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Manneken Pis & die Legenden

Der Manneken Pis ist das bekannteste Wahrzeichen Brüssels und gleichzeitig die häufigste Enttäuschung der Stadt. Die Bronzefigur an der Ecke Rue de l'Étuve und Rue du Chêne misst gut einen halben Meter, steht hinter einem Gitter und ist ständig von Kameras umringt.

Trotzdem gehört der Abstecher dazu, denn hinter der kleinen Figur steckt eine große Geschichte: Legenden aus dem Mittelalter, mehrere Diebstähle, eine eigene Garderobe mit Hunderten Kostümen und zwei Nachahmer im Stadtgebiet.

Manneken Pis & die Legenden
Foto: Trougnouf, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionRegion Brüssel-Hauptstadt
  • Namen vor OrtManneken Pis (niederländisch), Petit Julien (französisch)
  • EntstehungBronzefigur von Jérôme Duquesnoy dem Älteren, 1619
  • OriginalIm Stadtmuseum am Grand-Place, draußen steht eine Kopie
  • Dauer5 Minuten, mit Kostümmuseum 45 Minuten
  • Anreise5 Minuten zu Fuß von der Grand-Place

Klein, wirklich klein

Sagen wir es gleich: Die Figur ist winzig. Wer ein Denkmal erwartet, steht vor einem Brunnen von der Höhe eines Kleinkinds, eingeklemmt an einer Straßenecke zwischen Waffelbuden und Souvenirläden. Der Platz davor ist eng, und meistens stehen dort dreißig Leute mit erhobenem Handy.

Wenn du das vorher weißt, funktioniert der Besuch trotzdem. Du kommst nicht wegen der Größe, sondern weil diese Figur seit vierhundert Jahren die Selbstironie der Stadt verkörpert. Brüssel hat sich als Wahrzeichen kein Reiterstandbild ausgesucht, sondern ein pinkelndes Kind.

Die Legenden, und was davon bleibt

Es gibt mehrere Erklärungen, und keine ist belegt. Die bekannteste erzählt von einem Jungen, der die brennende Lunte einer Bombe löschte und so die Stadt rettete. Eine zweite handelt von einem Herzogssohn, der während einer Schlacht in einem Korb an einem Baum hing und von dort auf die Feinde pinkelte. Eine dritte, unspektakuläre Version berichtet von einem reichen Kaufmann, dessen vermisster Sohn nach Tagen genau an dieser Ecke wiedergefunden wurde, in flagranti sozusagen.

Sicher ist nur: Schon im 15. Jahrhundert stand hier ein Brunnen mit einer pinkelnden Figur, die zur Wasserversorgung des Viertels gehörte. Die heutige Bronzefigur goss Jérôme Duquesnoy der Ältere 1619. Sie wurde mehrfach gestohlen und beschädigt, weshalb draußen inzwischen eine Kopie steht. Das Original kannst du dir im Stadtmuseum im Broodhuis an der Grand-Place ansehen.

Die Garderobe

Der Manneken Pis besitzt mehrere hundert Kostüme, und die Sammlung wächst weiter. Regierungen, Vereine und Städte schenken ihm Trachten, Uniformen und Berufskleidung, an bestimmten Tagen wird er nach einem festen Kalender umgezogen. Wenn du Glück hast, steht er als Feuerwehrmann, Samurai oder Radrennfahrer da.

Die Kleider hängen im GardeRobe MannekenPis, einem kleinen Museum wenige Schritte entfernt in der Rue du Chêne. Das klingt nach einer Schnapsidee und ist tatsächlich eine der charmantesten Ausstellungen der Stadt, weil jedes Kostüm eine kleine diplomatische Geschichte erzählt.

Gut zu wissen: An Festtagen wird die Figur gelegentlich an ein Fass angeschlossen und schenkt Bier aus. Das ist kein Dauerzustand und lässt sich nicht planen, aber wenn du eine Traube feiernder Menschen mit Bechern siehst, weißt du, was los ist.

Jeanneke Pis und das Zinneke

Der Manneken Pis hat zwei Verwandte. Jeanneke Pis, das weibliche Gegenstück, steht in einer Sackgasse namens Impasse de la Fidélité nahe der Restaurantstraße Rue des Bouchers, hinter Gittern und deutlich jünger als ihr Bruder, denn sie stammt aus dem späten 20. Jahrhundert.

Das Zinneke, ein pinkelnder Hund, steht ohne Absperrung und ohne Wasser an einer Straßenecke im Dansaert-Viertel. Der Name spielt auf die Brüsseler Mischlingshunde an, die früher an der Senne lebten, und ist bis heute ein Spitzname für Brüsseler mit gemischter Herkunft. Alle drei zusammen ergeben einen kleinen Spaziergang von etwa zwanzig Minuten.

Tipp: Komm vor neun Uhr morgens. Dann stehst du allein vor der Figur, die Läden haben noch zu, und du bekommst ein Foto ohne Menschentraube. Danach bist du in fünf Minuten an der Grand-Place, die zu dieser Uhrzeit ebenfalls leer ist.

Was du drumherum machst

Ein paar Schritte weiter, ebenfalls in der Rue de l’Étuve, hängt eine der bekanntesten Comicwände der Stadt. Sie gehört zur kostenlosen Route, die beim Comic-Zentrum beschrieben ist. Rundherum liegen Schokoladenläden, Waffelstände und Souvenirshops. Kaufe deine Pralinen lieber in den Königlichen Galerien oder im Sablon, dort bekommst du echte Chocolatiers statt Massenware.

Wie der Manneken Pis in eine sinnvolle Tagesroute passt, steht in der Liste der Brüsseler Sehenswürdigkeiten. Weitere kleine Regeln für die Stadt findest du bei den Brüssel-Tipps.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istEs gibt keine Warteschlange, nur eine Traube. Warte zwei Minuten, dann hast du deine Lücke, oder komm vor neun Uhr wieder. Das Kostümmuseum ist fast immer leer.
  • Wenn es regnetDer Brunnen steht im Freien, die Ecke bietet kaum Schutz. Bei Regen gehst du direkt ins GardeRobe MannekenPis oder weiter in die überdachten Königlichen Galerien.
  • Mit KindernKinder finden die Geschichte lustiger als die Figur. Erzähl ihnen vorher eine der Legenden, dann hat der Stopp einen Sinn. Das Kostümmuseum funktioniert mit Kindern gut.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Gasse ist eng, gepflastert und leicht abschüssig, dazu drängen sich Fußgänger. Mit Rollstuhl oder Kinderwagen ist die Ecke machbar, aber unbequem, und die Sicht wird bei Andrang schnell verstellt.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Manneken Pis wirklich?

Die Figur ist gut einen halben Meter hoch, also etwa so groß wie ein kleines Kind. Fast alle Besucher schätzen sie vorher deutlich größer ein, weil sie auf Fotos formatfüllend abgebildet wird. Wenn du damit rechnest, wirst du nicht enttäuscht, sondern amüsiert.

Ist der Manneken Pis das Original?

Nein. An der Straßenecke steht eine Kopie, weil die Figur im Lauf der Jahrhunderte mehrfach gestohlen und beschädigt wurde. Das Original von 1619 aus der Werkstatt von Jérôme Duquesnoy dem Älteren wird im Stadtmuseum im Broodhuis an der Grand-Place aufbewahrt und ist dort im Rahmen des normalen Museumsbesuchs zu sehen.

Warum trägt der Manneken Pis Kostüme?

Die Tradition geht auf Ehrungen durch Herrscher und später durch Vereine, Berufsgruppen und ausländische Delegationen zurück. Heute umfasst die Garderobe mehrere hundert Stücke, und ein offizieller Kalender legt fest, wann welches Kostüm angezogen wird. Die Sammlung selbst kannst du im GardeRobe MannekenPis um die Ecke ansehen.

Wo stehen Jeanneke Pis und das Zinneke?

Jeanneke Pis steht in der Sackgasse Impasse de la Fidélité nahe der Rue des Bouchers, geschützt durch ein Gitter. Das Zinneke, ein pinkelnder Hund, steht frei zugänglich an einer Straßenecke im Dansaert-Viertel. Beide erreichst du vom Manneken Pis aus in zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß.

Lohnt sich der Besuch überhaupt?

Als Programmpunkt nicht, als Abstecher schon. Die Figur liegt fünf Minuten von der Grand-Place entfernt, kostet nichts und dauert kaum länger als ein Foto. Wer die Legenden kennt und danach ins Kostümmuseum geht, nimmt deutlich mehr mit als jemand, der nur kurz auf den Brunnen schaut.