Region in Belgien

Provinz Luxemburg: Städte & Highlights

Die Provinz Luxemburg ist die größte und die leerste Belgiens: über 4.000 Quadratkilometer, rund 290.000 Einwohner und dazwischen sehr viel Wald. Nicht zu verwechseln mit dem Großherzogtum nebenan, das ein eigener Staat ist. Gesprochen wird Französisch, auf den Schildern steht Luxembourg, Hauptstadt der Provinz ist Arlon.

Wer Belgien für flach und dicht bebaut hält, korrigiert das hier in einer halben Stunde. Diese Provinz ist der Kern der belgischen Ardennen: tief eingeschnittene Flusstäler, Burgen auf Felsrücken, Dörfer aus grauem Schiefer, Wildwechsel am Straßenrand. Und im Winter 1944 lag hier die Front der letzten großen deutschen Offensive im Westen.

Provinz Luxemburg: Städte & Highlights
Foto: DimiTalen, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionWallonie, Süden Belgiens
  • HauptstadtArlon, auf Deutsch Arel, niederländisch Aarlen
  • SpracheFranzösisch
  • Größegrößte Provinz Belgiens, rund 290.000 Einwohner
  • Bekannt fürArdennenwälder, Semois und Ourthe, Bastogne
  • Empfohlene Dauer3 bis 5 Tage, mit Wanderungen länger

Warum die Provinz Luxemburg?

Weil sie das Gegenteil des Belgien-Klischees ist. Keine Grachten, keine Zunfthäuser, keine Menschenschlangen. Stattdessen Wald bis zum Horizont, Flüsse in engen Schleifen, Ortschaften mit ein paar Hundert Einwohnern und Restaurants, in denen Wild auf der Karte steht, weil es aus dem Revier nebenan kommt. Diese Provinz ist der größte Teil der Ardennen und ihr ruhigster dazu.

Der zweite Grund ist der Preis. Übernachten kostet hier weniger als in Flandern, ein Ferienhaus im Wald ist Standard und nicht Luxus, und die Wege sind kurz genug, dass du von einem Standort aus fast alles erreichst. Wer Natur und Geschichte kombinieren will, findet beides innerhalb weniger Kilometer.

Die leerste Provinz des Landes

Belgien ist eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas. Diese Provinz nicht. Auf der größten Fläche aller belgischen Provinzen leben die wenigsten Menschen, und das merkst du an jeder Landstraße: lange Kurven durch Fichten und Buchen, dann eine Lichtung mit Kirche, Bäckerei und Frituur, dann wieder Wald. Rund die Hälfte des Gebiets ist bewaldet, und der Boden aus Schiefer und Sandstein taugte nie für große Landwirtschaft.

Das hat Folgen für die Planung. Handynetz ist in Tälern lückenhaft, Tankstellen liegen weiter auseinander, und der letzte Bus fährt oft am frühen Abend. Nimm das nicht als Warnung, sondern als Ansage: Ohne Auto wird diese Provinz mühsam, mit Auto ist sie entspannt.

Semois und Ourthe: die beiden Flüsse

Die Semois mäandert im Süden durch enge Waldtäler und legt dabei Schleifen, die von oben aussehen wie gezeichnet. Über einer davon liegt Bouillon mit der Burg Gottfrieds von Bouillon, der sie 1096 verpfändete, um in den Ersten Kreuzzug zu ziehen. Der bekannteste Aussichtspunkt der Gegend, das Tombeau du Géant bei Botassart, schaut auf eine Flussschleife um einen bewaldeten Buckel.

Im Norden macht die Ourthe dasselbe. La Roche-en-Ardenne klemmt zwischen Felswänden in einer Schleife, mit einer Burgruine auf dem Sporn darüber und Kajakverleihern am Ufer. Flussabwärts liegt Durbuy, das sich kleinste Stadt der Welt nennt, was auf alte Stadtrechte zurückgeht. Beide Orte sind an Sommerwochenenden voll und unter der Woche ruhig.

Tipp: Kajaktouren auf Ourthe und Semois hängen am Wasserstand. Nach trockenen Wochen wird der Betrieb eingestellt, nach starkem Regen ebenfalls. Ruf am Vortag an oder schau auf die Seite des Verleihs, statt spontan hinzufahren. Frühjahr und Frühsommer sind die sichersten Zeiten.

Bastogne und der Winter 1944

Bastogne war im Dezember 1944 ein Straßenknoten, an dem sieben Verbindungen zusammenlaufen. Wer nach Westen wollte, musste die Stadt nehmen. Amerikanische Truppen hielten sie eingeschlossen, bis Entsatz kam, und die Kämpfe fanden bei Frost, Schnee und Nebel statt. Heute erinnern ein Museum und das Mardasson-Denkmal daran, und im Wald bei Foy sind Schützenlöcher als flache Mulden im Boden noch sichtbar.

Geh das ruhig an. Ein Ort dieser Art pro Tag reicht, mehr wird stumpf. In den Dörfern der Umgebung stehen Panzer als Denkmäler an Kreuzungen, dazu Gedenktafeln für Zivilisten, die im Winter 1944 starben. Wie du den Besuch sinnvoll aufbaust und was im Gelände wirklich zu sehen ist, steht unter Ardennenoffensive.

Arlon und der Süden

Ganz im Süden, wenige Kilometer vor dem Großherzogtum, liegt Arlon. Die Stadt gilt als älteste Belgiens: Unter dem Zentrum liegt das römische Orolaunum an der Straße von Reims nach Trier, und die ausgegrabenen Grabreliefs füllen eines der wichtigsten Museen für gallorömische Bildhauerei nördlich der Alpen. Rund um die Stadt wurde früher ein luxemburgischer Dialekt gesprochen, das Arelerland.

Der äußerste Süden heißt Gaume und gehört geologisch schon nicht mehr zu den Ardennen. Der Boden ist wärmer, es wächst Obst, und die Dörfer haben breite Höfe statt Schieferhäuser. Bei Florenville liegt die Abtei Orval, in der ein Trappistenbier gebraut wird. Trappist heißt es nur, weil es im Kloster unter Aufsicht der Mönche entsteht. Abteibier ist etwas anderes, auch wenn die Etiketten ähnlich aussehen.

Essen: Schinken, Wild und Käse

Der Ardenner Schinken ist das bekannteste Produkt der Provinz, geräuchert und mit geschützter geografischer Angabe. Du bekommst ihn hauchdünn geschnitten als Vorspeise, oft mit Melone oder mit Bauernbrot und Butter. Dazu kommen Pasteten, Wildterrinen und im Herbst Reh, Hirsch und Wildschwein, meist mit Rotkohl und Preiselbeeren. Das ist Küche für kaltes Wetter und schmeckt im November besser als im Juli.

Ansonsten gilt hier dasselbe wie im Rest des Landes: Fritten holst du in der Friture, in der Tüte, mit Sauce, und das ist Alltagskultur und kein Imbiss. Dazu ein Bier aus der Region, gern eines der kräftigen dunklen. Die belgische Bierkultur gehört zum immateriellen Erbe der UNESCO, und in dieser Provinz merkst du davon vor allem eines: Man trinkt langsam.

Anreise und Praktisches

Die Bahnstrecke von Brüssel nach Luxemburg durchquert die Provinz mit Halten in Marloie, Jemelle, Libramont und Arlon. Von dort übernehmen Busse, etwa von Libramont nach Bouillon oder von Melreux nach La Roche. Das funktioniert, kostet aber Zeit und fällt am Wochenende dünner aus. Mit dem Auto kommst du über die E411 aus Richtung Brüssel und über die E25 aus Richtung Lüttich.

Umweltzonen gibt es in der Provinz nicht, sie gelten in Brüssel, Antwerpen und Gent, wo ausländische Kennzeichen vorher online registriert sein müssen. Maut fällt für Pkw nicht an, mit Ausnahme der Liefkenshoektunnel bei Antwerpen. Viele tanken kurz hinter der Grenze im Großherzogtum, das ist seit jeher üblich. Im Winter brauchst du auf den Höhen Winterreifen, auch wenn im Flachland nichts liegt.

Achtung: Wildwechsel ist hier kein Schild, sondern Realität, besonders in der Dämmerung. Fahr auf Landstraßen langsamer, als du es gewohnt bist, und rechne damit, dass hinter dem ersten Tier ein zweites steht. Nachts sind viele Nebenstraßen unbeleuchtet und schmal.

Wann du kommen solltest

Von Mai bis Oktober ist alles offen, die Wege sind trocken genug und die Flüsse führen meist genug Wasser. Der Herbst ist die schönste Zeit: Buchenwald in Gelb und Rot, Wild auf der Karte, klare Luft. Der Winter ist ruhig und kalt, die Höhenlagen bekommen regelmäßig Schnee, und wenn er liegt, sind die Loipen und Rodelhänge schnell voll. Verlass dich darauf lieber nicht.

Vermeide lange Sommerwochenenden in Durbuy und La Roche, dann sind Parkplätze und Terrassen belegt. Unter der Woche hast du dieselben Orte fast für dich. Wer wandern will, findet passende Touren und Hinweise zur Ausrüstung unter Wandern in den Ardennen, und wer nur einen Tag hat, nimmt ein Flusstal und bleibt dort.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen der Provinz Luxemburg und Luxemburg?

Die Provinz Luxemburg ist eine belgische Provinz mit Hauptstadt Arlon. Das Großherzogtum Luxemburg daneben ist ein eigener Staat mit eigener Regierung und eigener Hauptstadt. Beide gehörten historisch zusammen und wurden 1839 geteilt: Der westliche, französischsprachige Teil kam zu Belgien, der östliche blieb selbstständig.

Braucht man in der Provinz Luxemburg ein Auto?

Praktisch ja. Die Bahnlinie von Brüssel nach Luxemburg durchquert die Provinz, aber von den Bahnhöfen zu den Burgen, Tälern und Wanderparkplätzen musst du auf Busse ausweichen, die selten fahren und am Wochenende noch dünner werden. Mit Auto planst du frei, ohne Auto planst du um jeden Bus herum.

Wann kann man auf der Semois oder der Ourthe Kajak fahren?

Meist von Frühjahr bis Frühherbst, entscheidend ist aber der Wasserstand. Nach längerer Trockenheit stellen die Verleiher den Betrieb ein, weil das Boot aufsetzt, nach starkem Regen ebenfalls, weil die Strömung zu stark wird. Frag am Vortag nach, statt spontan hinzufahren, und rechne für eine übliche Strecke mit 2 bis 4 Stunden.

Wie viele Tage braucht man für die Provinz Luxemburg?

Für einen ersten Eindruck reichen 3 Tage: ein Flusstal, eine Burg, ein Tag Bastogne. Wer wandern, Kajak fahren und die Dörfer sehen will, plant besser eine Woche und bleibt an einem Standort. Die Wege innerhalb der Provinz sind kurz, aber kurvig, rechne für 50 Kilometer eher eine Stunde als eine halbe.

Lohnt sich Bastogne mit Kindern?

Ab dem Schulalter ja, mit Vorbereitung. Das Museum arbeitet mit persönlichen Geschichten und ist eindringlich, für jüngere Kinder aber zu viel. Sinnvoll ist eine Mischung: vormittags Museum und Denkmal, nachmittags Wald oder Fluss. Und ein Ort dieser Art pro Tag genügt, auch Erwachsenen.