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Weihnachtsmärkte in Belgien: Brüssel, Brügge & Co.

Belgische Weihnachtsmärkte sind kleiner als die deutschen Riesenmärkte, dafür stehen sie an Plätzen, die auch ohne Buden sehenswert wären: vor gotischen Rathäusern, unter Belfrieden, an Grachten. Dazu kommen Glühwein, Genever, frittierte Teigbällchen und in fast jeder Stadt eine Eisbahn.

Hier stehen die sechs Märkte, die sich wirklich lohnen, was du wo isst und trinkst, wann die Plätze leer genug sind, um etwas zu sehen, und warum du besser mit dem Zug kommst als mit dem Auto.

Weihnachtsmärkte in Belgien: Brüssel, Brügge & Co.
Foto: William Murphy from Dublin, Ireland, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • SaisonZweite Novemberhälfte bis Anfang Januar
  • Geschenktag6. Dezember, Sinterklaas statt Heiligabend
  • Größter MarktBrüssel, rund anderthalb Kilometer Buden
  • Schönste KulisseBrügge, Markt unter dem Belfried
  • WallonieVillage de Noël in Lüttich, vor Ort Liège
  • AnreiseZug, alle Märkte liegen zentral

Wann die Saison läuft

Die meisten Märkte öffnen in der zweiten Novemberhälfte und laufen bis Anfang Januar, einige über Silvester hinaus. Feste Kalendertage nennt hier niemand, weil sich Beginn und Ende jedes Jahr verschieben. Prüf das kurz vorher auf der Website der jeweiligen Stadt, und plan das erste Wochenende nicht zu knapp: Da sind noch nicht alle Buden offen.

Ein Datum solltest du trotzdem kennen. Der 6. Dezember ist in Belgien der Tag, an dem die Kinder ihre Geschenke bekommen, nicht Heiligabend. Sinterklaas ist hier kein Nebenschauplatz, sondern der Höhepunkt. In den Tagen davor sind die Innenstädte entsprechend voll, danach wird es kurz ruhiger.

Brüssel: der größte und der lauteste

Der Brüsseler Markt heißt Winterpret auf Niederländisch und Plaisirs d’Hiver auf Französisch. Er ist kein Platz, sondern eine Strecke: von der Grand-Place über die Börse bis zum alten Fischmarkt rund um Sainte-Catherine, gut anderthalb Kilometer Buden am Stück. Dort stehen auch das Riesenrad und die Eisbahn.

Auf der Grand-Place selbst gibt es keine Buden, sondern den großen Baum, eine Krippe und mehrmals am Abend eine Licht- und Musikshow, bei der die Fassaden bespielt werden. Die läuft wenige Minuten, zieht aber alles an Publikum an, was in der Nähe ist. Wer sie sehen will, steht rechtzeitig da, wer sie nicht braucht, geht in dieser Viertelstunde in die Seitengassen.

Der schönste Teil liegt am Fischmarkt: mehr Einheimische, mehr Platz, bessere Stände. Die Ecke rund um die Börse ist dagegen am vollsten und am wenigsten interessant.

Brügge: zwei Plätze, ein Eisfeld

Brügge verteilt seinen Markt auf zwei Plätze. Auf dem Markt unter dem Belfried stehen die Buden rund um die Eisbahn, ein paar Schritte weiter auf dem Simon-Stevin-Platz geht es ruhiger und handwerklicher zu. Beides zusammen läufst du in einer knappen Stunde ab.

Genau darin liegt der Reiz und das Problem. Die Kulisse ist die beste des Landes, und das wissen alle. An Adventswochenenden schiebt sich die Menge zwischen Bahnhof und Markt, und in den engen Gassen kommst du kaum vorwärts. Unter der Woche, gerade am späten Vormittag, ist es dagegen erstaunlich entspannt.

Tipp: Übernachte in Brügge, statt als Tagesgast zu kommen. Die Busse und Züge bringen die Menge zwischen zehn und siebzehn Uhr in die Stadt. Wer abends bleibt, hat den beleuchteten Markt fast für sich, und das ist der Moment, für den man hierherfährt.

Gent, Antwerpen und Löwen

In Gent heißen die Wochen Winterfeesten, und der Markt zieht sich über mehrere Plätze im Zentrum, vom Sint-Baafsplein über den Korenmarkt bis zum Emile-Braun-Platz. Die Eisbahn liegt etwas außerhalb der Budenzeile. Gent ist die entspannteste der großen flämischen Städte im Advent, weil das Zentrum weitläufiger ist und mehr Studenten als Reisegruppen unterwegs sind.

Antwerpen konzentriert sich auf den Grote Markt und den Groenplaats vor der Kathedrale, dazu kommt eine Eisbahn. Die Stadt ist ohnehin die Einkaufsstadt des Landes, deshalb verbindet sich der Marktbesuch hier am besten mit einem Tag in den Geschäften.

Löwen macht es kleiner und schöner: Der Markt steht auf dem Platz vor der Universitätsbibliothek, mit Riesenrad und Blick auf den Turm. Weil die Stadt eine Studentenstadt ist, wird es abends voll und fröhlich, und die Kneipen am Oude Markt liegen fünf Minuten entfernt.

Lüttich: der größte der Wallonie

Der Village de Noël in Lüttich gilt als einer der ältesten und größten des Landes. Er steht auf der Place Saint-Lambert und der Place du Marché, mitten im Zentrum, und unterscheidet sich deutlich von den flämischen Märkten: mehr Chalets, mehr warmes Essen, mehr Trubel bis spät.

Vor Ort heißt die Stadt Liège, auf niederländischen Schildern Luik. Das ist kein Detail, sondern der Grund, warum manche Besucher auf dem Bahnsteig den falschen Zug nehmen. Und noch etwas ist hier anders: Statt Genever trinkt man Peket, den lokalen Wacholderschnaps, oft heiß und mit Fruchtgeschmack.

Was du isst und trinkst

Glühwein heißt hier vin chaud oder warme wijn und ist meistens milder gewürzt als in Deutschland. Daneben stehen heiße Schokolade, Genever in Dutzenden Geschmacksrichtungen und, in Lüttich, Peket. Wer Bier will, findet Winterbiere: dunkle, stärkere Sorten, die viele Brauereien nur für die kalte Jahreszeit ansetzen. Warum das mehr ist als Marketing, steht unter Bier in Belgien.

Beim Essen führt kein Weg an den frittierten Teigbällchen vorbei, auf Niederländisch smoutebollen, auf Französisch croustillons, in Papiertüten und unter einer Schicht Puderzucker. Dazu Waffeln in zwei sehr unterschiedlichen Varianten: Die Lütticher Waffel ist klein, dicht und mit Hagelzucker gebacken, den man knirschen hört. Die Brüsseler Waffel ist rechteckig, leicht und wird mit Belag serviert.

Herzhaft gibt es Käse vom Rad, Wildwurst aus den Ardennen und in fast jeder Stadt eine Bude mit Fritten. Und dann Speculoos, den dünnen Gewürzkeks, den es im Advent auch als große geprägte Figur gibt.

Gut zu wissen: Viele Stände arbeiten mit Pfandbechern. Du zahlst den Becher beim ersten Getränk mit und bekommst das Geld zurück, wenn du ihn abgibst. Behalte den Beleg oder den Becher, sonst zahlst du beim nächsten Stand noch einmal.

Wann es ruhig ist

Die Regel ist überall dieselbe: Wochentage sind entspannt, Wochenenden ab dem frühen Nachmittag nicht. Am vollsten wird es an den Adventssamstagen und in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Wer Fotos will, kommt am Vormittag, wenn geöffnet, aber noch wenig los ist. Wer Stimmung will, kommt unter der Woche nach Einbruch der Dunkelheit, und das ist im Dezember schon am späten Nachmittag.

Das Wetter ist der zweite Faktor. Rechne mit feuchter Kälte, Wind und Regen statt mit Schnee, gerade in Küstennähe. Wasserfeste Schuhe sind wichtiger als eine dicke Jacke, und ein Schirm hilft weniger als eine Kapuze, weil es fast immer auch weht.

Anreise: mit dem Zug, nicht mit dem Auto

Alle genannten Märkte liegen im Zentrum und damit in Gehweite oder wenige Tramminuten vom Bahnhof entfernt. Der Zug ist im Advent die klar bessere Wahl, weil die Innenstädte verstopft sind und Parkhäuser früh voll. Wie Tickets und Tarife funktionieren, steht unter Belgien mit dem Zug.

Achtung: Brüssel, Antwerpen und Gent sind Umweltzonen. Wer mit ausländischem Kennzeichen einfährt, muss sich vorher online registrieren, sonst kommt das Bußgeld nach Hause geschickt. Das gilt auch für den kurzen Weihnachtsmarktbesuch am Sonntagnachmittag.

Häufige Fragen

Wann sind die Weihnachtsmärkte in Belgien geöffnet?

Die Saison beginnt meist in der zweiten Novemberhälfte und läuft bis Anfang Januar, einzelne Märkte enden früher. Feste Termine gibt es nicht, sie verschieben sich jedes Jahr. Prüf die Daten kurz vorher auf der Website der Stadt. Am ersten Wochenende sind oft noch nicht alle Buden aufgebaut.

Welcher Weihnachtsmarkt in Belgien ist der schönste?

Für die Kulisse Brügge, weil die Buden unter dem Belfried und rund um die Eisbahn stehen. Für Größe und Auswahl Brüssel, wo sich der Markt über anderthalb Kilometer bis zum alten Fischmarkt zieht. Für wallonische Atmosphäre Lüttich, den größten im Süden des Landes. Am entspanntesten ist Gent.

Wann ist es auf den belgischen Weihnachtsmärkten am ruhigsten?

Unter der Woche und am Vormittag. Voll wird es an den Adventssamstagen, an den Abenden vor dem 6. Dezember und in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. In Brügge kommt die Tagesgästewelle zwischen zehn und siebzehn Uhr, wer dort übernachtet, hat den Markt abends fast für sich.

Was trinkt man auf belgischen Weihnachtsmärkten?

Glühwein heißt vin chaud oder warme wijn und ist milder gewürzt als in Deutschland. Daneben gibt es heiße Schokolade, Genever in vielen Geschmacksrichtungen und in Lüttich Peket, den lokalen Wacholderschnaps. Bierfreunde finden Winterbiere, also dunklere und stärkere Sorten, die nur für die kalte Jahreszeit gebraut werden.

Feiert man in Belgien Nikolaus oder Weihnachten?

Beides, aber die Geschenke gibt es am 6. Dezember. Sinterklaas ist für Kinder der wichtigere Tag, Weihnachten fällt entsprechend familiärer und ruhiger aus. Für Besucher heißt das: In den Tagen vor dem 6. Dezember sind die Innenstädte besonders voll, danach wird es für eine Weile deutlich entspannter.

Kommt man mit dem Auto zu den Weihnachtsmärkten?

Möglich, aber unpraktisch. Die Märkte liegen mitten in den Zentren, Parkhäuser sind an Adventswochenenden früh voll, und Brüssel, Antwerpen und Gent sind Umweltzonen mit Registrierungspflicht für ausländische Kennzeichen. Mit dem Zug stehst du in fast jeder Stadt in wenigen Minuten mitten im Geschehen.