Auf einen Blick
- RegionWestflandern, Brügge
- Stadhuisab 1376, eines der ältesten Rathäuser der Niederlande
- BurgplatzOrt der Stadtgründung, ehemalige Grafenburg
- Provinzhausneugotisch, erst aus dem 19. Jahrhundert
- MarkttagMittwochvormittag auf dem Markt
- Besuchsdauer1 bis 2 Stunden für beide Plätze
Zwei Plätze, 100 Meter auseinander
Die meisten Besucher landen zuerst auf dem Markt, weil dort der Belfried steht und alle Wege zusammenlaufen. Historisch ist das die falsche Reihenfolge. Brügge begann auf dem Burgplatz, wo die flämischen Grafen im 9. Jahrhundert eine Wasserburg anlegten. Der Markt kam später dazu, als Handelsplatz vor den Toren dieser Burg.
Du merkst den Unterschied sofort. Der Markt ist laut, weit und in Bewegung. Der Burgplatz ist ein geschlossener Raum, in dem die Zeit stillsteht, weil an drei Seiten Gebäude aus fünf Jahrhunderten stehen und die vierte Seite offen blieb.
Der Markt
Die Giebelhäuser an der Ostseite sind die Postkartenkulisse von Brügge, viele davon im 19. und frühen 20. Jahrhundert stark überarbeitet. Ehrlicher gesagt: Was du fotografierst, ist mittelalterlich gedacht, aber oft neugotisch ausgeführt.
Am deutlichsten zeigt das der große Backsteinbau an der Ostseite, das Provinzhaus. Es sieht aus wie ein gotisches Rathaus, wurde aber erst im 19. Jahrhundert gebaut, an der Stelle der abgerissenen Wasserhalle. Das Denkmal in der Mitte des Platzes zeigt Jan Breydel und Pieter de Coninck, zwei Anführer des Aufstands von 1302 gegen die französische Herrschaft.
Mittwochvormittags steht auf dem Markt der Wochenmarkt mit Käse, Fisch, Obst und Blumen. Das ist der einzige Moment, in dem der Platz wieder wie ein Marktplatz funktioniert und nicht wie eine Bühne.
Achtung: Die Terrassen rings um den Markt bezahlen eine der teuersten Lagen Flanderns, und das schmeckst du auf dem Teller. Trink dort ein Bier für die Aussicht, aber iss zwei Straßen weiter. Konkrete Adressen und Viertel stehen unter Essen und Trinken in Brügge.
Der Burgplatz
Das Stadhuis von 1376 ist der Star: eine gotische Schaufassade mit Türmchen, Nischen und Statuen, gebaut, als Brügge auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Die Figuren an der Front sind Ersatz, die Originale zerstörten französische Revolutionstruppen. Innen führt eine Treppe in die Gotische Halle mit einem hölzernen Gewölbe und großen Wandbildern des 19. Jahrhunderts zur Stadtgeschichte.
Direkt daneben steht die Heilig-Blut-Basilika mit zwei Kirchen übereinander: unten die karge romanische Basiliuskapelle, oben die dicht bemalte Oberkapelle mit der Reliquie. An Christi Himmelfahrt zieht die Heilig-Blut-Prozession durch die Stadt, ein fester Termin im Kirchenjahr, der jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt.
Rechts vom Rathaus fällt die schmale, vergoldete Fassade der Alten Kanzlei auf, ein Renaissancebau des 16. Jahrhunderts. Dahinter liegt das Landhaus des Brugse Vrije mit einem monumentalen Kaminaufbau für Karl V. Die Nordseite des Platzes blieb offen: Dort stand bis um 1800 die Sankt-Donatian-Kathedrale, die nach der Französischen Revolution abgerissen wurde. Deshalb hat Brügge heute eine Kathedrale an anderer Stelle.
Die Pferdekutschen: was du wissen solltest
Vom Markt starten die Kutschen zu ihrer Runde durch die Altstadt, mittwochvormittags wegen des Wochenmarkts vom Burgplatz aus. Unterwegs gibt es eine Pause am Beginenhof, wo die Pferde trinken. Die Stadt hat Regeln zu Pausen, Einsatzzeiten und Hitze, und in den letzten Jahren wurde viel über dieses Thema diskutiert.
Unsere Position: Du verpasst nichts, wenn du darauf verzichtest. Die Strecke läufst du in einer Stunde selbst, und vom Wasser aus siehst du ohnehin mehr. Wenn du fahren willst, dann nicht an einem heißen Sommernachmittag.
Tipp: Geh vom Burgplatz durch das schmale Törchen der Blinde-Ezelstraat. Nach 30 Metern stehst du am Fischmarkt aus dem 19. Jahrhundert, dahinter liegt der kleine Huidenvettersplein und gleich darauf die Rozenhoedkaai. Auf diesen 200 Metern siehst du mehr Brügge als auf dem ganzen Markt.
Wann du am besten kommst
Vor neun Uhr morgens gehören dir beide Plätze fast allein, dann kommen die Tagesgäste. Zwischen elf und sechzehn Uhr ist es voll. Ab dem frühen Abend leert sich der Markt spürbar, und ab Einbruch der Dunkelheit sind die Fassaden angestrahlt, was der beste Moment des Tages ist. Mehr solcher Zeitfenster sammelt die Seite Insider-Tipps für Brügge, den großen Überblick gibt es unter Sehenswürdigkeiten in Brügge.
Tickets: Beide Plätze kosten nichts, ebenso die Unterkapelle der Basilika. Ein Ticket brauchst du für die Gotische Halle im Stadhuis und für den Museumsteil im Landhaus des Brugse Vrije. Beides gehört zu den städtischen Museen und ist online buchbar.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn der Markt voll ist, wechsel auf den Burgplatz, dort verteilt sich die Menge deutlich besser. Ganz ruhig wird es in der Blinde-Ezelstraat und am Fischmarkt direkt dahinter. Mittwochvormittags ist der Markt zusätzlich vom Wochenmarkt belegt, was schön aussieht, aber eng ist.
- Wenn es regnetBeide Plätze sind offen, Unterstand gibt es kaum. Bei Regen ziehst du den Innenbesuch vor: die Gotische Halle im Stadhuis, die Oberkapelle der Heilig-Blut-Basilika, dazu der überdachte Innenhof der Tuchhallen unter dem Belfried.
- Mit KindernDer Markt ist für Kinder der interessanteste Ort der Stadt: Pferde, Kutschen, Glockenspiel, Fritten. Achte auf den Verkehr, es fahren Busse, Kutschen und viele Räder über den Platz. Der Fischmarkt hinter der Burg ist eine gute kurze Pause.
- Mit eingeschränkter MobilitätBeide Plätze sind eben, das Pflaster ist aber grob und rüttelt in jedem Rollstuhl und Kinderwagen. Der Übergang zwischen Markt und Burg ist ohne Stufen machbar. Im Stadhuis kommst du in die repräsentativen Räume, historische Schwellen und einzelne Stufen bleiben.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Markt und Burg in Brügge?
Der Markt war der Handelsplatz der Stadt, mit Tuchhallen, Belfried und Giebelhäusern. Der Burgplatz war das Machtzentrum: Dort stand die Burg der flämischen Grafen, dort steht das Rathaus von 1376 und die Heilig-Blut-Basilika. Der Markt ist größer und lauter, der Burgplatz architektonisch dichter und deutlich ruhiger.
Kann man das Rathaus von Brügge besichtigen?
Ja. Über eine Treppe kommst du in die Gotische Halle mit ihrem bemalten Holzgewölbe und den großen Wandbildern zur Stadtgeschichte. Dafür brauchst du ein Ticket, das zu den städtischen Museen gehört und online buchbar ist. Der Blick auf die Fassade von außen kostet nichts und lohnt sich auch abends im Scheinwerferlicht.
Lohnt sich eine Kutschfahrt in Brügge?
Nötig ist sie nicht. Die Runde führt durch Gassen, die du zu Fuß in etwa einer Stunde selbst schaffst, und vom Boot aus siehst du mehr. Wer trotzdem fahren möchte, sollte heiße Sommernachmittage meiden. Die Kutschen starten am Markt, mittwochvormittags wegen des Wochenmarkts vom Burgplatz.
Wann ist Markttag in Brügge?
Der Wochenmarkt findet mittwochvormittags auf dem Markt statt, mit Käse, Fisch, Gemüse und Blumen. Das ist der einzige Vormittag, an dem der Platz nicht nur Kulisse ist, sondern tatsächlich als Markt funktioniert. Rechne dafür mit weniger Platz zum Fotografieren und mit umgeleiteten Kutschen.
Was steht noch auf dem Burgplatz?
Neben Rathaus und Basilika die schmale, vergoldete Fassade der Alten Kanzlei aus dem 16. Jahrhundert und das Landhaus des Brugse Vrije mit einem monumentalen Kaminaufbau für Karl V. Die Nordseite blieb offen, weil dort bis um 1800 die Sankt-Donatian-Kathedrale stand, die nach der Französischen Revolution abgerissen wurde.





