Auf einen Blick
- RegionRegion Brüssel-Hauptstadt
- Namen vor OrtCentre Belge de la Bande Dessinée, Belgisch Stripcentrum
- GebäudeEhemaliges Kaufhaus Waucquez von Victor Horta, 1906
- Museum seit1989
- Dauer1 bis 2 Stunden, mit Comic-Route ein halber Tag
- Anreise5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Bruxelles-Central
Das Gebäude: Hortas Kaufhaus
Victor Horta baute das Haus 1906 als Textilkaufhaus für den Händler Charles Waucquez. Nach dessen Ende stand es jahrelang leer und sollte abgerissen werden. Zwei Comiczeichner setzten sich für die Rettung ein, 1989 eröffnete darin das Comic-Zentrum.
Was du beim Hereinkommen siehst, ist reiner Jugendstil: eine Halle mit Oberlicht, eine breite Treppe, Stahlträger, die wie Pflanzenstängel geschwungen sind, und Glaswände, die das Tageslicht bis in die hinteren Ecken lassen. Wenn dich diese Architektur packt, ist der nächste Schritt das Horta-Museum in Saint-Gilles.
Was im Museum zu sehen ist
Die Ausstellung erzählt die Geschichte des belgischen Comics: die Anfänge in Zeitungsbeilagen, die großen Studios der Nachkriegszeit, der Unterschied zwischen der klaren Linie von Hergé und dem beweglichen Strich der Marcinelle-Schule. Gezeigt werden Originalzeichnungen, Skizzenbücher und Druckplatten, dazu wechselnde Ausstellungen zu einzelnen Zeichnern.
Die Namen kennst du zum Teil, ohne es zu wissen. Hergé schuf Tim und Struppi, im Original Tintin und auf Niederländisch Kuifje. Peyo erfand die Schlümpfe, Morris den Lucky Luke, Franquin Gaston. Willy Vandersteen zeichnete Suske en Wiske, in Flandern und den Niederlanden eine Institution, in Deutschland kaum bekannt. Rechne damit, dass die Texte auf Französisch und Niederländisch stehen, meist mit englischer Übersetzung.
Gut zu wissen: Comics gelten in Belgien als neunte Kunst und werden ernst genommen: Es gibt Lehrstühle, Festivals und Sammler, die Originalseiten wie Gemälde behandeln. Deshalb wirkt das Museum nicht wie ein Kinderprogramm, sondern wie ein Kunsthaus.
Die Comic-Route durch die Stadt
Seit Anfang der 1990er Jahre lässt die Stadt Brandmauern mit Comicmotiven bemalen. Inzwischen sind es über fünfzig Wände, manche mehrere Stockwerke hoch. Sie hängen quer durch die Innenstadt, ein paar auch in den angrenzenden Vierteln.
Die Route kostet nichts, du brauchst nur eine Karte, die es im Tourismusbüro und online gibt. Eine der bekanntesten Wände zeigt Tim und Struppi auf einer Feuertreppe, sie steht in der Rue de l’Étuve, wenige Schritte vom Manneken Pis. Andere findest du rund um den Marché au Charbon und in den Straßen östlich der Grand-Place.
Tipp: Lauf die Comicwände nicht als Liste ab, sondern such dir sechs bis acht in einem Viertel aus. So wird daraus ein Spaziergang von etwa anderthalb Stunden, bei dem du nebenbei Straßen siehst, die in keinem Reiseführer stehen. Ein zweiter Fundort liegt untertage: Die Metrostation Stockel ist auf ganzer Länge mit Figuren aus Tim und Struppi bemalt.
Tickets und Zeitplanung
Für das Museum reichen ein bis zwei Stunden. Es ist selten überfüllt, nur an Regentagen am Wochenende kann es eng werden. Ein Zeitfenster brauchst du normalerweise nicht.
Tickets: Tickets bekommst du an der Kasse im Erdgeschoss, online kaufen lohnt sich nur bei Sonderausstellungen. Der Museumsshop mit Alben und Drucken ist auch ohne Ticket zugänglich, ebenso das Café in der Eingangshalle. Wenn du mehrere Museen planst, prüfe die Brüsseler Museumskarte.
Wie du es einplanst
Das Comic-Zentrum liegt in der Rue des Sables, niederländisch Zandstraat, fünf Minuten vom Bahnhof Bruxelles-Central und zehn Minuten von der Grand-Place, beides leicht bergauf. Es passt gut in einen Vormittag, an den du danach die Kathedrale hängst, die in derselben Richtung liegt.
Wer sich für Comics begeistert, kombiniert das Museum mit der Route und braucht dafür einen halben Tag. Wie sich das in eine Zweitagesplanung einfügt, steht bei den Brüsseler Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll wird es fast nur an regnerischen Wochenenden. Dann startest du oben und arbeitest dich nach unten, statt mit allen anderen im ersten Saal zu stehen, oder du kommst in der letzten Öffnungsstunde.
- Wenn es regnetDas Museum selbst ist trocken, die Comic-Route nicht. Bei Dauerregen ersetzt du den Spaziergang durch das Museum plus die überdachten Königlichen Galerien, die in zehn Minuten erreichbar sind.
- Mit KindernAb etwa sechs Jahren gut, jüngere Kinder langweilen sich bei den Originalzeichnungen. Die Comicwände draußen funktionieren dagegen in jedem Alter, daraus lässt sich eine Suchtour machen.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Museum hat einen Aufzug, die große Treppe lässt sich umgehen. Der Weg dorthin ist allerdings ansteigend und gepflastert. Die Comic-Route führt über Bordsteine und Kopfsteinpflaster, plane dafür mehr Zeit ein.
Häufige Fragen
Lohnt sich das Comic-Zentrum auch ohne Comic-Interesse?
Ja, wegen des Gebäudes. Victor Horta baute es 1906 als Kaufhaus, und die Eingangshalle mit Glasdach, Eisenträgern und breiter Treppe gehört zu den schönsten Jugendstilräumen der Stadt. Viele Besucher kommen für die Architektur und bleiben dann doch bei den Originalzeichnungen hängen.
Wo hängen die Comicwände in Brüssel?
Über fünfzig bemalte Brandmauern verteilen sich über die Innenstadt und die angrenzenden Viertel. Bekannt sind die Wand mit Tim und Struppi in der Rue de l'Étuve nahe dem Manneken Pis sowie mehrere Motive rund um den Marché au Charbon. Karten gibt es kostenlos im Tourismusbüro und online.
Ist die Comic-Route kostenlos?
Ja, die Wände stehen im öffentlichen Raum und sind jederzeit zugänglich. Du brauchst nur eine Karte und festes Schuhwerk. Rechne für eine sinnvolle Auswahl von sechs bis acht Wänden mit etwa anderthalb Stunden. Der Museumsbesuch ist davon unabhängig und kostet Eintritt.
Sind die Ausstellungstexte auf Deutsch?
Selten. Wie in den meisten Brüsseler Museen stehen die Texte auf Französisch und Niederländisch, häufig ergänzt durch Englisch. Für die Bilder und Originalzeichnungen ist das kein Problem, für die Hintergründe schon. Wenn dir Erklärungen wichtig sind, frag an der Kasse nach einem Begleitheft oder Audioguide.
Wie viel Zeit braucht man im Comic-Zentrum?
Ein bis zwei Stunden reichen für die Dauerausstellung und eine Sonderausstellung. Wer die Bibliothek und den Shop mitnimmt, bleibt länger. Kombiniert mit einem Teil der Comic-Route draußen wird daraus ein guter halber Tag, der sich gut mit der nahen Kathedrale verbinden lässt.






