Auf einen Blick
- RegionProvinz Antwerpen, Flandern
- Lokaler NameTurnhout, niederländischsprachig
- UNESCOBeginenhof, seit 1998 Welterbe
- Empfohlene Dauer4 bis 5 Stunden, mit Radtour ein Tag
- AnreiseZug ab Antwerpen, rund eine Dreiviertelstunde
- Beste ReisezeitMai bis September, Heideblüte im Spätsommer
Warum Turnhout?
Weil die Stadt eine Geschichte hat, die man anfassen kann. Seit dem frühen 19. Jahrhundert werden hier Spielkarten gedruckt, aus mehreren Familienbetrieben wurde ein Unternehmen, das bis heute in Turnhout sitzt und weltweit liefert. Wer irgendwo eine Runde Karten spielt, hatte mit einiger Wahrscheinlichkeit schon Turnhouter Ware in der Hand.
Und weil Turnhout der einfachste Einstieg in die Kempen ist. Die Landschaft ist flach, sandig und still, mit Heideflächen, Nadelwald und Weihern. Wer genug Kirchen und Marktplätze gesehen hat, mietet hier ein Rad und fährt raus.
Das Spielkartenmuseum
Das Museum sitzt in einer ehemaligen Kartenfabrik und ist deshalb mehr als eine Sammlung hübscher Blätter. Du siehst die Maschinen, die Pressen, die Schablonen für das Kolorieren und die Kartons, in denen alles verpackt wurde. Dazwischen hängen Kartenspiele aus mehreren Jahrhunderten, mit Königen voller politischer Anspielungen und Motiven, an denen man sieht, wie sich der Geschmack geändert hat.
Das Ganze braucht ungefähr eine Stunde, mit Interesse an Technik auch zwei. Für Kinder ist es besser geeignet, als es klingt, weil überall Maschinen stehen und weil man am Ende versteht, wie viel Handarbeit in einem Kartenspiel steckte.
Beginenhof und Schloss
Der Beginenhof von Turnhout gehört zu den dreizehn flämischen Höfen, die seit 1998 zum UNESCO-Welterbe zählen. Er liegt ruhig hinter einer Mauer, mit einer langen Rasenfläche in der Mitte, weiß gefassten Fassaden und einer eigenen Kirche. In einem der Häuser ist ein kleines Museum eingerichtet, das zeigt, wie die Beginen gewohnt und gearbeitet haben.
Ein paar Schritte weiter steht das Schloss der Herzöge von Brabant, umgeben von einem Wassergraben. Es ist keine Museumsburg, sondern ein Gerichtsgebäude: Hier tagt bis heute das Friedensgericht. Von außen ist es trotzdem sehenswert, und der Park drumherum ist öffentlich zugänglich.
Gut zu wissen: Beginen waren keine Nonnen. Ein lebenslanges Gelübde legten sie nicht ab, sie verdienten eigenes Geld und konnten den Hof jederzeit wieder verlassen. Warum daraus in Flandern ganze Stadtviertel wurden, steht unter Beginenhöfe in Belgien.
Die Kempen vor der Tür
Nördlich und östlich der Stadt beginnt eine Landschaft, die mit dem üblichen Bild von Belgien wenig zu tun hat: Sandboden, Heide, Kiefernwald, dazwischen Weiher, die vom Torfstechen übrig geblieben sind. Das Naturgebiet De Liereman bei Oud-Turnhout gehört zu den ältesten Schutzgebieten Flanderns und lässt sich in zwei Stunden erlaufen.
Das Fahrrad ist hier das Verkehrsmittel der Wahl, weil es keine Steigungen gibt und die Wege durchgehend ausgeschildert sind. Das belgische Knotenpunktnetz macht die Planung leicht: Du merkst dir eine Reihe Nummern und musst unterwegs nicht auf die Karte schauen. Wie das genau funktioniert, steht unter Radfahren in Belgien.
Tipp: Rund fünfzehn Kilometer nördlich liegt Baarle-Hertog, wo belgisches und niederländisches Gemeindegebiet so ineinandergeschachtelt sind, dass die Grenze quer durch Häuser und Cafés läuft. Im Pflaster ist sie mit Kreuzen markiert. Als Halbtagestour mit dem Rad ist das der beste Ausflug der Gegend.
Die Stadt selbst
Die Grote Markt ist von Cafés gesäumt und wird von der Kirche beherrscht, drumherum liegt eine überschaubare Innenstadt mit Läden und Gassen. Turnhout ist keine schöne Stadt im Sinne von Brügge, sondern eine, die arbeitet. Genau das macht den Aufenthalt entspannt: Preise, Terrassen und Bedienung richten sich nach Einheimischen, nicht nach Gästen.
Essen, Trinken und der Stadtpark
Kulinarisch ist Turnhout bodenständig: Frituur an der Ecke, Tagesteller in den Cafés am Markt, dazu die üblichen flämischen Klassiker wie in dunklem Bier geschmortes Rindfleisch. Die Bierkarten sind lang, und weil die Kempen historisch eine arme Gegend waren, wurde hier nie kompliziert gekocht. Das ist keine Kritik, sondern eine Ansage: Du isst gut, aber ohne Aufwand.
Zum Verschnaufen gibt es die Warande, den Stadtpark am Rand des Zentrums, mit altem Baumbestand und einem Kulturzentrum. Wer mit Kindern unterwegs ist, kombiniert Spielkartenmuseum, Park und eine kurze Radrunde zu einem Tag, der niemanden überfordert.
Praktisch: Anreise, Zeit, Wetter
Turnhout heißt in allen drei Landessprachen gleich, das erspart dir hier die Namenssuche auf den Schildern. Beschildert wird ausschließlich auf Niederländisch, und bis zur niederländischen Grenze sind es nur wenige Kilometer. Turnhout ist Endstation der Bahnstrecke. Der Zug ab Antwerpen braucht rund eine Dreiviertelstunde, vom Bahnhof läufst du in gut zehn Minuten zur Grote Markt. Mit dem Auto ist die Stadt unkompliziert, eine Umweltzone gibt es nicht. In Antwerpen, Brüssel und Gent schon, und ausländische Kennzeichen müssen sich dort vor der ersten Fahrt online registrieren.
Das Wetter ist mild und feucht. Im Juli und August liegen die Höchstwerte bei rund 23 Grad, im Januar bei gut 6 Grad. Regen fällt an elf bis fünfzehn Tagen im Monat, am wenigsten Niederschlag bringt der April. Für die Stadt reichen 4 bis 5 Stunden, mit einer Radtour in die Kempen wird ein voller Tag daraus. Die Nachbarstädte findest du unter Provinz Antwerpen, besonders lohnend sind Lier und Mechelen.
Klima und Anreise auf einen Blick
- Wärmster MonatAugust, 23 °C
- Kühlster MonatJanuar, 2 °C
- Trockenster MonatApril
- Höhe29 m
Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius
Regen Millimeter und Regentage pro Monat
Entfernung ab deutschen Flughäfen
| Ab | Entfernung | Flugzeit ca. |
|---|---|---|
| Düsseldorf (DUS) | 127 km | 0 Std. 45 Min. |
| Köln/Bonn (CGN) | 162 km | 0 Std. 45 Min. |
| Frankfurt (FRA) | 292 km | 0 Std. 55 Min. |
| Stuttgart (STR) | 423 km | 1 Std. 5 Min. |
| Hamburg (HAM) | 427 km | 1 Std. 5 Min. |
| München (MUC) | 591 km | 1 Std. 20 Min. |
| Berlin (BER) | 599 km | 1 Std. 20 Min. |
Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.
Häufige Fragen
Lohnt sich Turnhout für einen Tagesausflug?
Für einen halben Tag ja, für einen ganzen nur mit Umland. Spielkartenmuseum, Beginenhof, Schloss und Innenstadt füllen 4 bis 5 Stunden. Wer danach ein Rad mietet und in die Kempen fährt, macht daraus einen vollen Tag. Als reines Städteziel ist Turnhout weniger spektakulär als Mechelen oder Lier.
Was zeigt das Spielkartenmuseum in Turnhout?
Es sitzt in einer ehemaligen Kartenfabrik und zeigt die komplette Herstellung: Pressen, Schablonen zum Kolorieren, Schneidemaschinen und Verpackung. Dazu kommen Kartenspiele aus mehreren Jahrhunderten. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde und ist auch für Kinder interessant, weil die Maschinen groß und anschaulich sind.
Kann man das Schloss von Turnhout besichtigen?
Innen nur eingeschränkt, denn das Schloss der Herzöge von Brabant wird als Gerichtsgebäude genutzt, dort tagt das Friedensgericht. Von außen kannst du es in Ruhe ansehen, der Wassergraben und der Park drumherum sind öffentlich zugänglich. Für die Innenräume musst du auf Führungen oder besondere Öffnungstage achten.
Was sind die Kempen?
Eine flache Sandlandschaft im Nordosten Flanderns, mit Heide, Kiefernwald, Mooren und vielen Weihern. Die Landschaft reicht bis über die niederländische Grenze und ist deutlich dünner besiedelt als der Rest der Region. Turnhout gilt als ihre Hauptstadt. Am besten erkundest du die Kempen mit dem Rad, Steigungen gibt es praktisch keine.
Wie kommt man nach Turnhout?
Mit dem Zug ab Antwerpen in rund einer Dreiviertelstunde, Turnhout ist Endstation der Strecke. Vom Bahnhof läufst du in gut zehn Minuten in die Innenstadt. Mit dem Auto ist die Anfahrt einfach und die Stadt hat keine Umweltzone, anders als Antwerpen, Brüssel und Gent, wo ausländische Kennzeichen sich vorher registrieren müssen.





