Auf einen Blick
- RegionProvinz Lüttich, Lüttich
- ArchitektSantiago Calatrava
- Eröffnet2009, dritter Bahnhof an dieser Stelle
- MaterialStahl, Glas und weißer Beton
- BesonderheitBahnhof ohne Fassade, Gewölbe über allen Gleisen
- Besuchfrei zugänglich, 20 bis 30 Minuten
Ein Bahnhof ohne Fassade
Der Bau folgt einer einfachen Idee: kein Gebäude vor den Gleisen, sondern nur ein Dach darüber. Das Gewölbe aus weißen Stahlrippen zieht sich über alle Bahnsteige und läuft an beiden Enden ins Freie aus. Wo sonst eine Empfangshalle steht, ist hier Luft, und das Licht fällt durch die verglasten Zwischenräume auf Beton und Bahnsteigkanten.
Der Effekt ändert sich mit dem Wetter. Bei Sonne legen die Rippen ein Raster aus Schattenstreifen auf den Boden, das im Lauf des Tages weiterwandert. Bei Regen läuft das Wasser über die Glasflächen, und der Bau wirkt grau in grau, aber nicht weniger eindrucksvoll. Kein Foto sieht aus wie das vom Vortag.
Wo du hinschauen solltest
Drei Punkte lohnen sich. Erstens die Ebene über den Gleisen: Von dort siehst du das Gewölbe in ganzer Länge und verstehst, wie weit es spannt. Zweitens ein Bahnsteig ganz außen, wo die Rippen bis auf den Boden reichen. Drittens die weite Esplanade davor, von der aus der Bau wie eine Welle über den Gleisen liegt.
Hinter der Esplanade steigt der Hügel von Cointe an, auf dem der Turm des interalliierten Denkmals steht. Nimm dir zehn Minuten für die Runde außen herum, sonst siehst du nur die Innenseite.
Tipp: Wenn du mit Gepäck ankommst, fahr erst ins Hotel und komm später ohne Koffer zurück, der Bahnhof ist auch spätabends geöffnet und beleuchtet. Im Bau finden außerdem immer wieder große Wanderausstellungen statt, ein Blick auf die Ankündigungen lohnt sich.
Der dritte Bahnhof an derselben Stelle
Guillemins ist ein alter Standort: Schon Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren hier Züge. Der Vorgängerbau aus den 1950er Jahren wurde für den Neubau abgerissen, Anlass war die Hochgeschwindigkeitsstrecke in Richtung Aachen, die Lüttich direkt ans deutsche Netz anschließt.
Deshalb ist dieser Bahnhof für deutsche Gäste die bequemste Tür nach Belgien. Der ICE aus Frankfurt und Köln hält hier, aus Aachen bist du in rund einer halben Stunde da, aus Köln in gut einer Stunde. Nach Brüssel geht es von hier in etwa einer Stunde weiter. Wie du das mit dem Rest des Landes verbindest, steht unter Belgien mit dem Zug.
Tickets: Für den Bahnhof selbst brauchst du keins, das Gewölbe ist frei zugänglich. Fahrkarten innerhalb Belgiens kaufst du bei der belgischen Bahn SNCB, am Automaten, am Schalter oder in der App. Für die Fahrt aus Deutschland gilt dein Fahrschein der Deutschen Bahn bis Lüttich. Wenn du am Wochenende unterwegs bist, lohnt der Blick auf die Rückfahrangebote der SNCB.
Vom Bahnhof ins Zentrum
Guillemins liegt rund zwei Kilometer südwestlich der Altstadt, zu Fuß etwa 25 Minuten geradeaus über den Boulevard d’Avroy. Der Weg ist unkompliziert, aber nicht schön. Mit Gepäck oder bei Regen nimmst du besser einen Bus, die Haltestellen liegen direkt vor der Esplanade.
Deutlich schöner ist der Umweg am Wasser. Von der Esplanade läufst du in wenigen Minuten zur Maas, gehst über die geschwungene Fußgängerbrücke in den Park und stehst vor dem Kunstmuseum La Boverie. Von dort führt der Kai nach Norden bis ins Zentrum, und du hast die Stadt von ihrer besten Seite gesehen. Alle Linien, Fahrscheine und Parkhäuser stehen unter Verkehr in Lüttich.
Achtung: Nach Einbruch der Dunkelheit ist die Strecke zwischen Bahnhof und Zentrum wenig belebt, nimm dann lieber den Bus. Wer am Bahnhof übernachtet, fährt zum Ausgehen immer ins Zentrum. Welche Viertel sich lohnen, steht unter Hotels in Lüttich.
Lohnt der Umweg?
Wer mit dem Zug kommt, ist ohnehin da. Wer mit dem Auto anreist und im Zentrum wohnt, entscheidet sich bewusst für eine halbe Stunde moderne Architektur, und der Reiz liegt im Kontrast: Zwei Kilometer weiter stehen ein Palast aus dem 16. Jahrhundert und eine gotische Kathedrale, hier ein Bau aus dem 21. Jahrhundert, der mit beiden nur die Lust gemein hat, Eindruck zu machen. Wo alles andere liegt, zeigt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Lüttich.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll ist es hier nur zur Pendlerzeit am frühen Morgen und am späten Nachmittag, und selbst dann verteilt sich alles unter dem riesigen Dach. Wenn auf den Bahnsteigen viel los ist, geh auf die Ebene über den Gleisen, von dort hast du den Überblick und den besseren Bildwinkel.
- Wenn es regnetDer ideale Regentag. Das Gewölbe hält dich trocken, und das Wasser auf den Glasflächen macht den Bau interessanter als bei Sonne. Nur die Esplanade davor ist ungeschützt, dort bleibt es kurz ungemütlich.
- Mit KindernKinder finden Züge meist spannender als Architektur, und genau das funktioniert hier: Von der oberen Ebene schaust du direkt auf die einfahrenden Züge. Kinderwagen sind kein Problem, es gibt Aufzüge und Rolltreppen zu allen Bahnsteigen.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Bahnhof ist durchgehend barrierefrei, mit Aufzügen zu allen Bahnsteigen und stufenlosen Wegen von der Esplanade. Der Weg ins Zentrum ist dagegen lang und teils steil ansteigend, dafür nimmst du besser den Bus.
Häufige Fragen
Kann man den Bahnhof Liège-Guillemins ohne Fahrkarte besichtigen?
Ja. Der Bahnhof ist offen zugänglich, Sperren gibt es nicht, und auch die Bahnsteige darfst du betreten. Du brauchst weder Ticket noch Anmeldung. Am ruhigsten ist es außerhalb der Pendlerzeiten, also am Vormittag und am frühen Nachmittag. Für Fotos ist die obere Ebene über den Gleisen der beste Standort.
Wer hat den Bahnhof gebaut?
Der spanische Architekt und Ingenieur Santiago Calatrava. Eröffnet wurde der Bau 2009, es ist der dritte Bahnhof an dieser Stelle. Kennzeichen sind das Gewölbe aus Stahl, Glas und weißem Beton, das über allen Gleisen liegt, und der Verzicht auf eine Fassade: Der Bahnhof hat keine Vorderseite, sondern läuft an beiden Enden ins Freie aus.
Wie kommt man vom Bahnhof ins Zentrum von Lüttich?
Zu Fuß sind es rund 25 Minuten geradeaus über den Boulevard d'Avroy, mit dem Bus geht es schneller, die Haltestellen liegen direkt vor der Esplanade. Wer Zeit hat, nimmt den Umweg über die Maas: Fußgängerbrücke, Park mit dem Museum La Boverie, dann am Kai nach Norden. Nach Einbruch der Dunkelheit ist der Bus die bessere Wahl.
Hält der ICE aus Deutschland in Lüttich?
Ja, der ICE zwischen Frankfurt, Köln und Brüssel hält in Liège-Guillemins. Aus Aachen bist du in rund einer halben Stunde da, aus Köln in gut einer Stunde. Damit ist Lüttich die am schnellsten erreichbare belgische Stadt aus dem Rheinland und für einen Tagesausflug gut geeignet.
Lohnt sich der Bahnhof als eigene Sehenswürdigkeit?
Wenn dich Architektur interessiert, ja. Rechne mit 20 bis 30 Minuten für die obere Ebene, einen Bahnsteig und die Runde außen herum. Wer damit wenig anfangen kann, schaut sich das Gewölbe einfach bei der Anreise an und spart sich den Weg quer durch die Stadt.




