Stadt in Belgien · Westflandern

Poperinge: Hopfen & Talbot House

Poperinge liegt zwölf Kilometer westlich von Ypern und ist auf den ersten Blick ein ruhiges flämisches Städtchen mit Marktplatz und drei Kirchen. Auf den zweiten Blick ist es zweierlei: die Hopfenhauptstadt Belgiens und der Ort, an dem die britische Armee zwischen 1914 und 1918 verschnaufte, wenn sie aus der Front kam.

Auf den Schildern steht Poperinge, gesprochen wird Niederländisch, und die Soldaten nannten den Ort schlicht „Pop“. Die Stadt zeigt beides ohne Pathos: Hopfengärten im Umland, ein Soldatenclub von 1915 und im Hof des Rathauses die Zellen der zum Tode Verurteilten.

Poperinge: Hopfen & Talbot House
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Auf einen Blick

  • RegionWestflandern, Westhoek
  • Lokaler NamePoperinge, auf Niederländisch
  • Einwohnerrund 20.000
  • Bekannt fürHopfenanbau, Talbot House, Lijssenthoek
  • Empfohlene Dauerein halber bis 1 Tag
  • Beste ReisezeitMai bis September, Hopfenernte im September

Warum Poperinge?

Weil hier die andere Hälfte der Kriegsgeschichte steht. In Ypern geht es um Front, Verluste und Gedenken. In Poperinge geht es darum, wie Männer die Zeit dazwischen verbrachten: Bier, Bäder, Briefe, Konzerte, ein Café mit Klavier. Der Ort lag knapp außerhalb der Reichweite der meisten Geschütze und blieb während des ganzen Krieges in alliierter Hand.

Der zweite Grund ist der Hopfen. Rund um die Stadt stehen Hopfengärten mit ihren hohen Drahtgerüsten, und im Spätsommer wachsen die Ranken bis in sieben Meter Höhe. Belgien ist ein Bierland, aber nur an wenigen Stellen sieht man, wo der Rohstoff herkommt.

Talbot House

Ende 1915 richteten zwei britische Militärgeistliche in einem beschlagnahmten Kaufmannshaus einen Club ein, der allen offenstand: Mannschaften und Offizieren, ohne Unterschied. Über der Tür hing sinngemäß die Aufforderung, den Dienstgrad draußen zu lassen. Es gab Tee, Bücher, ein Klavier, einen Garten und unter dem Dach eine Kapelle mit einem Tisch als Altar, an dem Tausende Männer beteten, bevor sie zurück an die Front gingen.

Das Haus existiert bis heute in fast unverändertem Zustand und ist Museum und Gästehaus zugleich. Du kannst dich in den Garten setzen, dir Tee machen und in den Büchern blättern. Es gibt kaum einen Ort in Flandern, der diesen Krieg so unmittelbar und so leise erzählt. Rechne mit 1 bis 2 Stunden.

Die Todeszellen am Rathaus

Im Hof hinter dem Rathaus liegen zwei kleine Zellen. Dort verbrachten Soldaten, die von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden waren, ihre letzte Nacht. Im Hof steht der Pfahl, an dem am Morgen vollstreckt wurde. An den Wänden sind Kritzeleien erhalten.

Es sind zwei Räume, in fünf Minuten gesehen, und sie treffen härter als jedes Museum. Verurteilt wurde meist wegen Desertion oder Feigheit vor dem Feind, oft nach Verfahren von wenigen Minuten. Viele der Betroffenen wurden Jahrzehnte später posthum begnadigt. Geh leise hinein und lass Kameras eine Weile stecken.

Gut zu wissen: Rund zwei Kilometer südlich liegt Lijssenthoek Military Cemetery. Hier standen die Feldlazarette, entsprechend liegen fast 11.000 Menschen begraben, die an ihren Verwundungen starben. Anders als an der Front sind fast alle Gräber namentlich belegt. Das Besucherzentrum ordnet das ein, ohne zu dramatisieren. Den größeren Zusammenhang erklärt die Themenseite Erster Weltkrieg in Flandern.

Hopfen, Bier und Watou

Das Hopfenmuseum sitzt im alten Waagehaus der Stadt, in dem früher jeder Sack Hopfen gewogen und versiegelt wurde. Über mehrere Etagen wird gezeigt, wie angebaut, geerntet, getrocknet und gehandelt wird, und warum Hopfen für Bier mehr ist als Bitterstoff. Alle drei Jahre feiert die Stadt im September die Hoppefeesten mit Umzug und vollem Marktplatz.

Zur Gemeinde gehört das Dorf Watou an der französischen Grenze, bekannt für seine Brauerei und für ein Kunstfestival im Sommer. Ein paar Kilometer weiter liegt eine Trappistenabtei, die selbst braut. Trappistenbier darf nur so heißen, wenn im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird und die Erträge klösterlichen Zwecken dienen. Abteibier ist etwas anderes: ein kommerziell gebrautes Bier mit einem Klosternamen auf dem Etikett. Mehr dazu unter Bier in Belgien.

Achtung: Bier aus dieser Abtei bekommst du nicht im Supermarkt. Verkauft wird in begrenzter Menge direkt am Kloster, und die Bestellwege ändern sich immer wieder. Prüf das vorher auf der offiziellen Seite der Abtei, statt auf gut Glück hinzufahren. Und kauf nicht bei Wiederverkäufern zu Fantasiepreisen, das sehen die Mönche selbst nicht gern.

Die Stadt selbst

Der Grote Markt ist groß, hell und von Giebelhäusern gerahmt, dahinter stehen drei gotische Kirchen aus Backstein, mehr als eine Stadt dieser Größe je gebraucht hat. Der Wochenmarkt füllt den Platz, und in den Cafés sitzen Einheimische statt Reisegruppen.

Im Frühjahr steht auf den Karten der Restaurants hier etwas, das du sonst kaum findest: Hopfensprossen. Die jungen Triebe werden von Hand gestochen, sind teuer und schmecken zart und leicht nussig. Die Saison dauert nur wenige Wochen im März und April.

Anreise und Zeitbedarf

Mit dem Zug fährst du über Kortrijk, Poperinge ist Endstation der Linie und liegt eine Viertelstunde hinter Ypern. Mit dem Auto sind es von Ypern zwölf Kilometer über Land. Umweltzonen gibt es hier keine, in Brüssel, Antwerpen und Gent musst du dein ausländisches Kennzeichen dagegen vorher registrieren. Maut fällt für Pkw nicht an, außer in der Liefkenshoektunnel bei Antwerpen.

Für Talbot House, die Zellen und das Hopfenmuseum reicht ein halber Tag. Mit Lijssenthoek und einer Runde durch die Hopfengärten wird ein ganzer daraus. Die meisten Besucher kombinieren Poperinge mit Ypern, und das ist auch die sinnvollste Reihenfolge: erst die Front, dann die Ruhestellung.

Wann du kommen solltest

Im Juli und August liegen die Höchstwerte bei knapp 23 Grad, nachts bei 14. Im Januar sind es tagsüber 7 Grad. Am trockensten ist der April mit rund 45 Millimetern, am nassesten der November mit knapp 80, und Regentage gibt es in jedem Monat 9 bis 14. Für die Hopfengärten ist der späte Sommer die beste Zeit, weil die Ranken dann oben angekommen sind und die Ernte im September läuft. Alle weiteren Ziele der Region stehen unter Westflandern, ruhige Nachbarn sind Veurne und Nieuwpoort.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Poperinge22°CRegen
  • Wärmster MonatAugust, 23 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 2 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe19 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

7°2°J
9°3°F
11°4°M
14°5°A
17°9°M
21°13°J
22°14°J
23°15°A
20°13°S
16°10°O
11°6°N
9°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

77mm14 TageJ
62mm12 TageF
68mm14 TageM
45mm10 TageA
60mm11 TageM
62mm9 TageJ
50mm10 TageJ
68mm11 TageA
66mm10 TageS
71mm13 TageO
78mm14 TageN
76mm14 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)286 km0 Std. 55 Min.
Köln/Bonn (CGN)310 km1 Std. 0 Min.
Frankfurt (FRA)423 km1 Std. 5 Min.
Stuttgart (STR)525 km1 Std. 15 Min.
Hamburg (HAM)582 km1 Std. 20 Min.
München (MUC)709 km1 Std. 30 Min.
Berlin (BER)762 km1 Std. 30 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Häufige Fragen

Was ist Talbot House in Poperinge?

Ein Soldatenclub, den britische Militärgeistliche Ende 1915 in einem Kaufmannshaus einrichteten. Dort galten keine Dienstgrade, es gab Tee, Musik, einen Garten und unter dem Dach eine Kapelle. Das Haus ist heute Museum und Gästehaus in einem und in weiten Teilen original erhalten. Für den Besuch solltest du 1 bis 2 Stunden einplanen.

Kann man Poperinge und Ypern an einem Tag sehen?

Ja, die Orte liegen zwölf Kilometer auseinander, mit dem Zug sind es fünfzehn Minuten. Sinnvoll ist diese Reihenfolge: vormittags Ypern mit Museum und Stadt, nachmittags Poperinge mit Talbot House und den Zellen, abends zurück nach Ypern zum Last Post. Für beide Orte in Ruhe brauchst du allerdings zwei Tage.

Wann ist die Hopfenernte in Poperinge?

Im September. Dann werden die Ranken von den Drahtgerüsten geholt und in den Höfen verarbeitet, und die Landschaft rund um die Stadt riecht danach. Alle drei Jahre gibt es im selben Monat die Hoppefeesten mit Umzug. Im Frühjahr, meist im März und April, gibt es dafür Hopfensprossen auf den Speisekarten.

Sind die Todeszellen frei zugänglich?

Sie liegen im Innenhof hinter dem Rathaus und sind über den Hof erreichbar. Es handelt sich um zwei sehr kleine Räume mit erhaltenen Kritzeleien an den Wänden, im Hof steht der Vollstreckungspfahl. Der Besuch dauert wenige Minuten. Verhalte dich leise, es ist kein Ausstellungsstück, sondern ein Ort, an dem Menschen gestorben sind.

Kann man in Poperinge Trappistenbier kaufen?

Im Ort bekommst du regionale Biere in Cafés und Läden. Das Bier der nahen Trappistenabtei wird dagegen nur direkt am Kloster in begrenzter Menge abgegeben, und die Regeln dafür ändern sich immer wieder. Informier dich vorher auf der offiziellen Seite der Abtei. Trappistenbier heißt nur, was im Kloster unter Aufsicht der Mönche gebraut wird.