Ostflandern · Gent

Patershol & Vrijdagmarkt

Hinter dem Gravensteen liegt das Patershol, das besterhaltene mittelalterliche Gassennetz von Gent: krumme Straßen, kleine Häuser, kaum Autos und in fast jedem Erdgeschoss ein Restaurant. Fünf Minuten weiter öffnet sich mit dem Vrijdagmarkt der große Versammlungsplatz der Stadt.

Zusammen ergibt das den besten Abendspaziergang in Gent: erst die Gassen, dann der Platz, unterwegs eine Riesenkanone aus dem 15. Jahrhundert.

Patershol & Vrijdagmarkt
Foto: Marc Ryckaert, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionOstflandern, Gent
  • Lokaler NamePatershol und Vrijdagmarkt
  • Lagedirekt nördlich des Gravensteen
  • Charaktermittelalterlicher Grundriss, saniert ab den 1980er Jahren
  • Dulle GrietBombarde aus dem 15. Jahrhundert, über 5 Meter lang
  • Besuchsdauer1 Stunde, plus Abendessen

Das älteste Gassennetz der Stadt

Direkt hinter dem Gravensteen wird die Stadt schmal. Das Patershol ist ein Karree aus gut einem Dutzend Gassen mit erhaltenem mittelalterlichem Grundriss: krumme Linien, kleine Häuser, hohe Mauern, kaum Autos. Wenige Meter weiter fährt die Straßenbahn, hier hörst du deine eigenen Schritte.

Der Name kommt von den Karmelitermönchen, den „paters“, deren Kloster hier lag. Davor arbeiteten am Wasser Gerber und Lederhandwerker, ein Gewerbe, das man wegen des Gestanks gern an den Rand schob. Daher der enge Zuschnitt der Parzellen.

Vom Elendsviertel zum Restaurantviertel

Im 20. Jahrhundert war das Patershol das ärmste Viertel Gents: feuchte Häuser, geteilte Toiletten, der Abriss war beschlossene Sache. Gerettet haben es Bürgerprotest und Denkmalschutz, saniert wurde ab den 1980er Jahren, Haus für Haus.

Tagsüber ist das Viertel still und für einen Spaziergang von 20 Minuten gut. Abends füllt es sich, dann sitzen die Leute in kleinen Räumen mit Blick auf die Gasse. Am Wochenende reservierst du besser, welche Küche dich erwartet, steht unter Essen und Trinken in Gent.

Tipp: Lauf die Kraanlei entlang, bevor du in die Gassen abbiegst. An dieser Häuserzeile sitzen Fassaden mit steinernen Bildergeschichten, darunter eine mit den Werken der Barmherzigkeit. Wer nach oben schaut, sieht Details, an denen alle vorbeilaufen.

Vrijdagmarkt: der politische Platz

Fünf Minuten östlich öffnet sich der Vrijdagmarkt, und der Wechsel ist abrupt: aus den engsten Gassen der Stadt auf ihren größten Platz. Hier wurden die Grafen von Flandern vereidigt, hier versammelten sich die Zünfte, und hier eskalierte es regelmäßig.

In der Mitte steht seit 1863 die Statue von Jacob van Artevelde, der im 14. Jahrhundert das Bündnis mit England durchsetzte, weil Gent englische Wolle für seine Webstühle brauchte. Sein ausgestreckter Arm zeigt nach Westen, Richtung England. Umgebracht hat ihn 1345 ein Mob, ein paar Schritte von seinem heutigen Sockel entfernt.

An der Ecke steht das Toreken, ein Zunfthaus der Gerber aus dem 15. Jahrhundert mit kleinem Turm. Der Markt, dem der Platz seinen Namen verdankt, findet bis heute freitags statt.

Dulle Griet: die rote Riesenkanone

Am Grootkanonplein neben dem Vrijdagmarkt liegt eine Bombarde aus dem 15. Jahrhundert auf einem Sockel: über fünf Meter lang, aus geschmiedeten Eisenstäben und Ringen zusammengesetzt, rot gestrichen. Die Gentser nennen sie Dulle Griet, die tolle Grete.

Als Waffe war sie ein Reinfall: schwer zu bewegen, langsam zu laden, gefährlich für die eigene Mannschaft. Als Wahrzeichen hat sie sich dafür gehalten. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt.

Gut zu wissen: In den Bierkneipen am Platz gibt es Gläser mit eigenem Holzgestell, für die du an der Theke einen Schuh als Pfand abgeben musst. Das ist echte Gentser Kneipenkultur, keine Masche für Gäste. Hintergrund zu den Sorten steht unter Bier in Belgien.

Gentse Feesten im Juli

Zehn Tage im Juli wird die Altstadt zum Festgelände: Bühnen auf den Plätzen, vieles ohne Eintritt, dazu Straßentheater und Stände bis tief in die Nacht. Vrijdagmarkt und die Gassen ringsum gehören zum Kern des Geschehens.

Die Termine verschieben sich von Jahr zu Jahr, prüfe sie vor der Buchung. Wer das Fest will, bucht sehr früh. Wer es nicht will, meidet genau diese zehn Tage, ruhige Ecken gibt es dann kaum. Welche Viertel wann funktionieren, steht unter Hotels in Gent.

Praktisch

Beide Ziele liegen im autofreien Kern: vom Gravensteen zwei Minuten, vom Korenmarkt zehn. Das Kopfsteinpflaster ist grob, mit Rollkoffer brauchst du Geduld. Plane eine Stunde für den Rundgang, den Abend fürs Essen. Wie das in die Runde passt, steht in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Gent.

Tickets: Für Viertel, Platz und Kanone brauchst du nichts, alles ist frei zugänglich und rund um die Uhr offen. Tickets lohnen sich in der Nachbarschaft: Der Gravensteen liegt zwei Minuten entfernt, dort sparst du dir mit dem Online-Kauf die Schlange am Torhaus.

Zur offiziellen Website

Achtung: Wer im Juli anreist, ohne von den Gentse Feesten zu wissen, steht in einer anderen Stadt, als er gebucht hat: laut, voll und bis morgens in Betrieb. Und abends sind die Gassen des Patershol schmal, dunkel und voller Terrassenstühle. Radfahrer kommen trotzdem durch.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istTagsüber ist im Patershol kaum jemand unterwegs, voll wird es nur abends und an Wochenenden. Wenn alle Terrassen besetzt sind, weich auf den Vrijdagmarkt aus, dort ist deutlich mehr Platz. Für ein Abendessen am Freitag oder Samstag reservierst du besser vorher.
  • Wenn es regnetDie Gassen bieten wenig Schutz, ein Regenschauer treibt dich schnell in ein Lokal. Als Ausweichziel liegt der Gravensteen zwei Minuten entfernt, in dem der größte Teil des Rundgangs im Trockenen liegt. Nasses Kopfsteinpflaster ist hier rutschig.
  • Mit KindernDer Spaziergang ist kurz genug, und die rote Riesenkanone am Grootkanonplein ist der Höhepunkt, denn sie darf angefasst werden. Am Vrijdagmarkt gibt es Platz zum Laufen. Abends wird es in den Gassen eng zwischen Terrassenstühlen und Radfahrern.
  • Mit eingeschränkter MobilitätEhrlich: Das Kopfsteinpflaster im Patershol ist grob und uneben, die Gassen sind schmal und teils leicht abschüssig. Mit Rollstuhl oder Rollator ist der Vrijdagmarkt die bessere Wahl, der ist flach und breit. Beide Ziele liegen im autofreien Kern und sind gut zu Fuß erreichbar.

Häufige Fragen

Was ist das Patershol in Gent?

Ein Karree aus gut einem Dutzend Gassen direkt hinter dem Gravensteen, in dem der mittelalterliche Grundriss erhalten geblieben ist. Früher wohnten hier Gerber, später Karmelitermönche, im 20. Jahrhundert war es das ärmste Viertel der Stadt. Seit der Sanierung ab den 1980er Jahren steckt in fast jedem Erdgeschoss ein Restaurant.

Was ist die Dulle Griet?

Eine Bombarde aus dem 15. Jahrhundert, über fünf Meter lang, aus geschmiedeten Eisenstäben und Ringen gebaut und heute rot gestrichen. Zu finden ist sie auf dem Grootkanonplein am Rand des Vrijdagmarkts, und angefasst werden darf sie auch. Als Waffe taugte sie wenig, als Wahrzeichen der Stadt hat sie sich dafür gehalten.

Lohnt sich der Vrijdagmarkt?

Ja, vor allem für alle, die Geschichte an konkreten Orten mögen. Hier wurden die Grafen von Flandern vereidigt, hier versammelten sich die Zünfte, und hier steht die Statue von Jacob van Artevelde. Freitags ist Markt, an den übrigen Tagen ist der Platz vor allem ein großer Terrassenplatz.

Wann sind die Gentse Feesten?

Zehn Tage im Juli, mit Bühnen, Straßentheater und Konzerten in der ganzen Altstadt, vieles davon ohne Eintritt. Die genauen Termine verschieben sich von Jahr zu Jahr, prüfe sie vor der Buchung. Wer das Fest sucht, bucht sehr früh, wer Ruhe will, meidet genau diese zehn Tage.

Muss man im Patershol reservieren?

Am Wochenende ja. Die Lokale sind klein, viele haben nur wenige Tische, und ab dem frühen Abend füllen sie sich. Unter der Woche kommst du meist auch spontan unter. Tagsüber ist das Viertel ruhig und eignet sich gut für einen kurzen Spaziergang zwischen Burg und Vrijdagmarkt.