Auf einen Blick
- ProvinzWallonisch-Brabant, französischsprachig
- DatumSchlacht am 18. Juni 1815
- Löwenhügel226 Stufen bis zur Plattform
- MuseumMémorial 1815, unterirdisch am Fuß des Hügels
- Dauerein halber bis ganzer Tag ab Brüssel
- AnreiseZug bis Braine-l'Alleud oder Waterloo, dann Bus
Was hier 1815 geschah
Napoleon war aus der Verbannung zurückgekehrt und marschierte nach Norden, um die verbündeten Armeen einzeln zu schlagen, bevor sie sich vereinigen konnten. Zwei Tage vor der Entscheidung traf er bei Ligny auf die Preußen unter Blücher und drängte sie zurück. Am 18. Juni stand er dann südlich von Waterloo den Truppen Wellingtons gegenüber, die sich auf einem Höhenrücken eingegraben hatten.
Der Tag kippte am Nachmittag, als Blüchers Preußen doch noch eintrafen und in die rechte Flanke der Franzosen stießen. Der Kampf um das Dorf Plancenoit gehört zu den härtesten Abschnitten der Schlacht, und dort steht bis heute ein gusseisernes Denkmal für die gefallenen Preußen. In deutschen Geschichtsbüchern hieß die Schlacht deshalb lange Belle-Alliance, nach dem Gasthof, an dem sich Wellington und Blücher am Abend trafen.
Gut zu wissen: Der Löwenhügel steht nicht in Waterloo selbst, sondern auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Braine-l’Alleud, auf Niederländisch Eigenbrakel. Du bist hier in der französischsprachigen Wallonie, die Sprachgrenze verläuft wenige Kilometer nördlich. Auf den Schildern findest du nur französische Ortsnamen.
Der Löwenhügel: 226 Stufen
Die Butte du Lion ist ein aufgeschütteter Kegel aus den 1820er Jahren, oben sitzt ein Löwe aus Gusseisen auf einem Steinsockel. Der Hügel markiert die Stelle, an der der Prinz von Oranien verwundet wurde. Für die Aufschüttung wurde ein Teil des Höhenrückens abgetragen, den Wellington verteidigt hatte, was Zeitgenossen zu Recht empörte: Das Denkmal veränderte genau das Gelände, an das es erinnert.
Hinauf führen 226 Stufen in einer geraden, offenen Treppe. Sie ist steil, es gibt kaum Windschutz und keinen Schatten. Oben stehst du auf einer Plattform mit Blick über die ganze Ebene, mit Tafeln, die die Truppenstellungen zeigen. Bei klarem Wetter siehst du bis zu den Höfen, die im Kampf umkämpft waren.
Achtung: Das Gelände ist offenes Ackerland ohne Bäume. Bei Wind ist es oben auf der Plattform empfindlich kalt, bei Sonne gibt es keinen Schatten. Feste Schuhe, Jacke und Wasser gehören in den Rucksack, auch im Sommer.
Mémorial 1815, Panorama und Höfe
Am Fuß des Hügels liegt das Mémorial 1815, ein größtenteils unterirdisches Museum, das zum zweihundertsten Jahrestag eröffnet wurde. Es erklärt die Vorgeschichte, die beteiligten Armeen und den Ablauf des Tages mit Uniformen, Waffen, Karten und einem Film. Es ist chronologisch aufgebaut und damit die richtige erste Station.
Direkt daneben steht ein Rundbau mit einem Panoramagemälde von 1912, das die Reiterattacke zeigt. Solche Rundgemälde waren um 1900 Massenunterhaltung, und dieses ist eines der wenigen erhaltenen. Ein Stück abseits liegt der Gutshof Hougoumont, dessen Verteidigung durch britische Truppen als Schlüsselszene des Tages gilt. Er wurde für das Jubiläum restauriert und ist zu Fuß über die Felder erreichbar.
Im Ort Waterloo selbst zeigt das Wellington-Museum das Gasthaus, in dem der Herzog sein Hauptquartier hatte und den Schlachtbericht schrieb. Napoleons Quartier lag auf der anderen Seite, im Hof Le Caillou. Beide sind kleiner als das Hauptmuseum, aber näher an den Menschen von damals.
Tickets: Das Gelände arbeitet mit Kombitickets: Museum, Panorama, Löwenhügel und Hougoumont lassen sich einzeln oder gemeinsam buchen, für das Wellington-Museum im Ort gibt es eine erweiterte Variante. Kauf am Besucherzentrum am Fuß des Hügels oder vorab online, die Preisstufen und die Gültigkeit stehen auf der offiziellen Website des Mémorial 1815.
Hinkommen ohne Auto
Mit dem Zug fährst du von einem der Brüsseler Bahnhöfe nach Braine-l’Alleud oder Waterloo, beides dauert rund eine halbe Stunde. Vom Bahnhof Braine-l’Alleud sind es noch rund vier Kilometer bis zum Löwenhügel, also knapp eine Stunde zu Fuß oder ein kurzer Weg mit dem regionalen Bus. Die wallonischen Busse fahren seltener als die Brüsseler Metro, sieh dir den Fahrplan vorher an und plane die Rückfahrt gleich mit.
Mit dem Auto ist es einfacher, aber achte auf die Umweltzone in Brüssel selbst: Ausländische Kennzeichen müssen sich vor der ersten Fahrt registrieren. Details dazu stehen auf der Seite zum Verkehr in Brüssel. Wer sich alles abnehmen lassen will, bucht eine geführte Halbtagestour, wie sie bei den Aktivitäten in Brüssel beschrieben ist.
Wie viel Zeit du brauchst
Museum, Panorama und Hügel füllen zusammen etwa drei Stunden. Mit Hougoumont, dem Weg über die Felder und dem Wellington-Museum im Ort wird ein ganzer Tag daraus. Rund um den Jahrestag im Juni finden große Gedenkveranstaltungen mit Darstellergruppen statt, dann ist deutlich mehr los und du buchst besser vorab.
Wenn dich Schlachtfelder und Erinnerungsorte generell interessieren, ist der Erste Weltkrieg in Flandern das zweite große Thema dieser Art in Belgien. Landschaftlich passt der Ausflug außerdem gut zu einer Runde durch Wallonisch-Brabant. Weitere Ausflugsziele ab der Hauptstadt findest du im Stadtführer Brüssel und in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll wird es fast nur rund um den Jahrestag im Juni und an schönen Sonntagen. Dann startest du mit dem Panorama statt mit dem Museum, oder du läufst zuerst hinaus nach Hougoumont, wo sich die Besucher deutlich verlieren.
- Wenn es regnetDas Museum liegt unter der Erde und ist wetterfest, ebenso das Panorama. Der Hügel dagegen ist bei Regen und Wind unangenehm bis rutschig, und die Aussicht bringt dann wenig. Bei Dauerregen lässt du die Treppe einfach weg.
- Mit KindernAb etwa zehn Jahren gut: Uniformen, Waffen, Pferde und ein Film mit viel Getöse. Kleinere Kinder langweilen sich im Museum, freuen sich aber über die Treppe und die weite Wiese. Kinderwagen kommen nicht auf den Hügel.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Museum ist modern und barrierefrei, das Besucherzentrum ebenfalls. Der Löwenhügel dagegen ist nur über die 226 Stufen erreichbar, ohne Aufzug und ohne Alternative. Die Wege über die Felder nach Hougoumont sind fest, aber uneben.
Häufige Fragen
Wie viele Stufen hat der Löwenhügel von Waterloo?
226 Stufen führen auf die Plattform mit dem gusseisernen Löwen. Die Treppe ist gerade, steil und komplett offen, es gibt weder Schatten noch Windschutz. Oben stehen Tafeln, die die Truppenstellungen von 1815 in der Landschaft zeigen. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte den Aufstieg realistisch einschätzen, einen Aufzug gibt es nicht.
Wie komme ich von Brüssel nach Waterloo ohne Auto?
Mit dem Zug bis Braine-l'Alleud oder Waterloo, beides rund eine halbe Stunde ab den Brüsseler Bahnhöfen. Vom Bahnhof Braine-l'Alleud sind es etwa vier Kilometer zum Schlachtfeld, zu Fuß knapp eine Stunde oder mit dem regionalen Bus. Die Busse fahren deutlich seltener als in der Stadt, plane die Rückfahrt gleich mit ein.
Lohnt sich Waterloo als Tagesausflug von Brüssel?
Wenn dich die Zeit um 1815 interessiert, unbedingt. Das Mémorial 1815 erzählt den Tag chronologisch, das Panorama zeigt die Wucht der Reiterangriffe, und vom Hügel aus verstehst du die Geländeform, die alles entschied. Ohne Interesse an Militärgeschichte bleiben ein Museum und ein weites Feld.
Was ist im Kombiticket enthalten?
Die Anlage bündelt Mémorial 1815, das Panoramagemälde, den Aufstieg auf den Löwenhügel und den Gutshof Hougoumont. Es gibt gestaffelte Varianten, eine davon schließt das Wellington-Museum im Ort Waterloo mit ein. Kaufen kannst du am Besucherzentrum oder vorab online, die Gültigkeitsdauer steht auf der offiziellen Website.
Welche Rolle spielten die Preußen bei Waterloo?
Eine entscheidende. Blüchers Armee war zwei Tage zuvor bei Ligny zurückgedrängt worden, zog sich aber nicht nach Osten zurück, sondern marschierte Wellington zu Hilfe. Am Nachmittag des 18. Juni trafen die Preußen in der französischen Flanke ein, der Kampf um Plancenoit band Napoleons Reserven. Ein gusseisernes Denkmal erinnert dort an die Gefallenen.




