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Lüttich Sehenswürdigkeiten: die Top 12

Lüttich ist die größte Stadt Walloniens und die einzige belgische Großstadt, die sich in ein enges Flusstal zwängt. Die Maas teilt sie in zwei Hälften, an den Hängen kleben Treppen und Terrassengärten, und im Zentrum steht ein Palast mit rund sechzig Säulen, von denen keine der anderen gleicht.

Hier stehen die zwölf Sehenswürdigkeiten, die den Weg lohnen, dazu ein Rundgang zu Fuß und die Antwort darauf, warum sich diese Stadt anders anfühlt als Brügge oder Gent. Eines vorweg: Vor Ort heißt Lüttich ausschließlich Liège.

Lüttich Sehenswürdigkeiten: die Top 12
Foto: Michielverbeek, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvinz Lüttich, größte Stadt Walloniens
  • Lokaler NameLiège auf Französisch, Luik auf Niederländisch, Lîdje auf Wallonisch
  • Einwohnerrund 195.000 in der Stadt selbst
  • SpracheFranzösisch, die Wallonie ist einsprachig
  • Besuchsdauer2 Tage, ein Sonntagvormittag gehört La Batte
  • AnreiseICE aus Köln und Aachen bis Liège-Guillemins

Lohnt sich Lüttich?

Ja, wenn du Städte magst, die nicht für den Besuch hergerichtet wurden. Lüttich liegt im Maastal, eingeklemmt zwischen zwei Hügelketten, rund 195.000 Menschen wohnen hier. Fast 800 Jahre lang war die Stadt ein eigener Staat mit eigenem Fürsten, danach eines der ersten Industriereviere des Kontinents. Beide Schichten liegen offen: Prachtbauten neben Straßenzügen, denen man die Stahlkrise ansieht.

Genau das macht den Reiz aus: eine Stadt mit Höhenunterschied, Aussichten und einem Fluss, der wirklich benutzt wird, dazu der größte Sonntagsmarkt des Landes und ein Preisniveau spürbar unter Brügge oder Antwerpen. Wer eine geschlossene mittelalterliche Kulisse sucht, ist hier falsch. Wer Lust auf eine Stadt mit rauen Rändern hat, bleibt zwei Tage. Aus Aachen bist du in einer halben Stunde da.

Warum sich Lüttich so anders anfühlt als Flandern

Der erste Unterschied ist die Sprache. Die Wallonie ist einsprachig französisch, und das ist wörtlich gemeint: Auf Schildern, Fahrplänen und Speisekarten steht nur Französisch. Ein „bonjour“ beim Betreten eines Ladens gehört zum guten Ton, Englisch funktioniert im Hotel, in der Eckkneipe eher nicht. Wie die Sprachgrenze das Land teilt, erklärt der Beitrag zu den Sprachen in Belgien.

Der zweite Unterschied ist die Geschichte. Von 985 bis 1795 war Lüttich ein Fürstbistum und damit ein eigener Staat im Heiligen Römischen Reich, nicht Teil der burgundischen Niederlande wie Brügge, Gent oder Antwerpen. Die Stadt rebellierte regelmäßig gegen ihre Fürsten, wurde 1468 von Karl dem Kühnen geplündert und machte 1789 ihre eigene Revolution.

Der dritte Unterschied ist die Industrie. Kohle und Stahl haben das Maastal geprägt, die Hochöfen sind weg, die Spuren nicht. Deshalb wirkt Lüttich rauer als flämische Städte. Es hilft, das vorher zu wissen: Der Weg vom Bahnhof ins Zentrum ist kein Postkartenmotiv, das Ziel dafür umso mehr. Die Nachbarstädte stehen unter Provinz Lüttich.

Gut zu wissen: Die Stadt hat drei Namen. Auf deutschen Karten steht Lüttich, auf flämischen Wegweisern Luik, auf allen Schildern vor Ort nur Liège. Gib ins Navi Liège ein, sonst suchst du an der Ausfahrt vergeblich.

Die Top 12 Sehenswürdigkeiten in Lüttich

Die Reihenfolge ist eine Rangliste, keine Route. Bis auf den Bahnhof und den Park an der Maas liegt alles im Zentrum, höchstens eine Viertelstunde zu Fuß auseinander.

1 Montagne de Bueren

374 Stufen, schnurgerade den Hang hinauf, ohne eine einzige Kurve zum Ausruhen. Gebaut wurde die Treppe 1881, damit die Soldaten der Zitadelle direkt ins Zentrum kamen.

Oben stehst du über den Dächern der Altstadt, unten fragst du dich, warum du das gemacht hast. Wie steil es wirklich ist und welche Wege sanfter hinaufführen, steht bei der Montagne de Bueren.

2 Bahnhof Liège-Guillemins

Santiago Calatrava hat hier 2009 einen Bahnhof ohne Fassade gebaut: ein Gewölbe aus Stahl, Glas und weißem Beton über allen Gleisen, an beiden Enden offen.

Der Besuch kostet nichts, nicht einmal einen Fahrschein brauchst du dafür. Worauf du achten solltest, steht beim Bahnhof Liège-Guillemins.

3 La Batte, der Sonntagsmarkt

Jeden Sonntagvormittag zieht sich der größte Markt Belgiens gut zwei Kilometer am linken Maasufer entlang: Gemüse, Käse, Oliven, Stoffe, Werkzeug, Pflanzen, lebende Hühner.

Das ist kein Markt für Gäste, sondern der Sonntag der Stadt. Wann du kommen solltest und was sich wirklich zu kaufen lohnt, steht bei La Batte.

4 Palais des Princes-Évêques

Ab 1526 unter Fürstbischof Érard de la Marck erbaut, heute Justizpalast und Sitz der Provinz. Im ersten Innenhof tragen rund sechzig Säulen die Arkaden, jedes Kapitell anders geschnitzt: Fratzen, Tiere, Blattwerk.

Zwanzig Minuten, die sich lohnen, weil du dem alten Fürstenstaat sonst nirgends so nahe kommst. Mehr beim Palais des Princes-Évêques.

5 Kathedrale Saint-Paul und Schatzkammer

Kathedrale ist Saint-Paul erst seit 1802, davor stand die Bischofskirche am Place Saint-Lambert und wurde nach der Revolution abgetragen. Geblieben sind ein gotisches Langhaus, ein stiller Kreuzgang und eine große Schatzkammer.

Dort steht das goldene Reliquiar Karls des Kühnen, gestiftet von genau dem Mann, der die Stadt 1468 niederbrennen ließ. Die ganze Geschichte bei der Kathedrale Saint-Paul.

6 La Boverie und die Coteaux de la Citadelle

Im Park an der Maas steht das Kunstmuseum La Boverie in einem Bau der Weltausstellung von 1905, davor Rasen, alte Bäume und eine geschwungene Fußgängerbrücke über den Fluss.

Die grüne Gegenrichtung sind die Coteaux de la Citadelle, ein Netz aus Pfaden und Terrassengärten am Hang. Beides steht auf der Seite zu La Boverie und den Coteaux.

7 Place Saint-Lambert und das Archéoforum

Der größte Platz der Stadt ist vor allem eine Leerstelle. Bis zur Revolution stand hier die Kathedrale Saint-Lambert, danach wurde sie Stein für Stein abgetragen, der Grundriss ist im Pflaster markiert.

Unter dem Platz liegt das Archéoforum, eine begehbare Ausgrabung mit römischen Resten und den Fundamenten der Kirche: oben Busse und Einkaufstrubel, unten zweitausend Jahre Stadtgeschichte.

8 Grand Curtius

Ein tiefrotes Renaissancehaus am Maasufer, um 1600 für einen Waffenhändler gebaut, dahinter ein Museumskomplex: Archäologie, Kunsthandwerk, Glas, Waffen und religiöse Kunst der Maasregion.

Wenn du in Lüttich nur ein Museum machst, dann dieses. Es liegt am Quai de Maastricht und damit direkt am Sonntagsmarkt.

9 Saint-Barthélemy und das Taufbecken

Eine romanische Kirche aus rötlichem Stein, von außen fast wehrhaft. Drinnen steht das berühmteste Kunstwerk der Stadt: ein bronzenes Taufbecken, das Renier de Huy im frühen 12. Jahrhundert goss, getragen von Ochsen.

Das Becken gilt als Höhepunkt der maasländischen Kunst und zählt zu den sieben Wundern Belgiens, einer alten Liste der Kunstschätze des Landes.

10 Place du Marché und der Perron

Auf dem alten Marktplatz steht der Perron, eine Säule auf einem Brunnen, seit dem Mittelalter das Zeichen der städtischen Freiheiten. Karl der Kühne ließ sie 1468 nach Brügge schaffen, zehn Jahre später kam sie zurück.

Ringsum liegen Cafés und das alte Rathaus, ein paar Schritte weiter beginnt Le Carré, ein Karree aus engen Gassen voller Kneipen. Was du dort trinkst und isst, steht unter Essen und Trinken in Lüttich.

11 Musée de la Vie wallonne

Der Alltag Walloniens aus zwei Jahrhunderten, untergebracht in einem ehemaligen Franziskanerkloster hinter der Rue Hors-Château: Werkzeug, Werbung, Küchen, Bergbau, dazu ein Puppentheater mit Tchantchès.

Das Haus erklärt in einer Stunde mehr über Wallonien als jede Kirchenführung. Für Kinder das beste Regenprogramm der Stadt.

12 Outremeuse

Auf der anderen Maasseite liegt das Viertel, das sich selbst „Freie Republik Outremeuse“ nennt: enge Straßen, alte Kneipen und der Kult um Tchantchès, die Puppenfigur mit der großen Nase, die den Lütticher Dickkopf verkörpert.

Hier wuchs Georges Simenon auf, der Erfinder von Kommissar Maigret. Am 15. August feiert das Viertel tagelang, sonst lohnt Outremeuse vor allem am Abend.

Tickets: Der größte Teil dieser Liste kostet nichts: Treppe, Markt, Bahnhof, der erste Hof des Palasts, Plätze und Kirchen. Eintritt zahlst du im Grand Curtius, in La Boverie, im Musée de la Vie wallonne, im Archéoforum und in der Schatzkammer. Karten gibt es an der Kasse, ein festes Zeitfenster braucht hier niemand. Bei mehreren Häusern fragst du im Tourismusbüro am Place Saint-Lambert nach einer Kombikarte.

Der Rundgang zu Fuß

Start am Place Saint-Lambert, der Leerstelle mit dem Palast. Erst der Innenhof mit den Säulen, dann die Kathedrale mit der Schatzkammer, zurück nach Norden über den Place du Marché mit dem Perron und weiter in die Rue Hors-Château mit ihren Impasses voller Innenhöfe.

Am Ende der Hors-Château steht die Montagne de Bueren. Wer hoch will, geht hoch, alle anderen biegen zum Musée de la Vie wallonne ab, danach zu Saint-Barthélemy und ans Wasser zum Grand Curtius. Das sind gut drei Kilometer und die Hälfte dieser Liste.

Der zweite Tag gehört dem Fluss: sonntags erst der Markt, sonst am Kai nach Süden, über die Fußgängerbrücke in den Park und ins Museum La Boverie, weiter zum Bahnhof Guillemins. Den Abend verbringst du in Le Carré oder drüben in Outremeuse.

Tipp: Plane den Aufstieg zur Zitadelle in die letzte Stunde vor Sonnenuntergang, dann liegt das ganze Maastal vor dir. Wem die 374 Stufen zu viel sind, der nimmt den Bus hinauf und läuft die Treppe hinunter.

Praktisches für deinen Besuch

Anreise: Der ICE aus Frankfurt und Köln hält in Liège-Guillemins, aus Aachen bist du in einer halben Stunde da. In der Stadt fährst du mit den Bussen der TEC oder gehst zu Fuß, alles Weitere unter Verkehr in Lüttich.

Wetter: Der wärmste Monat ist der August mit im Mittel 23,3 Grad, der trockenste der April mit 50 Millimetern Niederschlag an elf Tagen. Im Januar bleibt es bei 5,5 Grad und an 16 Tagen fällt Regen. Eine Regenjacke gehört auch im Sommer ins Gepäck.

Essen und Schlafen: Boulets à la liégeoise, Waffeln mit Perlzucker und Pékèt als Wacholderschnaps sind der Kern der Küche, nachzulesen unter Essen und Trinken. Welches Viertel sich zum Übernachten lohnt, klärt die Seite zu den Hotels in Lüttich.

Achtung: Umweltzonen gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, dort müssen ausländische Kennzeichen vorher online registriert werden, sonst kommt ein Bußgeldbescheid nach Hause. In Lüttich gibt es bisher keine solche Zone, Wallonien arbeitet aber an einer regionalen Regelung. Prüfe das kurz vor der Abfahrt, mehr unter Mit dem Auto nach Belgien.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es in Lüttich nur an einer Stelle: sonntags zwischen elf und eins auf dem Markt La Batte. Komm dann früher oder weich auf die Kais weiter nördlich aus. Museen und Kirchen sind hier fast nie überlaufen, ein Zeitfenster brauchst du nirgends.
  • Wenn es regnetDie Stadt hält Regen gut aus. Grand Curtius, La Boverie, das Musée de la Vie wallonne, das Archéoforum unter dem Place Saint-Lambert und die Schatzkammer der Kathedrale liegen alle im Trockenen. Sparen solltest du dir bei Dauerregen die Montagne de Bueren, die Stufen werden glatt.
  • Mit KindernMachbar, aber anstrengend. Die Treppen und die vielen Steigungen bremsen kleine Beine, dafür sind Markt, Puppentheater im Musée de la Vie wallonne und die Waffeln mit Perlzucker gute Argumente. Plane kurze Etappen und nutze die Busse für die Wege am Hang.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Zentrum am Wasser ist flach und gut zu befahren, die Kais sind breit. Alles am Hang ist es nicht: Die Coteaux und die Montagne de Bueren bestehen nur aus Stufen, ohne Aufzug und ohne Rampe. Museen und der Bahnhof Guillemins sind barrierefrei erreichbar, das Kopfsteinpflaster in den alten Gassen ist grob.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Lüttich?

Zwei Tage mit einer Übernachtung sind der beste Zuschnitt. Am ersten Tag schaffst du das Zentrum mit Palast, Kathedrale, Marktplatz und der Treppe, am zweiten den Fluss mit La Boverie, dem Bahnhof und Outremeuse. Ein Tagesausflug aus Aachen oder Köln funktioniert, du verlierst dabei aber den Abend, und der ist in Lüttich der lebendigste Teil.

Lohnt sich Lüttich als Tagesausflug aus Deutschland?

Ja, kaum eine belgische Stadt liegt näher. Von Aachen sind es gut 40 Kilometer, der ICE braucht rund eine halbe Stunde, aus Köln gut eine Stunde. Du steigst direkt im Calatrava-Bahnhof aus und bist in 25 Minuten zu Fuß im Zentrum. Für Treppe, Palast, Kathedrale und ein Mittagessen reicht ein Tag gut aus.

Was kann man in Lüttich kostenlos machen?

Eine Menge. Die Montagne de Bueren, der Markt La Batte, der erste Innenhof des Fürstbischofspalasts, der Place Saint-Lambert, der Place du Marché mit dem Perron, die Kirchen und das Bahnhofsgewölbe von Calatrava kosten nichts. Auch die Coteaux de la Citadelle und der Park an der Maas sind frei zugänglich. Eintritt zahlst du nur in den Museen und in der Schatzkammer.

Spricht man in Lüttich Deutsch?

In der Regel nicht. Lüttich liegt in der einsprachig französischen Wallonie, Deutsch ist erst weiter östlich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Amtssprache. Im Hotel und an Museumskassen kommst du mit Englisch weiter, in Kneipen und auf dem Markt hilft ein freundliches „bonjour“ und ein paar Brocken Französisch. Niederländisch bringt dich hier nicht voran.

Wann ist die beste Reisezeit für Lüttich?

Mai bis September, wenn die Terrassen offen sind und die Abende lang. Der April ist mit 50 Millimetern der trockenste Monat, der August mit im Mittel 23,3 Grad der wärmste. Im Winter fällt an bis zu 16 Tagen im Monat Regen, dafür ist der Weihnachtsmarkt am Place Saint-Lambert einer der größten des Landes. Ein Sonntag sollte immer dabei sein.