Ostflandern · Gent

STAM: Stadtmuseum Gent

Das STAM ist das Stadtmuseum von Gent und sitzt in der Bijloke, einer ehemaligen Zisterzienserabtei mit einem Krankensaal aus dem 14. Jahrhundert. Erzählt wird eine einzige Geschichte: wie aus einer Burg am Zusammenfluss zweier Flüsse eine der reichsten Städte Europas wurde und was davon heute noch steht.

Berühmt ist das Haus für ein riesiges Luftbild der Stadt, über das du in Filzpantoffeln läufst. Es ist die beste erste Station der Reise, denn danach verstehst du draußen, warum Gent so verwinkelt gebaut ist.

STAM: Stadtmuseum Gent
Foto: Paul Hermans, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionOstflandern, Gent
  • Lokaler NameSTAM, Stadsmuseum Gent
  • OrtBijloke, ehemalige Zisterzienserabtei
  • Ältester BauteilKrankensaal aus dem 14. Jahrhundert
  • Lagesüdwestlich der Altstadt, gut 20 Gehminuten
  • Besuchsdauer90 Minuten bis 2 Stunden

Warum du hier anfangen solltest

Gent ist gewachsen wie ein Baumstamm: erst die Burg, dann der Hafen, dann die Zünfte, dann die Industrie, dann die Universität. Wer das einmal in der richtigen Reihenfolge gesehen hat, versteht draußen jede Gasse besser. Genau dafür ist das STAM gemacht.

Der Rundgang ist chronologisch aufgebaut und arbeitet mit Karten, Modellen, Gemälden und Bildschirmen statt mit Vitrinen voller Scherben. Das Haus verlangt kein Vorwissen und keine Kunstgeschichte. Nach 90 Minuten weißt du, warum die Stadt drei Türme in einer Reihe hat, warum das Zentrum so verwinkelt ist und wo die Industrie herkam.

Das begehbare Luftbild

Der bekannteste Raum ist ein Saal, dessen Boden komplett aus einem Luftbild der Stadt besteht. Du ziehst Filzpantoffeln über und läufst darüber, suchst dein Hotel, den Bahnhof, die Burg, die Autobahn im Süden. Kinder legen sich hin, Erwachsene stehen mit dem Handy in der Hand daneben und suchen die eigene Straße.

Neben dem Luftbild hängt eine Stadtansicht von 1534, gemalt aus der Vogelperspektive, lange bevor jemand fliegen konnte. Die beiden nebeneinander sind der stärkste Moment des Museums: Der Kern ist auf beiden derselbe, drumherum ist alles anders.

Tipp: Geh am ersten Vormittag hierher, nicht am letzten. Danach läufst du durch die Altstadt und erkennst plötzlich, was du im Museum gesehen hast. Umgekehrt bringt es deutlich weniger.

Ein Kloster als Museum

Das STAM sitzt in der Bijloke, einer ehemaligen Zisterzienserabtei südwestlich der Altstadt. Der älteste Teil ist ein Krankensaal aus dem 14. Jahrhundert mit einem hölzernen Tonnengewölbe, das aussieht wie ein umgedrehter Schiffsrumpf, und mit mittelalterlichen Wandmalereien. Nonnen pflegten hier Kranke, später wurde daraus ein Stadtkrankenhaus.

An das Kloster ist ein moderner Trakt aus Glas und Beton angesetzt, in dem der eigentliche Rundgang liegt. Der Wechsel zwischen Backsteingewölbe und Glasfassade gehört zum Konzept, und der Innenhof mit den alten Bäumen ist einer der ruhigsten Orte der Stadt.

Gut zu wissen: „STAM“ ist die Abkürzung für Stadsmuseum Gent und heißt auf Niederländisch zugleich Stamm. Das Bijloke-Gelände ringsum ist frei zugänglich, dort liegen auch ein Konzertsaal und ein Kunstcampus. Für einen Spaziergang durch den Hof brauchst du kein Ticket.

Was du sonst siehst

Der Rundgang beginnt im Mittelalter mit Handel, Tuch und dem Streit zwischen Stadt und Landesherrn, führt über die Aufstände und die Strafaktionen Karls V. und endet in der Gegenwart: Textilindustrie, Arbeiterviertel, Hafen, Universität, autofreies Zentrum. Der letzte Abschnitt fragt, wie die Stadt weitergebaut werden soll, und das ist erfrischend unfeierlich.

Wechselausstellungen laufen parallel, meist mit Stadtbezug. Rechne insgesamt mit 90 Minuten bis 2 Stunden, mit Kindern eher weniger.

Anreise und Kombination

Vom Korenmarkt sind es gut 20 Gehminuten nach Südwesten, vom Hauptbahnhof Gent-Sint-Pieters etwa 15. Mit der Straßenbahn geht es schneller, die Haltestellen liegen wenige Minuten entfernt. Details zu Tram und Tickets stehen unter Verkehr in Gent.

Sinnvoll ist die Kombination mit dem Citadelpark: Von der Bijloke sind es zehn Minuten zu den beiden Kunstmuseen am Parkrand. Wer lieber zurück in die Altstadt will, läuft am Wasser entlang und steht in einer Viertelstunde wieder an der Graslei. Wie das STAM in einen Zwei-Tage-Plan passt, steht in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Gent.

Tickets: Ein Zeitfenster brauchst du nicht, du kaufst an der Kasse oder online. In der CityCard der Stadt ist das Museum enthalten, zusammen mit Gravensteen, Belfried und Nahverkehr. Wer mehr als drei Häuser plant, fährt damit günstiger.

Zur offiziellen Website

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es hier praktisch nie, das Museum liegt außerhalb der Laufwege der Tagesgäste. Wenn eine Schulklasse im Luftbildsaal steht, dreh die Runde einfach andersherum und komm später zurück.
  • Wenn es regnetEine der besten Regenadressen der Stadt: zwei Stunden im Trockenen, mit Café und Innenhof. Kombinierbar mit den Kunstmuseen am Citadelpark, die zehn Gehminuten entfernt liegen, sodass ein ganzer Regentag zusammenkommt.
  • Mit KindernDas Luftbild auf dem Boden funktioniert bei Kindern zuverlässig, sie suchen Straßen, Bahnhof und Fußballstadion. Der Rest des Rundgangs ist textlastig, mit kleineren Kindern gehst du zügig durch. Der Innenhof eignet sich gut für eine Pause.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer moderne Trakt ist ebenerdig und mit Aufzug erschlossen, die Wege sind breit. Im alten Klosterteil gibt es Schwellen und ungleichmäßige Böden. Der Weg vom Zentrum ist lang, nimm die Straßenbahn statt zu laufen.

Häufige Fragen

Lohnt sich das STAM in Gent?

Ja, besonders am Anfang der Reise. Der Rundgang sortiert die Stadtgeschichte chronologisch und erklärt mit Karten, Modellen und Bildern, wie Gent gewachsen ist. Danach erkennst du draußen, warum das Zentrum so verwinkelt ist und wo die Industrie herkam. Rechne mit 90 Minuten bis 2 Stunden.

Was ist das Luftbild im STAM?

Ein Saal, dessen Boden aus einer riesigen Luftaufnahme von Gent besteht. Du ziehst Filzpantoffeln über und läufst darüber, suchst dein Hotel, den Bahnhof oder die Burg. Daneben hängt eine gemalte Stadtansicht von 1534, sodass du direkt vergleichen kannst, was gleich geblieben und was verschwunden ist.

Wie kommt man zum STAM?

Vom Korenmarkt sind es gut 20 Gehminuten nach Südwesten, vom Hauptbahnhof Gent-Sint-Pieters etwa 15. Schneller geht es mit der Straßenbahn, die Haltestellen liegen wenige Minuten vom Eingang entfernt. Mit dem Auto ist die Anfahrt unpraktisch, weil das Zentrum in der Umweltzone liegt und ausländische Kennzeichen vorher registriert sein müssen.

Ist das STAM etwas für Kinder?

Teilweise. Der Luftbildsaal begeistert fast alle Kinder, weil sie ihre eigene Straße suchen und sich einfach hinlegen dürfen. Der übrige Rundgang lebt von Texten und Bildschirmen und ist für kleinere Kinder zäh. Mit dem Innenhof als Pausenfläche funktioniert der Besuch trotzdem gut.

Kann man das Bijloke-Gelände auch ohne Ticket besuchen?

Der Hof mit den alten Bäumen und das Gelände ringsum sind frei zugänglich, dort liegen auch ein Konzertsaal und ein Kunstcampus. Ein Ticket brauchst du nur für den Museumsrundgang selbst. Für einen ruhigen Spaziergang abseits der Altstadt lohnt sich der Umweg auch ohne Museumsbesuch.