Auf einen Blick
- ArchitektVictor Horta, 1861 bis 1947
- BauzeitWohnhaus und Atelier 1898 bis 1901
- UNESCOWelterbe seit 2000, vier Stadthäuser
- LageSaint-Gilles / Sint-Gillis
- Dauer1 bis 2 Stunden, mit Route ein halber Tag
- Fotografierenim Museum nicht erlaubt
Wer Victor Horta war
Horta wurde 1861 in Gent geboren und arbeitete fast sein ganzes Leben in Brüssel. Mit dem Hôtel Tassel, fertiggestellt 1893, gilt er als Erfinder des Jugendstils in der Architektur: Er ersetzte tragende Mauern durch Eisenstützen, zog die Räume um eine offene Treppenhalle herum und ließ Tageslicht durch ein Glasdach bis ins Erdgeschoss fallen. Wer heute in einem Loft mit offenem Grundriss steht, steht in einer Idee, die hier ihren Anfang nahm.
Horta baute für das reiche Bürgertum, aber auch für die Arbeiterbewegung. Sein Volkshaus am Rand der Marollen, ein Bau aus Eisen und Glas, wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Dieser Abriss gilt bis heute als eine der schmerzhaftesten Zerstörungen in Brüssel und hat sogar einen eigenen Begriff hervorgebracht, mit dem Belgier gedankenlose Stadtplanung beschreiben. Im Alter wandte sich Horta einer nüchterneren Formensprache zu und entwarf unter anderem den Palast der Schönen Künste.
Das Wohnhaus als Museum
Das Museum besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Häusern, die Horta zwischen 1898 und 1901 für sich selbst baute: links das Wohnhaus, rechts das Atelier. Der Kern ist das Treppenhaus mit dem Glasdach, Spiegeln und einem Geländer, das sich wie eine Pflanze nach oben zieht. Horta entwarf alles selbst, bis hin zu Türgriffen, Heizkörperverkleidungen und Lichtschaltern.
Die Räume sind klein, deshalb lassen die Betreiber nur begrenzt viele Leute gleichzeitig hinein. Nimm dir Zeit für Details statt für Meter: die Mosaikböden, die abgestuften Gelbtöne im Treppenhaus, die Art, wie das Licht mit der Tageszeit wandert.
Achtung: Im Museum darfst du nicht fotografieren, auch nicht mit dem Handy. Das Personal weist konsequent darauf hin. Sieh es sportlich: Ohne Kamera in der Hand nimmst du deutlich mehr wahr.
Die vier UNESCO-Häuser
Zum Welterbe gehören vier Bauten. Das Wohnhaus mit Atelier ist das Museum. Das Hôtel Tassel in der Rue Paul-Émile Janson steht in einer ruhigen Seitenstraße nahe der Avenue Louise und ist privat, du siehst nur die Fassade mit ihrem vorgewölbten Erker. Das Hôtel Solvay an der Avenue Louise gehört ebenfalls Privatleuten, wird aber zeitweise für angemeldete Führungen geöffnet. Das Hôtel van Eetvelde an der Avenue Palmerston liegt schon fast im Europaviertel und ist der technisch kühnste der vier Bauten, mit einem Oktogon aus Glas und Stahl im Inneren.
Gut zu wissen: Jugendstil heißt auf Französisch Art nouveau, auf Niederländisch ebenfalls art nouveau. Auf Hinweisschildern und in Broschüren wirst du den deutschen Begriff kaum finden.
Die Route zu Fuß
Vom Museum aus läufst du am besten in Richtung Avenue Brugmann und dann Richtung Avenue Louise. Unterwegs kommst du an Wohnhäusern vorbei, die keine Architekturikonen sind, aber die Zeit gut zeigen: Sgraffito-Friese unter dem Dach, geschwungene Fenstergitter, Türen mit Glasrosetten. In Ixelles rund um den Châtelain-Platz stehen weitere Fassaden, dazwischen Cafés für die Pause.
Die zweite Gruppe liegt im Osten, rund um den Square Ambiorix und die Avenue Palmerston nahe dem Europaviertel. Dort steht auch ein extrem schmales Haus mit einer Fassade fast nur aus Schmiedeeisen, das jeder fotografiert. Ein dritter Ort liegt am Jubelpark: ein Künstlerhaus mit bemalter Fassade, das nur an wenigen Tagen im Monat öffnet.
Zwei weitere Horta-Bauten siehst du beiläufig, wenn du ohnehin in der Stadt unterwegs bist: Das Comic-Zentrum sitzt in einem ehemaligen Kaufhaus von Horta, dessen Lichthalle du schon im Eingangsbereich siehst. Und am Kunstberg steht mit dem Old-England-Gebäude ein Jugendstilkaufhaus, in dem heute das Musikinstrumentenmuseum untergebracht ist. Mehr Hintergrund zur Bewegung findest du unter Jugendstil in Belgien.
Tipp: Im Frühjahr läuft in Brüssel ein Festival, bei dem private Jugendstilhäuser für angemeldete Führungen öffnen. Die Plätze sind schnell weg, aber es ist die einzige Gelegenheit, Interieurs zu sehen, die sonst verschlossen bleiben.
Tickets und Anreise
Tickets: Das Haus ist klein und arbeitet mit Zeitfenstern. Buch online, besonders für Samstag und Sonntag, sonst stehst du vor der Tür und wartest auf die nächste freie Slotgruppe. Der Montag ist in Belgien der übliche Schließtag, prüf das vorher.
Saint-Gilles erreichst du mit Metro und Tram über die Avenue Louise, von dort sind es rund zehn Minuten zu Fuß bergauf. Wer die ganze Route läuft, plant vier bis fünf Stunden ein und trägt bequeme Schuhe: Brüssel hat zwischen Ober- und Unterstadt echte Steigungen. Eine geführte Jugendstiltour findest du bei den Aktivitäten in Brüssel. Wo das Museum im Vergleich zu den übrigen Zielen steht, zeigt die Übersicht der Brüsseler Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istIst dein Wunschtermin ausgebucht, dreh die Reihenfolge um: erst die Fassadenroute durch Saint-Gilles und Ixelles laufen, dann ein späteres Zeitfenster nehmen. Alternativ siehst du Horta-Architektur ohne Ticket im Comic-Zentrum, dessen Lichthalle frei zugänglich ist.
- Wenn es regnetDer Museumsteil ist wetterfest, die Route nicht. Bei Dauerregen verlegst du den Spaziergang in die Jugendstil- und Art-déco-Säle des Museums für Kunst und Geschichte im Jubelpark, dort steht Kunsthandwerk derselben Epoche unter Dach.
- Mit KindernEhrlich gesagt kein Kinderziel. Es gibt nichts zum Anfassen, das Fotografierverbot nervt Jugendliche, und die Räume sind eng. Mit Kindern funktioniert die Fassadenroute besser als das Museum, am besten als Suchspiel nach Fenstern mit Blumenmustern.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Haus ist ein historisches Wohnhaus mit schmalen, gewundenen Treppen über mehrere Ebenen und ohne Aufzug. Für Menschen mit Gehbehinderung ist es schwierig bis unmöglich. Der Weg vom Zentrum hinauf nach Saint-Gilles ist zudem eine spürbare Steigung.
Häufige Fragen
Lohnt sich das Horta-Museum wirklich?
Wenn dich Architektur oder Design interessieren, ja. Es ist das einzige Horta-Haus, das du ohne Anmeldung von innen sehen kannst, und das Treppenhaus mit Glasdach ist der Kern seiner ganzen Idee. Wer Häuser nur von außen anschaut, ist mit einem Spaziergang durch Saint-Gilles und Ixelles zufriedener und spart sich das Ticket.
Darf man im Horta-Museum fotografieren?
Nein, im Inneren ist Fotografieren nicht erlaubt, auch nicht mit dem Handy. Das Personal achtet darauf. Die Fassade darfst du von der Straße aus aufnehmen. Postkarten und Bildbände gibt es am Empfang, und ohne Kamera nimmst du die Räume ohnehin deutlich bewusster wahr.
Welche Horta-Häuser gehören zum UNESCO-Welterbe?
Seit 2000 stehen vier Brüsseler Stadthäuser auf der Liste: das Wohnhaus mit Atelier, heute das Museum, dazu das Hôtel Tassel, das Hôtel Solvay und das Hôtel van Eetvelde. Nur das Museum ist regulär geöffnet. Solvay und van Eetvelde werden gelegentlich für angemeldete Führungen zugänglich gemacht, Tassel siehst du ausschließlich von außen.
Wie viel Zeit braucht eine Jugendstil-Route durch Brüssel?
Für Museum und den Rundgang durch Saint-Gilles und Ixelles planst du vier bis fünf Stunden. Willst du zusätzlich die Häuser rund um den Square Ambiorix im Osten sehen, nimm die Metro dorthin und rechne mit einem ganzen Tag. Bequeme Schuhe sind Pflicht, denn zwischen Ober- und Unterstadt geht es spürbar bergauf.
Kann man das Hôtel Solvay besichtigen?
Nur eingeschränkt. Das Haus an der Avenue Louise ist in Privatbesitz und wird zeitweise für angemeldete Führungen geöffnet, meist in kleinen Gruppen und mit Voranmeldung. Verlass dich nicht darauf, dass es an deinem Reisetag klappt. Sicher zugänglich ist allein das Wohnhaus mit Atelier, also das Museum in Saint-Gilles.






