Fast jedes klassische Restaurant der Stadt hat ihn im Angebot.
Was sind Cuberdons?
Kegelförmige violette Bonbons mit fester Kruste und flüssigem Himbeersirup im Kern. In Gent heißen sie neuzekes, also kleine Nasen. Wichtig ist die Frische: Echte Cuberdons halten nur wenige Wochen, danach kristallisiert der Kern. Kauf sie an einem Stand oder in einer Konditorei und iss sie schnell, die haltbare Supermarktware ist eine andere Sache.
Ist Gent gut für Vegetarier?
Sehr gut, wahrscheinlich am besten in ganz Belgien. Die Stadt hat 2009 einen festen fleischfreien Wochentag eingeführt, und das hat die Gastronomie dauerhaft verändert. Es gibt viele rein vegetarische und vegane Küchen, und auch klassische Restaurants haben ernst gemeinte pflanzliche Gerichte auf der Karte, nicht nur eine Beilage mit Gemüse.
Lohnen sich die Terrassen an der Graslei?
Für einen Aperitif am späten Nachmittag ja, für das Abendessen eher nicht. Du zahlst dort für den besten Blick der Stadt, und das steht so auch in der Karte. Trink ein Glas am Wasser und geh danach zum Essen ins Patershol oder in die Gassen rund um die Vrijdagmarkt, das ist besser und günstiger.
Wo isst man in Gent am besten?
Im Patershol nördlich des Gravensteen, wo in engen Gassen ein Restaurant neben dem anderen liegt. Für Bier und Kleinigkeiten gehst du an die Vrijdagmarkt oder die Oude Beestenmarkt, für Studentenpreise in die Overpoortstraat beim Universitätsviertel. Reservieren lohnt abends und am Wochenende, viele Küchen machen zwischen Mittag und Abend eine Pause.




