Auf einen Blick
- RegionProvinz Lüttich, Ostkantone
- SpracheFranzösisch, mit Erleichterungen für Deutschsprachige
- Einwohnerrund 12.500
- Bekannt fürCwarmê-Karneval, Kathedrale, Hohes Venn
- Empfohlene Dauer1 Tag, mit Venn und Umland 2 Tage
- Beste ReisezeitMai bis Oktober, Karneval im Spätwinter
Warum Malmedy?
Weil hier drei Dinge aufeinandertreffen, die sonst nirgends zusammenkommen: eine französischsprachige Stadt, eine deutschsprachige Nachbarschaft und ein Hochmoor auf über 600 Metern. Malmedy war jahrhundertelang Teil eines eigenen geistlichen Fürstentums, gehörte danach zu Preußen und ist seit 1920 belgisch. Diese Brüche sieht man dem Ort an, und sie erklären, warum das Straßenbild weder rheinisch noch wallonisch wirkt, sondern beides gleichzeitig.
Der zweite Grund ist der Cwarmê. Kein anderer Karneval in Belgien hat so streng festgelegte Figuren und so viel Eigensinn. Wer im Spätwinter herkommt, sieht ein Fest, das nicht für Zuschauer gemacht wurde, sondern für die Stadt selbst. Und wer im Sommer kommt, hat den kürzesten Weg ins Hohe Venn, den es von einer richtigen Kleinstadt aus gibt.
Französisch mitten in den Ostkantonen
1920 wurden Eupen, Malmedy und Sankt Vith als Folge des Versailler Vertrags belgisch. Eupen und Sankt Vith blieben deutschsprachig und bilden heute mit sieben weiteren Gemeinden die Deutschsprachige Gemeinschaft. Malmedy dagegen war schon vorher romanisch geprägt und gehört zum französischsprachigen Belgien, mit besonderen Erleichterungen für deutschsprachige Einwohner.
Für dich heißt das ganz praktisch: Straßenschilder, Speisekarten und Ansagen sind auf Französisch, viele Menschen sprechen aber Deutsch, weil die Grenze zwanzig Kilometer entfernt liegt. Das Wallonische lebt hier stärker als anderswo, du hörst es in Liedern und in den Namen der Karnevalsfiguren. Wie die Sprachgrenze im ganzen Land funktioniert, erklärt Sprachen in Belgien.
Der Cwarmê
Der Malmedyer Karneval heißt Cwarmê und dauert vier Tage, von Samstag bis Dienstag vor Aschermittwoch. Weil Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt, wandert auch der Cwarmê, meistens liegt er im Februar oder Anfang März. Feste Kalendertage gibt es nicht, prüf den Termin also vor der Buchung.
Die Figuren, hier Rôles genannt, sind seit Generationen festgelegt. Am bekanntesten ist die Haguète mit ihrem hölzernen Greifarm, dem hape-tchâr: Wer damit am Bein erwischt wird, muss knien und um Verzeihung bitten, bevor er wieder freikommt. Dazu kommen der Long-Né mit der überlangen Nase, der Sâvadje als Waldmensch und rund zwanzig weitere Rollen. Die Masken sind traditionell aus Wachs, die Kostüme werden vererbt, und der große Umzug am Sonntag füllt die ganze Innenstadt.
Gut zu wissen: Der Cwarmê ist kein Zuschauerkarneval mit Absperrgittern. Du stehst mitten drin, wirst angesprochen, und die Haguète nimmt dich sich mit ziemlicher Sicherheit vor. Mitspielen gehört dazu, wegdrehen wirkt unhöflich. Übernachtungen sind an diesen Tagen knapp, viele Besucher schlafen in Spa oder Eupen. Andere Orte mit großen Umzügen stehen unter Karneval in Belgien.
Kathedrale, Abtei und Malmundarium
Im Zentrum steht die ehemalige Abteikirche mit ihren beiden Türmen, ein barocker Bau aus dem 18. Jahrhundert. Sie trägt bis heute den Titel Kathedrale, weil Malmedy nach 1920 für einige Jahre Bischofssitz war. Gegründet wurde die Abtei im 7. Jahrhundert vom Wandermönch Remaclus, gemeinsam mit der Schwesterabtei in Stavelot. Aus beiden wurde ein kleines geistliches Fürstentum, das bis zur Französischen Revolution bestand.
In den Klostergebäuden nebenan sitzt heute das Malmundarium. Es erzählt drei Geschichten auf einmal: die des Klosters, die der Gerbereien und Papiermühlen, die der Stadt jahrhundertelang Arbeit gaben, und die des Karnevals mit Masken und Kostümen zum Anfassen. Für den Rundgang planst du 1 bis 2 Stunden ein. Der Abstecher nach Stavelot lohnt sich danach, dort steht der zweite Teil derselben Geschichte.
Dezember 1944
Malmedy liegt in einer Landschaft, die im Winter 1944 zum Schlachtfeld wurde. Am Kreuzweg von Baugnez südöstlich der Stadt erschossen Angehörige einer SS-Kampfgruppe am 17. Dezember 1944 amerikanische Kriegsgefangene. Der Ort ist heute Gedenkstätte, daneben informiert ein kleines Museum sachlich über den Ablauf.
Wenige Tage später traf es die Stadt selbst: Amerikanische Bomber warfen ihre Last irrtümlich über Malmedy ab, an drei Tagen hintereinander. Mehr als hundert Menschen starben, die meisten von ihnen Zivilisten, große Teile der Innenstadt brannten aus. Wer den militärischen Zusammenhang verstehen will, findet ihn unter Ardennenoffensive, das Zentrum der Erinnerung liegt in Bastogne.
Ins Hohe Venn
Oberhalb von Malmedy steigt die Straße an, und nach zehn Minuten stehst du im Moor. Das Hohe Venn ist ein Hochmoor mit Wollgras, Torf, Birken und einer eigenen, gedämpften Stimmung. Gelaufen wird auf Holzstegen, weil der Untergrund nass und die Vegetation empfindlich ist. Der Signal de Botrange ist mit 694 Metern der höchste Punkt Belgiens, das Naturparkzentrum daneben ist der übliche Startpunkt.
Zwei Regeln solltest du kennen: Einige Zonen darfst du nur mit einem zugelassenen Führer betreten, und bei Trockenheit sperrt der Naturpark das Venn wegen Brandgefahr komplett. Beides wird kurzfristig entschieden. Passende Touren und Varianten stehen unter Wandern in den Ardennen.
Anreise und Praktisches
Einen Personenbahnhof hat Malmedy nicht mehr. Der nächste liegt in Verviers, von dort kommst du mit dem Bus weiter, was Zeit kostet. Praktisch fährt fast jeder mit dem Auto: Aus Aachen und Köln bist du in gut einer Stunde da, aus Lüttich in einer Dreiviertelstunde.
Achtung: Umweltzonen gibt es hier keine. Sie gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, und dort musst du dein ausländisches Kennzeichen vorher online registrieren, sonst folgt ein Bußgeld. Maut zahlst du für Pkw in Belgien nicht, einzige Ausnahme ist die Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Parken kannst du an den Rändern der Innenstadt, an Karnevalstagen fällt das aus, dann gelten großflächige Sperrungen.
Wann du kommen solltest
Malmedy liegt auf gut 340 Metern und ist deutlich kühler als das Flachland. Im Juli und August liegen die Höchstwerte bei rund 22 Grad, nachts bei etwa 13. Im Januar sind es tagsüber knapp 4 Grad, nachts um den Gefrierpunkt. Der April ist mit rund 69 Millimetern der trockenste Monat, der Januar mit etwa 139 der nasseste, und an 12 bis 17 Tagen pro Monat fällt Niederschlag.
Für Wanderungen passt Mai bis Oktober am besten, im Venn ist der Herbst besonders schön. Im Winter kann Schnee liegen, verlassen kannst du dich nicht darauf. Und wenn du wegen des Cwarmê kommst, buch früh: Vier Tage lang ist die Stadt voll, danach ist sie wieder klein und ruhig.
Klima und Anreise auf einen Blick
- Wärmster MonatAugust, 22 °C
- Kühlster MonatJanuar, -1 °C
- Trockenster MonatApril
- Höhe344 m
Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius
Regen Millimeter und Regentage pro Monat
Entfernung ab deutschen Flughäfen
| Ab | Entfernung | Flugzeit ca. |
|---|---|---|
| Köln/Bonn (CGN) | 93 km | 0 Std. 40 Min. |
| Düsseldorf (DUS) | 109 km | 0 Std. 45 Min. |
| Frankfurt (FRA) | 185 km | 0 Std. 50 Min. |
| Stuttgart (STR) | 301 km | 1 Std. 0 Min. |
| Hamburg (HAM) | 447 km | 1 Std. 10 Min. |
| München (MUC) | 476 km | 1 Std. 10 Min. |
| Berlin (BER) | 561 km | 1 Std. 15 Min. |
Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.
Häufige Fragen
Wann ist der Karneval in Malmedy?
Der Cwarmê läuft über vier Tage, von Samstag bis Dienstag vor Aschermittwoch. Weil sich das Datum nach Ostern richtet, wechselt es jedes Jahr und liegt meist im Februar oder Anfang März. Der große Umzug findet am Sonntag statt, am Dienstag endet das Fest. Feste Kalendertage gibt es nicht, sieh vor der Buchung nach dem aktuellen Termin.
Spricht man in Malmedy Deutsch oder Französisch?
Amtssprache ist Französisch. Malmedy gehört nicht zur Deutschsprachigen Gemeinschaft, sondern zum französischsprachigen Belgien, hat aber Erleichterungen für deutschsprachige Einwohner. Viele Menschen sprechen wegen der Grenznähe Deutsch, Schilder und Formulare bleiben trotzdem französisch. Richtig deutschsprachig wird es erst in Eupen, Bütgenbach und Sankt Vith, wenige Kilometer weiter östlich.
Wie kommt man ohne Auto nach Malmedy?
Das wird zäh. Einen Personenbahnhof gibt es nicht mehr, du fährst mit dem Zug bis Verviers und steigst dort in den Bus, der nicht besonders oft fährt. Für einen Tagesausflug ins Hohe Venn ist das mühsam, für einen längeren Aufenthalt reicht es. Wer die Region wirklich sehen will, ist mit einem Mietwagen klar besser dran.
Was ist die Haguète?
Die bekannteste Figur des Cwarmê. Sie trägt ein buntes Kostüm, einen Federhut und einen langen hölzernen Greifarm, den hape-tchâr. Damit fängt sie Passanten am Bein ein, die dann knien und um Verzeihung bitten müssen, bevor sie freikommen. Das ist Teil des Spiels und nicht böse gemeint. Mitmachen gehört dazu, ausweichen gilt als Spielverderberei.
Wie weit ist es von Malmedy ins Hohe Venn?
Mit dem Auto zehn bis zwanzig Minuten, je nach Einstieg. Das Naturparkzentrum am Signal de Botrange, mit 694 Metern der höchste Punkt Belgiens, ist der übliche Startpunkt für Wanderungen auf den Holzstegen. Beachte, dass einige Zonen nur mit Führer zugänglich sind und das Venn bei Trockenheit wegen Brandgefahr gesperrt werden kann.
Lohnt sich Malmedy für einen Tagesausflug?
Ja, wenn du die Region ohnehin bereist. Kathedrale, Malmundarium und Ortskern füllen einen halben Tag, den Rest gibst du dem Venn, dem Wasserfall von Coo oder der Abtei in Stavelot. Als alleiniges Reiseziel ist die Stadt zu klein. In Kombination mit Spa und den Ostkantonen ergibt sie dagegen ein rundes Wochenende.






