Blog · Belgien-Wissen

Krank im Belgien-Urlaub: Karte, Arzt, Apotheke

Belgien hat ein sehr gutes Gesundheitssystem, kurze Wartezeiten und Ärzte, die oft mehrere Sprachen sprechen. Es funktioniert allerdings anders als das deutsche: Du bezahlst beim Arzt in der Regel zuerst selbst und bekommst das Geld anschließend zurück.

Hier steht, was du vor der Reise einpackst, wie du am Wochenende an einen Arzt kommst, warum die Apotheke in Belgien eine größere Rolle spielt als in Deutschland und wann der Weg in die Notaufnahme wirklich richtig ist.

Krank im Belgien-Urlaub: Karte, Arzt, Apotheke
Foto: Chelsea van de Wynckel, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Krankenkartedie EHIC auf der Rückseite der deutschen Gesundheitskarte
  • Prinziperst selbst zahlen, dann Erstattung beantragen
  • Notruf112, Bereitschaftsdienst vielerorts unter 1733
  • ApothekeApotheek oder Pharmacie, grünes Kreuz
  • WichtigQuittung und Behandlungsschein immer aufheben
  • Nicht gedecktder Rücktransport nach Deutschland

Die wichtigste Regel: du zahlst zuerst

In Deutschland zeigst du die Karte und gehst wieder. In Belgien gilt meist das Gegenteil: Du bezahlst die Behandlung direkt in der Praxis, bekommst dafür eine Quittung und einen Behandlungsschein, und mit diesen Papieren holst du dir das Geld zurück. Der Schein heißt auf Niederländisch getuigschrift voor verstrekte hulp, auf Französisch attestation de soins donnés. Frag ausdrücklich danach, wenn du ihn nicht bekommst.

Für die Erstattung hast du zwei Wege. Entweder du reichst die Unterlagen vor Ort bei einer belgischen Krankenkasse ein, oder du nimmst alles mit nach Hause und reichst es bei deiner deutschen Kasse ein. Der zweite Weg ist bequemer, dauert aber länger. In beiden Fällen gilt: ohne Papier kein Geld. Heb also jede Quittung auf, auch die aus der Apotheke.

Gut zu wissen: Die Europäische Krankenversicherungskarte, kurz EHIC, ist bei gesetzlich Versicherten auf der Rückseite der deutschen Gesundheitskarte aufgedruckt. Du musst also nichts beantragen, nur mitnehmen. Sie deckt Behandlungen ab, die während des Aufenthalts nötig werden, und zwar bei Ärzten und Häusern, die am staatlichen System teilnehmen. Rein private Praxen rechnen anders ab.

Zum Arzt: erst der Hausarzt

Der erste Weg führt in Belgien zum Hausarzt, auf Niederländisch huisarts, auf Französisch médecin généraliste. Termine bekommst du oft am selben Tag, viele Praxen arbeiten mit Onlinebuchung. In Städten wie Brüssel ist Englisch fast immer möglich, in den Ostkantonen und im Grenzgebiet auch Deutsch.

Zum Facharzt kommst du im Prinzip auch ohne Überweisung, mit einer Überweisung vom Hausarzt fällt die Erstattung aber oft höher aus. Für einen Urlaubsinfekt, eine entzündete Wunde oder einen verstauchten Knöchel ist der Hausarzt ohnehin die richtige Adresse.

Abends, nachts und am Wochenende

Außerhalb der Sprechzeiten übernimmt der Bereitschaftsdienst. In weiten Teilen Belgiens erreichst du ihn unter der 1733, und in vielen Regionen gibt es feste Bereitschaftspraxen, zu denen du hinfährst, statt auf einen Hausbesuch zu warten. Diese Praxen liegen oft neben einem Krankenhaus, arbeiten aber deutlich schneller als die Notaufnahme.

Die Notaufnahme, ausgeschildert als Spoedgevallen oder Urgences, ist für echte Notfälle da: Brustschmerzen, starke Blutungen, Verdacht auf einen Bruch, Bewusstlosigkeit. Bei einem grippalen Infekt wartest du dort lange und zahlst mehr. Bei Lebensgefahr gilt immer die 112.

Achtung: Die EHIC übernimmt keinen Rücktransport nach Deutschland, und genau der ist im Ernstfall der teuerste Posten. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung kostet für eine Familie im Jahr wenig und deckt Rücktransport und private Behandlung ab. Für Belgien lohnt sie sich genauso wie für Fernreisen.

Die Apotheke: wichtiger als in Deutschland

Rezeptfreie Medikamente bekommst du in Belgien ausschließlich in Apotheken, nicht im Supermarkt und nicht in der Drogerie. Selbst einfache Schmerzmittel liegen hinter dem Tresen. Erkennbar sind Apotheken am grünen Kreuz und an den Wörtern Apotheek oder Pharmacie.

Dafür beraten belgische Apotheker viel: Bei kleineren Beschwerden ist die Apotheke oft die erste und einzige Station. Nachts und am Wochenende gilt eine Bereitschaftsregelung, die Liste der diensthabenden Apotheke hängt an der Tür der geschlossenen Häuser und steht auf der offiziellen Website des Apothekerverbands. Nachts wird meist nicht geöffnet, sondern durch eine Klappe oder ein Fenster bedient.

Tipp: Notier dir vor der Reise die Wirkstoffnamen deiner Medikamente, nicht die Markennamen. Belgische Präparate heißen anders, der Wirkstoff ist international gleich. Ein Foto der Packungsbeilage auf dem Handy reicht, und in der Apotheke bekommst du damit in zwei Minuten das passende Mittel.

Sprache im Wartezimmer

Welche Sprache im Behandlungszimmer gesprochen wird, hängt von der Region ab und nicht vom Arzt: Niederländisch in Flandern, Französisch in der Wallonie, Deutsch in den Ostkantonen, in Brüssel beides. Englisch ist im Gesundheitswesen weit verbreitet, gerade bei jüngeren Ärzten. Hilfreich ist trotzdem, wenn du Vorerkrankungen und Allergien vorher übersetzt notierst. Wie sich die Sprachgrenze im Alltag anfühlt, steht im Beitrag über die Sprachen in Belgien.

Bezahlen in der Praxis

Kartenzahlung ist in Praxen und Apotheken üblich, Bargeld brauchst du selten. Rechne trotzdem damit, dass du die Behandlung vollständig auslegst. Bewahre Quittung, Behandlungsschein und Rezeptkopien zusammen auf, am besten zusätzlich als Foto. Wie in Belgien generell bezahlt wird, erklärt der Beitrag Bezahlen in Belgien.

Was in die Reiseapotheke gehört

Für Belgien reicht das Übliche: Schmerz- und Fiebermittel, etwas gegen Durchfall, Pflaster, Desinfektion, deine Dauermedikamente in ausreichender Menge und eine Kopie des Rezepts. Wer an die Küste fährt, sollte an Sonnenschutz denken, weil der Wind das Verbrennen kaschiert. Wer in den Ardennen wandert, nimmt eine Zeckenzange mit und kontrolliert abends Beine und Kniekehlen.

An der Nordseeküste gibt es im Sommer bewachte Strandabschnitte mit Rettungsschwimmern, erkennbar an den Flaggen. Grün oder blau bedeutet, dass geschwommen werden darf, rot bedeutet Verbot. Halte dich daran: Die Strömungen zwischen den Sandbänken werden regelmäßig unterschätzt, und das Wasser ist auch im Hochsommer kühl.

Mit Kindern zum Arzt

Kinderärzte gibt es, den ersten Weg macht aber auch bei Kindern meist der Hausarzt. Nimm den Impfpass mit und, falls vorhanden, das gelbe Untersuchungsheft. Fieber, Ohrenschmerzen und Insektenstiche sind die Klassiker im Urlaub, und für alle drei bekommst du am selben Tag einen Termin. Welche Ziele mit Kindern sonst funktionieren, steht unter Belgien mit Kindern.

Häufige Fragen

Reicht die deutsche Gesundheitskarte in Belgien?

Ja, wenn auf der Rückseite die Europäische Krankenversicherungskarte aufgedruckt ist, was bei gesetzlich Versicherten der Fall ist. Sie deckt Behandlungen ab, die während der Reise nötig werden. Rechne damit, dass du in der Praxis zuerst selbst bezahlst und dir das Geld anschließend mit Quittung und Behandlungsschein erstatten lässt.

Wie finde ich am Wochenende einen Arzt?

Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst, den du in weiten Teilen Belgiens unter 1733 erreichst. In vielen Regionen gibt es feste Bereitschaftspraxen, oft direkt neben einem Krankenhaus. Das geht deutlich schneller als der Weg in die Notaufnahme. Bei Lebensgefahr wählst du immer die 112.

Bekomme ich Schmerzmittel im belgischen Supermarkt?

Nein. Rezeptfreie Medikamente werden in Belgien ausschließlich in Apotheken verkauft, selbst einfache Schmerzmittel. Apotheken erkennst du am grünen Kreuz und an den Wörtern Apotheek oder Pharmacie. Nachts und sonntags gilt eine Bereitschaftsregelung, die diensthabende Apotheke hängt an der Tür der geschlossenen Apotheken aus.

Brauche ich eine Auslandskrankenversicherung für Belgien?

Empfehlenswert ist sie. Die europäische Karte deckt die Behandlung ab, aber nicht den Rücktransport nach Deutschland, und der ist im Ernstfall der größte Kostenblock. Auch privat abrechnende Praxen und Zuzahlungen sind nicht vollständig gedeckt. Eine Jahrespolice kostet wenig und gilt meist für alle Reisen des Jahres.

Was mache ich, wenn ich meine Medikamente vergessen habe?

Geh mit der Packung oder einem Foto der Packungsbeilage in eine Apotheke und nenne den Wirkstoff, nicht den deutschen Markennamen. Für rezeptpflichtige Mittel brauchst du ein belgisches Rezept, das dir ein Hausarzt am selben Tag ausstellen kann. Nimm deshalb immer eine Kopie deiner Rezepte oder einen Medikationsplan mit.