Region in Belgien

Flämisch-Brabant: Städte & Highlights

Flämisch-Brabant ist der Ring um Brüssel. Die Provinz umschließt die Hauptstadtregion vollständig, gehört selbst aber zu Flandern und ist niederländischsprachig. Das klingt nach Verwaltungsdetail, prägt aber alles: die Sprachregeln in den Randgemeinden, die Pendlerströme und die Tatsache, dass viele Ziele der Provinz als Tagesausflug ab Brüssel funktionieren.

Sehenswert ist mehr, als der Ruf vermuten lässt. Löwen hat die älteste Universität der Region und einen der schönsten gotischen Rathausbauten Europas, im Hallerbos blüht im April ein blauer Waldboden, und im Pajottenland westlich der Stadt entsteht das eigenwilligste Bier des Landes.

Flämisch-Brabant: Städte & Highlights
Foto: Marco Mertens, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvinz in Flandern, Hauptstadt Löwen
  • LageUmschließt die Region Brüssel-Hauptstadt vollständig
  • SpracheNiederländisch, sechs Randgemeinden mit Spracherleichterungen
  • UNESCOBeginenhöfe in Löwen und Diest, Buchenwald im Sonienwald
  • Empfohlene Dauer2 bis 3 Tage, gut als Ausflug ab Brüssel
  • Beste ReisezeitApril für die Hyazinthen, Mai bis September sonst

Warum Flämisch-Brabant?

Weil die Provinz alles im Umkreis einer halben Stunde hat, ohne selbst laut zu sein. Sie entstand 1995, als die alte Provinz Brabant geteilt wurde: der niederländischsprachige Norden zu Flandern, der französischsprachige Süden als Wallonisch-Brabant zur Wallonie, Brüssel als eigene Region dazwischen. Genau in dieser Zone liegen die interessantesten Stellen, weil sich Sprache, Landschaft und Alltag hier auf kurzer Strecke ändern.

Wer in Brüssel wohnt, erreicht jedes Ziel dieser Seite mit Zug oder Bus in unter einer Stunde. Wer in Löwen wohnt, zahlt weniger und hat abends eine Stadt, die nicht nur aus Konferenzhotels besteht.

Löwen als Mittelpunkt

Löwen, auf den Schildern Leuven, ist Provinzhauptstadt und die älteste Universitätsstadt der Region. Das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert ist ein Wald aus Türmchen und Figuren, die Sankt-Peters-Kirche gegenüber zeigt ein Altarbild von Dirk Bouts, und der Große Beginenhof steht als eigenes Viertel aus Backstein auf der Welterbeliste.

Dazu kommt der Alte Markt, ein Platz, an dem eine Kneipe an die nächste grenzt und der außerhalb der Semesterferien voll ist. Löwen ist kompakt: Vom Bahnhof bis zum Rathaus läufst du gut zehn Minuten, alles Weitere liegt dazwischen. Ein Tag reicht, zwei sind entspannter.

Zwei Dinge übersehen viele. Der Turm der Universitätsbibliothek lässt sich besteigen und gibt den besten Blick über die Stadt, das Gebäude selbst wurde nach der Zerstörung im Ersten Weltkrieg mit internationalen Spenden wieder aufgebaut. Und am Rand des Zentrums steht eine der größten Brauereien Europas, deren Führungen oft Wochen im Voraus ausgebucht sind.

Der Hallerbos und die blauen Wochen

Südwestlich von Brüssel liegt bei Halle ein Buchenwald, der im Frühjahr für zwei bis drei Wochen einen blauen Teppich aus wilden Hyazinthen bekommt. Der Termin hängt am Wetter und liegt meist im April, feste Daten gibt es nicht. In der Blütezeit richtet die Gemeinde einen Shuttlebus ein, weil die Parkplätze im Wald sonst kollabieren.

Halle selbst hat eine gotische Basilika mit einer schwarzen Madonna, die seit dem Mittelalter Ziel von Wallfahrten ist. Der Rest des Jahres ist der Hallerbos ein ganz normaler, schöner Wald mit markierten Wegen. Wer die Hyazinthen sehen will, kommt früh am Morgen, hält sich an die Wege und läuft nicht für Fotos ins Blau. Die Pflanzen erholen sich von Tritten schlecht.

Achtung: An Wochenenden während der Blüte ist der Hallerbos das vollste Waldstück Belgiens. Wenn du kannst, nimm einen Werktagvormittag und den Zug bis Halle, von dort fährt in der Saison der Shuttle. Mit dem Auto stehst du sonst in einer Schlange auf einer Waldstraße.

Das Pajottenland und das Bier mit wilder Hefe

Westlich von Brüssel liegt das Pajottenland, ein hügeliges Bauernland mit Feldwegen und alten Höfen, das Pieter Bruegel dem Älteren als Vorlage gedient haben soll. Berühmt ist es aus einem anderen Grund: Im Tal der Senne entsteht Lambik, ein Bier, das nicht mit zugesetzter Hefe vergoren wird, sondern mit den wilden Hefen der Luft.

Aus jungem und altem Lambik mischen die Brauer Geuze, die in der Flasche nachgärt und trocken und sauer schmeckt. Mit Kirschen wird daraus Kriek. Der erste Schluck überrascht fast jeden, weil das mit dem gewohnten Bier wenig zu tun hat. Die belgische Bierkultur zählt zum immateriellen Welterbe der UNESCO, und dieses Eck ist ihr eigenwilligster Teil. Mehr dazu steht auf der Seite zum Bier in Belgien.

Diest, Tienen und Zoutleeuw

Im Osten der Provinz liegen drei Kleinstädte, die kaum jemand ansteuert. Diest war Besitz des Hauses Oranien-Nassau, in der Hauptkirche liegt ein Sohn Wilhelms von Oranien begraben, und der Beginenhof gehört zum Welterbe. Tienen lebt seit dem 19. Jahrhundert vom Zucker, hat einen der größten Marktplätze Flanderns und im Herbst einen Geruch nach Rübensirup in der Luft.

Am eigenwilligsten ist Zoutleeuw: Die Sankt-Leonhards-Kirche blieb von Bildersturm und Revolution verschont und hat ihre mittelalterliche Ausstattung fast vollständig behalten, samt einem raumhohen Sakramentsturm aus Stein. Für Kirchenbau ist das ein Glücksfall, wie es ihn in der Region kaum ein zweites Mal gibt.

Tervuren, Sonienwald und Hageland

Direkt östlich von Brüssel liegt Tervuren mit dem Afrikamuseum, das nach jahrelanger Renovierung wiedereröffnet wurde und seine eigene koloniale Vorgeschichte offen zum Thema macht. Vom Zentrum Brüssels fährt eine Tram über eine Prachtallee hierher, die für die Weltausstellung von 1897 angelegt wurde.

Dahinter beginnt der Sonienwald, ein alter Buchenwald, dessen Kernzonen seit 2017 zum Welterbe gehören. Er ist so groß, dass du dich darin verlieren kannst, und im Herbst der beste Ort in Brüssels Umgebung. Weiter östlich liegt das Hageland mit sanften Hügeln aus Eisensandstein und Weinbergen: Der Hageland gehört zu den ersten offiziell anerkannten Weinbaugebieten Belgiens.

Schlösser, Abteien und das Dijletal

Südwestlich von Brüssel steht in Beersel eine Wasserburg aus Backstein mit drei runden Türmen, die aussieht wie aus einem Historienfilm und trotzdem echt ist. Wenige Kilometer weiter liegt das Schloss Gaasbeek mit einem großen Park, in dem sich am Sonntag halb Brüssel erholt. Beide erreichst du mit Bus oder Rad ab der Hauptstadt, und beide sind an einem Nachmittag zu schaffen.

Nördlich von Brüssel steht in Grimbergen eine Abtei der Prämonstratenser, deren Name auf Bierflaschen in ganz Europa klebt. Auch das ist Abteibier und kein Trappistenbier, der Unterschied liegt in der Braustätte und in der Aufsicht der Mönche. Südlich von Löwen zieht sich das Dijletal durch Wälder und Feuchtwiesen, ein ruhiges Wandergebiet mit Beobachtungshütten, das kaum ein Gast auf dem Zettel hat.

Sprache, Randgemeinden und Wege

Die Provinz ist niederländischsprachig, auf Schildern steht nur der niederländische Name. Sechs Gemeinden im Ring um Brüssel haben allerdings Spracherleichterungen, weil dort viele Französischsprachige leben: Sie dürfen Behördenpost auf Französisch bekommen. Politisch ist das ein Dauerthema, praktisch merkst du davon als Gast wenig, außer dass in manchen Vororten beide Sprachen zu hören sind.

Unterwegs bist du am besten mit dem Zug. Löwen, Halle, Diest und Tienen liegen alle am Netz, Tervuren erreichst du mit Tram und Bus ab Brüssel. Mit dem Auto ist die Provinz unkompliziert, eine Umweltzone hat sie nicht. Die gilt in Brüssel, Antwerpen und Gent, und ausländische Kennzeichen müssen sich dafür vorher registrieren. Wie die Provinz zur Hauptstadt passt, zeigt die Seite zur Region Brüssel.

Häufige Fragen

Wann blühen die Hyazinthen im Hallerbos?

Meist im April, für zwei bis drei Wochen, und der genaue Termin hängt am Wetter. Die Gemeinde Halle veröffentlicht in der Saison aktuelle Blühberichte und richtet einen Shuttlebus ein. Komm an einem Werktagvormittag, bleib auf den Wegen und tritt nicht ins Blau, die Pflanzen erholen sich davon nur langsam.

Lohnt sich Löwen als Tagesausflug von Brüssel?

Ja, die Fahrt dauert rund zwanzig Minuten. In Löwen erwarten dich ein gotisches Rathaus mit Hunderten Figuren, die Sankt-Peters-Kirche mit einem Altarbild von Dirk Bouts, der Große Beginenhof auf der Welterbeliste und der Alte Markt als lange Kneipenreihe. Für einen ersten Besuch reicht ein Tag gut aus.

Was ist Lambik und wo trinkt man ihn?

Lambik ist ein Bier aus dem Sennetal westlich von Brüssel, das ohne zugesetzte Hefe vergoren wird. Die wilden Hefen der Luft übernehmen die Arbeit, das Ergebnis schmeckt sauer und trocken. Aus jungem und altem Lambik entsteht Geuze, mit Kirschen Kriek. Getrunken wird er in den Cafés des Pajottenlandes und in vielen Brüsseler Kneipen.

Gehört Brüssel zu Flämisch-Brabant?

Nein. Brüssel ist eine eigene Region mit 19 Gemeinden und zweisprachig. Flämisch-Brabant liegt vollständig darum herum, gehört zu Flandern und ist niederländischsprachig. Beide entstanden 1995 aus der geteilten Provinz Brabant, deren französischsprachiger Süden heute Wallonisch-Brabant heißt.

Was sind die Randgemeinden mit Spracherleichterungen?

Sechs Gemeinden im Ring um Brüssel, in denen viele Französischsprachige wohnen. Sie liegen in Flandern und sind offiziell niederländischsprachig, ihre Einwohner dürfen aber Behördenpost auf Französisch erhalten. Auf Wegweisern und Bahnhofsanzeigen steht trotzdem nur Niederländisch, darauf solltest du dich beim Navigieren einstellen.

Wie viele Tage braucht man für Flämisch-Brabant?

Zwei bis drei Tage reichen, und du musst sie nicht am Stück nehmen. Ein Tag Löwen, ein halber Tag Hallerbos oder Pajottenland, ein halber Tag Tervuren mit Sonienwald, dazu bei Interesse Diest, Tienen und Zoutleeuw. Weil alles nah an Brüssel liegt, funktioniert die Provinz gut als Ergänzung zu einer Städtereise.