Auf einen Blick
- RegionOstflandern, Gent
- Lokaler NameBelfort van Gent
- Höhe91 Meter
- Baubeginn1313, Drache seit 1377
- UNESCOTeil der Belfriede in Belgien und Frankreich
- Besuchsdauer45 bis 60 Minuten, Aufzug vorhanden
Lohnt sich der Aufstieg?
Ja, und zwar leichter als anderswo: Im Belfried von Gent fährt ein Aufzug. Er bringt dich den größten Teil der Höhe hinauf, den Rest gehst du über Treppen und Zwischenebenen. Wer in Brügge die 366 Stufen kennt, merkt den Unterschied sofort.
Der Turm ist 91 Meter hoch und damit der höchste der drei großen Türme der Altstadt. Oben stehst du auf einer Plattform mit offenen Bögen und schaust auf ein Dächermeer, aus dem Sankt Nikolaus und Sankt Bavo herausragen. Diese Reihe von drei Türmen auf so kurzer Strecke gibt es in dieser Form kein zweites Mal.
Der Drache auf der Spitze
Ganz oben dreht sich ein vergoldeter Drache im Wind, seit 1377. Er ist Wetterfahne und Wappentier zugleich, und die Gentser hängen an ihm wie an einem Stadtheiligen. Der Drache, den du heute siehst, ist längst nicht der erste: Blitze, Stürme und Restaurierungen haben mehrfach für Ersatz gesorgt, ältere Exemplare sind erhalten geblieben.
Warum ein Drache? Er bewacht, was im Turm liegt. Genau darum ging es beim Belfried: Er war kein Kirchturm, sondern der Turm der Bürger.
Das Geheimnis im Turm
Im Belfried lag der Tresorraum der Stadt, auf Niederländisch schlicht „het secreet“ genannt. Dahinter lagen die Urkunden, mit denen Gent seine Freiheiten gegenüber den Grafen belegte: Marktrechte, eigene Gerichtsbarkeit, Zunftprivilegien. Die Tür war mehrfach verschlossen, und die Schlüssel lagen bei verschiedenen Leuten, damit niemand allein hineinkam.
Dazu kam die Glocke. Sie rief zur Versammlung, warnte vor Feuer und Feind und schloss abends die Tore. Wer die Glocke kontrollierte, kontrollierte die Stadt, und deshalb ließ Karl V. sie nach einem Aufstand abhängen. Warum es in Flandern so viele dieser Türme gibt, erklärt die Übersicht zu den Belfrieden in Belgien.
Gut zu wissen: Auf Niederländisch heißt der Turm Belfort, so steht es auch auf den Wegweisern. Die alte gesprungene Sturmglocke steht heute unten im Gartenhof am Emile-Braun-Platz, und du kannst sie anfassen. Im Turm hängt inzwischen ein Glockenspiel mit über 50 Glocken.
Tuchhalle und Mammelokker
Am Fuß des Turms schließt die Tuchhalle an, ab 1425 gebaut und jahrhundertelang unvollendet geblieben. Hier wurde das gehandelt, wovon Gent lebte: Tuch aus flämischer Weberei. Der Bau wirkt heute wie ein Sockel für den Turm, war aber der eigentliche wirtschaftliche Zweck der Anlage.
An der Ecke klebt ein kleines Barockhaus, das früher dem Gefängniswärter gehörte. Über der Tür sitzt ein Relief, das eine junge Frau zeigt, die einen alten Gefangenen an ihrer Brust stillt, eine antike Geschichte über Kindesliebe. Die Gentser nennen das Haus deshalb Mammelokker. Es ist das seltsamste Detail im Zentrum, und fast alle laufen daran vorbei.
Praktisch: Tickets und beste Zeit
Tickets kaufst du am Eingang unter dem Turm oder online. Ein Zeitfenster ist nicht zwingend, im Sommer und an Wochenenden sparst du dir damit aber Wartezeit, denn die Zahl der Menschen oben ist begrenzt. Plane 45 bis 60 Minuten ein.
Der beste Moment ist der frühe Abend, wenn das Licht flach steht und die Türme lange Schatten werfen. Direkt danach passt der Weg über den Korenmarkt an der Sankt-Nikolaus-Kirche vorbei zur Sint-Michielsbrug, wo die Beleuchtung angeht. Wie sich beides in einen Tag fügt, steht in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Gent.
Tickets: Online buchen lohnt sich vor allem an Sommerwochenenden. Der Aufzug fährt in Intervallen, deshalb wird der Einlass dosiert. In der CityCard der Stadt ist der Belfried enthalten, ebenso wie Gravensteen und die städtischen Museen.
Tipp: Sei kurz vor der vollen Stunde oben. Dann setzt das Glockenspiel ein, und der Klang aus wenigen Metern Entfernung ist ein anderes Erlebnis als von unten auf dem Platz. Konzerttermine hängen am Eingang aus.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn unten eine Schlange steht, kauf online und komm eine Stunde später wieder, der Einlass wird wegen des Aufzugs ohnehin dosiert. Höhe bekommst du in Gent sonst kaum, dafür ist die Sint-Michielsbrug der beste ebenerdige Aussichtspunkt und kostet nichts.
- Wenn es regnetDer Aufstieg selbst liegt im Trockenen, oben pfeift der Wind allerdings durch die offenen Bögen und die Sicht endet dann schnell am Stadtrand. Bei Sturm bleibt die Plattform geschlossen. Als Ersatz im Trockenen liegen Kathedrale und Museen wenige Minuten entfernt.
- Mit KindernAb etwa sechs Jahren gut machbar, weil der Aufzug den Frust erspart. Interessant sind die Zwischenebenen mit Glocken und Uhrwerk. Wenn das Glockenspiel einsetzt, stehen empfindliche Ohren besser nicht direkt daneben. Kinderwagen lässt du unten.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Aufzug bringt dich den größten Teil der Höhe hinauf, ganz ohne Stufen geht es aber nicht: Zur obersten Plattform führen noch Treppen und Schwellen. Der Innenhof der Tuchhalle und der Platz davor sind eben und frei zugänglich.
Häufige Fragen
Gibt es im Belfried von Gent einen Aufzug?
Ja, und das ist der große Unterschied zu den Belfrieden in Brügge oder Antwerpen. Der Aufzug bringt dich den größten Teil der 91 Meter hinauf, den Rest legst du über Treppen und Zwischenebenen zurück. Ganz stufenfrei ist der Turm also nicht, aber der Aufstieg ist deutlich leichter als anderswo.
Was sieht man vom Belfried in Gent?
Vor allem die drei großen Türme der Altstadt in einer Linie: Sankt Nikolaus, den Belfried selbst und Sankt Bavo. Dazu ein geschlossenes Dächermeer, die Leie mit den Kais und am Horizont die Kräne des Hafens. Bei klarer Luft reicht der Blick weit über das flache Ostflandern hinaus.
Warum ist der Belfried UNESCO-Welterbe?
Er gehört zur Gruppe der Belfriede in Belgien und Frankreich, die als Symbole der städtischen Selbstverwaltung geschützt sind. Ein Belfried gehörte der Bürgerschaft, nicht der Kirche und nicht dem Landesherrn. Im Turm lagen die Urkunden über Marktrechte und Privilegien, und die Glocke rief zur Versammlung.
Was bedeutet der Drache auf dem Belfried?
Er ist Wetterfahne und Wappentier zugleich und dreht sich seit 1377 über der Stadt. Als Wächter steht er für das, was der Turm bewahrte: die verbrieften Freiheiten Gents. Der heutige Drache ist nicht der erste, Blitzschläge und Restaurierungen haben mehrfach Ersatz nötig gemacht.
Was ist der Mammelokker?
Das kleine Barockhaus an der Ecke der Tuchhalle, früher die Wohnung des Gefängniswärters. Über der Tür sitzt ein Relief, auf dem eine junge Frau einen alten Gefangenen stillt, eine antike Geschichte über Kindesliebe. Daher der Name, der wörtlich so viel wie Brustsauger bedeutet. Die meisten Gäste laufen daran vorbei.






