Auf einen Blick
- RegionBrüssel-Hauptstadt, Stadtgemeinde Brüssel
- NamenSablon / Zavel, Marolles / Marollen
- KircheNotre-Dame du Sablon, Brabanter Gotik
- FlohmarktPlace du Jeu de Balle, jeden Morgen
- Dauer2 bis 3 Stunden
- Anreisezu Fuß vom Grand-Place, rund 10 Minuten bergauf
Der Sablon: Antiquitäten und Pralinen
Der große Sablon heißt auf Französisch Place du Grand Sablon, auf Niederländisch Grote Zavel. Der Platz steigt leicht an und ist von Häusern gesäumt, in denen sich seit Jahrzehnten Antiquitätenhändler halten: alte Karten, Silber, Möbel, religiöse Kunst. Dazwischen haben mehrere bekannte belgische Chocolatiers ihre Läden, was den Platz zur teuersten Pralinenmeile des Landes macht. Wer wissen will, warum die Praline überhaupt eine belgische Erfindung ist, liest die Seite über Schokolade und Pralinen.
An Wochenenden bauen Händler Stände für Antiquitäten und Kunstgewerbe auf. Es ist kein Flohmarkt, sondern eine Handelsbörse mit entsprechenden Preisen. Zum Schauen taugt sie trotzdem.
Die Kirche und der kleine Sablon
Notre-Dame du Sablon ist eine Kirche der Brabanter Gotik mit hohen, schlanken Fenstern. Ihre Legende erzählt von einer Frau aus Antwerpen, die im 14. Jahrhundert eine Marienstatue in einem Boot nach Brüssel brachte. Daraus entstand eine Prozession, die es in abgewandelter Form bis heute gibt: Im Sommer zieht der Ommegang vom Sablon zum Grand-Place, in historischen Kostümen und mit Riesenfiguren.
Auf der anderen Straßenseite liegt der kleine Sablon, ein umzäunter Garten. Auf den Säulen des Gitters stehen 48 kleine Bronzefiguren, jede zeigt eine Zunft der alten Stadt: Bäcker, Gerber, Steinmetze. In der Mitte erinnert ein Denkmal an die Grafen Egmont und Hoorne, die 1568 auf dem Grand-Place hingerichtet wurden. Der Garten ist eine der ruhigsten Ecken der Innenstadt.
Gut zu wissen: Vom Sablon sind es nur wenige Minuten hinauf zum Kunstberg und zu den Königlichen Museen der Schönen Künste. Wer beides an einem Tag macht, spart sich lange Wege.
Der Justizpalast und der Blick über die Stadt
Oberhalb der Marollen steht der Justizpalast, ein Koloss aus dem 19. Jahrhundert, entworfen von Joseph Poelaert. Der Bau ist gewaltig, düster und seit Jahrzehnten teilweise eingerüstet. Für den Bau wurde ein großes Stück der Marollen abgerissen, und die Bewohner haben das nie vergessen: Bis heute gilt das Wort für Architekt im Brüsseler Dialekt als Schimpfwort.
Vor dem Palast liegt die Place Poelaert mit einer Terrasse. Von dort siehst du kostenlos über die halbe Stadt, mit dem Turm des Rathauses im Vordergrund und dem Atomium weit hinten. Von der Terrasse führt ein gläserner Aufzug hinunter in die Marollen. Er ist frei nutzbar und spart dir eine steile Treppe.
Die Marollen: Trödel, Dialekt und Wandel
Unten angekommen bist du in einem anderen Brüssel. Die Rue Haute und die Rue Blaes, auf Niederländisch Hoogstraat und Blaesstraat, sind lange Geschäftsstraßen mit Brocante-Läden, Möbelhändlern, Trinkhallen und immer mehr Designgeschäften. Genau darin liegt die Spannung des Viertels: Die alten Bewohner werden verdrängt, die neuen Läden verkaufen die Kulisse dieses Verdrängungsprozesses.
Herzstück ist der Place du Jeu de Balle, auf Niederländisch Vossenplein. Hier wird jeden Morgen ein Flohmarkt aufgebaut, sieben Tage die Woche. Am Wochenende ist er am größten, unter der Woche am billigsten und ehrlichsten. Verkauft wird alles: Geschirr, Schallplatten, Werkzeug, Postkarten, gelegentlich ganze Wohnungsauflösungen.
Tipp: Handeln gehört dazu, aber freundlich und ohne große Show. Nimm Bargeld in kleinen Scheinen mit, viele Händler nehmen keine Karte. Und komm früh: Zwischen sieben und neun Uhr morgens ist die Ware noch komplett und die Stimmung am besten.
Wie du die beiden Viertel verbindest
Tickets: Du brauchst keine. Kirche, Gärten, Aussichtsterrasse, Aufzug und Flohmarkt sind frei zugänglich, nur für Museen in der Nähe zahlst du Eintritt. Wenn du geführt gehen willst, gibt es Stadtspaziergänge zum Viertel, die du am Vortag online buchst.
Die beste Reihenfolge ist von oben nach unten: Start am Sablon, weiter zur Place Poelaert für die Aussicht, mit dem Aufzug hinunter und durch die Rue Haute zum Flohmarkt. Von dort sind es zehn Minuten zum Manneken Pis und zum Grand-Place. Wo die beiden Viertel im Gesamtbild stehen, zeigt die Übersicht der Brüsseler Sehenswürdigkeiten, Alltagshinweise geben die Insider-Tipps.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istBeide Viertel werden selten wirklich voll. Wird es am Wochenende auf dem Flohmarkt eng, weich in die Rue Blaes aus: Dort stehen die festen Brocante-Läden mit derselben Ware und mehr Platz zum Schauen.
- Wenn es regnetDer Flohmarkt findet auch bei Regen statt, dann aber kleiner und früher zu Ende. Als Ersatz liegen die Königlichen Museen nur wenige Minuten bergauf, und die Kirche am Sablon ist ein guter Ort, um einen Schauer abzuwarten.
- Mit KindernDer Flohmarkt ist mit Kindern erstaunlich beliebt, weil sie dort für kleines Geld etwas finden dürfen. Der gläserne Aufzug ist ein eigenes Erlebnis. Langweilig wird es dagegen im Antiquitätenteil des Sablon, dort ist Anfassen keine gute Idee.
- Mit eingeschränkter MobilitätZwischen Sablon und Marollen liegen echte Höhenmeter. Der gläserne Aufzug an der Place Poelaert nimmt dir den steilsten Teil ab, wenn er in Betrieb ist. Das Pflaster ist grob, besonders auf dem Flohmarktplatz, und die Gehwege sind stellenweise schmal.
Häufige Fragen
Wann ist der Flohmarkt auf dem Place du Jeu de Balle?
Der Markt findet jeden Morgen statt, sieben Tage die Woche, und wird gegen Mittag abgebaut. Am Wochenende ist er am größten und am vollsten, unter der Woche kleiner, günstiger und entspannter. Wer wirklich etwas finden will, kommt früh am Morgen, wenn die Händler gerade auspacken.
Ist das Marollen-Viertel sicher?
Tagsüber ja, es ist ein normales Wohnviertel mit viel Betrieb. Wie überall in einer Großstadt gilt: Auf dem vollen Flohmarkt gehört das Portemonnaie nach vorn. Abends wird es in den Seitenstraßen ruhig und wenig belebt, dann bleibst du besser auf den Hauptachsen Rue Haute und Rue Blaes.
Lohnt sich der Sablon zum Pralinenkauf?
Zum Schauen auf jeden Fall, denn hier stehen mehrere bekannte belgische Chocolatiers nebeneinander und du siehst die Unterschiede direkt. Günstig ist es nicht: Der Sablon ist die teuerste Ecke der Stadt für Schokolade. Wer nur Mitbringsel sucht, findet vergleichbare Qualität in den Filialen der gleichen Häuser anderswo in Brüssel.
Kann man kostenlos über Brüssel schauen?
Ja, die Place Poelaert vor dem Justizpalast ist frei zugänglich und bietet einen der weitesten Blicke über die Stadt, mit dem Rathausturm im Vordergrund. Ein zweiter kostenloser Aussichtspunkt ist die Terrasse am Kunstberg. Der gläserne Aufzug von der Place Poelaert hinunter in die Marollen kostet ebenfalls nichts.
Wie komme ich vom Grand-Place zum Sablon?
Zu Fuß in rund zehn Minuten, immer leicht bergauf durch die Altstadt. Der Weg führt an mehreren Schokoladengeschäften vorbei, du kannst ihn also gut mit einem Einkaufsbummel verbinden. Wer die Steigung vermeiden will, nimmt eine Buslinie über den Sablon oder fährt mit der Metro bis Louise und läuft von dort hinunter.





