Ostflandern · Gent

Sankt-Nikolaus-Kirche & Stadthalle

Die Sankt-Nikolaus-Kirche am Korenmarkt ist der mittlere der drei großen Türme von Gent und das beste Beispiel für die Scheldegotik: dunkler, blaugrauer Kalkstein aus Tournai, ein wuchtiger Turm über der Vierung statt an der Front. Auf Niederländisch heißt sie Sint-Niklaaskerk, und so steht sie auch auf jedem Wegweiser.

Gebaut haben sie ab dem 13. Jahrhundert die Kaufleute und Zünfte, nicht die Fürsten. Direkt gegenüber steht mit der Stadshal von 2012 der umstrittenste Neubau der Stadt. Der Kontrast zwischen beiden ist der eigentliche Grund, hier stehen zu bleiben.

Sankt-Nikolaus-Kirche & Stadthalle
Foto: Michal Osmenda from Brussels, Belgium, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionOstflandern, Gent
  • Lokaler NameSint-Niklaaskerk, am Korenmarkt
  • BaustilScheldegotik, ab dem 13. Jahrhundert
  • Materialblaugrauer Kalkstein aus Tournai
  • Eintrittfrei, ohne Anmeldung
  • Besuchsdauer20 bis 30 Minuten

Die mittlere der drei Türme

Gent hat drei große Türme in einer Reihe, und dieser hier steht in der Mitte. Anders als bei Sankt Bavo oder beim Belfried sitzt der Turm nicht an der Front, sondern über der Vierung, also genau dort, wo Langhaus und Querschiff sich kreuzen. Das ist typisch für die Scheldegotik und der Grund, warum die Kirche so gedrungen wirkt.

Bevor der Belfried stand, diente dieser Turm als Wachturm der Stadt: Von oben hielt man Ausschau nach Feuer. Heute ist er nicht zugänglich, Höhe holst du dir nebenan.

Warum die Kirche grau ist

Das Baumaterial kommt aus Tournai an der Schelde: ein dunkler, blaugrauer Kalkstein, der über den Fluss nach Gent geflößt wurde. Deshalb heißt der Stil Scheldegotik, und deshalb sieht die Kirche so anders aus als der helle Sandstein der Kathedrale. An regnerischen Tagen wirkt der Bau fast schwarz, in der Abendsonne warm grau.

Gebaut wurde ab dem 13. Jahrhundert, an der Stelle eines älteren romanischen Vorgängers. Bauherren waren nicht Fürsten, sondern Kaufleute und Zünfte: Sankt Nikolaus ist der Schutzpatron der Händler, die Kirche stand mitten im Handelsviertel am Korenmarkt, und die Gilden richteten sich entlang der Seitenschiffe ihre eigenen Kapellen ein.

Gut zu wissen: Jahrhundertelang klebten Läden und Buden außen an den Kirchenmauern, wie Schwalbennester. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie abgerissen, damit die Kirche freistehend zur Geltung kommt. Restauriert wird seither in Etappen, deshalb kann immer wieder ein Teil eingerüstet sein.

Innen: Licht von oben

Der Innenraum ist schlicht, hell verputzt und ohne barocken Prunk. Der stärkste Moment ist der Blick nach oben in die Vierung: Der Turm ist innen offen und wirft Tageslicht genau auf die Kreuzung von Langhaus und Querschiff. Der Eintritt kostet nichts, ein Rundgang dauert 20 bis 30 Minuten, bei Gottesdiensten und Konzerten ist der Zugang eingeschränkt.

Die Stadshal daneben

Direkt gegenüber steht seit 2012 die Stadshal, eine offene Halle aus Holz und Glas auf schweren Betonstützen. Sie überdacht einen Platz, der vorher jahrzehntelang eine Parkplatzwüste war, und sie hat die Gentser gespalten wie kaum ein anderes Bauwerk. Die einen sprechen vom Schafstall, die anderen vom besten Neubau der Stadt.

Geh hinein und schau nach oben: Die Unterseite des Dachs ist ein Raster aus Holzbalken mit Glasfeldern dazwischen, das Licht fällt gefiltert herunter. Unter der Halle finden Märkte und Konzerte statt, darunter liegt ein Café im Untergeschoss. Der Reiz besteht im Kontrast: 700 Jahre Kalkstein und ein Dach von gestern auf 50 Metern Abstand.

Tipp: Komm in der Dämmerung wieder. Dann ist die Kirche angestrahlt, die Halle von innen beleuchtet, und du siehst in einem Bild, worum in Gent seit Jahren gestritten wird. Zwei Minuten weiter liegt die Sint-Michielsbrug mit dem Blick auf alle drei Türme.

Rundherum: Korenmarkt und Vleeshuis

Die Kirche steht am Korenmarkt, dem alten Getreidemarkt, heute ein Platz mit Terrassen und Straßenbahnhaltestelle. Von hier sind es fünf Minuten zur Graslei und zehn zum Gravensteen.

Wenige Schritte nördlich liegt das Groot Vleeshuis, die mittelalterliche Fleischhalle mit einem gewaltigen hölzernen Dachstuhl. Heute hängen dort Schinken aus Ostflandern unter den Balken, und der Bau lässt sich frei betreten. Der Belfried steht drei Minuten östlich, alles Weitere sammelt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Gent.

Tickets: Für die Kirche brauchst du keins, der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht nötig. Wenn du an diesem Tag Höhe willst, buch stattdessen den Belfried nebenan, der als einziger Turm der Altstadt für Besucher geöffnet ist und einen Aufzug hat.

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Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang ist hier kein Thema, die meisten Gäste laufen an der Kirche vorbei zum Belfried. Wenn unter der Stadshal ein Markt oder Konzert läuft, weichst du auf den Korenmarkt oder das Groot Vleeshuis nebenan aus.
  • Wenn es regnetDie beste Adresse bei plötzlichem Schauer im Zentrum: Kirche und überdachte Stadshal liegen auf 50 Metern Abstand nebeneinander, beide frei zugänglich und beide trocken. Unter der Halle kannst du warten, ohne etwas bestellen zu müssen.
  • Mit KindernKurz und unkompliziert. Die Halle ist für Kinder interessanter als die Kirche, weil dort ständig etwas los ist. In der Kirche funktioniert eine kleine Aufgabe gut: die Kapellen der Zünfte an den Seitenschiffen zählen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätKirche und Halle sind ebenerdig erreichbar, drinnen gibt es einzelne Stufen und Schwellen. Der Korenmarkt ist gepflastert, aber flach, und die Straßenbahn hält direkt davor. Der Turm ist ohnehin nicht zugänglich.

Häufige Fragen

Ist die Sankt-Nikolaus-Kirche kostenlos?

Ja, der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht nötig. Ein Rundgang dauert 20 bis 30 Minuten. Weil es eine aktive Pfarrkirche ist, sind Teile bei Gottesdiensten und Konzerten gesperrt. Restauriert wird seit Jahrzehnten in Etappen, deshalb kann ein Abschnitt eingerüstet sein.

Was ist Scheldegotik?

Ein regionaler Baustil entlang der Schelde, der mit dem dunklen, blaugrauen Kalkstein aus Tournai arbeitet. Typisch sind schwere Mauern, kleine Türmchen an den Ecken und ein Turm über der Vierung statt an der Westfront. Sankt Nikolaus in Gent gilt als eines der klarsten Beispiele dafür.

Kann man den Turm der Sint-Niklaaskerk besteigen?

Nein, der Turm ist nicht öffentlich zugänglich. Früher diente er der Stadt als Wachturm, von dem aus nach Feuer Ausschau gehalten wurde. Wenn du Höhe willst, nimm den Belfried drei Minuten weiter östlich: 91 Meter, UNESCO-Welterbe und als einziger Turm der Altstadt mit Aufzug.

Was ist die Stadshal in Gent?

Eine offene Halle aus Holz und Glas von 2012, die einen früheren Parkplatz überdacht. Sie steht der Kirche direkt gegenüber und ist der umstrittenste Neubau der Stadt: Die einen nennen sie Schafstall, die anderen den besten Bau seit Jahrzehnten. Darunter finden Märkte und Konzerte statt, im Untergeschoss liegt ein Café.

Lohnt sich der Korenmarkt am Abend?

Ja. In der Dämmerung wird die Kirche angestrahlt und die Halle von innen beleuchtet, das ergibt den stärksten Kontrast des Tages. Zwei Minuten weiter liegt die Sint-Michielsbrug, von der du alle drei Türme in einer Linie siehst. Diese Runde ist der beste kostenlose Programmpunkt in Gent.