Auf einen Blick
- RegionFlämisch-Brabant, Löwen
- Vor OrtUniversiteitsbibliotheek, KU Leuven
- Bauzeit1921 bis 1928
- ArchitektWhitney Warren, New York
- Zerstört1914 und 1940
- Turmrund 300 Stufen, kein Aufzug, mit Glockenspiel
Zweimal verbrannt
Im August 1914 setzten deutsche Truppen große Teile von Löwen in Brand. Die Universitätsbibliothek lag damals in der alten Tuchhalle, und mit ihr verbrannten rund 300.000 Bände, dazu Handschriften und frühe Drucke, die es kein zweites Mal gab. Der Brand von Löwen wurde international zum Symbol für die Zerstörung von Kultur im Krieg.
Im Mai 1940 traf es den Neubau. Wieder brannte die Bibliothek, diesmal gingen fast eine Million Bände verloren. Zwei Zerstörungen in 26 Jahren, beide Male ein fast vollständiger Verlust der Sammlung.
Wiederaufbau mit amerikanischem Geld
Der Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg wurde zu einer internationalen Angelegenheit. Amerikanische Universitäten, Stiftungen und Privatleute sammelten Geld, den Entwurf lieferte der New Yorker Architekt Whitney Warren. Gebaut wurde zwischen 1921 und 1928, bewusst im Stil der flämischen Renaissance: Das neue Haus sollte aussehen, als hätte es immer dort gestanden.
An Fassade und Innenhof erinnern Wappen und Inschriften an die Spender. Wer genau hinsieht, findet die Namen amerikanischer Hochschulen im Stein.
Der Streit um die Inschrift
Warren wollte auf der Balustrade eine lateinische Inschrift anbringen lassen, die die Zerstörung ausdrücklich der deutschen Wut zuschrieb. Die Universität lehnte ab, weil sie den Vorwurf nicht für alle Zeiten in Stein sehen wollte. Der Streit zog sich über Jahre, wurde vor Gericht ausgetragen und endete ohne die Inschrift. Diese Leerstelle gehört heute zur Geschichte des Gebäudes wie die Steine selbst.
Der Turm: Aufstieg und Glockenspiel
Rund dreihundert Stufen führen nach oben, einen Aufzug gibt es nicht. Unterwegs kommst du am Glockenspiel vorbei, das amerikanische Ingenieure gestiftet haben und das später erweitert wurde. Oben stehst du über den Dächern: unter dir der Ladeuzeplein, dahinter die Türme von Rathaus und Sankt-Peters-Kirche, bei klarer Luft der Horizont Richtung Brüssel.
Der Aufstieg ist schmal und teilweise steil, Ausweichstellen gibt es wenige. Rechne mit einer Stunde für Turm und Ausstellung und geh los, bevor du müde bist.
Gut zu wissen: 1968 zerbrach die Universität an der Sprachenfrage. Der französischsprachige Teil verließ Löwen und baute Louvain-la-Neuve auf freiem Feld neu auf, sogar die Bibliothek wurde zwischen beiden Hochschulen aufgeteilt. Wer wissen will, wie tief die Sprachgrenze in Belgien sitzt, findet hier das beste Beispiel.
Der Platz davor
Auf dem Ladeuzeplein steckt eine überlange Nadel im Boden, oben darauf ein glänzender Käfer. Das Werk stammt vom flämischen Künstler Jan Fabre. Ringsum sitzen bei gutem Wetter Studierende im Gras, dazwischen fahren Fahrräder in alle Richtungen. Der Platz ist der beste Ort, um zu begreifen, dass Löwen keine Museumsstadt ist.
Tickets: Für den Turm brauchst du ein Ticket, und die Zahl der Leute oben ist begrenzt. Buche vorab, besonders am Wochenende und in den Ferien. Die Lesesäle sind Arbeitsplätze der Universität und für Besucher nicht zugänglich, in der Prüfungszeit erst recht nicht.
Was in der Nähe liegt
Vom Ladeuzeplein sind es fünf Minuten zum Rathaus und zehn zum Großen Beginenhof. Alles auf einen Blick steht unter Sehenswürdigkeiten in Löwen.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istOben ist nur Platz für wenige Leute, deshalb wird am Eingang dosiert. Wenn dein Zeitfenster weg ist, komm am nächsten Morgen wieder oder nimm stattdessen den Blick von der Dachterrasse des Stadtmuseums. Am Wochenende und in den Ferien lohnt sich die Vorabbuchung.
- Wenn es regnetDer Aufstieg selbst ist überdacht, oben pfeift es dagegen durch die offenen Bögen und die Sicht endet schnell am Stadtrand. Bei Sturm bleibt der Turm zu. Die Ausstellung im Gebäude funktioniert bei jedem Wetter.
- Mit KindernAb etwa acht Jahren gut: Treppe als Abenteuer, Glocken zum Anschauen, oben der Blick auf die eigene Route durch die Stadt. Kinderwagen lässt du unten. Kleine Kinder auf der engen Treppe zu tragen ist mühsam.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Turm ist nicht barrierefrei, rund dreihundert Stufen ohne Aufzug, teils steil und schmal. Der Ladeuzeplein davor ist eben und gut zugänglich, und für die Fassade und den Platz brauchst du keinen einzigen Schritt nach oben.
Häufige Fragen
Kann man den Turm der Universitätsbibliothek besteigen?
Ja, der Turm ist für Besucher geöffnet und du brauchst dafür ein Ticket. Rund dreihundert Stufen führen nach oben, einen Aufzug gibt es nicht. Unterwegs kommst du am Glockenspiel vorbei, oben schaust du über die Dächer der Stadt. Weil nur wenige Leute gleichzeitig hinaufdürfen, lohnt sich die Buchung vorab.
Warum wurde die Bibliothek in Löwen zweimal zerstört?
Im August 1914 brannten deutsche Truppen große Teile der Stadt nieder, darunter die alte Bibliothek in der Tuchhalle mit rund 300.000 Bänden. Der Neubau wurde im Mai 1940 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erneut ein Raub der Flammen, damals gingen fast eine Million Bände verloren. Beide Male begann der Aufbau der Sammlung praktisch bei null.
Wie viele Stufen hat der Turm der Bibliothek?
Es sind rund dreihundert Stufen bis nach oben, verteilt auf mehrere Treppenläufe, teils eng und steil. Einen Aufzug gibt es nicht. Mit normaler Kondition brauchst du zehn bis fünfzehn Minuten hinauf, mit Pausen am Glockenspiel entsprechend länger. Wer unsicher auf den Beinen ist, sollte darauf verzichten.
Kann man die Lesesäle der Bibliothek besichtigen?
Nein, die Lesesäle sind Arbeitsplätze für Studierende und Forschende, kein Besuchsziel. In der Prüfungszeit im Januar und Juni ist dort ohnehin jeder Platz belegt. Für Besucher sind der Turm und die Ausstellung zur Geschichte des Hauses gedacht. Die Fassade und der Innenhof lassen sich frei anschauen.
Was hat es mit der Nadel und dem Käfer auf dem Platz auf sich?
Auf dem Ladeuzeplein vor der Bibliothek steckt eine sehr lange Nadel im Boden, obenauf sitzt ein glänzender Käfer. Das Werk stammt vom flämischen Künstler Jan Fabre, der für Arbeiten mit Insekten bekannt ist. Es spielt auf Wissen, Sammeln und Vergänglichkeit an und ist längst ein Treffpunkt der Studierenden.






