Stadt in Belgien · Provinz Limburg

Genk: Bergbau & C-Mine

Genk war hundert Jahre lang eine Bergbaustadt und ist heute die ungewöhnlichste Stadt der Provinz Limburg. Aus der Zeche Winterslag wurde C-Mine, ein Kulturort mit den originalen Fördertürmen. Nebenan liegt Bokrijk mit dem Freilichtmuseum und dem Radweg, der mitten durch einen Teich führt. Und vor der Haustür beginnt der Nationalpark Hoge Kempen.

Auf den Schildern steht Genk, im Französischen genauso. Rund 64.000 Menschen leben hier, aus mehr Herkunftsländern als in fast jeder anderen belgischen Stadt. Eine hübsche Altstadt suchst du vergeblich, dafür bekommst du Industriekultur, Heide und Wald an einem Tag.

Genk: Bergbau & C-Mine
Foto: Spotter2, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvinz Limburg, Kempen
  • Lokaler NameGenk, im Französischen ebenfalls Genk
  • Bekannt fürBergbauerbe, C-Mine und den Nationalpark
  • Empfohlene DauerEin ganzer Tag, mit Nationalpark zwei
  • AnreiseZug ab Hasselt, gut eine Viertelstunde
  • Beste ReisezeitApril bis Oktober, Heideblüte im August

Eine Stadt, die es ohne Kohle nicht gäbe

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Genk ein Heidedorf, in das Maler kamen, weil ihnen die Landschaft gefiel. Dann fand man Kohle. Drei Zechen entstanden, dazu Werkssiedlungen für Tausende Arbeiter, und das Dorf wurde in wenigen Jahrzehnten zur Stadt. In den 1980er Jahren war in Genk Schluss, 1992 schloss die letzte Zeche im belgischen Limburg.

Was bleibt, ist eine Stadt ohne mittelalterlichen Kern, aber mit einer Geschichte, die man an jeder Ecke sieht. Wer Giebel und Kopfsteinpflaster sucht, fährt besser nach Tongern. Wer wissen will, wie Europa im 20. Jahrhundert funktioniert hat, ist hier richtig.

C-Mine: aus der Zeche wurde ein Kulturort

Die Zeche Winterslag ist heute C-Mine. Die beiden Fördertürme stehen noch, das Maschinenhaus mit den Kompressoren ist erhalten, und in den Backsteinhallen sitzen ein Kino, eine Kunsthochschule, Designateliers und ein Veranstaltungssaal. Der Platz davor ist schwarz gepflastert, ein Verweis auf die Kohle.

Die C-Mine Expeditie führt durch die alten Anlagen und endet oben auf einem der Fördertürme, mit Blick über die Stadt und die Kempen. Der Weg geht über Treppen und schmale Gänge, das solltest du wissen, wenn du schlecht zu Fuß bist. Wie lange die Tour dauert und ob du vorab buchen musst, steht auf der offiziellen Website, an Wochenenden und in den Ferien ist es voller.

Die Cités und die Menschen, die kamen

Rund um jede Zeche baute die Gesellschaft eine eigene Siedlung, die Cité: niedrige Häuser mit Gärten, breite Straßen, Kirche, Schule, Kaufhaus. Sie sind bis heute bewohnt und stehen teilweise unter Denkmalschutz. Der Bergbau holte Arbeiter aus Italien, Polen, Griechenland, der Türkei und Marokko, ihre Enkel prägen Genk heute.

Das merkst du beim Essen und an den Straßennamen, und es ist der Grund, warum Genk anders klingt als jede andere flämische Stadt. Ein Spaziergang durch eine der Cités kostet nichts und sagt mehr über Belgien als mancher Kirchturm.

Bokrijk und das Radfahren durchs Wasser

Zum Stadtgebiet gehört Bokrijk, ein großes Naturgelände mit dem bekanntesten Freilichtmuseum Flanderns. Alte Höfe, Scheunen, Windmühlen und ganze Straßenzüge wurden hier abgebaut und wieder aufgestellt, dazu ein rekonstruiertes Stadtviertel und Handwerker, die vorführen, wie früher gearbeitet wurde. Mit Kindern ist das ein voller Tag, siehe auch Belgien mit Kindern.

Berühmter ist inzwischen „Fietsen door het water“: ein Radweg, der in einen Teich hineinführt, wobei der Wasserspiegel links und rechts auf Augenhöhe liegt. Du fährst zweihundert Meter zwischen zwei Wänden aus Wasser, ohne nass zu werden. Das Ding ist gratis und Teil des Knotenpunktnetzes, an schönen Wochenenden aber voll. Komm früh oder unter der Woche.

Gut zu wissen: Das Knotenpunktnetz für Radfahrer wurde in den 1990er Jahren in Limburg erfunden. Ein ehemaliger Bergmann soll die Idee gehabt haben, weil unter Tage jede Kreuzung eine Nummer trug. Von hier aus hat halb Europa das System kopiert, mehr dazu unter Radfahren in Belgien.

Nationalpark Hoge Kempen

Östlich der Stadt beginnt der Nationalpark Hoge Kempen: Kiefernwald, offene Heide, Sanddünen und alte Kiesgruben, in denen jetzt türkisfarbenes Wasser steht. 2006 war er der erste Nationalpark Belgiens, inzwischen hat Flandern weitere Gebiete zu Nationalparks erklärt. Bekannt geblieben ist der Hoge Kempen trotzdem als der Klassiker.

Es gibt mehrere Eingangstore mit Parkplatz, Karten und markierten Runden. In Genk selbst liegt Kattevennen, weiter östlich die Mechelse Heide mit den weitesten Blicken. Die Wege sind sandig und flach, feste Schuhe reichen. Im August blüht die Heide lila, das ist die schönste Zeit, und dann sind auch die meisten Leute unterwegs.

Tipp: Kombiniere nicht alles an einem Tag. C-Mine und eine Cité am Vormittag, Bokrijk oder Nationalpark am Nachmittag. Wer beide großen Ziele in einen Nachmittag quetscht, sieht von jedem die Hälfte.

Praktisch: Anreise, Wetter, Umgebung

Der Zug aus Hasselt braucht eine gute Viertelstunde, aus Brüssel bist du in gut anderthalb Stunden da. Genk ist weitläufig, vom Bahnhof zum Nationalpark läufst du nicht mal eben. Praktisch ist ein Leihrad oder das Auto, eine Umweltzone gibt es hier nicht. Erst wenn du nach Antwerpen, Gent oder Brüssel weiterfährst, musst du ein ausländisches Kennzeichen vorher online registrieren.

Das Wetter ist mild und feucht: Im Juli und August rund 24 Grad, im Januar 6 Grad, Regen an zehn bis fünfzehn Tagen im Monat, am trockensten ist der April. Nachbarn sind Tongern, Sint-Truiden und Hasselt, alle weiteren stehen unter Provinz Limburg.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Genk21°CRegen
  • Wärmster MonatAugust, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 1 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe66 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

6°1°J
8°2°F
11°3°M
14°5°A
19°9°M
23°13°J
24°15°J
24°15°A
20°12°S
16°9°O
10°5°N
8°3°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

81mm15 TageJ
72mm13 TageF
79mm14 TageM
48mm10 TageA
71mm12 TageM
81mm12 TageJ
79mm13 TageJ
71mm13 TageA
66mm11 TageS
77mm14 TageO
72mm13 TageN
84mm15 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)95 km0 Std. 40 Min.
Köln/Bonn (CGN)116 km0 Std. 45 Min.
Frankfurt (FRA)240 km0 Std. 55 Min.
Stuttgart (STR)368 km1 Std. 5 Min.
Hamburg (HAM)425 km1 Std. 5 Min.
München (MUC)537 km1 Std. 15 Min.
Berlin (BER)573 km1 Std. 20 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Häufige Fragen

Was ist C-Mine in Genk?

Die ehemalige Zeche Winterslag, die zu einem Kulturort umgebaut wurde. Die Fördertürme und das Maschinenhaus sind erhalten, in den Backsteinhallen sitzen heute ein Kino, eine Kunsthochschule und Ateliers. Die C-Mine Expeditie führt durch die alten Anlagen bis hinauf auf einen Förderturm. Der Weg geht über Treppen und enge Gänge, plane das mit ein.

Wo fährt man in Belgien mit dem Rad durchs Wasser?

In Bokrijk, das zu Genk gehört. Der Weg „Fietsen door het water“ führt auf rund zweihundert Metern in einen Teich hinein, der Wasserspiegel liegt dabei links und rechts auf Augenhöhe. Die Nutzung ist kostenlos, der Weg ist Teil des Knotenpunktnetzes. An schönen Wochenenden staut es sich, komm früh oder unter der Woche.

Lohnt sich Bokrijk mit Kindern?

Ja, dafür ist das Gelände gemacht. Im Freilichtmuseum stehen echte alte Höfe und Werkstätten, in denen vorgeführt wird, wie gearbeitet wurde, dazu gibt es Spielbereiche und viel Platz zum Laufen. Mit dem Radweg durchs Wasser und dem Naturgelände wird daraus ein ganzer Tag. Für die Anfahrt lohnt sich ein Leihrad ab Genk.

Wie kommt man in den Nationalpark Hoge Kempen?

Über eines der Eingangstore mit Parkplatz, Karte und markierten Runden. In Genk selbst liegt Kattevennen, weiter östlich die Mechelse Heide mit den weitesten Ausblicken. Die Wege sind sandig und flach, feste Schuhe genügen. Ohne Auto kommst du am besten mit dem Rad hin, das Knotenpunktnetz führt an mehreren Toren vorbei.

Lohnt sich Genk für einen Tagesausflug?

Wenn du Industriekultur und Natur magst, ja. Eine klassische Altstadt hat Genk nicht, dafür C-Mine, die Bergarbeitersiedlungen, Bokrijk und den Nationalpark. Das ist mehr, als an einen Tag passt, such dir also zwei Ziele aus. Aus Hasselt bist du in einer guten Viertelstunde mit dem Zug da.