Auf einen Blick
- RegionFlämisch-Brabant, Flandern
- Vor OrtLeuven, niederländischsprachig
- Universitätgegründet 1425
- UNESCOGroßer Beginenhof, dazu der Turm der Sankt-Peters-Kirche
- Zentrumkomplett zu Fuß, rund 20 Minuten quer hindurch
- Dauer1 voller Tag, mit Brauerei und Abtei 2 Tage
Lohnt sich Löwen?
Ja, aber aus einem anderen Grund als Brügge oder Gent. Löwen ist keine konservierte Kulisse, sondern eine Arbeitsstadt mit einer sehr alten Universität mittendrin. Zwischen den gotischen Fassaden am Grote Markt stehen Fahrradständer, an der Ecke wartet eine Frituur, und am Abend füllt sich der Oude Markt mit Leuten, die hier studieren und nicht anreisen.
Wer Grachten und Postkartenmotive sucht, ist woanders besser aufgehoben. Wer eine Stadt sehen will, in der Weltklassegotik und Alltag im selben Straßenzug stehen, bekommt hier mehr, als die Größe vermuten lässt. Ein Tag reicht für alles auf dieser Liste. Der Abend ist der beste Teil, deshalb lohnt eine Übernachtung mehr, als die Nähe zu Brüssel nahelegt: siehe Hotels in Löwen.
Wie die Stadt gebaut ist
Das Zentrum ist ein Oval, das du in gut zwanzig Minuten durchquerst. In der Mitte liegt der Grote Markt, wo sich Rathaus und Sankt-Peters-Kirche direkt gegenüberstehen. Zweihundert Meter weiter beginnt der Oude Markt, dazwischen steht Fonske, die Brunnenfigur eines Studenten, der sich Wissen in den Kopf gießt.
Nach Süden führt die Naamsestraat an den alten Kollegien vorbei zum Großen Beginenhof, nach Osten die Tiensestraat als Einkaufsstraße, nach Norden kommst du über den Ladeuzeplein zur Universitätsbibliothek. Die Dijle fließt in mehreren Armen durch die Stadt, teils unter der Straße, teils offen zwischen den Häusern. Autos spielen im Zentrum kaum eine Rolle, Fahrräder umso mehr: wie das funktioniert, steht unter Verkehr in Löwen.
Gut zu wissen: Auf Deutsch heißt die Stadt Löwen, vor Ort und auf jedem Schild steht Leuven. Flandern beschildert ausschließlich auf Niederländisch, deutsche oder französische Namen tauchen dort nicht auf. Auf der Anzeigetafel im Bahnhof suchst du also Leuven.
Die Top 12 Sehenswürdigkeiten in Löwen
Die Reihenfolge ist eine Rangliste, keine Route. Die Plätze 1 bis 10 liegen im Zentrum und höchstens eine Viertelstunde auseinander, für die Nummern 11 und 12 nimmst du das Rad oder einen halbstündigen Fußweg.
1 Rathaus am Grote Markt
Ein Gebäude wie eine Schatulle: drei Geschosse voller Nischen und Baldachine, sechs schlanke Türmchen, darüber ein steiles Dach mit Gauben. Gebaut zwischen 1448 und 1469 in Brabanter Hochgotik, und für viele Reisende der eigentliche Grund, nach Löwen zu fahren.
Die mehr als zweihundert Figuren an der Fassade sind viel jünger als der Bau. Warum die Nischen jahrhundertelang leer standen und wie du hineinkommst, steht beim Rathaus von Löwen.
2 Sankt-Peters-Kirche mit dem Abendmahl von Dirk Bouts
Direkt gegenüber, und der Kontrast ist kaum zu übersehen: hier die überladene Rathausfassade, dort ein Westbau, der nie fertig wurde. Die geplanten Türme wären gewaltig geworden, der sandige Untergrund trug sie nicht.
Drinnen hängt das „Letzte Abendmahl“ von Dirk Bouts, eines der Schlüsselwerke der frühen niederländischen Malerei. Mehr dazu unter Sankt-Peters-Kirche und Dirk Bouts.
3 Großer Beginenhof
Ein ganzes Viertel aus Backsteinhäusern, eigenen Gassen und niedrigen Brücken über die Dijle, seit 1998 UNESCO-Welterbe. Keine Autos, keine Läden, nur Wohnhäuser und Gärten hinter Mauern.
Heute wohnen dort Studierende und Gäste der Universität. Du darfst frei hindurchgehen, solltest aber wissen, wie man sich benimmt: siehe Großer Beginenhof.
4 Oude Markt
Ein rechteckiger Platz, an dem Kneipe an Kneipe steht, ohne einen einzigen Laden dazwischen. Tagsüber sitzt man hier bei Kaffee in der Sonne, im Semester ist es ab dem späten Abend der lauteste Platz Flanderns.
Wann er leer ist, wann er überläuft und wie die Terrassen funktionieren, steht unter Oude Markt.
5 Universitätsbibliothek mit Turm
Der Bau am Ladeuzeplein sieht viel älter aus, als er ist. Er entstand in den 1920er Jahren, nachdem die alte Bibliothek 1914 verbrannt war, und wurde 1940 gleich noch einmal zerstört.
Den Turm kannst du besteigen, oben hängt ein Glockenspiel. Die ganze Geschichte steht unter Universitätsbibliothek und Turm.
6 M Leuven
Das Stadtmuseum zeigt mittelalterliche Kunst und Skulptur aus Löwen und daneben Wechselausstellungen, die deutlich zeitgenössischer sind, als das Wort Stadtmuseum vermuten lässt. Der Bau verbindet alte Stadthäuser mit einem modernen Anbau.
Nimm die Dachterrasse mit. Von dort siehst du die Türme der Stadt in einer Reihe, und zwar ohne Aufpreis.
7 Universitätshalle und die Kollegien
Die alte Tuchhalle von 1317 wurde 1432 zur Universität, das obere Stockwerk kam im 18. Jahrhundert dazu. Rundherum, vor allem in der Naamsestraat, liegen die alten Kollegien hinter Toren, viele mit Innenhof, in den du einen Blick werfen darfst.
1968 zerbrach die Universität an der Sprachenfrage. Der französischsprachige Teil zog weg und baute Louvain-la-Neuve auf freiem Feld neu auf, seither ist Löwen niederländischsprachig.
8 Brauerei Stella Artois
Die große Brauerei am Rand des Zentrums ist der Grund, warum der Name dieser Stadt weltweit auf Bierflaschen steht. Führungen gibt es, und sie erklären mehr über industrielles Brauen, als man erwartet.
Wie das mit der belgischen Braugeschichte zusammenhängt, steht unter Brauerei Stella Artois und in der Übersicht zu Bier in Belgien.
9 Kruidtuin
Der botanische Garten wurde 1738 für die Medizinstudenten angelegt und ist der älteste Belgiens. Heute ist er ein Stadtpark mit Gewächshäusern, Teich und alten Bäumen, frei zugänglich und mitten im Wohnviertel.
Der beste Ort für eine Pause zwischen zwei Kirchen, vor allem mit Kindern.
10 Klein Begijnhof und die Dijle
Der zweite, kleinere Beginenhof liegt am Wasser, ist bewohnt und steht nicht auf der Welterbeliste, was ihn deutlich ruhiger macht. Von dort führen Uferwege an der Dijle entlang, die die meisten Tagesgäste nie sehen.
Zusammen mit dem Vismarkt und den Wasserstücken hinter der Sankt-Peters-Kirche ergibt das einen kurzen Spaziergang ganz ohne Trubel.
11 Abdij van Park in Heverlee
Eine Prämonstratenserabtei von 1129 mit Fischteichen, Mühle und barocken Stuckdecken, gut zwei Kilometer südlich des Zentrums. Ein Teil der Gebäude beherbergt ein Museum für religiöse Kunst, der Rest lässt sich einfach umrunden.
Mit dem Rad bist du in zehn Minuten dort, zu Fuß in gut einer halben Stunde. Für einen zweiten Tag in Löwen ist das der beste Ausflug.
12 Vaartkom
Das alte Hafenbecken am Kanal war jahrzehntelang Industriegebiet. Heute stehen dort umgebaute Silos, neue Wohnblöcke und ein Kulturhaus im alten Brauereigebäude, direkt neben der heutigen Brauereianlage.
Kein Pflichtprogramm, aber der ehrlichste Blick darauf, wie sich diese Stadt gerade verändert.
Tipp: Geh nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal zum Grote Markt. Rathaus und Kirche werden angestrahlt, die Tagesgäste sind weg, und der Platz ist fast leer. Zwei Minuten weiter beginnt am Oude Markt der Lärm.
Löwen an einem Tag
Start am Bahnhof, dann in einer Viertelstunde die Bondgenotenlaan hinunter zum Grote Markt: Rathaus von außen, danach die Sankt-Peters-Kirche mit dem Bouts-Triptychon. Weiter zum Ladeuzeplein und auf den Turm der Bibliothek, anschließend durch die Naamsestraat nach Süden zum Großen Beginenhof.
Mittags isst du in der Muntstraat oder an einem der kleinen Plätze, Vorschläge stehen unter Essen und Trinken in Löwen. Am Nachmittag M Leuven oder die Brauereiführung, gegen sechs eine Terrasse am Oude Markt, und wenn du noch Kraft hast, den Rückweg an der Dijle entlang zum Bahnhof.
Studentenstadt: wann es voll ist und wann leer
Der Rhythmus der Stadt hängt am akademischen Kalender, nicht an der Reisesaison. Von Oktober bis Mitte Dezember und wieder ab Mitte Februar ist Löwen voll, laut und am interessantesten, donnerstags am meisten. In den Prüfungsphasen im Januar und im Juni kippt das komplett: Die Terrassen bleiben leer, die Bibliotheken sind rappelvoll, und in den Gassen ist es still.
Im Juli und August ist die Stadt ruhig und angenehm, aber ein Teil dessen, was Löwen ausmacht, fehlt dann. Wer die Stadt lebendig erleben will, kommt im Semester und bleibt über den Abend.
Beste Reisezeit und Wetter
Löwen liegt im Binnenland, das Wetter ist etwas wärmer als an der Küste und so wechselhaft wie überall in Belgien. Im Juli und August liegen die Höchstwerte im Mittel bei gut 23 Grad, im Januar bei rund 6 Grad. Der Niederschlag verteilt sich ziemlich gleichmäßig über das Jahr, der April ist mit Abstand der trockenste Monat.
Mai, Juni und September sind die besten Monate: mildes Wetter, offene Terrassen, Semesterbetrieb. Eine Regenjacke gehört trotzdem immer ins Gepäck, an elf bis dreizehn Tagen pro Monat fällt Niederschlag.
Achtung: Wer mit dem Auto kommt, stellt ihn am besten an einem Parkplatz am Rand ab und geht zu Fuß weiter. Das Zentrum ist in Schleifen aufgeteilt, quer durchfahren funktioniert nicht. Löwen selbst hat keine Umweltzone, Brüssel, Antwerpen und Gent aber sehr wohl. Ausländische Kennzeichen müssen sich dort vorher online registrieren, sonst kommt das Bußgeld per Post.
Tickets: Für die Rathausführung, den Bibliotheksturm und die Brauerei buchst du getrennt und am besten vorab, weil die Gruppen klein sind. Kirche und Museum kannst du in der Regel spontan besuchen, Grote Markt, Oude Markt und Beginenhof sind frei zugänglich.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istLöwen wird selten so voll, dass du irgendwo nicht hineinkommst. Eng wird es nur bei den Führungen im Rathaus und im Bibliotheksturm, weil die Gruppen klein sind. Buche die beiden vorab, dann bleibt der Rest des Tages spontan.
- Wenn es regnetSankt-Peters-Kirche, M Leuven und die Brauereiführung tragen einen Regentag komplett. Die Wege dazwischen sind kurz, und in den Kneipen am Oude Markt sitzt man auch mittags trocken.
- Mit KindernDas Zentrum ist autofrei und übersichtlich, das hilft. Für Kinder funktionieren der Kruidtuin, der Turmaufstieg und die Bibelszenen an den Konsolen des Rathauses. Museen und Kirchen besser kurz halten.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Altstadt ist flach, das erleichtert vieles. Das Kopfsteinpflaster am Grote Markt und im Beginenhof ist grob und teils uneben. Der Bibliotheksturm hat rund dreihundert Stufen ohne Aufzug, das Rathausinnere Treppen und alte Schwellen.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Löwen?
Ein voller Tag reicht für das komplette Zentrum: Rathaus, Sankt-Peters-Kirche, Beginenhof, Bibliotheksturm und Oude Markt liegen alle im Fußradius. Zwei Tage lohnen sich, wenn du die Brauereiführung, das Stadtmuseum und die Abtei Park in Heverlee dazunimmst. Weil der Abend der beste Teil ist, ist eine Übernachtung sinnvoller, als die kurze Anreise vermuten lässt.
Lohnt sich Löwen als Tagesausflug von Brüssel?
Ja, das ist sogar die häufigste Art, die Stadt zu sehen. Der Zug braucht rund eine halbe Stunde und fährt oft, vom Flughafen Zaventem sind es etwa fünfzehn Minuten. Vom Bahnhof gehst du eine Viertelstunde ins Zentrum. Wer erst am Nachmittag kommt und über den Abend bleibt, erwischt die bessere Hälfte des Tages.
Was kann man in Löwen kostenlos sehen?
Eine Menge. Der Große Beginenhof ist frei zugänglich, ebenso der Grote Markt mit der Rathausfassade, der Oude Markt, der botanische Garten Kruidtuin, die Höfe der alten Kollegien und die Uferwege an der Dijle. Eintritt zahlst du für die Sankt-Peters-Kirche mit dem Bouts-Triptychon, das Stadtmuseum, den Bibliotheksturm und die Führungen.
Wann ist Löwen am ruhigsten?
In den Prüfungsphasen im Januar und im Juni, dann verschwinden die Studierenden in die Lesesäle und die Kneipen bleiben leer. Auch Juli und August sind ruhig, weil das Semester vorbei ist. Am lebendigsten ist die Stadt von Oktober bis Mitte Dezember und von Mitte Februar bis Mai, besonders an Donnerstagabenden.
Heißt die Stadt jetzt Löwen oder Leuven?
Beides ist richtig, es kommt auf die Sprache an. Löwen ist der deutsche Name, Leuven der niederländische und damit der offizielle vor Ort. Die Stadt liegt in Flandern, und dort wird ausschließlich auf Niederländisch beschildert. Auf Fahrplänen, Straßenschildern und Wegweisern findest du deshalb nur Leuven.




