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Kathedrale St. Michael und St. Gudula

Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula steht auf einem Hügel zwischen Unter- und Oberstadt und ist die wichtigste Kirche Belgiens. Hier heiraten die Königinnen und Könige, hier finden die Staatsbegräbnisse statt, hier wird am Nationalfeiertag das Te Deum gesungen.

Von außen zwei mächtige gotische Türme, innen ein heller, überraschend schlichter Raum mit riesigen Glasfenstern aus dem 16. Jahrhundert. Das Kirchenschiff kostet keinen Eintritt, für Krypta und Schatzkammer zahlst du extra.

Kathedrale St. Michael und St. Gudula
Foto: Professor Phisigma, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionRegion Brüssel-Hauptstadt
  • Namen vor OrtCathédrale Saints-Michel-et-Gudule, Sint-Michiels- en Sint-Goedelekathedraal
  • Baubeginn1226, Türme im 15. Jahrhundert vollendet
  • StilBrabanter Gotik
  • Dauer30 bis 45 Minuten, mit Krypta 1 Stunde
  • Anreise5 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Bruxelles-Central

Ein Bau über drei Jahrhunderte

Der Bau begann 1226 unter Herzog Heinrich I. von Brabant, an der Stelle einer älteren romanischen Kirche. Fertig wurde die Kathedrale erst rund dreihundert Jahre später, als im 15. Jahrhundert die beiden Westtürme vollendet waren. Genau das sieht man ihr an: hinten im Chor noch schwere Frühgotik, vorne an der Fassade eine strenge, symmetrische Turmfront, wie sie in Brabant Schule machte.

Die Kirche trägt zwei Schutzpatrone. Michael ist der Stadtpatron von Brüssel, seine Figur dreht sich auch auf dem Rathausturm an der Grand-Place. Gudula war eine Heilige aus der Gegend, deren Reliquien im Mittelalter hierher überführt wurden. Beide Namen stehen bis heute im offiziellen Titel, im Alltag sagen die Brüsseler einfach la cathédrale oder de kathedraal.

Was du drinnen suchen solltest

Der Innenraum ist heller und leerer, als man es von einer Kathedrale erwartet. Das liegt an den Bilderstürmen und den späteren Restaurierungen: Vieles ist verschwunden, die weiß verputzten Wände lassen den Raum groß wirken.

Die Glasfenster sind der Höhepunkt. Im Querschiff und über der Westfassade hängen monumentale Fenster aus dem 16. Jahrhundert, entworfen im Umkreis des Hofmalers Bernard van Orley. Sie zeigen Herrscherpaare unter Triumphbögen und leuchten am Vormittag am besten. Auf der anderen Seite steht eine barocke Kanzel von Hendrik Frans Verbruggen: Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben, alles in Eichenholz geschnitzt, mit Tieren, Pflanzen und Engeln, ein einziges großes Erzählwerk.

Gut zu wissen: Unter dem Kirchenschiff liegen die freigelegten Reste der romanischen Vorgängerkirche aus dem 11. Jahrhundert. Dieser archäologische Bereich ist nur mit Ticket zugänglich und lohnt sich, wenn dich Bauforschung interessiert. Wer die Kirche einfach nur sehen will, kommt auch ohne aus.

Kirche des Königshauses

Die Kathedrale ist Schauplatz der großen Staatsakte. Hier wurde 1999 König Philippe getraut, hier fanden die Trauerfeiern für König Baudouin statt, und hier singt der Chor am 21. Juli, dem Nationalfeiertag, das Te Deum im Beisein der königlichen Familie. An solchen Tagen ist der Innenraum für Besucher gesperrt oder nur eingeschränkt zugänglich.

Auch sonst ist die Kathedrale kein Museum, sondern eine benutzte Kirche. Gottesdienste, Orgelkonzerte und Proben laufen im normalen Betrieb weiter. Wenn du das Glück hast, während einer Probe hereinzukommen, bleib einfach ein paar Minuten sitzen.

Tickets: Das Kirchenschiff ist frei zugänglich, du gehst einfach hinein. Eintritt zahlst du nur für die archäologische Zone unter dem Schiff und für die Schatzkammer mit Reliquiaren und liturgischen Gewändern. Beides kaufst du direkt vor Ort, eine Vorabbuchung ist nicht nötig. Bei Staatsakten und großen Gottesdiensten bleibt die Kirche für Besichtigungen geschlossen, prüfe an solchen Tagen vorher die offizielle Website.

Zur offiziellen Website

Lage und Kombination

Die Kathedrale steht auf dem Treurenberg, dem Hang zwischen Ober- und Unterstadt. Vom Bahnhof Bruxelles-Central, niederländisch Brussel-Centraal, läufst du fünf Minuten bergauf, und wie das Nahverkehrsnetz funktioniert, steht unter Verkehr in Brüssel. Von der Grand-Place sind es etwa zehn Minuten, ebenfalls bergauf.

Das macht sie zum idealen Zwischenstopp: Du gehst morgens über den Platz, steigst danach zur Kathedrale hinauf und bist von dort in zehn Minuten am Kunstberg, wo die großen Museen liegen. Wer stattdessen ins Europaviertel will, läuft ebenfalls in diese Richtung weiter. Die ganze Reihenfolge steht bei den Brüsseler Sehenswürdigkeiten.

Tipp: Setz dich für ein paar Minuten in die Bankreihen im nördlichen Querschiff und schau von dort auf die großen Fenster. Von der Mitte des Schiffs siehst du zu wenig, weil die Pfeiler den Blick verstellen. Am Vormittag steht das Licht so, dass die Farben wirklich brennen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDie Kathedrale ist selten überfüllt, weil die meisten Reisegruppen unten an der Grand-Place bleiben. Wenn doch eine Gruppe im Weg steht, geh einmal um den Chor herum und komm zehn Minuten später zurück.
  • Wenn es regnetEin perfekter Regenstopp. Wenn du danach trocken weitermachen willst, sind es zehn Minuten bergauf zum Kunstberg mit den Museen oder hinunter zu den überdachten Königlichen Galerien.
  • Mit KindernFür kleine Kinder wenig spannend, außer sie suchen die Tiere auf der Barockkanzel. Daraus lässt sich ein Suchspiel machen, das eine Viertelstunde trägt.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Zugang erfolgt über eine breite Freitreppe an der Westfassade, seitlich gibt es einen ebenerdigen Eingang. Innen ist alles flach und gut befahrbar. Die archäologische Zone unter dem Schiff erreichst du nur über Treppen.

Häufige Fragen

Kostet die Kathedrale in Brüssel Eintritt?

Das Kirchenschiff ist frei zugänglich, du kannst ohne Ticket hineingehen. Eintritt fällt nur für zwei Zusatzbereiche an: die archäologische Zone mit den Resten der romanischen Vorgängerkirche unter dem Schiff und die Schatzkammer. Beide Tickets bekommst du direkt in der Kirche, eine Vorabbuchung ist nicht nötig.

Wie lange braucht man für die Kathedrale?

Für einen aufmerksamen Rundgang durch das Kirchenschiff reichen dreißig bis fünfundvierzig Minuten. Wer die Glasfenster genauer anschaut, die Barockkanzel studiert und zusätzlich in die Krypta und die Schatzkammer geht, sollte eine gute Stunde einplanen. Als Zwischenstopp zwischen Grand-Place und Kunstberg passt sie perfekt.

Heiratet die belgische Königsfamilie in dieser Kathedrale?

Ja. Die Kathedrale St. Michael und St. Gudula ist die Kirche der großen Staatsakte in Belgien. Hier finden königliche Hochzeiten und Trauerfeiern statt, und am Nationalfeiertag wird hier das Te Deum gesungen. An solchen Tagen ist die Kirche für Besichtigungen gesperrt oder nur eingeschränkt zugänglich.

Kann man die Türme der Kathedrale besteigen?

Die Türme sind normalerweise nicht für den Publikumsverkehr geöffnet. Gelegentlich gibt es Sonderführungen, etwa an Denkmaltagen. Wenn du in Brüssel einen Ausblick von oben suchst, gehst du besser auf den Kunstberg, auf die Dachterrasse des Musikinstrumentenmuseums oder in die oberste Kugel des Atomiums.

Wie kommt man zur Kathedrale?

Vom Bahnhof Bruxelles-Central, auf Niederländisch Brussel-Centraal, sind es fünf Minuten bergauf zu Fuß. Von der Grand-Place brauchst du etwa zehn Minuten, ebenfalls bergauf. Die Kathedrale liegt genau auf der Kante zwischen Unter- und Oberstadt, deshalb führen von allen Seiten Treppen und Rampen hinauf.