Flämisch-Brabant · Löwen

Großer Beginenhof

Der Große Beginenhof ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein ganzes Viertel: rund hundert Backsteinhäuser, eigene Gassen, niedrige Brücken über die Dijle, Gärten hinter Mauern. Seit 1998 gehört er als einer der flämischen Beginenhöfe zum UNESCO-Welterbe. Vor Ort heißt er Groot Begijnhof.

Das Besondere: Hier wird gewohnt. Die Universität hat den Hof gerettet und vermietet die Häuser an Studierende und Gäste. Du darfst frei hindurchgehen, gehst dabei aber durch ein Wohnviertel und nicht durch ein Museum.

Großer Beginenhof
Foto: GFreihalter, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionFlämisch-Brabant, Löwen
  • Vor OrtGroot Begijnhof
  • Gegründet13. Jahrhundert
  • UNESCOseit 1998, mit zwölf weiteren flämischen Beginenhöfen
  • Größerund drei Hektar, etwa hundert Häuser
  • Besuchsdauer45 bis 60 Minuten, frei zugänglich

Ein Dorf mitten in der Stadt

Du kommst durch ein unscheinbares Tor und stehst in einer anderen Stadt: kein Verkehr, kein Laden, keine Leuchtreklame. Die Gassen sind schmal und gepflastert, die Häuser aus Backstein mit Sandsteinrahmen, jedes ein wenig anders. Die Dijle teilt das Gelände in zwei Hälften, verbunden durch niedrige Brücken. Insgesamt sind es rund drei Hektar.

Der Grundriss ist unregelmäßig gewachsen, mit kleinen Plätzen, Sackgassen und Innenhöfen. Man verläuft sich hier freiwillig. Für jede Gasse brauchst du etwa 45 Minuten, für eine schnelle Runde reichen zwanzig.

Wer die Beginen waren

Beginen waren fromme Frauen, aber keine Nonnen. Sie legten kein ewiges Gelübde ab, behielten ihr Eigentum, arbeiteten meist in der Tuchherstellung oder in der Krankenpflege und konnten den Hof jederzeit wieder verlassen, etwa um zu heiraten. Für Frauen des Mittelalters war das eine seltene Form von Selbstbestimmung.

Diese Lebensform entstand ab dem 13. Jahrhundert vor allem in den Niederen Landen. Dreizehn flämische Beginenhöfe stehen heute gemeinsam auf der Welterbeliste, warum das so ist, steht in der Übersicht zu den Beginenhöfen in Belgien.

Von der Auflösung zur Studentenwohnung

Nach der Französischen Revolution wurde der Hof enteignet, die Gemeinschaft schrumpfte, und im 20. Jahrhundert verfiel ein Teil der Häuser. 1962 kaufte die Universität das Gelände und restaurierte es über Jahrzehnte, Haus für Haus. Heute wohnen dort Studierende, Forschende und Gäste der Universität.

Deshalb siehst du Fahrräder an den Mauern, Licht in den Fenstern und im Herbst Umzugskartons. Das ist kein Makel, sondern der Grund, warum der Hof noch steht: Ein Denkmal, in dem gewohnt wird, wird gepflegt.

Achtung: Hinter jeder Tür wohnt jemand. Sprich leise, fotografiere nicht in die Fenster, setz dich nicht in die privaten Gärten und mach hier kein Picknick. Reisegruppen sollten sich aufteilen. Am Abend ist der Hof besonders schön und besonders empfindlich.

Die Kirche und die schönsten Ecken

Mitten im Hof steht die Beginenhofkirche Sankt Johannes der Täufer aus dem 13. Jahrhundert, schlicht, früh gotisch und nur unregelmäßig geöffnet. Die schönsten Stellen liegen am Wasser: die Häuserzeile entlang der Dijle, die kleinen Brücken und der Blick zurück auf die Giebel.

Komm früh am Morgen oder in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang. Dann steht das Licht flach auf dem Backstein, und du hast die Gassen fast für dich. Im Frühjahr blühen die Hofgärten, im Winter wirkt der Hof karg und still.

Und der kleine Beginenhof

Löwen hat einen zweiten, das Klein Begijnhof nördlich des Zentrums. Es ist kleiner, weniger bekannt und nicht Teil des Welterbes, aber genauso bewohnt und noch ruhiger. Wer den großen Hof mochte, holt sich dort den Nachschlag, es sind gut zwanzig Minuten Fußweg quer durch die Stadt.

Wie du hinkommst

Vom Grote Markt gehst du die Naamsestraat nach Süden, an den alten Kollegien vorbei, und bist in gut zehn Minuten da. Vom Bahnhof sind es rund 25 Minuten zu Fuß. Der Hof hat mehrere Eingänge, ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Wie du dich im Rest der Stadt bewegst, steht unter Verkehr in Löwen, und was sonst noch ansteht, unter Löwen.

Tickets: Für den Beginenhof brauchst du keins, das Viertel ist öffentlich und jederzeit zugänglich. Wer die Geschichte erklärt bekommen will, bucht eine Führung über die Touristeninformation der Stadt, die im Rathaus am Grote Markt sitzt.

Zur offiziellen Website

Tipp: Nimm den Rückweg über die Uferpfade an der Dijle und den Vismarkt. So siehst du die Wasserseite der Stadt, die auf den meisten Listen fehlt, und landest automatisch wieder am Oude Markt. Der Überblick über alles andere steht unter Sehenswürdigkeiten in Löwen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es hier praktisch nie, dafür ist das Gelände zu weitläufig. Wenn eine Reisegruppe vor dir hineingeht, dreh einfach eine Gasse weiter, nach fünfzig Metern bist du wieder allein. Der zweite Hof, das Klein Begijnhof im Norden, ist ohnehin immer leer.
  • Wenn es regnetBei Regen wirkt der nasse Backstein sogar besser, nur Unterstand gibt es kaum. Plane den Besuch dann kurz und häng eine Kirche oder ein Museum dran. Die Wege sind gepflastert, Pfützen sammeln sich in den alten Rinnen.
  • Mit KindernAutofrei, überschaubar und mit Wasser und Brücken durchaus spannend. Zum Toben ist es der falsche Ort, hier wohnen Leute. Ein Suchspiel mit Hausnummern, Heiligenfiguren und Türklopfern hält Kinder eine halbe Stunde bei Laune.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Gelände ist weitgehend flach, aber komplett mit altem Kopfsteinpflaster belegt, teils uneben und mit Rinnen. Mit Rollstuhl oder Rollator ist es machbar, aber ruppig, mit Kinderwagen ebenso. Bänke gibt es wenige, weil der Hof kein Park ist.

Häufige Fragen

Kann man den Großen Beginenhof in Löwen besichtigen?

Ja, das Gelände ist frei zugänglich und du kannst durch alle Gassen laufen. Eintritt wird nicht verlangt, es gibt keine Öffnungszeiten für den Hof selbst. Betreten darfst du nur den öffentlichen Bereich, also Straßen, Plätze und Brücken. Die Häuser und die Gärten dahinter sind privat und bewohnt.

Wohnen im Beginenhof noch Beginen?

Nein, die letzte Begine ist längst gestorben, die Gemeinschaft löste sich nach der Französischen Revolution nach und nach auf. 1962 kaufte die Universität das Gelände und restaurierte es. Heute wohnen dort Studierende, Forschende und Gäste der Universität. Deshalb wirkt der Hof lebendig und nicht wie ein Freilichtmuseum.

Was war eigentlich ein Beginenhof?

Eine ummauerte Siedlung für Frauen, die religiös leben wollten, ohne ins Kloster zu gehen. Beginen legten kein ewiges Gelübde ab, behielten ihr Eigentum, verdienten eigenes Geld und konnten den Hof wieder verlassen. Diese Lebensform entstand ab dem 13. Jahrhundert vor allem in den Niederen Landen und hat in Europa kaum eine Entsprechung.

Wie lange braucht man für den Beginenhof?

Für eine schnelle Runde reichen zwanzig Minuten, für jede Gasse, jede Brücke und den Weg am Wasser rechne mit 45 bis 60 Minuten. Weil es keine Ausstellung und keinen festgelegten Rundgang gibt, bestimmst du das Tempo selbst. Verbinde den Besuch am besten mit dem Rückweg über die Dijle-Ufer.

Ist der Beginenhof in Löwen kostenlos?

Ja, der Hof ist ein öffentliches Stadtviertel und kostet keinen Eintritt. Du brauchst kein Ticket und keine Anmeldung, auch nicht in der Hauptsaison. Wer die Beginenhofkirche von innen sehen will, ist auf die unregelmäßigen Öffnungszeiten angewiesen. Führungen gibt es über die Touristeninformation der Stadt.