Provinz Antwerpen · Antwerpen

Grote Markt und Rathaus

Der Grote Markt ist das Wohnzimmer von Antwerpen: ein dreieckiger Platz mit dem Renaissance-Rathaus auf der einen und einer Reihe schmaler Gildehäuser auf der anderen Seite, in der Mitte der Brabo-Brunnen mit der abgeschlagenen Hand. Das Rathaus gehört zum UNESCO-Welterbe der Belfriede.

Der Platz kostet nichts, du brauchst kein Ticket und keine Reservierung. Was du wissen solltest: warum die Stadt womöglich nach einer geworfenen Hand heißt, welche Fassaden echt sind und warum du auf den Terrassen hier nicht essen musst.

Grote Markt und Rathaus
Foto: Professor Phisigma, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Lokaler NameGrote Markt, das Rathaus heißt Stadhuis
  • Rathaus1561 bis 1565, Entwurf von Cornelis Floris de Vriendt
  • UNESCOTeil der Belfriede in Belgien und Frankreich
  • BrunnenBrabo-Brunnen von Jef Lambeaux, 1887
  • Besuchsdauer30 bis 60 Minuten für den Platz
  • Lage2 Gehminuten von der Kathedrale, 5 von der Schelde

Ein Platz, drei Seiten, eine Geschichte

Der Grote Markt ist kein Rechteck, sondern ein Dreieck, und das merkst du beim Danebenstehen: Von jeder Ecke sieht der Platz anders aus. Auf der Westseite steht das Rathaus, breit, waagerecht und streng. Gegenüber drängen sich die Gildehäuser, schmal, hoch und mit vergoldeten Figuren auf den Giebeln. Dazwischen liegt der Brunnen, und über allem steht der Turm der Liebfrauenkathedrale, der von hier aus wie eine Kulisse wirkt.

Im 16. Jahrhundert war Antwerpen einer der größten Handelsplätze Europas, und die Gilden wollten am wichtigsten Platz der Stadt zeigen, was sie sich leisten konnten. Ganz oben auf jedem Giebel steht deshalb eine goldene Figur, damit klar ist, wessen Haus das ist.

Das Rathaus: Renaissance mit flämischem Akzent

Das Stadhuis entstand zwischen 1561 und 1565 nach einem Entwurf von Cornelis Floris de Vriendt. Es ist einer der ersten großen Renaissancebauten nördlich der Alpen, und man sieht dem Haus an, dass hier zwei Ideen aufeinandertreffen: unten die italienische Ordnung mit Säulen und waagerechten Linien, in der Mitte ein steiler flämischer Ziergiebel, der die ganze Fassade nach oben zieht.

1576 brannte das Gebäude aus, als meuternde spanische Truppen die Stadt plünderten. Danach wurde es wieder aufgebaut und zuletzt mehrere Jahre gründlich restauriert. Seitdem ist es wieder in Betrieb.

Dass ein Rathaus zum UNESCO-Welterbe der Belfriede gehört, klingt merkwürdig, ergibt aber Sinn: Der kleine Turm über der Mitte übernahm die Rolle des städtischen Belfrieds, also des Zeichens für die Selbstverwaltung der Bürger. Mehr dazu in der Übersicht zu den Belfrieden in Belgien.

Gut zu wissen: In Antwerpen ist alles einsprachig Niederländisch. Auf Wegweisern suchst du Grote Markt und Stadhuis, nicht Grand-Place oder Hôtel de Ville. Nur auf französischen Karten heißt die Stadt Anvers.

Brabo, der Riese und die geworfene Hand

Der Brunnen in der Mitte stammt von Jef Lambeaux und steht seit 1887 hier. Er zeigt den römischen Soldaten Silvius Brabo, der die abgeschlagene Hand eines Riesen in die Schelde schleudert. Die Sage dazu geht so: Der Riese Druon Antigoon verlangte Zoll von jedem Schiffer und hackte denen, die nicht zahlten, eine Hand ab. Brabo tötete ihn und tat mit dessen Hand dasselbe. Aus „hand werpen“ soll der Name Antwerpen entstanden sein.

Sprachwissenschaftlich stimmt das vermutlich nicht, der Name geht eher auf eine Landzunge am Fluss zurück. Trotzdem ist die Hand das Wahrzeichen der Stadt: Du findest sie als Keks und Praline, die Antwerpse handjes, in jeder besseren Bäckerei und als tausendfaches Ornament an der Fassade des MAS.

Die Gildehäuser: echt, ergänzt und nachgebaut

Die Häuserzeile an der Nordseite sieht aus wie ein geschlossener Bestand aus dem 16. Jahrhundert. Tatsächlich ist sie eine Mischung. Einige Fassaden sind original, andere wurden im 19. Jahrhundert nach alten Vorlagen rekonstruiert, als die Stadt ihre Geschichte wiederentdeckte. Das Haus der Bogenschützengilde und das der Küfer gehören zu den auffälligsten, oben auf den Giebeln stehen vergoldete Heilige und Reiterfiguren.

Reingehen kannst du nicht. Den besten Blick auf die ganze Zeile hast du schräg von der Rathausseite aus, dann staffeln sich die Giebel hintereinander.

Achtung: Die Terrassen direkt am Platz sind bequem, aber weder günstig noch besonders gut. Für ein Bier in der Sonne ist das in Ordnung, zum Essen geh zwei Straßen weiter. Wo es sich wirklich lohnt, steht unter Essen und Trinken in Antwerpen.

Was direkt nebenan liegt

Der Grote Markt ist ein Knotenpunkt, kein Ziel für sich. Zur Kathedrale sind es zwei Minuten, zum Fluss und zu Het Steen fünf, zum Museum Plantin-Moretus knapp zehn. Wer mehr Struktur für den Tag will, findet sie in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Antwerpen.

Im Dezember steht auf dem Platz und rund um die Groenplaats der Weihnachtsmarkt. Dann ist der Platz voll und abends der Treffpunkt der Stadt.

Tickets: Für den Platz zahlst du nichts, er ist rund um die Uhr zugänglich. Ein Ticket brauchst du nur für die Innenbesichtigung des Rathauses, die meist als Führung läuft und im Voraus gebucht wird. Die Termine stehen auf der offiziellen Website.

Zur offiziellen Website

Tipp: Such den Eingang zur Vlaeykensgang an der Oude Koornmarkt, ein unscheinbares Tor keine hundert Meter vom Platz entfernt. Dahinter liegt eine Gasse aus dem 16. Jahrhundert, in der du vom Platz plötzlich nichts mehr hörst.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istWenn der Platz voll ist, geh zwei Ecken weiter. Der Handschoenmarkt an der Kathedrale, die Gasse Vlaeykensgang hinter der Oude Koornmarkt und die Suikerrui Richtung Fluss sind ruhiger und liegen jeweils keine drei Minuten entfernt. Fotos gelingen ohnehin am besten vor neun Uhr morgens.
  • Wenn es regnetDer Platz ist offen, Unterstand gibt es nur unter den Arkaden des Rathauses und in den Kneipen. Bei Regen lohnt der Sprung in die Kathedrale nebenan oder ins Museum Plantin-Moretus, beides höchstens fünf Minuten zu Fuß entfernt.
  • Mit KindernDer Brabo-Brunnen mit dem Riesen und der abgeschlagenen Hand ist eine Geschichte, die Kinder sofort mitnehmen. Erzähl sie vor dem Brunnen, danach gibt es die Antwerpse handjes als Keks oder Praline in fast jeder Bäckerei. Das Kopfsteinpflaster ist grob, mit Buggy holpert es.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist flach, aber komplett mit unebenem Kopfsteinpflaster belegt, teils mit breiten Fugen. Mit Rollstuhl oder Rollator geht es, langsam und besser über die glatteren Randstreifen. Das Rathaus ist nach der Restaurierung mit Aufzug ausgestattet, die Gildehäuser sind Privatbesitz und nicht zugänglich.

Häufige Fragen

Was kann man am Grote Markt in Antwerpen sehen?

Das Renaissance-Rathaus von 1565, eine Reihe schmaler Gildehäuser mit vergoldeten Figuren auf den Giebeln und in der Mitte den Brabo-Brunnen von 1887. Dahinter ragt der Turm der Liebfrauenkathedrale auf. Der Platz selbst kostet nichts und ist Tag und Nacht zugänglich, für das Rathaus brauchst du in der Regel eine Führung.

Warum heißt Antwerpen angeblich nach einer Hand?

Der Sage nach verlangte der Riese Druon Antigoon Zoll von den Schiffern auf der Schelde und schlug denen, die nicht zahlten, eine Hand ab. Der Soldat Silvius Brabo tötete ihn und warf dessen Hand in den Fluss, also „hand werpen“. Sprachlich geht der Name eher auf eine Landzunge am Fluss zurück, doch die Hand blieb als Wahrzeichen, bis heute als Keks und Praline.

Kann man das Rathaus von Antwerpen besichtigen?

Ja, nach der mehrjährigen Restaurierung ist das Stadhuis wieder zugänglich, meist über Führungen und an festgelegten Tagen. Die aktuellen Möglichkeiten stehen auf der offiziellen Website der Stadt. Von außen lohnt sich der Bau immer: Er gehört als Belfried zum UNESCO-Welterbe.

Lohnt es sich, am Grote Markt zu essen?

Für ein Bier auf der Terrasse ja, zum Essen eher nicht. Die Lage zahlst du mit, die Qualität ist selten überdurchschnittlich. Zwei bis drei Straßen weiter, rund um die Suikerrui, im Zuid oder in den Gassen nördlich des Platzes isst du deutlich besser und meist günstiger.

Wann ist der Grote Markt am schönsten?

Früh am Morgen, wenn die Terrassen noch leer sind und du die Giebel ohne Menschen fotografieren kannst, und nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Rathaus und Gildehäuser angestrahlt werden. Im Dezember kommt der Weihnachtsmarkt dazu, dann ist der Platz voll und trotzdem der beste Ort der Stadt.