Auf einen Blick
- RegionProvinz Lüttich, Lüttich
- Erbautab 1526 unter Fürstbischof Érard de la Marck
- Erster Hofrund 60 Säulen, jedes Kapitell anders
- Fassadeneugotisch, Mitte des 19. Jahrhunderts
- HeuteJustizpalast und Sitz der Provinz Lüttich
- Besucherster Innenhof frei zugänglich, 20 bis 30 Minuten
Der Staat, der hier regiert wurde
985 erhielt Bischof Notger die weltliche Herrschaft über die Grafschaft Huy und legte damit den Grundstein für das Fürstbistum Lüttich: ein eigener Staat im Heiligen Römischen Reich, regiert von einem Mann, der Bischof und Fürst zugleich war. Das blieb 800 Jahre so, bis 1795 die Franzosen kamen.
Deshalb gehörte Lüttich nie zu den burgundischen Niederlanden wie Brügge, Gent und Antwerpen. Die Stadt hatte eigene Gesetze, eine eigene Münze und ein Bürgertum, das mit seinen Fürsten regelmäßig aneinandergeriet. Der Palast war Regierungssitz, Gerichtsort und Wohnhaus zugleich.
Der Brand von 1505 und der Neubau
Der Vorgängerbau brannte 1505 ab. Fürstbischof Érard de la Marck ließ ab 1526 neu bauen, größer und teurer: ein Bau zwischen Spätgotik und Renaissance, außen streng, innen überraschend verspielt. Wer nur an der Fassade vorbeigeht, verpasst den besten Teil.
Die Schauseite zum Platz sieht mittelalterlich aus, stammt aber aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Palast neugotisch ergänzt wurde. Der Unterschied zum alten Kern ist mit bloßem Auge zu erkennen.
Die sechzig Säulen
Der erste Innenhof ist das eigentliche Ziel. Ringsum laufen Arkaden auf kurzen, dicken Säulen, und jedes Kapitell ist anders geschnitzt: Gesichter mit aufgerissenen Mündern, Narrenköpfe, Tiere, Pflanzen, Wappen, dazwischen Figuren, die niemand mehr sicher deutet. Über die Bedeutung streiten Fachleute bis heute, die einen sehen Anspielungen auf die Neue Welt, die anderen schlicht Handwerkerlaune.
Nimm dir zehn Minuten und geh einmal ganz herum, mit dem Blick nach oben. Es ist der einzige Ort in Lüttich, an dem du dem Reichtum der Fürstbischöfe so nah kommst. Der zweite, kleinere Hof dahinter ist ruhiger und gehört zum Provinzialpalast, zugänglich ist er nicht immer. Wenn das Tor offen steht, wirf einen Blick hinein.
Gut zu wissen: Der Palast heißt vor Ort ausschließlich „Palais des Princes-Évêques“, in der Wallonie wird nur Französisch ausgeschildert. Auf Wegweisern findest du ihn oft auch als „Palais de Justice“, denn das ist seine heutige Funktion. Beides meint dasselbe Gebäude am Place Saint-Lambert.
Ein Gerichtsgebäude, kein Museum
Heute sitzen hier Justiz und Provinzverwaltung. Das heißt: keine Kasse, kein Audioguide, kein Museumsshop. Du gehst durch das Tor und stehst im Hof, während Anwälte in Robe über das Pflaster eilen und Leute mit Aktenordnern auf ihren Termin warten. Genau diese Mischung macht den Besuch besser als jede Führung.
Ein paar Regeln gehören dazu: Fotografiere die Architektur, nicht die Menschen, und halte dich an die Absperrungen. Die Innenräume sind nur bei Führungen zu sehen.
Tickets: Der erste Innenhof kostet nichts. Ein Ticket brauchst du nur für das Archéoforum unter dem Platz davor. Führungen durch die Innenräume werden über das Tourismusbüro am Place Saint-Lambert vergeben, frag dort nach, wenn du mehr sehen willst als den Hof.
Tipp: Komm an einem Werktagvormittag. Dann steht das Tor sicher offen und du siehst das Gebäude in Betrieb. Am Wochenende kann geschlossen sein, dann bleibt nur der Blick von außen, und der zeigt ausgerechnet den jüngsten Teil des Baus.
Der Platz davor und was dort fehlt
Vor dem Palast liegt der Place Saint-Lambert, ein weiter, seltsam leerer Platz. Bis 1794 stand hier die Kathedrale Saint-Lambert, eine der größten gotischen Kirchen der Region. Nach der Lütticher Revolution wurde sie abgetragen, Stein für Stein, und der Platz blieb als Wunde zurück. Der Grundriss ist heute im Pflaster markiert.
Unter dem Platz kannst du im Archéoforum die Fundamente und römische Reste besichtigen, ein Museum unter der Erde mitten in der Stadt. Die Bischofskirche zog danach in die Kathedrale Saint-Paul um, wo heute auch der Kirchenschatz liegt.
Was du damit verbindest
Der Palast ist der logische Startpunkt für einen Rundgang. Von hier sind es fünf Minuten zur Kathedrale, zehn zum Place du Marché mit dem Perron und eine Viertelstunde zum Fuß der Montagne de Bueren, sonntags hängst du den Markt La Batte an. Wie das zusammenpasst, zeigt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Lüttich, die Nachbarstädte von Spa bis Huy stehen unter Provinz Lüttich.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istAndrang ist hier kein Thema, der Hof ist groß und meist ruhig. Wenn eine Verhandlung Publikum zieht, warte kurz oder geh die Runde unter den Arkaden entgegen dem Uhrzeigersinn, dann kommst du dem Betrieb nicht in die Quere.
- Wenn es regnetDie Arkaden ringsum sind überdacht, du kannst den ganzen Hof trockenen Fußes abgehen. Bei schlechtem Wetter ist das eine der besten kurzen Stationen im Zentrum, weil sie nichts kostet und direkt neben dem Archéoforum liegt.
- Mit KindernKinder finden die geschnitzten Fratzen an den Kapitellen erstaunlich gut. Mach ein Suchspiel daraus: Wer entdeckt das lustigste Gesicht, wer findet ein Tier? Länger als eine Viertelstunde trägt das nicht, reicht aber genau.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Zugang vom Place Saint-Lambert ist eben, der Hof ist gepflastert, aber gut befahrbar. Stufen gibt es nur zu den Innenräumen, und die sind ohnehin nicht öffentlich. Damit gehört der Palast zu den zugänglichsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Häufige Fragen
Kann man den Palast der Fürstbischöfe besichtigen?
Den ersten Innenhof mit den geschnitzten Säulen kannst du zu den Öffnungszeiten des Gerichts frei betreten, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Innenräume sind nur bei Führungen zugänglich, die zu festen Terminen über das Tourismusbüro laufen. Für den Hof reichen 20 bis 30 Minuten, am sichersten kommst du an einem Werktagvormittag hinein.
Warum sind alle Säulen verschieden?
Weil jedes Kapitell einzeln geschnitzt wurde, als der Palast ab 1526 unter Érard de la Marck entstand. Zu sehen sind Fratzen, Narrenköpfe, Tiere, Pflanzen und Fabelwesen. Was die Bilder bedeuten, ist bis heute umstritten: Manche sehen darin Anspielungen auf die damals neu entdeckte Welt, andere schlicht die Fantasie der Steinmetze.
Was war das Fürstbistum Lüttich?
Ein eigener Staat im Heiligen Römischen Reich, entstanden 985 und aufgelöst 1795. An der Spitze stand ein Fürstbischof, also Kirchenmann und Landesherr in einer Person. Deshalb gehörte Lüttich nie zu den burgundischen und habsburgischen Niederlanden wie Brügge oder Gent, und deshalb wirkt die Stadt bis heute anders als Flandern.
Was liegt in der Nähe des Palasts?
Alles Wichtige. Der Place Saint-Lambert liegt direkt davor, darunter das Archéoforum mit den Fundamenten der abgerissenen Kathedrale. Fünf Minuten weiter steht die Kathedrale Saint-Paul mit der Schatzkammer, zehn Minuten entfernt der Place du Marché mit dem Perron, und am Ende der Rue Hors-Château beginnt die Treppe Montagne de Bueren.
Ist der Besuch mit Kindern sinnvoll?
Kurz ja. Die geschnitzten Gesichter an den Kapitellen funktionieren gut als Suchspiel: Wer findet das gruseligste Gesicht, wer entdeckt ein Tier? Nach einer Viertelstunde ist die Luft raus, dann geht es weiter. Der Hof ist eben und auch mit Kinderwagen problemlos zu befahren.






