Provinz Lüttich · Lüttich

Essen & Trinken in Lüttich

In Lüttich isst man süßsauer, deftig und günstig. Die Stadt hat drei Dinge, die es so nur hier gibt: einen Fleischkloß in dunkler Sirupsauce, eine Waffel aus Hefeteig mit Perlzucker und einen Genever, der Pékèt heißt. Alle drei bekommst du in einfachen Brasserien und an Buden, nicht in Sternehäusern.

Der zweite Vorteil ist der Preis. Wer aus Brügge oder Brüssel kommt, wundert sich, wie viel Essen hier für wie wenig Geld auf den Teller kommt.

Auf einen Blick

  • Klassikerboulets à la liégeoise mit Fritten
  • SüßLütticher Waffel mit Perlzucker
  • GetränkPékèt, der wallonische Genever
  • Frittenaus der Friture, mit Sauce in der Tüte
  • AusgehviertelLe Carré, am Wochenende bis früh
  • MarktLa Batte, Sonntagvormittag am Fluss

Boulets à la liégeoise: das Gericht der Stadt

Zwei große Fleischklöße, eine dunkle Sauce aus Zwiebeln, Essig und Lütticher Sirup, dazu Fritten und manchmal ein Salatblatt zur Beruhigung. Die Sauce heißt sauce lapin, Kaninchen ist trotzdem keines darin, der Name geht auf eine Wirtin zurück. Süß, sauer und schwer zugleich, nach 374 Stufen genau richtig.

Der Sirup dahinter kommt aus dem Pays de Herve östlich der Stadt: eingekochter Saft von Birnen und Äpfeln, fast schwarz und streichfähig. Er steht hier auch neben dem kräftigen Weichkäse aus derselben Gegend auf dem Brett, siehe Herve. Ein Teller Boulets ist eine vollständige Mahlzeit.

Die Lütticher Waffel

Die gaufre de Liège ist kein Kuchen, sondern ein Snack aus schwerem Hefeteig mit grobem Perlzucker. Im heißen Eisen schmilzt der Zucker und karamellisiert an der Oberfläche. Die Waffel ist unregelmäßig geformt, klebrig und wird warm aus der Hand gegessen, ohne Sahne und ohne Gabel.

Verwechsle sie nicht mit der Brüsseler Waffel: rechteckig, leicht, aus flüssigem Teig und mit Beilagen auf dem Teller. Beide sind gut, nur eine passt in die Manteltasche.

Tipp: Kauf die Waffel dort, wo das Eisen läuft und Leute anstehen, nicht dort, wo ein Stapel unter Folie liegt. Frisch ist sie außen knusprig und innen weich, aufgewärmt wird sie zäh und klebt am Papier.

Fritten aus der Friture

Fritten kommen aus der Bude, in Wallonien heißt sie friture, in Flandern frituur. Sie sind Alltagskultur und kein Fastfood: zweimal frittiert, in der Papiertüte, mit einer Sauce deiner Wahl. Wer die Karte nicht versteht, nimmt Andalouse, die ist mild. Samouraï ist scharf, auch wenn der Name harmlos klingt.

Gegessen wird im Stehen, mit der kleinen Gabel, und über den Geruch in der Jacke beschwert sich hier niemand. Warum die Bude in Belgien ein Kulturgut ist, erklärt die Seite Pommes frites in Belgien.

Pékèt, Bier und die Regeln dahinter

Pékèt ist der wallonische Genever, gebrannt aus Getreide, oft mit Zitrone, Beeren oder Kräutern aromatisiert und aus kurzen Gläsern getrunken. Seinen großen Auftritt hat er beim Fest am 15. August in Outremeuse, wenn das Viertel seine eigene kleine Republik feiert.

Beim Bier gilt in ganz Belgien dieselbe Unterscheidung: Trappistenbier darf nur so heißen, wenn es im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird. Abteibier trägt einen Klosternamen, wird aber gewerblich gebraut. In der Provinz Lüttich steht mit der Abtei Val-Dieu bei Aubel ein bekanntes Beispiel für die zweite Kategorie. Die belgische Biertradition gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, den Überblick gibt Bier in Belgien.

Gut zu wissen: Viele belgische Biere haben 8 Prozent Alkohol und mehr, und jedes kommt in sein eigenes Glas. Sag dem Personal, ob du es leicht, malzig, bitter oder sauer magst. Zwei kräftige Gläser sind hier ein Abend, nicht der Anfang.

Le Carré und die Maasufer

Le Carré ist ein Raster enger Gassen zwischen Place du Marché und den Einkaufsstraßen, Bar an Bar, das Publikum jung und studentisch. Freitags und samstags läuft das bis in den Morgen, unter der Woche ist es überschaubar. Wer früh schlafen will, bucht sein Zimmer woanders, siehe Hotels in Lüttich.

Ruhiger sitzt du an den Maasufern, mit Blick aufs Wasser und abends mit Licht auf den Brücken. Sonntags entscheidet ohnehin der Markt über den Tagesplan: An La Batte gibt es zwischen den Ständen alles vom Käsebrot bis zur Frittentüte.

Praktisches zum Bestellen und Bezahlen

Karte wird fast überall akzeptiert, an der Friture und auf dem Markt brauchst du trotzdem Münzen. Leitungswasser ist nicht selbstverständlich, Wasser kommt meist als Flasche auf die Rechnung. Trinkgeld steckt im Preis, Aufrunden reicht, alles Weitere steht unter Bezahlen in Belgien.

Beim Betreten eines Lokals sagst du „Bonjour“, beim Gehen „Merci, au revoir“. Am Wochenende ist ein reservierter Tisch eine gute Idee, viele Küchen schließen früher, als du denkst, und mancher Betrieb hat mitten in der Woche Ruhetag. Welche Gerichte du sonst probieren solltest, sammelt der Beitrag 12 Gerichte, die du probieren musst.

Häufige Fragen

Was muss man in Lüttich unbedingt essen?

Boulets à la liégeoise mit Fritten als Hauptgericht, eine Lütticher Waffel mit Perlzucker als Zwischendurch und einmal Fritten aus der Friture mit Sauce in der Papiertüte. Dazu ein Glas Pékèt oder ein belgisches Bier. Wer Käse mag, probiert den kräftigen Weichkäse aus dem Pays de Herve mit Lütticher Sirup.

Was sind Boulets à la liégeoise?

Große Fleischklöße in einer dunklen, süßsauren Sauce aus Zwiebeln, Essig und Lütticher Sirup, serviert mit Fritten. Die Sauce heißt sauce lapin, enthält aber kein Kaninchen, der Name geht auf eine Wirtin zurück. Das Gericht ist schwer und sättigend, eine Vorspeise brauchst du nicht. Du bekommst es in fast jeder Brasserie der Stadt.

Was ist der Unterschied zwischen Lütticher und Brüsseler Waffel?

Die Lütticher Waffel besteht aus schwerem Hefeteig mit grobem Perlzucker, der im Eisen karamellisiert. Sie ist unregelmäßig geformt, süß und wird warm aus der Hand gegessen. Die Brüsseler Waffel ist rechteckig, leicht und luftig, wird aus flüssigem Teig gebacken und mit Beilagen serviert. In Lüttich ist die erste Variante der Standard.

Was ist Pékèt?

Der wallonische Genever, ein Getreidebrand, den es pur und in vielen aromatisierten Varianten gibt, etwa mit Zitrone oder Beeren. Getrunken wird er kalt aus kleinen Gläsern, gern nach dem Essen. Seinen großen Moment hat er beim Fest am 15. August im Viertel Outremeuse, dann fließt er tagelang an improvisierten Ständen.

Wo geht man in Lüttich abends aus?

Im Carré, einem Raster enger Gassen zwischen Place du Marché und den Einkaufsstraßen. Dort liegt Bar an Bar, das Publikum ist jung, und am Wochenende geht es bis in den Morgen. Wer es ruhiger mag, sitzt an den Maasufern oder in den Lokalen rund um den Place du Marché, wo auch gegessen wird.