Ostflandern · Gent

Graslei & Korenlei

Graslei und Korenlei sind die beiden Kais des mittelalterlichen Hafens von Gent, und zusammen ergeben sie das bekannteste Stadtbild Flanderns nach Brügge. Auf der einen Seite eine geschlossene Reihe von Gildehäusern aus fünf Jahrhunderten, auf der anderen ihr Spiegelbild im Wasser der Leie.

Der Besuch kostet nichts und dauert so lange, wie du willst. Hier steht, welches Haus welche Geschichte hat, von welchem Standort das gute Foto entsteht, wann das Licht stimmt und ob sich die Bootsfahrt vom Steg lohnt.

Graslei & Korenlei
Foto: User:LimoWreck, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionOstflandern, Gent
  • Lokaler NameGraslei und Korenlei, an der Leie
  • Funktionmittelalterlicher Binnenhafen mit Stapelrecht für Getreide
  • BauzeitHäuser vom 12. bis zum 18. Jahrhundert
  • Eintrittfrei, jederzeit zugänglich
  • Bester Momentspäter Nachmittag und Dämmerung

Der berühmteste Blick der Stadt

Graslei und Korenlei sind die beiden Kaimauern des alten Binnenhafens. Hier wurde ab dem 11. Jahrhundert umgeschlagen, was auf der Leie ankam, vor allem Getreide. Gent besaß das Stapelrecht dafür: Was vorbeifuhr, musste erst hier angeboten werden. Der Reichtum, der daraus entstand, steht bis heute an der Kaimauer.

Was die Reihe so ungewöhnlich macht, ist nicht ein einzelnes Haus, sondern die Dichte. Fünf Jahrhunderte Baugeschichte stehen Schulter an Schulter, ohne Baulücke, ohne Neubau dazwischen. Dazu das Wasser als Spiegel. Deshalb funktioniert dieser Blick auf Fotos so gut, und ausnahmsweise auch in echt.

Die Häuser der Reihe nach

Der älteste Bau ist das Kornstapelhaus auf der Graslei, ein romanischer Speicher aus der Zeit um 1200 mit schweren Rundbogenfenstern. Daneben steht das schmalste Haus der Reihe, das alte Zollhäuschen aus dem 17. Jahrhundert, eingequetscht zwischen zwei großen Nachbarn.

Der Prachtbau ist das Gildehaus der freien Schiffer von 1531 mit einer Fassade voller Maßwerk und kleiner Schiffsreliefs. Ein Stück weiter folgt das Haus der Kornmesser, jener Zunft, die kontrollierte, ob die Menge im Sack stimmte. Betreten kannst du die Häuser nicht, sie werden heute anders genutzt.

Die Korenlei gegenüber wirkt schlichter und stammt großenteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie ist der bessere Standort, denn von dort siehst du die berühmte Reihe, und nicht umgekehrt.

Gut zu wissen: Nicht alles hier ist so alt, wie es aussieht. Für die Weltausstellung 1913 richtete Gent das Hafenufer als Schaustück her, Fassaden wurden ergänzt, versetzt und nachgebaut. Eine der Giebelfassaden an der Graslei ist eine Kopie, das Original steht ein paar Straßen weiter im Viertel.

Licht, Standort, Foto

Die Graslei liegt am Ostufer, ihre Fassaden schauen nach Westen. Deshalb bekommt sie am späten Nachmittag und am Abend die volle Sonne, während sie morgens im Schatten liegt. Wer das klassische Bild will, stellt sich also auf die Korenlei, und zwar nach der Kaffeezeit, nicht früh.

Der zweite Standort ist die Sint-Michielsbrug ein paar Schritte weiter südlich. Von oben siehst du beide Kais gleichzeitig, dazu die drei großen Türme in einer Linie. In der Dämmerung geht die Beleuchtung an, und dann ist die Brücke der beste Platz der Stadt.

Tipp: Kauf dir etwas zu trinken und setz dich auf die Stufen der Kaimauer, so wie es die Gentser tun. Das ist ausdrücklich üblich, kostet nichts und gibt dir eine Stunde lang den besten Platz am Wasser. Glas und Müll nimmst du wieder mit.

Bootsfahrt vom Kai

An beiden Ufern liegen die Stege der Ausflugsboote. Die Runde dauert je nach Anbieter etwa 40 bis 50 Minuten, führt durch den alten Hafen, an der Burg vorbei und ein Stück auf der Leie stadtauswärts. Vom Wasser aus siehst du Hinterhöfe, Wassertreppen und Lagerluken, die vom Ufer verdeckt sind.

Fahr nicht mittags. Am späten Nachmittag ist das Licht besser, die Boote sind leerer, und du steigst genau dann wieder aus, wenn die Kaimauer sich füllt. Die Boote sind offen, bei Dauerregen lohnt sich die Fahrt nicht.

Tickets: Für die Bootsfahrt brauchst du in der Regel nichts vorzubuchen, du kaufst am Steg und wartest bis zur nächsten Abfahrt. An Sommerwochenenden kann das eine halbe Stunde dauern, dann lohnt der Wechsel zum nächsten Anleger. In der CityCard der Stadt ist eine Fahrt enthalten.

Zur offiziellen Website

Terrassen und Kaimauer, ehrlich beurteilt

Die Terrassen an der Graslei haben die beste Lage der Stadt, und das bezahlst du. Zum Anstoßen mit Blick aufs Wasser ist das in Ordnung, zum Abendessen gibt es zwei Straßen weiter mehr fürs Geld. Wo, sammelt die Seite Essen und Trinken in Gent.

Die Kaimauer selbst ist der eigentliche Treffpunkt. Ab dem frühen Abend sitzen dort Studierende, Feierabendrunden und Familien nebeneinander auf den Stufen. Es ist laut, entspannt und der beste Beleg dafür, warum Gent anders funktioniert als Brügge.

Rund um den Kai liegt außerdem alles Weitere in Gehweite: der Gravensteen zwei Minuten nach Norden, der Belfried und die Kathedrale ein paar Schritte nach Osten. Die ganze Runde steht in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Gent.

Achtung: Die Kaimauern haben kein Geländer, und die Stufen zum Wasser sind bei Nässe glatt. Mit kleinen Kindern hältst du hier besser die Hand fest, und für den Abend gilt: je später, desto voller die Treppen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll ist es hier nur abends und an Sommerwochenenden, und dann gehört das dazu. Wenn du Ruhe willst, komm vor neun Uhr morgens, dann liegt der Kai leer und das Wasser ist glatt. Für Fotos ohne Menschenmengen ist die Sint-Michielsbrug am frühen Morgen die beste Wahl.
  • Wenn es regnetDer Kai funktioniert auch bei Regen, die nassen Fassaden spiegeln sogar stärker. Zum Unterstellen taugen die Arkaden am Groot Vleeshuis nebenan. Nur die Bootsfahrt lohnt bei Dauerregen nicht, die Boote sind offen und die Plane hilft wenig.
  • Mit KindernGut, aber Hand halten. Es gibt kein Geländer, die Stufen führen direkt ins Wasser und sind bei Nässe glatt. Die Bootsfahrt ist für Kinder der beste Teil, weil sie kurz genug ist und unter niedrigen Brücken hindurchführt.
  • Mit eingeschränkter MobilitätBeide Kais sind eben erreichbar, das Pflaster ist allerdings grob. Die Stufen zum Wasser sind nicht für alle machbar, der obere Weg dagegen problemlos. Die Boote haben einen Einstieg über schmale Stege, das ist mit Rollstuhl oder Rollator kaum zu schaffen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Graslei und Korenlei?

Es sind die beiden gegenüberliegenden Ufer des alten Hafens. Die Graslei trägt die berühmte Reihe der Gildehäuser, darunter den romanischen Kornspeicher und das Gildehaus der freien Schiffer von 1531. Die Korenlei gegenüber ist schlichter und stammt großenteils aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der bessere Standort zum Schauen ist deshalb die Korenlei.

Wann ist das Licht an der Graslei am besten?

Am späten Nachmittag und in der Dämmerung. Die Fassaden der Graslei schauen nach Westen, sie bekommen also die Abendsonne, während sie morgens im Schatten liegen. Sobald es dunkel wird, schaltet die Stadt ihre Beleuchtung ein. Für Bilder ohne Menschen kommst du dagegen vor neun Uhr morgens.

Lohnt sich die Bootsfahrt in Gent?

Ja, weil du vom Wasser aus Hinterhöfe, Wassertreppen und Lagerluken siehst, die vom Ufer verdeckt sind. Die Runde dauert etwa 40 bis 50 Minuten und startet direkt an den Kais. Fahr am späten Nachmittag statt mittags: besseres Licht, weniger Andrang. Bei Dauerregen lässt du es, die Boote sind offen.

Kann man die Gildehäuser besichtigen?

Von innen nur in Ausnahmefällen, denn die Häuser werden heute anders genutzt. Der Reiz liegt ohnehin außen: die geschlossene Reihe der Giebel, das Mauerwerk des romanischen Kornspeichers, die Schiffsreliefs am Gildehaus der freien Schiffer. Plane den Besuch als Spaziergang mit Pause ein, nicht als Museumsbesuch.

Darf man an der Kaimauer sitzen und trinken?

Ja, das ist in Gent üblich und gehört zum Abend dazu. Ab dem frühen Abend sitzen auf den Stufen Studierende, Feierabendrunden und Familien nebeneinander. Nimm dein Glas und deinen Müll wieder mit. Wer lieber am Tisch sitzt, findet Terrassen direkt am Kai, zahlt dort aber die Aussicht mit.