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Bezahlen in Belgien: Karte, Bargeld & Trinkgeld

Belgien gehört zur Eurozone, du brauchst also nicht zu wechseln und keine Umrechnung im Kopf. Trotzdem gibt es ein paar Eigenheiten, die dich an der Kasse ausbremsen können: ein eigenes Kartensystem, Läden ohne Kreditkarte, Toiletten, die Münzen verlangen, und Trinkgeldregeln, die anders funktionieren als in Deutschland.

Hier steht, womit du wo bezahlst, wie viel Bargeld du dabei haben solltest, wo du günstig an Geld kommst und was du beim Trinkgeld tust, ohne zu viel oder zu wenig zu geben.

Bezahlen in Belgien: Karte, Bargeld & Trinkgeld
Foto: European Commission, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WährungEuro, kein Umtausch nötig
  • StandardKartenzahlung, meist kontaktlos
  • Eigenes SystemBancontact, das belgische Debitverfahren
  • Bargeld fürFrituur, Markt, Toiletten, kleine Cafés
  • TrinkgeldBedienung ist im Preis enthalten, Aufrunden reicht
  • Pflicht für Händlermindestens eine elektronische Zahlungsmöglichkeit

Karte zuerst, fast überall

Belgien ist ein Kartenland. In Supermärkten, Restaurants, Museen, Bäckereien und an Ticketautomaten zahlst du selbstverständlich mit Karte, auch kleine Beträge, auch kontaktlos. Niemand schaut komisch, wenn du einen Kaffee mit der Karte bezahlst. Händler müssen inzwischen mindestens eine elektronische Zahlungsmöglichkeit anbieten, reine Bargeldläden sind also die Ausnahme geworden.

Kontaktlos funktioniert wie zu Hause: bis zu einem bestimmten Betrag ohne PIN, darüber mit. Handy und Uhr werden an den meisten Terminals akzeptiert. Wer mehrere Karten dabei hat, sollte eine davon als Reserve getrennt aufbewahren, das ist der einzige wirklich wichtige Rat zu diesem Thema.

Bancontact: das belgische Eigengewächs

An belgischen Kassen und Automaten begegnet dir ständig das Wort Bancontact. Das ist das nationale Debitverfahren, mit dem Belgier bezahlen, vergleichbar mit der deutschen Girocard. Und genau das ist der Haken: Beide Systeme sind national. Eine reine deutsche Girocard ohne internationales Zahlverfahren funktioniert in Belgien nicht.

Was zuverlässig geht, sind Debit- und Kreditkarten der internationalen Anbieter, die in Deutschland fast jede Bank ausgibt. Achte vor der Reise darauf, dass auf deiner Karte eines dieser Logos steht, nicht nur das der Girocard. Im Zweifel nimmst du zusätzlich eine Kreditkarte mit.

Achtung: Kleinere Läden, Bäckereien und manche Restaurants akzeptieren zwar Karten, aber ausdrücklich keine Kreditkarten. An der Tür steht dann nur das Bancontact-Logo. Wer nur mit Kreditkarte anreist, steht in genau diesen Läden mit leeren Händen da. Eine Debitkarte mit internationalem Verfahren löst das Problem.

Wo du trotzdem Bargeld brauchst

Trotz aller Digitalisierung ist Bargeld in Belgien präsenter als in den Niederlanden oder Skandinavien. Diese Situationen solltest du mit Münzen und kleinen Scheinen einplanen:

Erstens die Frituur. Viele Fritten- und Imbissbuden nehmen Karten, aber längst nicht alle, und an der kleinen Bude am Dorfplatz gilt oft Bargeld. Dasselbe gilt für Marktstände, Hofläden und den Sonntagsmarkt in Lüttich. Wie diese Alltagskultur funktioniert, steht unter Pommes frites in Belgien.

Zweitens Toiletten. In Bahnhöfen, Kaufhäusern, an Autobahnraststätten und in vielen Cafés kostet der Gang zur Toilette eine kleine Gebühr, häufig kassiert von einer Person am Eingang. Kleingeld gehört deshalb in die Jackentasche, nicht ins Portemonnaie unten in der Tasche.

Drittens Kirchen und Kapellen. Opferkerzen, Spendenkästen und kleine Ausstellungen in Seitenkapellen laufen fast immer über Münzen. Und viertens Trinkgeld, das sich in bar einfacher geben lässt als über das Terminal.

Gut zu wissen: Für große Beträge gilt in Belgien eine gesetzliche Obergrenze für Barzahlungen, etwa beim Kauf hochwertiger Waren. Für eine Städtereise spielt das keine Rolle, aber wer im Diamantviertel auf die Idee kommt, einen größeren Kauf bar zu bezahlen, wird das schnell merken.

Geldautomaten finden

Die belgischen Banken haben ihre eigenen Automaten weitgehend abgebaut und betreiben stattdessen ein gemeinsames Netz neutraler Geldautomaten, das über die Städte verteilt ist. Diese Automaten erkennst du an einer einheitlichen Gestaltung, sie stehen häufig an Bahnhöfen, in Einkaufsstraßen und an größeren Supermärkten. Beim Abheben mit einer Karte aus der Eurozone fallen dort in der Regel keine zusätzlichen Betreibergebühren an.

Anders sieht es bei freistehenden Automaten in Touristenlagen aus, oft in Hotellobbys, an Bahnhofseingängen oder in Souvenirstraßen. Sie gehören privaten Betreibern, verlangen eine eigene Gebühr und bieten dir gern eine Abrechnung in deiner Heimatwährung an. Beides kostet Geld. Heb lieber einmal einen größeren Betrag am regulären Automaten ab, als dreimal am teuren.

Trinkgeld: die Regeln

Das ist der Punkt, an dem deutsche Gäste am häufigsten unsicher sind. In Belgien sind Bedienung und Mehrwertsteuer im ausgezeichneten Preis enthalten. Trinkgeld ist ein freiwilliger Zuschlag für gute Arbeit, keine Ergänzung eines zu niedrigen Lohns. Entsprechend niedriger fällt es aus als in Deutschland.

Situation Üblich
Restaurant, gutes Essen Aufrunden, bei sehr gutem Service bis etwa 10 Prozent
Café oder braune Kneipe Rest liegen lassen, mehr nicht
Frituur und Imbiss Nichts
Taxi Auf den nächsten runden Betrag aufrunden
Hotel, Gepäck oder Zimmer Freiwillig, ein paar Münzen
Toilettenaufsicht Kleingeld, oft ist der Betrag angeschrieben
Stadtführung ohne Festpreis Wird erwartet, gib bar am Ende

Praktisch heißt das: Sag beim Zahlen den Betrag, den du insgesamt geben willst, oder leg das Geld auf den Tisch. Am Kartenterminal lässt sich Trinkgeld in Belgien oft nicht eintippen, deshalb ist bar hier einfacher. Und niemand ist beleidigt, wenn du nur den Rechnungsbetrag zahlst.

Ein paar Situationen, die überraschen

In Restaurants bekommst du Leitungswasser normalerweise nicht kostenlos, Wasser kommt in der Flasche auf die Rechnung. Das ist kein Trick, sondern Kalkulation. In Kneipen wird oft angeschrieben und erst am Ende abgerechnet, der Bierdeckel mit Strichen ist dort ein Zahlungssystem. Und in Museen und an Sehenswürdigkeiten läuft der Ticketkauf zunehmend online mit Zeitfenster, an der Kasse selbst wird häufig gar kein Bargeld mehr angenommen.

Beim Parken zahlst du am Automaten meist mit Karte oder App, in kleineren Orten gilt dagegen die blaue Zone mit Parkscheibe, die nichts kostet, aber zeitlich begrenzt ist. Details dazu stehen unter mit dem Auto nach Belgien. Zugtickets kaufst du am Automaten, am Schalter oder in der App, siehe Belgien mit dem Zug.

Tipp: Nimm für eine Städtereise einen kleinen Bargeldvorrat mit vielen Münzen mit und lade ihn einmal vor Ort am Automaten auf. Damit deckst du Toiletten, Frituur, Markt und Trinkgeld ab, ohne ständig nachzudenken. Alles andere zahlst du mit Karte, das ist in Belgien der bequemste Weg. Was die Reise insgesamt kostet, steht unter Was kostet eine Städtereise nach Belgien.

Häufige Fragen

Kann man in Belgien überall mit Karte zahlen?

Fast überall. Supermärkte, Restaurants, Museen und Verkehrsbetriebe nehmen Karten selbstverständlich an, auch für kleine Beträge und kontaktlos. Händler müssen mindestens eine elektronische Zahlungsmöglichkeit anbieten. Ausnahmen bleiben kleine Frituren, Marktstände, Toilettenaufsichten und Spendenkästen in Kirchen, dort brauchst du Münzen.

Funktioniert die deutsche Girocard in Belgien?

Alleine nicht. Die Girocard ist ein nationales System, genau wie das belgische Bancontact, und beide sprechen nicht miteinander. Du brauchst eine Karte mit einem internationalen Zahlverfahren, das die meisten deutschen Banken heute mit ausgeben. Prüf vor der Reise, welche Logos auf deiner Karte stehen, und nimm eine Reservekarte mit.

Wie viel Trinkgeld gibt man in Belgien?

Weniger als in Deutschland. Bedienung und Steuer sind im Preis enthalten, Trinkgeld ist eine freiwillige Anerkennung. Im Restaurant rundest du auf, bei sehr gutem Service bis etwa zehn Prozent. In der Kneipe lässt du den Rest liegen, an der Frituur gibst du nichts. Bar ist einfacher als über das Terminal.

Brauche ich in Belgien Bargeld?

Ja, aber wenig. Ein kleiner Vorrat mit Münzen reicht für Toiletten, Marktstände, kleine Imbisse, Kerzen in Kirchen und Trinkgeld. Alles andere zahlst du bequemer mit Karte. Heb einmal an einem regulären Automaten ab, statt mehrmals kleine Beträge an teuren Automaten in Touristenlagen zu ziehen.

Wo hebt man in Belgien am günstigsten Geld ab?

An den Automaten des gemeinsamen Bankennetzes, die an Bahnhöfen, in Einkaufsstraßen und bei größeren Supermärkten stehen. Mit einer Karte aus der Eurozone fallen dort meist keine Betreibergebühren an. Meide freistehende Automaten in Hotellobbys und Souvenirstraßen: Sie verlangen eine eigene Gebühr und bieten schlechte Abrechnungsoptionen an.