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Europaviertel: EU-Institutionen besuchen

Das Europaviertel ist der Teil Brüssels, den halb Europa aus den Nachrichten kennt und fast niemand besucht. Dabei sind die beiden wichtigsten Besucherzentren kostenlos: das Parlamentarium beim Europäischen Parlament und das Haus der Europäischen Geschichte im Leopoldpark. Beide sind modern gemacht, mehrsprachig und deutlich unterhaltsamer, als der Name vermuten lässt.

Was du dagegen nicht bekommst, ist Postkartenkulisse. Das Viertel besteht aus Bürobauten der 1960er bis 2000er Jahre, dazwischen einige gerettete Altbauten. Wer sich für Politik interessiert oder Kindern zeigen will, wie die EU funktioniert, verbringt hier einen guten halben Tag. Wer nur Sehenswürdigkeiten abhaken will, lässt es sein.

Europaviertel: EU-Institutionen besuchen
Foto: Axel Kirch, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionBrüssel-Hauptstadt, Stadtgemeinde Brüssel und Etterbeek
  • ZentrumRond-point Schuman / Schumanplein
  • KostenlosParlamentarium und Haus der Europäischen Geschichte
  • AusweisLichtbildausweis für den Einlass nötig
  • Dauer3 bis 5 Stunden für beide Häuser
  • AnreiseMetro 1 oder 5 bis Schuman oder Maelbeek

Was hier eigentlich steht

Der Mittelpunkt ist der Rond-point Schuman, auf Niederländisch Schumanplein. An der Nordseite steht das Berlaymont-Gebäude, Sitz der Europäischen Kommission, mit seinem X-förmigen Grundriss und der Glasfassade. Besichtigen kannst du es nicht, aber von der Straße aus ist es das bekannteste Bild des Viertels. Gegenüber liegt das Europa-Gebäude mit seiner laternenförmigen Konstruktion hinter einer Fassade aus alten Fensterrahmen aus allen Mitgliedstaaten. Dort tagen der Europäische Rat und der Rat der EU.

Vom Schumanplatz führt die Rue de la Loi, auf Niederländisch Wetstraat, in Richtung Innenstadt. Die zweisprachige Beschilderung ist hier besonders auffällig, weil jedes Straßenschild beide Sprachen trägt. In der anderen Richtung stehst du nach fünf Gehminuten am Triumphbogen des Jubelparks.

Das Parlamentarium

Das Besucherzentrum des Europäischen Parlaments liegt südlich am Espace Léopold. Der Eintritt ist frei, du bekommst einen Multimediaguide in deiner Sprache, und der Rundgang erklärt in etwa 90 Minuten, wie Gesetze entstehen, wer wen wählt und was die Fraktionen unterscheidet. Für Jugendliche ab etwa zwölf Jahren ist das erstaunlich gut gemacht, mit interaktiven Stationen statt Textwänden.

Der Plenarsaal selbst ist ebenfalls zugänglich, allerdings nicht immer und nicht ohne Anmeldung. Sitzungswochen und Sicherheitslagen ändern die Regeln, deshalb prüfst du das kurz vor der Reise. Zum Einlass brauchst du in jedem Fall einen gültigen Lichtbildausweis, und du gehst durch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen.

Tickets: Für Parlamentarium und Haus der Europäischen Geschichte zahlst du nichts. Einzelbesucher brauchen in der Regel keine Reservierung, Gruppen und Führungen dagegen schon. Besuche des Plenarsaals meldest du vorher an. Alle Details und aktuelle Zugangsregeln stehen auf der offiziellen Seite des Parlaments.

Zur offiziellen Website

Haus der Europäischen Geschichte

Ein paar Schritte weiter, im Leopoldpark, steht ein weißes Gebäude aus den 1930er Jahren, das als Zahnklinik gebaut wurde. Heute erzählt darin das Haus der Europäischen Geschichte den Kontinent vom 19. Jahrhundert bis heute: Industrialisierung, Kolonialismus, zwei Weltkriege, Teilung, Integration. Der Eintritt ist ebenfalls frei, der Multimediaguide gibt es in allen Amtssprachen.

Das Haus ist deutlich anspruchsvoller als das Parlamentarium und nimmt kein Blatt vor den Mund, auch nicht bei den dunklen Kapiteln europäischer Geschichte. Zwei Stunden solltest du einplanen, drei sind kein Problem.

Gut zu wissen: Anders als die Büros ringsum haben beide Besucherzentren auch am Wochenende geöffnet. Die genauen Zeiten prüfst du vorher auf der offiziellen Website, denn sie unterscheiden sich je nach Haus und Wochentag.

Wann du kommen solltest

Unter der Woche ist das Viertel voller Menschen mit Ausweisen um den Hals, mittags sind die Lokale voll, und am Place du Luxembourg vor dem Parlament füllt sich donnerstagabends der Feierabendbetrieb. Am Wochenende kippt das Bild komplett: Die Straßen sind leer, viele Restaurants haben zu, dafür hast du die Museen fast für dich.

Für Fotos ist der Sonntagvormittag die beste Zeit, für Atmosphäre der Werktag. Zum Essen gehst du besser ins Zentrum oder nach Ixelles, denn hier zahlst du Bürostadtpreise für Mittelmaß. Konkrete Empfehlungen findest du unter Essen und Trinken in Brüssel.

Anreise und Umgebung

Die Metrolinien 1 und 5 halten in Schuman und Maelbeek, auf Niederländisch Maalbeek. Der Bahnhof Schuman liegt direkt darunter und hat eine direkte Zugverbindung zum Flughafen, was praktisch ist, wenn du im Viertel wohnst. Alles Weitere zu Tickets und Netz steht auf der Seite zum Verkehr in Brüssel, Hoteltipps für die Gegend findest du unter Hotels in Brüssel.

Zu Fuß erreichst du vom Schumanplatz aus in wenigen Minuten den Leopoldpark, das Naturwissenschaftliche Museum mit seinen Iguanodon-Skeletten und den Square Ambiorix mit einigen der schönsten Jugendstilfassaden der Stadt. Wer dort weitermachen will, findet die Route auf der Seite zum Horta-Museum. Einen Überblick über alle Ziele gibt die Übersicht der Brüsseler Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istBeide Häuser werden vor allem von Schulgruppen besucht, meist vormittags unter der Woche. Wenn es voll ist, dreh die Reihenfolge um und starte im Haus der Europäischen Geschichte, das sich über mehrere Etagen besser verteilt.
  • Wenn es regnetIdeal bei Regen. Zwischen Parlamentarium und Haus der Europäischen Geschichte liegen nur wenige Minuten, und beide Gebäude sind groß genug für einen ganzen Nachmittag. Die Metro bringt dich trocken bis fast vor die Tür.
  • Mit KindernDas Parlamentarium funktioniert ab etwa zehn Jahren gut, mit Rollenspielstationen und Bildschirmen. Für kleinere Kinder ist das Naturwissenschaftliche Museum am Leopoldpark mit seinen Dinosaurierskeletten die bessere Wahl.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Viertel ist modern gebaut, breite Gehwege, Aufzüge in beiden Besucherzentren und in den Metrostationen. Von allen Brüsseler Vierteln ist es das barrierefreieste. Nur der Weg zum Leopoldpark hat eine leichte Steigung.

Häufige Fragen

Kann man das Europäische Parlament in Brüssel besichtigen?

Ja. Das Parlamentarium als Besucherzentrum ist frei zugänglich und erklärt mit Multimediaguide, wie das Parlament arbeitet. Auch der Plenarsaal kann besucht werden, allerdings nicht durchgehend und meist mit Anmeldung. Sitzungswochen und Sicherheitsvorgaben ändern die Regeln, deshalb prüfst du das kurz vor der Reise auf der offiziellen Seite.

Kostet der Besuch der EU-Institutionen Eintritt?

Nein. Sowohl das Parlamentarium als auch das Haus der Europäischen Geschichte sind kostenlos, inklusive Multimediaguide in deiner Sprache. Du brauchst allerdings einen gültigen Lichtbildausweis und musst durch eine Sicherheitskontrolle. Für Gruppen und Führungen ist eine Anmeldung nötig, Einzelbesucher kommen in der Regel ohne Reservierung hinein.

Wie viel Zeit braucht man für das Europaviertel?

Für das Parlamentarium etwa 90 Minuten, für das Haus der Europäischen Geschichte zwei bis drei Stunden. Wer beides an einem Tag macht und dazwischen durch den Leopoldpark läuft, ist gut einen halben Tag beschäftigt. Ein Spaziergang zum Jubelpark hängt sich in zehn Minuten Fußweg direkt an.

Lohnt sich das Europaviertel am Wochenende?

Für Museen ja, für Atmosphäre nein. Samstags und sonntags sind die Straßen fast leer und viele Lokale geschlossen, weil das Viertel von Büros lebt. Dafür hast du die Ausstellungen entspannt für dich. Wer die Gegend lebendig erleben will, kommt an einem Werktag zur Mittagszeit.

Kann man das Berlaymont-Gebäude von innen sehen?

Regulär nicht, es ist ein Verwaltungsgebäude der Europäischen Kommission. Du siehst es von außen am Rond-point Schuman, und das ist auch das bekannte Motiv. An einzelnen Tagen im Jahr öffnen die EU-Institutionen ihre Türen für die Öffentlichkeit, dann kommst du auch hinein. Die Termine stehen auf den offiziellen Seiten.