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Provinz Antwerpen: Städte & Highlights

Die Provinz Antwerpen besteht aus zwei sehr verschiedenen Hälften. Im Westen liegt die Hafenstadt mit Diamanthandel, Mode und einer Kathedrale voller Rubens-Gemälde. Im Osten beginnt die Kempen, ein dünn besiedeltes Land aus Heide, Kiefernwald und Sandwegen, in dem eher Radfahrer unterwegs sind als Reisegruppen.

Dazwischen liegt Mecheln, auf Niederländisch Mechelen, das im 16. Jahrhundert kurzzeitig Regierungssitz der Niederlande war und heute die am meisten unterschätzte Stadt Flanderns ist. Wer Antwerpen als Basis nimmt, hat den Rest der Provinz in einer halben Stunde Bahnfahrt erreicht.

Provinz Antwerpen: Städte & Highlights
Foto: Teseum, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvinz in Flandern, Hauptstadt Antwerpen
  • SpracheNiederländisch, auf Schildern ausschließlich
  • LandschaftScheldemündung, Hafen, Kempen mit Heide und Kiefern
  • UNESCOBelfriede, Beginenhöfe, Museum Plantin-Moretus
  • Empfohlene Dauer3 bis 4 Tage für Stadt, Mecheln und Kempen
  • AnreiseDirekte Züge aus den Niederlanden und aus Brüssel

Warum die Provinz Antwerpen?

Weil hier Weltstadt und Provinz nebeneinanderliegen, ohne sich zu stören. Antwerpen hat einen der größten Häfen Europas, eine Modeszene mit eigenem Museum und eine Altstadt, in der Rubens noch immer der wichtigste Bewohner ist. Vierzig Kilometer weiter östlich hörst du in der Kempen nichts außer Wind in den Kiefern.

Für Reisende aus Deutschland ist die Provinz gut erreichbar. Züge aus den Niederlanden halten in Antwerpen Centraal, aus Brüssel bist du in gut einer halben Stunde da. Und weil die Provinz kompakt ist, funktioniert eine Woche mit einer einzigen Unterkunft: Mecheln, Lier und Turnhout liegen alle an der Bahn.

Antwerpen: Hafen, Diamant und Mode

Die Stadt lebt seit dem 16. Jahrhundert vom Wasser. Der Hafen reicht heute weit nach Norden bis an die niederländische Grenze und ist einer der größten Umschlagplätze Europas. Von der Dachterrasse des Museums am Fluss siehst du das Ganze umsonst, die Rolltreppen nach oben kosten keinen Eintritt.

Zwei Straßen vom Hauptbahnhof entfernt liegt das Diamantviertel, durch das ein großer Teil des Welthandels mit Rohdiamanten läuft. Es sieht aus wie ein normales Büroviertel, und genau das ist der Reiz. Der Bahnhof selbst gehört zu den schönsten Europas, die Liebfrauenkathedrale ist die größte gotische Kirche in Belgien und den Niederlanden und hängt voller Rubens. Mode kam in den 1980er Jahren dazu, als sechs Absolventen der Akademie international Aufsehen erregten und die Stadt zur Modeadresse machten.

Achtung: Antwerpen hat eine Umweltzone, die das gesamte Zentrum und die Viertel innerhalb des Rings umfasst. Ausländische Kennzeichen müssen sich vor der ersten Einfahrt online registrieren, sonst kommt ein Bußgeld. Am einfachsten stellst du das Auto an einem Park-and-ride am Ring ab und fährst mit Tram oder Bus weiter.

Mecheln: die unterschätzte Stadt

Mecheln war unter Margarete von Österreich Regierungssitz der habsburgischen Niederlande und ist bis heute Sitz des Erzbischofs. Übrig geblieben sind Stadtpaläste, ein Marktplatz mit Zunfthäusern und der Sankt-Rombouts-Turm, der nie zu Ende gebaut wurde. Über 500 Stufen führen zu einem Umgang mit Glasboden, von dem aus du an klaren Tagen bis Brüssel siehst. Der Turm gehört als Belfried zum Welterbe, ebenso der Große Beginenhof.

Zur Stadt gehört auch eine schwierige Geschichte. In der Kazerne Dossin sammelte die SS zwischen 1942 und 1944 mehr als 25.000 Juden und Roma, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Heute stehen dort ein Museum und eine Gedenkstätte. Der Besuch ist kein Programmpunkt zwischendurch, plan Zeit und Ruhe ein.

Lier, Turnhout und die kleinen Städte

Lier liegt eine Viertelstunde südöstlich von Antwerpen an zwei Flüssen, die dort zusammenfließen. Berühmt ist der Zimmerturm mit seiner astronomischen Uhr, die Sonnenstand, Mondphasen und Gezeiten gleichzeitig anzeigt. Dazu kommt ein Beginenhof, der wie der in Mecheln zum Welterbe zählt. Die Stadt ist klein genug für einen Nachmittag und ruhig genug, um dabei niemanden zu treffen.

Turnhout ist die Hauptstadt der Kempen und hat eine Spezialität, die es sonst nirgends gibt: Hier wurden über Generationen Spielkarten gedruckt, und ein Museum erzählt diese Geschichte in der alten Fabrik. Auch Turnhouts Beginenhof steht auf der Welterbeliste, gemeinsam mit den anderen flämischen Höfen. Wie diese Siedlungen funktionierten, erklärt die Themenseite zu den Beginenhöfen.

Die Kempen: Heide, Kiefern und Kanäle

Östlich von Antwerpen wird der Boden sandig und der Wald dünn. Die Kempen galten lange als arm, weil auf dem Sand kaum etwas wuchs. Heute ist genau das der Vorteil: weite Heideflächen, Kiefernwälder, gerade Kanäle und ein Radwegenetz, das jede Kreuzung nummeriert. An der niederländischen Grenze liegt die Kalmthouter Heide, ein grenzüberschreitendes Naturgebiet mit Sanddünen und Mooren. Am schönsten fährst du auf den Treidelwegen an den Kanälen: eben, autofrei und stundenlang geradeaus, bis irgendwann ein Dorf mit Kirche und Café kommt.

In Westmalle steht eine Trappistenabtei. Trappistenbier darf nur so heißen, wenn es im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird und der Erlös in den Unterhalt und in gemeinnützige Zwecke fließt. Abteibier ist etwas anderes: Das trägt nur den Namen eines Klosters und wird meist von normalen Brauereien produziert. Der Unterschied steht auf jeder Flasche, mehr dazu auf der Seite zum Bier in Belgien.

Rubens und sein Erbe

Peter Paul Rubens lebte ab 1608 in Antwerpen, führte dort eine Werkstatt mit Dutzenden Mitarbeitern und starb 1640 in der Stadt. Vier seiner großen Altarbilder hängen bis heute in der Kathedrale, an den Plätzen, für die er sie gemalt hat. Sein Wohnhaus mit Atelier und Portikus wird seit Jahren aufwendig restauriert, das Umfeld bleibt zugänglich.

Wer mehr sehen will, geht in die Sankt-Pauls-Kirche und in die Sankt-Jakobs-Kirche, in der Rubens begraben liegt. Auch das Museum Plantin-Moretus gehört in diese Zeit: Die Druckerei stand mit dem Maler in Verbindung, und sie ist das einzige Museum der Welt, das als Ganzes auf der Welterbeliste steht.

Unterwegs und Anreise

Mit der Bahn ist die Provinz einfach zu bereisen. Antwerpen Centraal ist Knotenpunkt für Züge nach Brüssel, Gent, Mecheln, Lier, Turnhout und in die Niederlande. Innerhalb der Städte fährt De Lijn mit Tram und Bus, in Antwerpen teils unterirdisch als Premetro.

Mit dem Auto gilt: In Belgien gibt es für Pkw keine Maut, mit einer Ausnahme. Der Liefkenshoektunnel unter der Schelde am Rand des Hafens ist gebührenpflichtig, der Kennedytunnel im Süden nicht. Rund um Antwerpen steht der Ring zu den Pendlerzeiten regelmäßig, plane morgens und nachmittags Puffer ein.

Eine Route, die funktioniert

Tag eins gehört Antwerpen: Kathedrale und Grote Markt am Vormittag, mittags an die Schelde, nachmittags das Museum am Fluss mit der Dachterrasse, abends die Lokale im Zuid. Tag zwei nimmst du den Zug nach Mecheln, steigst auf den Turm, läufst durch den Beginenhof und planst danach Zeit und Ruhe für die Gedenkstätte ein. Tag drei entscheidest du nach Wetter: bei Sonne mit dem Rad in die Kempen, bei Regen Plantin-Moretus, Modemuseum und ein Bummel durchs Diamantviertel.

Mit Kindern verschiebt sich das Programm. Der Zoo liegt direkt neben dem Hauptbahnhof, ein zweiter Tierpark bei Mecheln hat mehr Platz und Spielflächen, und in der Kempen fährst du auf Radwegen, auf denen keine Autos unterwegs sind. Die Altstadt von Antwerpen ist grob gepflastert, aber klein genug, dass Pausen leichtfallen.

Wann du kommen solltest

Die Stadt funktioniert das ganze Jahr, weil ihre Höhepunkte drinnen liegen. Für die Kempen ist die zweite Augusthälfte bis Anfang September die schönste Zeit, dann blüht die Heide violett. Frühling und Frühsommer sind angenehm zum Radfahren, im Dezember lohnt Antwerpen wegen der Weihnachtsmärkte.

Regen kann in jedem Monat fallen, meist als Schauer. Der Wind von der Schelde macht die Stadt im Winter kälter, als das Thermometer vermuten lässt. Wenn du die Provinz mit ihren Nachbarn kombinieren willst, hilft die Übersicht zu Flandern weiter.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für die Provinz Antwerpen?

Plane 3 bis 4 Tage. Zwei gehören der Stadt Antwerpen mit Kathedrale, Museum am Fluss und Modeviertel. Einen Tag investierst du in Mecheln, das mit Turm, Beginenhof und Gedenkstätte gut gefüllt ist. Bleibt noch ein Tag für Lier oder für die Kempen. Wer nur die Stadt sehen will, kommt mit zwei Tagen aus.

Lohnt sich Mecheln als Tagesausflug?

Ja, und zwar sehr. Von Antwerpen und von Brüssel bist du in rund zwanzig Minuten da. Die Stadt hat einen Marktplatz mit Zunfthäusern, den Sankt-Rombouts-Turm mit Aussichtsumgang, einen Beginenhof auf der Welterbeliste und die Gedenkstätte Kazerne Dossin. Dazu ist sie deutlich ruhiger und günstiger als Brügge oder Gent.

Braucht man in Antwerpen ein Auto?

Nein, besser nicht. Das Zentrum liegt in einer Umweltzone, für die sich ausländische Kennzeichen vorher registrieren müssen, und Parken ist teuer. Züge, Tram und Bus decken die ganze Provinz ab. Wer mit dem Auto anreist, stellt es an einem Park-and-ride am Ring ab. Nur für die Kempen ist ein Wagen manchmal praktischer.

Was ist die Kempen?

Ein sandiges Flachland im Osten der Provinz, das sich bis nach Limburg und in die Niederlande zieht. Typisch sind Heideflächen, Kiefernwälder, Moore und schnurgerade Kanäle. Größere Orte sind Turnhout und Herentals. Zum Wandern und Radfahren ist die Gegend ideal, die Heideblüte im Spätsommer ist der schönste Moment des Jahres.

Wo sieht man in Antwerpen Werke von Rubens?

In der Liebfrauenkathedrale hängen vier große Altarbilder an ihrem ursprünglichen Platz, darunter die Kreuzaufrichtung und die Kreuzabnahme. Weitere Werke findest du in der Sankt-Pauls-Kirche und in der Sankt-Jakobs-Kirche, wo der Maler begraben liegt. Sein Wohnhaus mit Atelier wird seit Jahren restauriert, informiere dich vorab über den Stand.

Gibt es in Belgien Maut für Autos?

Für Pkw grundsätzlich nicht. Autobahnen und Nationalstraßen sind gebührenfrei, eine Vignette brauchst du nicht. Die einzige Ausnahme in dieser Provinz ist der Liefkenshoektunnel unter der Schelde am Rand des Antwerpener Hafens. Wichtiger sind die Umweltzonen in Antwerpen, Gent und Brüssel, für die sich ausländische Kennzeichen registrieren müssen.