Provinz Antwerpen · Antwerpen

Museum Plantin-Moretus

Am Vrijdagmarkt steht ein Patrizierhaus mit Innenhof, in dem über drei Jahrhunderte lang gedruckt wurde. Das Museum Plantin-Moretus ist das einzige Museum der Welt, das als Ganzes auf der UNESCO-Welterbeliste steht: nicht nur die Sammlung, sondern Haus, Werkstatt, Archiv und Garten zusammen.

Drinnen stehen die ältesten erhaltenen Druckpressen der Welt, dazu eine komplette Schriftgießerei, eine Bibliothek und Porträts von Rubens, der mit der Familie befreundet war. Es ist das ruhigste gute Museum der Stadt.

Museum Plantin-Moretus
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Auf einen Blick

  • Lokaler NameMuseum Plantin-Moretus, am Vrijdagmarkt
  • UNESCOSeit 2005, einziges Museum weltweit als Ganzes
  • GegründetDruckerei ab 1555 durch Christoffel Plantijn
  • Museum seit1877, nach Verkauf an die Stadt 1876
  • HighlightDie zwei ältesten erhaltenen Druckpressen der Welt
  • Besuchsdauer90 Minuten bis 2 Stunden

Warum dieses Museum besonders ist

Museen kommen normalerweise auf die UNESCO-Liste, weil sie in einem geschützten Gebäude sitzen oder Welterbe ausstellen. Hier ist es anders: Haus, Werkstätten, Maschinen, Archiv, Bibliothek und Garten sind gemeinsam als Ensemble geschützt, seit 2005. Das gibt es bei keinem anderen Museum der Welt.

Der Grund liegt in der Geschichte des Hauses. Die Druckerei arbeitete von 1555 bis 1876 an derselben Adresse, in derselben Familie, mit derselben Ausstattung. Als der letzte Moretus verkaufte, ging alles zusammen an die Stadt: Pressen, Bleilettern, Kupferstichplatten, Bücher, Rechnungsbücher, Briefe, Möbel. Ein Betrieb, der über drei Jahrhunderte nichts weggeworfen hat.

Plantin, Moretus und der Goldene Zirkel

Christoffel Plantijn kam aus Frankreich und begann 1555 in Antwerpen zu drucken, als die Stadt der größte Handelsplatz Nordeuropas war. Sein Zeichen war ein goldener Zirkel, sein Wahlspruch stand für Arbeit und Beständigkeit. Innerhalb weniger Jahre wurde die Offizin eine der größten Europas.

Das bekannteste Werk ist die vielsprachige Bibel, die er zwischen 1568 und 1573 für den spanischen König druckte, in mehreren Bänden und Sprachen nebeneinander. Nach seinem Tod übernahm sein Schwiegersohn Jan Moretus, danach dessen Nachkommen, Generation für Generation. Die Sammlung enthält außerdem eine der wenigen erhaltenen Gutenberg-Bibeln.

Gut zu wissen: Auf Niederländisch heißt der Gründer Christoffel Plantijn, im Museumsnamen steht die lateinische Form Plantin. Der Platz davor heißt Vrijdagmarkt, dort findet bis heute regelmäßig eine Versteigerung von Hausrat statt.

Der Rundgang: was du dir ansehen musst

Der Weg führt vom Verkaufsraum über die Wohnräume in die Werkstatt. In den Wohnzimmern hängt Goldledertapete, es gibt schwere Kamine und Fenster zum Innenhof, und du merkst schnell, dass hier Arbeit und Familie nicht getrennt waren.

Das Herz ist die Druckerei. Dort stehen zwei Pressen aus der Zeit um 1600, die ältesten erhaltenen der Welt, dazu Setzkästen und die Schriftgießerei mit Stempeln und Matrizen. Nimm dir dafür Zeit: Wenn du verstanden hast, wie aus einem Stahlstempel eine Matrize und daraus ein Bleibuchstabe wird, siehst du jedes gedruckte Buch danach anders an.

Weiter hinten liegen die Korrektorenstube und die Bibliothek, ein Raum voller alter Bände hinter Gittern. Der Innenhof mit dem kleinen Garten ist der Punkt, an dem du dich hinsetzen solltest, mitten in der Stadt und trotzdem still.

Rubens und die Familie Moretus

Rubens und Balthasar Moretus kannten sich aus der Schule und blieben ein Leben lang befreundet. Rubens malte Porträts der Familie, die bis heute hier hängen, und entwarf Titelblätter für die Bücher der Offizin. Diese Verbindung zieht sich durch die ganze Stadt: Für das Grab von Jan Moretus in der Liebfrauenkathedrale malte er die Auferstehung Christi, und sein eigenes Wohnhaus, das Rubenshaus, liegt zehn Gehminuten entfernt.

Praktisch für deinen Besuch

Der Vrijdagmarkt liegt südwestlich der Groenplaats, rund fünf Gehminuten vom Grote Markt und ebenso weit vom Modeviertel entfernt. Beides lässt sich gut an einem Tag kombinieren. Wo das Museum in einen sinnvollen Ablauf passt, zeigt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Antwerpen, und welche belgischen Welterbestätten sonst noch lohnen, steht unter UNESCO-Welterbe in Belgien.

Tickets: Online oder vor Ort, feste Zeitfenster sind meist nicht nötig, weil das Haus selten überfüllt ist. Wenn du mehrere Museen planst, prüf die Städtekarte, in der das Museum in der Regel enthalten ist. Ob gerade Vorführungen an der Presse stattfinden, steht auf der offiziellen Website.

Zur offiziellen Website

Tipp: Frag beim Eintreten, ob an diesem Tag jemand an der Presse arbeitet. Zu sehen, wie ein Bogen abgezogen wird, ist der Moment, an den du dich später erinnerst. Wenn nicht, geh zuerst in die Schriftgießerei und dann erst zu den Pressen, dann ergibt der Ablauf mehr Sinn.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSelten ein Problem, das Haus verteilt seine Besucher über viele kleine Räume. Wenn doch eine Gruppe vor dir liegt, dreh die Runde um und beginne bei der Bibliothek statt bei der Druckerei. Der Innenhof ist immer der ruhigste Punkt.
  • Wenn es regnetEines der besten Regenziele Antwerpens, weil du zwei Stunden trocken beschäftigt bist. Nur der Innenhof fällt aus. In Kombination mit dem MoMu ein paar Straßen weiter füllst du einen ganzen Regentag.
  • Mit KindernFür Kinder ab etwa acht Jahren gut, wenn sie sehen dürfen, wie Buchstaben aus Blei entstehen. Kleinere Kinder langweilen sich zwischen Vitrinen mit Papier. Vorführungen an der Presse, wenn welche stattfinden, drehen die Stimmung sofort.
  • Mit eingeschränkter MobilitätEin historisches Wohnhaus mit Schwellen, alten Treppen und engen Durchgängen. Ein Teil des Hauses ist über einen Aufzug erreichbar, ein Teil nicht, und der Innenhof hat unebenen Belag. Wer auf Stufenfreiheit angewiesen ist, klärt den aktuellen Stand vorab auf der offiziellen Website.

Häufige Fragen

Warum ist das Museum Plantin-Moretus UNESCO-Welterbe?

Weil hier nicht nur eine Sammlung geschützt ist, sondern ein vollständiger Betrieb: Wohnhaus, Werkstätten, Pressen, Schriftgießerei, Archiv, Bibliothek und Garten aus über drei Jahrhunderten Druckgeschichte. Die Familie arbeitete von 1555 bis 1876 an derselben Adresse und warf nichts weg. Seit 2005 steht das Museum als einziges der Welt komplett auf der Liste.

Wie lange braucht man für das Museum Plantin-Moretus?

90 Minuten bis 2 Stunden sind realistisch. Eine gute Stunde reicht für Wohnräume, Druckerei und Bibliothek im Schnelldurchlauf, aber gerade die Schriftgießerei und die Setzkästen belohnen längeres Hinsehen. Rechne den Innenhof als Pause dazu.

Was kann man im Museum sehen?

Die zwei ältesten erhaltenen Druckpressen der Welt aus der Zeit um 1600, eine komplette Schriftgießerei mit Stempeln und Matrizen, die historische Bibliothek, die Korrektorenstube und die Wohnräume mit Goldledertapete. Dazu Porträts von Rubens, eine Gutenberg-Bibel und die vielsprachige Bibel, die Plantijn für den spanischen König druckte.

Lohnt sich das Museum mit Kindern?

Ab etwa acht Jahren ja, vor allem wenn eine Vorführung an der Presse läuft. Der Weg vom Bleibuchstaben zum gedruckten Bogen lässt sich in diesem Alter gut verstehen. Für kleinere Kinder sind zwei Stunden zwischen Vitrinen zu lang, dann sind Zoo oder MAS die bessere Wahl.

Wo liegt das Museum Plantin-Moretus?

Am Vrijdagmarkt, südwestlich der Groenplaats mitten in der Altstadt. Vom Grote Markt sind es etwa fünf Gehminuten, vom Modeviertel ebenso. Mit der Premetro fährst du bis Groenplaats, danach ist es ein kurzer Weg über Kopfsteinpflaster.