Region in Belgien

Wallonien: Städte & Highlights

Wallonien ist der französischsprachige Süden Belgiens und die Hälfte des Landes, die viele Reisende auslassen. Ein Fehler: Hier liegen die Ardennen mit ihren Wäldern und Flusstälern, Burgen über Felssporen, Tropfsteinhöhlen, vier Zechen auf der Welterbeliste und Städte, in denen du keinen Souvenirladen suchen musst.

Fünf Provinzen, rund 3,7 Millionen Einwohner, Hauptstadt Namur. Die Preise liegen unter denen Flanderns, die Wege sind länger, und ein Auto macht vieles einfacher. Diese Seite zeigt dir, welche Orte sich lohnen, wie die Sprachgrenze funktioniert und wann du am besten kommst.

Wallonien: Städte & Highlights
Foto: DimiTalen, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionSüden Belgiens, fünf Provinzen
  • HauptstadtNamur, Sitz von Parlament und Regierung
  • SpracheFranzösisch, im Osten eine deutschsprachige Gemeinschaft
  • Einwohnerrund 3,7 Millionen
  • UNESCOKathedrale von Tournai, Belfriede, Zechen, Schiffshebewerke, Spiennes
  • Beste ReisezeitMai bis Oktober

Warum die Wallonie?

Weil du hier für dasselbe Geld mehr bekommst und für dieselbe Sehenswürdigkeit weniger anstehst. Der Süden Belgiens hat keine Stadt vom Rang Brügges, dafür Burgen über Flussschleifen, Höhlen unter Kalkplateaus, Wälder, die bis nach Luxemburg reichen, und Städte, die von Besuchern nicht leben müssen. Wer aus Flandern herüberfährt, merkt den Unterschied in der ersten halben Stunde: weniger Menschen, mehr Landschaft, langsameres Tempo.

Die Wallonie ist der französischsprachige Landesteil, fünf Provinzen mit rund 3,7 Millionen Einwohnern und gut der Hälfte der belgischen Fläche. Hauptstadt ist Namur, wo Sambre und Maas zusammenfließen und eine Festung über der Gabelung liegt. Im Osten kommt eine Besonderheit dazu: Rund um Eupen und Sankt Vith liegt die Deutschsprachige Gemeinschaft mit neun Gemeinden, in denen Deutsch Amtssprache ist.

Die Städte im Überblick

Lüttich ist die größte und die widersprüchlichste: Industriestadt an der Maas, mit einer Treppe von 374 Stufen mitten im Wohngebiet, einem Bahnhof aus Glas und Beton von Santiago Calatrava und dem längsten Sonntagsmarkt des Landes. Tournai im Westen hat die Kathedrale mit fünf Türmen und den ältesten Belfried Belgiens, beide UNESCO-Welterbe. Mons, auf Niederländisch Bergen, besitzt einen der schönsten Marktplätze der Wallonie und einen Belfried im Barockstil, den einzigen seiner Art im Land.

Kleiner und landschaftlich stärker sind die Orte im Süden. Dinant klemmt zwischen Felswand und Maas, mit Zitadelle über der Zwiebelturmkirche und Adolphe Sax als berühmtestem Sohn. Bouillon liegt in einer Schleife der Semois unter einer Burg, die dem ersten Kreuzfahrerfürsten gehörte. Durbuy verkauft sich als kleinste Stadt der Welt und ist an Sommerwochenenden entsprechend voll. Spa hat der Kur weltweit den Namen gegeben, Bastogne steht für den Winter 1944.

Ort Wofür du kommst Zeit
Namur Zitadelle, Flussgabelung, Basis für die Ardennen 1 bis 2 Tage
Lüttich Maas, Markt La Batte, Bahnhof Guillemins 1 bis 2 Tage
Tournai Kathedrale und Belfried als Welterbe Halber Tag
Mons Grand-Place, Belfried, Spiennes 1 Tag
Dinant Felsen, Zitadelle, Kajak auf der Lesse 1 Tag
Bouillon Burg über der Semois, Wandern 1 Tag

Die fünf Provinzen

Der Hennegau im Westen ist die bevölkerungsreichste Provinz der Wallonie und die mit dem stärksten Industrieerbe, dazu gehören Tournai, Mons, Charleroi und der Karneval von Binche. Die Provinz Namur in der Mitte bringt Maas, Lesse, Tropfsteinhöhlen und Schlösser zusammen. Die Provinz Lüttich reicht von der Maas bis ins Hohe Venn und schließt die deutschsprachigen Gemeinden ein. Die Provinz Luxemburg ist die flächengrößte und die leerste, hier liegen die tiefen Ardennen. Und Wallonisch-Brabant südlich von Brüssel ist die kleinste, mit dem Schlachtfeld von Waterloo als bekanntestem Namen.

Französisch, und die Namen auf den Schildern

Südlich der Sprachgrenze ist Französisch die einzige Amtssprache, und die Wegweiser tragen nur französische Namen. Lüttich steht dort als Liège, Mons niemals als Bergen, Tournai niemals als Doornik. Umgekehrt findest du auf flämischen Autobahnschildern Bergen und Luik, aber kein Mons und kein Liège. Wer quer durchs Land fährt, wechselt mitten auf der Autobahn die Sprache und sollte beide Namen im Kopf haben.

Im Alltag hilft ein französisches „Bonjour“ beim Betreten eines Ladens mehr als jede Vokabelliste. Englisch sprechen jüngere Leute und Menschen im Tourismus, Deutsch eher in der Nähe der Grenze und im Osten. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist Deutsch dagegen ganz selbstverständlich Amtssprache, dort brauchst du gar nichts zu übersetzen.

Hügel, Wald und Wasser

Die Landschaft macht den Süden aus. Die Maas schneidet ein breites Tal mit Felswänden ein, die Nebenflüsse Lesse, Ourthe, Amblève und Semois mäandern in engen Schleifen durch Wald, und über allem liegt das Plateau der Ardennen mit Hochmooren, Fichten und Buchen. Der höchste Punkt Belgiens liegt im Hohen Venn im Osten und ist keine 700 Meter hoch, was nichts darüber sagt, wie anstrengend das Wandern hier sein kann.

Praktisch heißt das: Kajaktouren auf der Lesse und der Ourthe im Sommer, Wanderwege in jeder Länge, Tropfsteinhöhlen im Kalkgürtel um Han-sur-Lesse und Rochefort, und Burgen, die auf jedem zweiten Felssporn stehen. Im Herbst färben sich die Hänge, im Winter fällt in den Hochlagen regelmäßig Schnee, dann werden Loipen gespurt.

Industrieerbe und was daraus geworden ist

Entlang von Sambre und Maas lief im 19. Jahrhundert das Industrieband des Kontinents: Kohle, Stahl, Glas. Als das wegbrach, blieben Städte zurück, die sich neu erfinden mussten, und Anlagen, die heute auf der UNESCO-Liste stehen. Vier ehemalige Zechen gehören dazu, dazu die historischen Schiffshebewerke am alten Canal du Centre und die neolithischen Feuersteingruben von Spiennes bei Mons.

Das ist kein Trostpreis, sondern eine eigene Art zu reisen. Terrils, die künstlichen Abraumberge, sind heute begrünt und begehbar. Alte Hallen beherbergen Museen für Fotografie und zeitgenössische Kunst. Und Orte wie das Bois du Cazier erzählen die Geschichte der Arbeitsmigration nach 1945 genauer als jedes Schulbuch.

Krieg und Gedenken

Im Dezember 1944 begann in den Ardennen die letzte deutsche Großoffensive an der Westfront. Bastogne war eingeschlossen, ganze Dörfer wurden zerstört, und in mehreren Orten erschossen Einheiten der Waffen-SS Kriegsgefangene und Zivilisten. Wer die Region bereist, kommt an diesem Kapitel nicht vorbei, und das ist gut so.

Die Museen arbeiten sachlich und ohne Heldenpathos, Gedenkstätten und Soldatenfriedhöfe stehen offen. Halte dich an die einfachen Regeln: leise sein, nichts mitnehmen, Kränze stehen lassen. Den Zusammenhang erklärt die Themenseite zum Zweiten Weltkrieg in den Ardennen.

Was die Wallonie anders macht als Flandern

Preise, Dichte und Tempo. Hotels, Restaurants und Eintritte kosten im Süden spürbar weniger als in Flandern, und im Zweifel bekommst du auch im Juli noch einen Tisch. Dafür liegen die Ziele weiter auseinander: Zwischen zwei Talorten können 30 Kilometer Landstraße liegen, und der Bus fährt dreimal am Tag.

Deshalb ist das Auto hier oft die vernünftige Wahl, während es in Flandern eher stört. Umweltzonen gibt es in der Wallonie nicht, sie gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent. Maut zahlst du mit dem Pkw in ganz Belgien nirgends, die einzige Ausnahme ist die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen.

Tipp: Kombiniere nicht zu viel. Eine Stadt als Basis, dazu zwei Täler und eine Höhle, das ergibt eine runde Woche. Namur eignet sich am besten, weil dort alle Bahnlinien zusammenlaufen und es Hotels in jeder Klasse gibt.

Essen und Trinken

Die wallonische Küche ist deftiger als die flämische. Boulets à la liégeoise sind Fleischklöße in dunkler Sirupsoße, dazu kommen Ardenner Schinken, Wildgerichte im Herbst, Aal in Grün und der Käse von Herve, der schon riecht, bevor du die Tür öffnest. Zum Nachtisch gibt es Reistarte, in der Gegend um Verviers eine ernste Angelegenheit.

Beim Bier lohnt der genaue Blick. Die belgische Bierkultur gehört zum immateriellen UNESCO-Erbe, und mehrere Trappistenbrauereien stehen in der Wallonie. Trappist heißen darf nur, was im Kloster selbst und unter Aufsicht der Mönche gebraut wird. Abteibier ist etwas anderes: eine Lizenzmarke, oft in einer normalen Brauerei hergestellt. Fritten holst du aus der Friture, isst sie im Stehen mit der Gabel, und niemand hier hält das für Fastfood.

Anreise, Verkehr und beste Reisezeit

Mit dem Zug erreichst du Namur aus Brüssel in rund einer Stunde, Lüttich ebenso. Aus Deutschland hält der ICE aus Köln und Frankfurt in Liège-Guillemins, das ist der bequemste Einstieg in den Süden. Von dort fahren Regionalzüge die Täler hinauf, allerdings deutlich seltener als in Flandern. Wer in die Ardennen will, mietet ab Namur oder Lüttich am besten einen Wagen.

Das Klima ist mild und feucht, in den Hochlagen kühler und niederschlagsreicher als im Flachland, mit Schnee im Winter. Die angenehmste Zeit liegt zwischen Mai und Oktober: Frühling für die Wälder, Sommer für Kajak und Höhlen, Herbst für Farben und Wild. Karnevalstermine hängen am Osterdatum und verschieben sich jedes Jahr, im September feiert Namur die Fêtes de Wallonie.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Wallonie für eine Reise?

Ja, wenn du Landschaft, Burgen und Ruhe suchst statt großer Kunststädte. Die Ardennen mit ihren Tälern, die Höhlen im Kalkgürtel und Städte wie Namur, Lüttich und Tournai füllen locker eine Woche. Wer nur Grachten und Giebel sehen will, ist in Flandern besser aufgehoben. Am schönsten ist die Kombination aus beidem.

Braucht man in Wallonien ein Auto?

Für die Städte nicht, für die Ardennen praktisch schon. Namur, Lüttich, Mons und Tournai erreichst du bequem mit dem Zug. Sobald du in die Täler willst, wird es dünn: Busse fahren selten, die Wege sind lang. Ein Mietwagen ab Namur oder Lüttich spart dir Stunden. Umweltzonen gibt es im Süden keine.

Welche Sprache spricht man in Wallonien?

Französisch, auf allen Schildern und in allen Ämtern. Nur im Osten rund um Eupen und Sankt Vith ist Deutsch Amtssprache, dort sprechen die Menschen es als Muttersprache. Englisch verstehen jüngere Leute meist, Deutsch eher grenznah. Ein „Bonjour“ beim Betreten eines Geschäfts gehört dazu und ist keine Höflichkeitsfloskel.

Was ist die schönste Stadt in Wallonien?

Namur, wenn du Lage und Atmosphäre zusammen nimmst: Festung auf dem Felssporn, zwei Flüsse darunter, eine überschaubare Altstadt. Tournai hat mit Kathedrale und Belfried die stärkeren Baudenkmäler, Mons den schöneren Marktplatz, Dinant die spektakulärere Kulisse. Lüttich ist die interessanteste, aber nicht die hübscheste Stadt der Region.

Wie kommt man von Deutschland nach Wallonien?

Am schnellsten mit dem ICE nach Liège-Guillemins, dort halten Züge aus Köln und Frankfurt. Von Lüttich aus erreichst du Namur, Spa und die Ourthe-Täler mit Regionalzügen. Mit dem Auto fährst du aus dem Rheinland über Aachen in gut zwei Stunden nach Lüttich, in die südlichen Ardennen dauert es entsprechend länger.

Wann ist die beste Reisezeit für Wallonien?

Mai bis Oktober. Im Frühling sind die Wälder am schönsten, im Sommer laufen Kajaktouren und Höhlenführungen, im Oktober färben sich die Hänge über der Maas. In den Hochlagen der Ardennen ist es kühler und feuchter als im Flachland, im Winter fällt dort Schnee. Regenjacke gehört zu jeder Jahreszeit ins Gepäck.