Auf einen Blick
- MuseumMoMu in der Modenatie, Nationalestraat
- Wiedereröffnung2021 nach mehrjährigem Umbau
- AusstellungenWechselnde Themenschauen statt fester Dauerausstellung
- ViertelNationalestraat, Kammenstraat, Schuttershofstraat, Kloosterstraat
- Dauer1 bis 2 Stunden im Museum, mit Bummel ein halber Tag
- AnreisePremetro bis Groenplaats, dann 5 Minuten zu Fuß
Warum Antwerpen Modestadt wurde
Die Königliche Akademie der Schönen Künste gibt es hier seit 1663, eine eigene Modeabteilung seit den 1960er-Jahren. Sie ist bekannt dafür, hart zu sein: Viele fangen an, wenige machen fertig. 1986 fuhren sechs Absolventen mit einem Lieferwagen voller Kleider zu einer Messe nach London. Die britische Presse bekam die niederländischen Namen nicht über die Lippen und nannte die Gruppe kurzerhand die Antwerpener Sechs.
Dazu gehörten Ann Demeulemeester, Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck, Dirk Van Saene, Dirk Bikkembergs und Marina Yee. Ihr Stil war das Gegenteil von Glamour: gedeckte Farben, strenge Schnitte, Kleidung, die man tragen kann. Dass daraus eine dauerhafte Szene wurde, lag auch an der Stadt selbst. Ateliers waren bezahlbar, der Hafen brachte Stoffe, und die Akademie liefert bis heute jedes Jahr neue Absolventen nach.
Gut zu wissen: Auch Martin Margiela hat an dieser Akademie studiert, gehörte aber nicht zur Gruppe der Sechs. Sein Name fällt in Antwerpen trotzdem in fast jedem Gespräch über Mode.
MoMu: was dich erwartet
Das MoMu sitzt in der Modenatie, einem Eckhaus an der Nationalestraat, in dem auch die Modeabteilung der Akademie und eine Modebibliothek untergebracht sind. Nach mehreren Jahren Umbau wurde das Museum 2021 wiedereröffnet, mit größeren Sälen und besserer Klimatechnik, weil alte Textilien empfindlich sind.
Wichtig für die Planung: Es gibt keine feste Dauerausstellung. Das Museum arbeitet mit wechselnden Themenschauen aus einer großen Sammlung, mal zu einem Designer, mal zu einem Material oder einem Motiv. Schau also vorher, was gerade läuft, und rechne damit, dass zwischen zwei Ausstellungen für einige Wochen umgebaut wird. Wenn dich das Thema packt, bist du zwei Stunden drin, sonst in einer wieder draußen.
Tickets: Tickets bekommst du online oder an der Kasse, bei bekannten Namen lohnt sich ein Zeitfenster im Voraus. In Belgien ist der Montag ein üblicher Schließtag. Prüf vor der Anreise, ob gerade eine Ausstellung läuft oder gewechselt wird.
Das Viertel Straße für Straße
1 Nationalestraat
Die Achse des Viertels, vom Groenplaats nach Süden Richtung Zuid. Hier stehen das MoMu und mehrere Läden belgischer Labels, dazwischen ganz normale Geschäfte. Die Straße ist keine Prachtmeile, sondern eine Einkaufsstraße mit Straßenbahnschienen, an der sich die guten Adressen verteilen.
2 Kammenstraat
Zwei Minuten weiter östlich: Streetwear, Secondhand, Plattenläden, Sneaker. Deutlich jünger, deutlich lauter, und der beste Ort, wenn du nichts kaufen, aber viel sehen willst. In den Seitengassen rund um die Wilde Zee liegen kleine Boutiquen und Cafés.
3 Schuttershofstraat und Hopland
Die teure Ecke, gleich hinter dem Meir. Internationale Luxusmarken, belgische Häuser, ruhige Straßen mit Kopfsteinpflaster. Der Meir selbst ist die große Fußgängerzone mit den Ketten und liegt fünf Minuten entfernt.
4 Kloosterstraat
Antiquitäten, Vintagemöbel, Lampen, Trödel. Die Straße führt vom Sint-Andries-Viertel Richtung Süden und ist auch dann ein Spaziergang wert, wenn du nichts mitnehmen kannst. Am Wochenende ist hier am meisten los.
Tipp: Plane den Bummel nicht auf den Montagvormittag. Viele kleine Läden öffnen dann später oder gar nicht, und sonntags sind fast alle zu. Am Meir öffnen einzelne Ketten auch sonntags.
Was in der Nähe liegt
Zwei Minuten vom MoMu steht das Museum Plantin-Moretus, die alte Druckerei am Vrijdagmarkt, die als einziges Museum weltweit selbst UNESCO-Welterbe ist. Genauso nah sind der Grote Markt und die Kathedrale. Nach Süden läufst du in einer Viertelstunde ins Zuid mit seinen Restaurants, siehe Essen und Trinken in Antwerpen. Alle weiteren Ziele stehen bei den Antwerpener Sehenswürdigkeiten, den Überblick gibt der Stadtführer Antwerpen.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll wird es nur bei großen Ausstellungen am Wochenende. Buch dann ein Zeitfenster am Vormittag oder komm in der letzten Öffnungsstunde. Das Viertel selbst verteilt sich gut, weil die Läden über mehrere Straßen liegen.
- Wenn es regnetDer Bummel funktioniert bei Regen erstaunlich gut, weil die Wege zwischen den Straßen kurz sind. Wird es zu nass, sind MoMu und Plantin-Moretus zwei Minuten voneinander entfernt, das füllt einen kompletten Nachmittag unter Dach.
- Mit KindernTextilien hinter Glas begeistern kleine Kinder selten. Ältere Kinder mit Interesse an Kleidung kommen dagegen gut mit, weil die Ausstellungen viel mit Bildern und Videos arbeiten. Die Kammenstraat mit ihren Sneakerläden funktioniert für Jugendliche besser als jedes Museum.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Museum ist barrierefrei erschlossen und hat einen Aufzug. Draußen wird es schwieriger: Die Gassen rund um Sint-Andries sind grob gepflastert, und viele kleine Läden haben eine Stufe an der Tür. Nationalestraat und Meir sind flach und breit.
Häufige Fragen
Was ist das MoMu?
MoMu ist das Modemuseum der Stadt Antwerpen, untergebracht in der Modenatie an der Nationalestraat. Es besitzt eine große Sammlung belgischer und internationaler Mode, zeigt sie aber nicht dauerhaft, sondern in wechselnden Themenausstellungen. 2021 wurde es nach mehrjährigem Umbau wiedereröffnet. Im selben Haus sitzen die Modeabteilung der Akademie und eine Modebibliothek.
Wer waren die Antwerpener Sechs?
Sechs Absolventen der Königlichen Akademie, die 1986 gemeinsam zu einer Messe nach London fuhren: Ann Demeulemeester, Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck, Dirk Van Saene, Dirk Bikkembergs und Marina Yee. Die britische Presse fasste sie unter diesem Namen zusammen. Ihre nüchterne, tragbare Handschrift prägt den Ruf Antwerpens bis heute.
Lohnt sich das MoMu ohne Modeinteresse?
Nur bedingt. Weil es keine feste Dauerausstellung gibt, hängt alles am laufenden Thema. Interessiert dich das nicht, bist du in einer knappen Stunde durch. Schau vorher auf die offizielle Website, was gerade läuft. Der Spaziergang durch das Modeviertel dagegen lohnt sich auch dann, weil er Antwerpens Alltag zeigt.
Wo shoppt man in Antwerpen am besten?
Der Meir ist die große Fußgängerzone mit den bekannten Ketten. Interessanter sind die kleineren Straßen: Nationalestraat für belgische Labels, Kammenstraat für Streetwear und Secondhand, Schuttershofstraat und Hopland für Luxus, Kloosterstraat für Antiquitäten und Vintagemöbel. Alles liegt in Laufnähe zwischen Groenplaats und Zuid.
Wann haben die Läden im Modeviertel offen?
Von Dienstag bis Samstag am zuverlässigsten. Sonntags sind die meisten kleinen Geschäfte geschlossen, am Montag öffnen viele erst mittags oder bleiben zu. Am Meir haben einzelne Ketten auch sonntags auf. Für einen Bummel planst du also am besten einen Nachmittag zwischen Dienstag und Samstag ein.




