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12 Gerichte, die du in Belgien probieren musst

Belgische Küche ist bürgerlich, deftig und regional. Es gibt kein Nationalgericht, sondern Städte mit eigenen Klassikern: Lüttich hat seine Fleischbällchen, Gent seine Suppe, Brügge seine Krokette, Brüssel seine Praline. Vieles davon findest du in ganz Belgien, am besten schmeckt es dort, wo es herkommt.

Diese zwölf Gerichte solltest du nicht auslassen. Zu jedem steht, was es ist, wo du es am besten bekommst und worauf du achten musst, damit du nicht in der Touristenversion landest.

12 Gerichte, die du in Belgien probieren musst
Foto: Pierre André Leclercq, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Prinzipbürgerlich, deftig, regional geprägt
  • Beilagefast immer Fritten aus der Friture oder Frituur
  • Muschelsaisongrob vom Spätsommer bis ins Frühjahr
  • Biergehört als Zutat in den Topf, nicht nur ins Glas
  • MittagsTagesgericht, deutlich günstiger als abends
  • WasserLeitungswasser wird meist nicht kostenlos serviert

Wie belgisch gegessen wird

Zwei Dinge solltest du vorher wissen. Erstens: Fritten sind hier keine Beilage zweiter Klasse, sondern eigenständige Alltagskultur. Sie kommen aus der Friture oder Frituur, werden zweimal frittiert und in einer Papiertüte mit einer Gabel darin gereicht. Wie das funktioniert, steht unter Pommes frites in Belgien.

Zweitens: Bier ist Zutat. Rindfleisch schmort darin, und zu vielen Gerichten wird ein bestimmtes Bier empfohlen, nicht ein bestimmter Wein. Mehr dazu unter Bier in Belgien.

Die zwölf Klassiker

1 Miesmuscheln mit Fritten

Das bekannteste belgische Gericht kommt in einem schwarzen Topf auf den Tisch, dazu ein leerer Teller für die Schalen und eine Portion Fritten. Die einfachste Variante heißt nature, nur mit Sellerie, Zwiebel und Weißwein gedämpft, daneben gibt es Versionen mit Sahne, Knoblauch oder Bier. Iss mit einer leeren Muschelschale als Zange, so machen es die Belgier.

Zwei Dinge zur Ehrlichkeit: Die Saison läuft grob vom Spätsommer bis ins Frühjahr, außerhalb davon ist die Qualität schlechter. Und die meisten Muscheln kommen aus niederländischen Gewässern, nicht aus belgischen. Am besten isst du sie in Brüssel oder an der Küste.

2 Stoofvlees, auf Französisch Carbonnade flamande

Rindfleisch, stundenlang in dunklem Bier geschmort, mit Zwiebeln, einem Löffel Sirup und einer Scheibe Senfbrot, die im Topf zerfällt und die Sauce bindet. Das Ergebnis ist dunkel, süßlich und tief, und es ist das Gericht, an dem du erkennst, ob eine Küche etwas kann.

Serviert wird es mit Fritten, die du in die Sauce tunkst. Bestell es in einer braunen Kneipe statt in einem Restaurant mit Aussicht, dort ist es meistens besser und billiger.

3 Gentse Waterzooi

Ursprünglich ein Fischeintopf aus Gent, heute meist mit Huhn. Gemüsestreifen, Kartoffeln und Fleisch schwimmen in einer hellen Brühe, die mit Sahne und Eigelb gebunden wird. Das klingt schwer, schmeckt aber mild und ist das Gegenteil von deftig.

Am sinnvollsten isst du es dort, wo es herkommt, siehe Essen und Trinken in Gent. Die Fischvariante findest du seltener, sie lohnt sich, wenn du sie auf der Karte entdeckst.

4 Garnelenkrokette

Die beste Vorspeise des Landes. In der Panade steckt eine cremige Füllung aus kleinen grauen Nordseegarnelen, dazu kommen frittierte Petersilie und eine Zitronenscheibe. Gute Kroketten haben viel Garnele und wenig Béchamel, schlechte umgekehrt.

Die Garnelen werden traditionell von Hand gepult, und in Oostduinkerke an der Küste fischen Männer sie bis heute zu Pferd aus der Brandung, ein Handwerk, das die UNESCO als immaterielles Kulturerbe führt. An der Nordseeküste isst du die Krokette am frischesten.

5 Boulets à la liégeoise

Große Fleischbällchen in einer dunklen, süßsauren Sauce aus Zwiebeln, Essig und Lütticher Sirup, einem eingekochten Apfel-Birnen-Mus. Dazu Fritten, immer. Das ist das Gericht der Wallonie, und in Lüttich gehört es auf jede Karte.

Die Sauce heißt oft sauce lapin, obwohl kein Hase darin ist, das kommt von der Zubereitungsart. Wo du es in der Stadt bekommst, steht unter Essen und Trinken in Lüttich.

6 Waffeln: Lüttich gegen Brüssel

Es gibt zwei, und sie haben fast nichts gemeinsam. Die Lütticher Waffel wird aus einem festen Hefeteig mit Perlzucker gebacken, der beim Backen karamellisiert. Sie ist klein, unregelmäßig geformt, klebrig und wird aus der Hand gegessen, ohne alles.

Die Brüsseler Waffel ist rechteckig, leicht, luftig und innen fast hohl. Sie kommt auf den Teller, klassisch nur mit Puderzucker. Der Turm aus Sahne, Erdbeeren und Schokolade ist eine Erfindung für Besucher. Probier beide, aber nicht am selben Tag.

7 Cuberdons

Kleine violette Kegel aus Gent, außen fest, innen mit einem sirupartigen Kern, der Geschmack erinnert an Himbeere. Die Genter nennen sie neuzekes, also Näschen. Sie halten nur wenige Wochen, deshalb sind die Exemplare aus der Fabrikpackung nie so gut wie die frischen vom Marktstand.

Kauf sie einzeln und iss sie am selben Tag. Als Mitbringsel für zu Hause taugen sie schlecht, das ist Teil des Charmes.

8 Speculoos

Der gewürzte Karamellkeks, der in Belgien zu fast jedem Kaffee dazugelegt wird. Traditionell gehört er zum Nikolausfest Anfang Dezember, dann bekommst du ihn auch in großen geformten Platten mit Figuren. Belgischer Speculoos ist weniger scharf gewürzt als die niederländische Variante und schmeckt stärker nach Karamell.

Aus zerriebenen Keksen wird eine Brotaufstrichpaste hergestellt, die inzwischen in ganz Europa verkauft wird. Als Mitbringsel funktioniert beides gut.

9 Praline

Die gefüllte Schokolade mit fester Hülle wurde 1912 in Brüssel erfunden, in einer Confiserie in den Königlichen Galerien. Wenige Jahre später kam die Ballotin dazu, die faltbare Schachtel, in der Pralinen bis heute verkauft werden. Beides ist belgische Erfindung und der Grund, warum das Land für Schokolade steht.

Kauf beim Chocolatier, nicht in der Souvenirstraße: Dort zählt die Verpackung mehr als der Inhalt. Worauf du achten solltest, steht unter Schokolade und Pralinen.

10 Jenever

Der Wacholderschnaps der Niederlande und Belgiens, aus Getreidemaische gebrannt, mit geschützter Herkunft. Junge Sorten sind neutral, alte malzig und weich, dazu unzählige Varianten mit Frucht oder Vanille. In der Wallonie heißt das Getränk pékèt und gehört zum Volksfest.

Die Hauptstadt des Jenevers ist Hasselt in der Provinz Limburg, dort erklärt ein Museum in einer alten Brennerei die Herstellung. Serviert wird im kleinen Glas, randvoll, den ersten Schluck nimmst du vom Tisch aus, ohne das Glas anzuheben.

11 Geuze

Kein Gericht, aber ein Muss. Geuze entsteht aus Lambik, einem Bier aus dem Tal südwestlich von Brüssel, dem niemand Hefe zusetzt: Die wilden Hefen kommen aus der Luft. Nach Jahren im Holzfass werden junge und alte Sude gemischt und in der Flasche nachvergoren.

Das Ergebnis ist trocken, sauer und spritzig und schmeckt beim ersten Schluck eher nach Apfelwein als nach Bier. Bestell ein kleines Glas, bevor du eine Flasche nimmst, und such auf dem Etikett nach dem Wort oude oder vieille für die traditionelle Machart.

12 Ardenner Schinken

Roher, leicht geräucherter Schinken aus den Ardennen, mild gesalzen und mit geschützter geografischer Herkunft. Er kommt dünn geschnitten auf ein Brett, mit Bauernbrot, Butter und Essiggurken, und ist damit die beste Zwischenmahlzeit einer Wanderung.

Kauf ihn in einer Metzgerei im Süden statt im Supermarkt, der Unterschied ist deutlich.

Tipp: Nimm die warme Hauptmahlzeit mittags. Das Tagesgericht, auf Niederländisch dagschotel und auf Französisch plat du jour, steht meist auf einer Tafel vor der Tür und kostet einen Bruchteil desselben Gerichts am Abend. Abends reichen dann Kroketten, Käse und ein gutes Bier.

Was du sonst noch auf der Karte findest

Ein paar Gerichte tauchen ständig auf und lohnen sich ebenfalls. Vol-au-vent ist eine Blätterteigpastete mit Hühnerfleisch und Champignons in heller Sauce, ein Klassiker der Alltagsküche. Filet américain ist rohes, gewürztes Rinderhack, das in Belgien völlig selbstverständlich mit Fritten gegessen wird. Antwerpener Handjes sind Kekse und Pralinen in Handform, benannt nach der Sage um den Riesen an der Schelde.

Und in Flandern begegnet dir Chicorée, dort witloof genannt, im Ofen mit Schinken und Käse überbacken: Hausmannskost, aber gute. Wo in Brüssel was auf den Tisch kommt, steht unter Essen und Trinken in Brüssel.

Achtung: Restaurants an den großen Plätzen mit Fotos auf der Karte und Kellnern, die dich hereinbitten, sind fast immer die schlechteste Wahl. Zwei Straßen weiter isst du besser und zahlst weniger. Das gilt besonders rund um die Grand-Place in Brüssel und den Markt in Brügge.

Häufige Fragen

Was ist das typischste Gericht in Belgien?

Miesmuscheln mit Fritten gelten als Nationalgericht, sind aber saisonal. Verbreiteter im Alltag ist Stoofvlees, also Rindfleisch in dunklem Bier geschmort, mit Fritten dazu. Beide zeigen das Prinzip der belgischen Küche gut: bürgerlich, deftig, mit Bier als Zutat und Fritten als selbstverständlicher Begleitung.

Wann ist Muschelsaison in Belgien?

Grob vom Spätsommer bis ins Frühjahr. In den warmen Monaten ist die Qualität schlechter, und viele gute Häuser nehmen die Muscheln dann von der Karte. Wenn ein Lokal sie im Hochsommer groß anpreist, ist Vorsicht angebracht. Die meisten Muscheln stammen übrigens aus niederländischen Gewässern.

Was ist der Unterschied zwischen Lütticher und Brüsseler Waffel?

Die Lütticher Waffel besteht aus festem Hefeteig mit Perlzucker, der beim Backen karamellisiert. Sie ist klein, unregelmäßig, klebrig und wird aus der Hand gegessen. Die Brüsseler Waffel ist rechteckig, leicht und luftig und kommt auf den Teller, klassisch nur mit Puderzucker. Der Sahneturm ist eine Zugabe für Besucher.

Kann man in Belgien gut vegetarisch essen?

Ja, besonders in Flandern. Gent hat eine ausgeprägte vegetarische Szene, andere Städte ziehen nach, und in fast jedem Lokal gibt es mindestens eine fleischlose Hauptspeise. Die traditionellen Klassiker sind allerdings fleischlastig. Fritten aus der Frituur sind nicht immer vegetarisch, weil vielerorts in Rinderfett frittiert wird.

Was nimmt man aus Belgien als Essbares mit?

Pralinen vom Chocolatier, Speculoos oder die Keksaufstrichpaste, eine Flasche Geuze und Jenever. Cuberdons dagegen halten nur kurz und schmecken zu Hause nicht mehr wie am Marktstand. Bei Bier lohnt der Blick auf regionale Sorten, die du in Deutschland nicht bekommst, statt auf die bekannten Namen aus dem Supermarkt.